Fritz Huschke von Hanstein

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Hanstein-Autogrammkarte von 1981
1981: Hanstein mit dem Porsche 804 bei einer Demonstrationsrunde auf dem Nürburgring

Fritz Sittig Enno Werner von Hanstein (* 3. Januar 1911 in Halle an der Saale; † 5. März 1996 in Stuttgart) war ein deutscher Motorsportler und Vizepräsident der Automobilsportkommission. Hanstein begann seine Karriere während der 1930er Jahre und gewann 1938 die deutsche Sportwagen-Bergmeisterschaft sowie 1940 das Ersatzrennen der Mille Miglia. Seit 1933 Mitglied der SS war Hanstein während des Zweiten Weltkriegs zunächst Adjutant von Werner Lorenz, dem Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle der SS. Aus ungeklärter Ursache fiel er 1944 in Ungnade und sollte als Panzerfahrer in der Waffen-SS eingesetzt werden. 1951 kam Hanstein zu Porsche, wo er von 1952 bis 1968 als Rennleiter, Rennfahrer und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich das Image des Sportwagenherstellers prägte. Hanstein führte gemäß Urkunde des Polizeipräsidiums Stuttgart vom 24. Oktober 1956 offiziell den Rufnamen (Vornamen) Fritz-Huschke.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hanstein entstammte dem alten eichsfeldischen Adelsgeschlecht der Hansteiner und war einige Jahre Vorsitzender des Familienverbandes. Er war der Sohn des königlich preußischen Oberstleutnants und Gutsbesitzers Carlo von Hanstein (1875–1936), Herr auf Gut Wahlhausen-Unterhof, und der Anna von Dippe (1890–1976).

Hanstein heiratete am 4. Juni 1950 auf dem Nürburgring (Eifel) Ursula von Kaufmann (* 10. Februar 1916 in Schladen; † 3. Oktober 2005 in Stuttgart), die Tochter des königlich preußischen Oberamtmannes und Domänenpächters Fritz-Georg von Kaufmann und seiner Frau Else von Engelhart.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer landwirtschaftlichen und einer kaufmännischen Lehre studierte Hanstein Rechtswissenschaft und legte das Dolmetscher-Examen ab.[1] Er war für die Gebrüder Dippe AG, ein Saatzuchtunternehmen, als Direktionsassistent tätig und wurde 1939 Geschäftsführer der Mahndorfer Originalzuchte, einer Tochtergesellschaft der Dippe AG. Ende 1939 übernahm er als „Treuhänder“ das Gut Wulfenhof bei Hohensalza im Warthegau, das einem polnischen Saatzüchter gehört hatte.[2]

Hanstein war 1932 Mitglied des NSKK geworden, 1933 der SS beigetreten (Nr. 232.177) und später auch der NSDAP (Nr. 5.718.979).[3] Die SS unterstützte Hanstein, indem sie ihm einen BMW 328, ein Transportfahrzeug und einen Monteur zur Verfügung stellte. Auf die Türen des Wagens waren SS-Runen aufgemalt.[2][4]

Seine Karriere im Motorsport hatte Hanstein als Motorradfahrer begonnen und Gelände- und Langstreckenfahrten bestritten. Er wurde Werksfahrer für Hanomag, Adler Trumpf und BMW. Im BMW 328 Roadster wurde er 1938 deutscher Sportwagen-Bergmeister beim Großen Bergpreis von Deutschland. Sein größter Erfolg war 1940 der Gewinn der Mille Miglia.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs war Hanstein zunächst Adjutant des SS-Obergruppenführers Werner Lorenz, dem Chef der Volksdeutschen Mittelstelle im besetzten Polen. 1942 war Hanstein zu dem mit Lorenz befreundeten SS-Gruppenführer Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr abgeordnet, der als SS- und Polizeiführer Ende 1941 das Generalkommissariat Dnjepropetrowsk übernommen hatte. Zum 1. August 1942 zum SS-Hauptsturmführer befördert, fiel Hanstein 1944 aus unbekannten Gründen bei Himmler in Ungnade. Erzählungen, er sei von der Gestapo verhaftet worden, finden in den Personalakten keine Bestätigung. Nach dem Willen Himmlers sollte Hanstein eine Ausbildung als Panzerfahrer absolvieren und wurde im März 1944 im Rang eines SS-Unterscharführers der Waffen-SS zur 11. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Nordland“ versetzt. Lorenz bemühte sich, Hanstein vor einem Fronteinsatz zu bewahren.[5]

