Fritz Helling

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Fritz Helling (* 31. Juli 1888 in Schwelm; † 27. Januar 1973 ebenda) war ein deutscher Reformpädagoge. Er wirkte von 1917 bis 1933 als Lehrer und von 1946 bis 1951 als Schulleiter am Gymnasium Schwelm.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Helling wirkte von 1917 bis 1933 als Lehrer und von 1946 bis 1951 als Schulleiter am Schwelmer Gymnasium (seit 1907 Reform-Realgymnasium mit Realschule seit 1945 Städtisches Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium, seit 1955 Märkisches Gymnasium).

Als Mitglied des Bundes Entschiedener Schulreformer vertrat und praktizierte er eine „Pädagogik vom Kinde aus“ und eine „Erziehung von Kopf und Hand“. Außerdem war ihm die Erziehung der jungen Menschen zu gesellschaftlicher Teilhabe besonders wichtig. Wegen seines Widerstandes gegen den aufkommenden Nationalsozialismus wurde er 1933 aus dem öffentlichen Schuldienst entfernt. Nach über dreimonatiger Haft fand er an einer Privatschule im hessischen Gladenbach die Möglichkeit zu einer Lehrtätigkeit. Im Mai 1945 erhielt Fritz Helling von der britischen Besatzungsmacht den Auftrag, das Schul- und Unterrichtswesen im Ennepe-Ruhr-Kreis neu aufzubauen und als Schulleiter an den Schwelmer Oberschulen für Jungen und Mädchen den Unterricht unter pädagogisch und politisch neuen Vorzeichen wieder in Gang zu setzen.

Aufbau des Gymnasiums nach dem Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märkisches Gymnasium Schwelm (2005)

Unter schwierigen äußeren Bedingungen ermöglichte er die Wiedereröffnung der Schule am 26. November 1945. Bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1951 entfaltete er eine außerordentliche Reformtätigkeit. Vier Grundbausteine trugen diese Schul- und Unterrichtsreform: Ausbau der Schüler- und Elternmitwirkung zu einer engen Erziehungspartnerschaft mit den Lehrkräften, „Öffnung der Schule“ in die Arbeit- und Berufswelt, „Werkunterricht“ in der Mittelstufe und „freiere Gestaltung des Unterrichts auf der Oberstufe“ mit Kurswahlmöglichkeiten für die Schüler und Differenzierung des Unterrichts zwischen Grund- und Leistungskursen. Außerdem führte er mit der Gegenwartskunde und Gesellschaftslehre zwei neue Oberstufenfächer ein. Fritz Hellings Vorhaben, aus der Schule ein „Haus des Lebens und Lernens“ zu machen, prägt auch die heutige Sicht auf Schule und findet seinen Niederschlag im Schulprogramm am heutigen Märkischen Gymnasium.

Der Schwelmer Kreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fritz Helling verstand sich als „politischer Pädagoge“, der in seinem Wirken ausgeht von einem unauflösbaren Zusammenhang zwischen einer fortschrittlichen Bildung, Erziehung und Schule und einer ebenso zukunftsweisenden menschlichen Gesellschaft. Diese war für ihn nur als sozialistisch denkbar, wobei ihm eine Synthese aus christlicher Soziallehre und politischem Sozialismus vorschwebte. Da er fest an die Kraft der Pädagogik zur Entwicklung einer humanen Gesellschaftsordnung glaubte, gründete er 1952 – nach gesundheitlich bedingtem Ausscheiden aus dem Schuldienst, aber auch zermürbt durch die politische Diskriminierung als „Kommunist“ in der Adenauer-Ära – den Schwelmer Kreis, in dem sich Pädagogen aus dem Westen und Osten des geteilten Deutschland zusammenfanden, um nach Wegen zu einer Wiedervereinigung in einer gemeinsamen demokratisch-sozialistischen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung mit einem einheitlichen Schulsystem zu suchen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrentafel vor dem Märkischen Gymnasium Schwelm

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wirken von Fritz Helling wird z.B. in Büchern von Burkhard Dietz dokumentiert.

  • Burkhard Dietz: Fritz Helling – Mein Leben als politischer Pädagoge, 2007.
  • Burkhard Dietz: Fritz Helling – ein Aufklärer und „politischer Pädagoge“ im 20. Jahrhundert, 2003.
  • Burkhard Dietz: Tagungsbericht. In: Pädagogik 54 (2002), H. 7–8.

Weitere Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jahrbuch für westfälische Kirchengeschichte, Band 88. Verlagshandlung der Anstalt Bethel, Bethel bei Bielefeld, S. 477.
  • Martin Rüther, Uwe Schütz, Otto Dann (Hrsg.): Deutschland im ersten Nachkriegsjahr : Berichte von Mitgliedern des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) aus dem besetzten Deutschland 1945/46. Saur, München, 1998, ISBN 3-598-11349-8, S. 586.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.fritz-helling.de