Fritz Reuter (Komponist)

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Das Grab von Fritz Reuter auf dem Inneren Plauenschen Friedhof in Dresden.

Fritz Reuter (* 9. September 1896 in Löbtau; † 4. Juli 1963 ebenda) war ein deutscher Komponist, Musikwissenschaftler und Pädagoge.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Handwerkers studierte in Leipzig Musikwissenschaft bei Robert Teichmüller, Hugo Riemann und Arnold Schering. 1922 wurde er mit seiner Dissertation Die Geschichte der Deutschen Oper in Leipzig am Ende des 17. und am Anfang des 18. Jahrhunderts zum Dr. phil. promoviert.[1] Von 1921 bis 1933 war er Lehrer für Theorie und Komposition am Konservatorium in Leipzig. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 wurde er am Konservatorium entlassen. Nachdem er mit Wirkung vom 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten war (Mitglieds-Nummer 2.429.811),[2] ging er in den Schuldienst und lehrte von 1933 bis 1937 an der Rudolf-Hildebrand-Schule für Musik in Leipzig. Von 1934 an war er Studienrat, ab 1937 Oberstudienrat in Dresden.[1] Von 1937 bis 1945 war er Berater für Schulmusik im „Gau Sachsen“.[1] Während der NS-Zeit komponierte er Gebrauchsmusik, Oratorien, Kantaten und 1936 ein Spiel mit Musik zur Ehrung der Mütter Der Mütter Kreis. 1939 komponierte er eine Sudetendeutsche Suite als Platzmusik für Blasorchester.[3]

Von 1945 bis 1948 wirkte er als Dirigent und Dramaturg an der Volksoper Dresden. Ab 1949 war er Professor mit Lehrstuhl sowie Ordinarius und Direktor des Instituts für Musikerziehung an der Universität Halle. Von 1955 bis 1962 leitete er in gleicher Funktion das vergleichbare Institut an der Berliner Humboldt-Universität.

Reuter schrieb Vokal- und Instrumentalmusik, drei Opern, ein Singspiel, drei Sinfonien, verschiedene Instrumentalkonzerte und Kammermusik und Chorwerke.[1] Daneben verfasste er zahlreiche musikpädagogische Schriften.

Kritik[Bearbeiten]

Während in der älteren Literatur noch zu lesen war: „1933 wegen zu freizügiger Haltung von der NSDAP aus allen prominenten Ämtern entfernt …“ [4] oder: „1933 seiner Ämter enthoben, ging er in den Schuldienst …“[5] ergaben Fred K. Priebergs Nachforschungen ein anderes Bild: „Die „prominenten Ämter“ reduzieren sich auf die Lehrerstelle am Konservatorium, im Schuldienst machte Reuter sichtlich Karriere.“ [6]

Ehrungen[Bearbeiten]

1955 wurde Reuter mit dem Musikpreis der Stadt Halle ausgezeichnet, 1961 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Silber.[1] An der Berliner Humboldt-Universität wurde der Fritz-Reuter-Saal nach dem Komponisten benannt.[7]

Werke[Bearbeiten]

Bühnenwerke

  • Ein Funken Liebe (E. A. Glogau), komische Oper 3 Akte (1940)
  • Scherz, List und Rache (Goethe), Singspiel 2 Akte (1948/49)
  • Der Hase und der Igel. Ein Märchen nach den Brüdern Grimm, Melodram für 1 Sprechstimme und Orchester (1961)

Musikwerke

  • Suite für Posaune allein zum Konzert- und Studiengebrauch, Leipzig Zimmermann Musikverlag, 1931
  • Konzert für Violine und Orchester, 1955
  • Suite für zwei Violoncelli solo in C-Dur für 2 Violoncelli Verlag: Leipzig: Breitkopf & Härtel, um 1960
  • Gartenfreuden Untertitel Eine Frühlingskantate für Soli, gemischten Chor und Kammerorchester nach Worten von Eleonore Lorenz, VEB Friedrich Hofmeister Musikverlag, Leipzig 1961 op. 38

Sachbücher

  • Harmonieaufgaben nach dem System Sigfrid Karg - Elerts. Verlag C. F. Kahnt, Leipzig 1928
  • Methodik des musiktheoretischen Unterrichts auf neuzeitlichen Grundlagen. Mit zahlreichen Abbildungen und Notenbeispielen. Klett, Stuttgart 1929.
  • Methodik des musiktheoretischen Unterrichts. Mitteldeutscher Verlag, Halle 1950.
  • Praktische Harmonik des 20. Jahrhunderts. Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale), 1952.
  • Dirigierkunde von Alfred Szendrei und Fritz Reuter, VEB Breitkopf & Härtel 1956.
  • Grundlagen der Musikerziehung. Leipzig : VEB Breitkopf & Härtel, 1962.

Literatur[Bearbeiten]

  • William Geissler: Fritz Reuter: seine Entwicklung vom bürgerlichen Kapellmeister, Komponisten und Musikwissenschaftler zum Wegbereiter für eine sozialistische Schulmusikpädagogik. Dissertation, Universität Halle 1973.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 5.716–5.717.
  2. Fred K. Prieberg; Handbuch, S. 5.717.
  3. Fred K. Prieberg: Handbuch, S. 5.718.
  4. Günther Noll: Prof. Dr. Fritz Reuter zum 65. Geburtstag, in: Musik und Gesellschaft, September 1961, S. 549. Zitat bei Fred K. Prieberg, Handbuch, S. 5.719.
  5. SML Band II, S.337, Zitat bei Fred K. Prieberg, Handbuch, S. 5.719.
  6. Fred K. Prieberg: Handbuch, S. 5119.
  7. http://www.ralf-petersen.de/32staette.html