Nach dem Krieg handelte Hanstein zunächst wieder mit Saatgut. 1950 ging er zunächst zu Volkswagen in die Presseabteilung. 1951 wechselte er zu Porsche, wo er von 1952 bis 1968 Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und Rennleiter war.[1] Hanstein, der sich auch selbst als Fahrer einsetzte, baute ein erfolgreiches Rennfahrerteam auf und prägte zugleich das Image von Porsche.

Nach seiner aktiven Zeit bei Porsche fungierte Hanstein als Sportpräsident des Automobilclubs von Deutschland (AvD), Sportpräsident des Internationalen Sportverbandes und Vizepräsident des Internationalen Automobilsportverbandes.[1]

Für seine Erfolge verlieh ihm der Bundespräsident am 30. Juli 1970 das Silberne Lorbeerblatt.[6] Hanstein liegt unweit der Stammburg begraben.

Hanstein 1963

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Le-Mans-Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1937 FrankreichFrankreich Mme Anne-Cecile Rose-Itier Adler Trumpf Rennlimousine FrankreichFrankreich Anne-Cecile Rose-Itier Ausfall Motorschaden
1952 DeutschlandDeutschland Porsche KG Porsche 356/4 DeutschlandDeutschland Petermax Müller Ausfall Getriebeschaden

Sebring-Ergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Team Fahrzeug Teamkollege Teamkollege Platzierung Ausfallgrund
1955 DeutschlandDeutschland Porsche Co. & B. S. Cunningham Porsche 550 Spyder DeutschlandDeutschland Herbert Linge Rang 8
1956 DeutschlandDeutschland Porsche KG Porsche 550 Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Mike Marshall Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Jan Brundage Rang 14
1957 DeutschlandDeutschland Porsche Company Porsche 550 RS DeutschlandDeutschland Herbert Linge Rang 31
1958 DeutschlandDeutschland Porsche K.G. Porsche 356A Carrera DeutschlandDeutschland Herbert Linge Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten John Cuevas Rang 10 und Klassensieg
1959 DeutschlandDeutschland Porsche Auto Company Porsche 356A Carrera GT NiederlandeNiederlande Carel Godin de Beaufort Rang 11 und Klassensieg

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Automobilsport. Training, Technik, Taktik (= rororo 7015 rororo-Sachbuch). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, ISBN 3-499-17015-9.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d N.N.: Hanstein, Fritz Huschke von. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE). 2., überarb. und erweiterte Auflage. Band 4: Görres–Hittorp. De Gruyter / K. G. Saur, Berlin / Boston / München 2006, ISBN 3-11-094654-8, S. 422 (books.google.de – eingeschränkte Vorschau).
  2. a b Jens Westemeier: Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. Teilw. zugl.: Potsdam, Univ., Diss., 2009. Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-506-77241-1, S. 537.
  3. Jens Westemeier: Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. Teilw. zugl.: Potsdam, Univ., Diss., 2009. Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-506-77241-1, S. 537, 779.
  4. Bild des BMW-328-Rennwagens des SS-Mitglieds Huschke von Hanstein.
  5. Jens Westemeier: Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit. Teilw. zugl.: Potsdam, Univ., Diss., 2009. Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-506-77241-1, S. 537 f., 780.
  6. Deutscher Bundestag: Drucksache 7/1040 (PDF) vom 29. September 1973, Anlage 3, S. 54, abgerufen am 6. Oktober 2016.