Fritz Hausjell
Fritz Hausjell (* 18. Juli 1959 in Lenzing, Oberösterreich als Friedrich Hausjell) ist ein österreichischer Medienhistoriker.[1]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der auf einem Bauernhof aufgewachsene Hausjell studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Pädagogik an der Universität Salzburg und der Universität Wien. 1985 promovierte er zum Dr. phil., 2003 habilitierte er sich. Bis September 2024 war er außerordentlicher Professor am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Wien.[2]
Er ist Mitglied im Bund Sozialdemokratischer AkademikerInnen (BSA).
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hausjells bevorzugte Forschungsgebiete sind der Journalismus im Dritten Reich und seine Folgewirkungen. Einschlägige Veröffentlichungen Hausjells sind etwa die Bücher Die veruntreute Wahrheit. Hitlers Propagandisten in Österreichs Medien (1988), Journalisten gegen Demokratie oder Faschismus (1989) und Die Vierte Macht. Zu Geschichte und Kultur des Journalismus in Österreich seit 1945 (1991).
Auch die Bereiche Exiljournalismus, Journalismusentwicklung in der Zweiten Republik, Neonazismus und Rassismus im medialen Kontext, Migration und Medien zählen zu Hausjells Arbeitsgebieten. Dabei scheut sich der Forscher nicht, auch konfliktträchtige Positionen zu beziehen; so tritt er etwa gegen die Nennung eines allfälligen Migrationshintergrundes bei der medialen Berichterstattung über Delikte auf.
Nach dem Tod von Rubina Möhring im Jahr 2022 wurde er als deren Nachfolger zum Präsidenten der Österreich-Sektion von Reporter ohne Grenzen gewählt.[3]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hausjells Expertise wurde 2014 von der ÖVP wegen seiner SPÖ-Nähe infrage gestellt.[4]
Vorwürfe zur Amtsführung bei Reporter ohne Grenzen
Im Oktober 2023 trat das langjährige Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen, der Anwalt Gabriel Lansky, zurück. Die diesbezügliche offizielle Kommunikation der Organisation lautete, Lansky sei wegen eines Interessenskonflikts zurückgetreten. Das österreichische Medium Der Standard führte allerdings die Causa Wehrschütz als Grund an.[5]
Im Januar 2024 trat die vielfach ausgezeichnete Journalistin Corinna Milborn ebenfalls aus dem Vorstand zurück.[6] Im August 2024 nannte der Journalist Michael Nikbakhsh drei Fälle als Grund für seinen Rücktritt und weiterer Personen aus dem Vorstand und veröffentlichte hierzu zwei Podcasts.[7][8]
Hausjell war als Experte an der Ausarbeitung des Wahlprogramms für SPÖ-Chef Andreas Babler beteiligt. Nikbakhsh und viele weitere Journalisten sowie Medienwissenschaftler halten eine solche Tätigkeit mit dem Amt des Präsidenten von Reporter ohne Grenzen für unvereinbar. Auch hatte Hausjell eine Spende an einen von ihm und Julian Hessenthaler gegründeten Verein an das Konto von Reporter ohne Grenzen überweisen lassen, ohne den Vorstand zu informieren. Als weiteren Grund für seinen Rücktritt nannte Nikbakhsh eine ehrenamtliche Tätigkeit eines Familienmitglieds Hausjells, über die er den Vorstand nicht informiert hatte. In einer Reaktion kündigte Hausjell an, dass Reporter ohne Grenzen nun Compliance-Regeln ausarbeiten werde.[9]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Fritz Hausjell im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Reporter ohne Grenzen Österreich: Aufstand gegen Präsident Fritz Hausjell (online)
- Hausjells Website an der Universität Wien
- Interview Hausjell, Der Standard, 4. Mai 2008.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Exilforschungskonferenz in Wien, oe1.orf.at, Abfragedatum: 9. März 2013.
- ↑ Wiener Publizistikinstitut verabschiedete "Superstar" Fritz Hausjell. In: derstandard.at. Abgerufen am 27. November 2024 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Fritz Hausjell zum neuen Präsidenten von Reporter ohne Grenzen Österreich gewählt auf Der Standard vom 5. April 2022, abgerufen am 5. April 2022.
- ↑ Public-Value-Beirat: Widerstand gegen Fritz Hausjell. In: Die Presse. 18. Mai 2014, abgerufen am 30. August 2024.
- ↑ Reporter-ohne-Grenzen-Vorstand Lansky wegen Causa Wehrschütz zurückgetreten. Abgerufen am 30. August 2024 (österreichisches Deutsch).
- ↑ Kritik an "Reporter ohne Grenzen"-Chef Fritz Hausjell, Vorstand tritt zurück. Abgerufen am 3. September 2024.
- ↑ Michael Nikbakhsh: #100 Adieu Reporter ohne Grenzen: Warum ich hingeschmissen habe. In: dunkelkammer.simplecast.com. 30. August 2024, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ Michael Nikbakhsh: #102 Der Fall Reporter ohne Grenzen, Teil 2: "Zwischenparken beendet". In: dunkelkammer.simplecast.com. 6. September 2024, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ Vorwürfe von Ex-Vorstand gegen Reporter-ohne-Grenzen-Präsident Fritz Hausjell. Abgerufen am 31. August 2024 (österreichisches Deutsch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hausjell, Fritz |
| ALTERNATIVNAMEN | Hausjell, Friedrich (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Medienhistoriker und Kommunikationswissenschaftler an der Universität Wien |
| GEBURTSDATUM | 18. Juli 1959 |
| GEBURTSORT | Lenzing |