Frombork

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Frombork
Wappen von Frombork
Frombork (Polen)
Frombork
Frombork
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Braniewo
Fläche: 7,59 km²
Geographische Lage: 54° 21′ N, 19° 41′ O54.3519.683333333333Koordinaten: 54° 21′ 0″ N, 19° 41′ 0″ O
Einwohner: 2463
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 14-530
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NBR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 504: ElblągMilejewoPogrodzieBraniewo
DW 505: Frombork – MłynaryPasłęk
Schienenweg: PKP-Linie 254: ElblągTolkmickoBraniewo
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 126,00 km²
Einwohner: 3737
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 30 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2802033
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeisterin: Krystyna Lewańska
Adresse: ul. Młynarska 5 A
14-530 Frombork
Webpräsenz: www.frombork.pl
Kathedralhügel mit Kopernikusdenkmal
Frauenburg, Altes und neues Preussen, K. Hartknoch, 1684

Frombork [ˈfrɔmbɔrk] (deutsch Frauenburg) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren mit etwa 2.500 Einwohnern. Die gleichnamige Stadt- und Landgemeinde zählt fast 4.000 Einwohner.

Der Frauenburger Dom entstand im 14. Jahrhundert, zu Beginn des 16. Jahrhunderts entwickelte der Domherr Nicolaus Copernicus hier im hintersten Winkel der Welt[3] „in Frueburgio Prussiae“[4][5] seine Theorie des Heliozentrischen Weltbilds.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Frombork liegt am Frischen Haff, einer Bucht der Ostsee, in der historischen Provinz Ostpreußen. Die Stadt besitzt einen kleinen Hafen, von dem aus Ausflugsschiffe nach Krynica Morska (Kahlberg) auf der Frischen Nehrung fahren. Bis 1945 führte die Reichsstraße 1 (heutige Droga wojewódzka 504) durch die Stadt Frauenburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Ob das heutige Frombork an der Stelle einer alten Prußensiedlung nahe dem Frischen Haff gegründet wurde, ist nicht geklärt. Der Ort wurde zum ersten Mal als Sitz des ermländischen Domkapitels 1282 erwähnt, nachdem der erste Sitz in Braunsberg im großen Prußenaufstand der 1270er Jahre vollständig vernichtet wurde. Nach einem Anniversarienbuch der Frauenburger Domherren vom Jahr 1393 wurde das Jahresgedächtnis eines frater Heinricus de Castro alias Pasloci (altpreußisch passis lukis = „Quartier des Anführers“, also aus Preußisch Holland, polnisch Pasłęk) und einer Gertrud Paslocisse gefeiert, beide als einzige Laien unter den verzeichneten Namen. „Die Sage von einer preußischen Frau, die in Sonnenberg gewohnt und die Frauenburg dem Kapitel zur Errichtung einer Kathedrale geschenkt haben soll, deutet vielmehr auf eine heidnische Kultstätte.“

Die Quellen sprechen von „Castrum Dominae Nostrae“, also der „Burg Unserer Lieben Frau“, was sich auf Maria, Mutter Jesu’ bezieht. Davon leiten sich „Frauenburg“ und seine polonisierte Version „Frombork“ ab. In mehreren lateinischen Texten wurde die Stadt allerdings Warmia genannt, indem der Name des die Kathedrale beherbergenden prußischen Gaues auf den Ort übertragen wurde. An der Burg des Domkapitels entstand eine Siedlung, die im Jahre 1310 Handfeste nach Lübischem Stadtrecht vom Bischof Eberhard von Neisse verliehen bekam. Angesichts der Konkurrenz der mächtigen Hansestadt Braunsberg in direkter Nachbarschaft blieb die Stadt über Jahrhunderte bedeutungslos und kam nicht aus dem Schatten der ermländischen Domburg heraus.

Mit dem Zweiten Frieden von Thorn kam Frauenburg wie das gesamte Fürstbistum Ermland unter die Schutzherrschaft der polnischen Krone. Im Reiterkrieg, den Albrecht von Brandenburg-Hohenzollern noch als letzter Hochmeister des Deutschen Ordens gegen Polen führte, eroberten und verwüsteten seine Truppen 1520 die Stadt. Nicolaus Copernicus, der zu der Zeit in Frauenburg Domherr war, zog deswegen zeitweise nach Allenstein (heute Olsztyn) um, machte sich aber um die Verteidigung und später den Wiederaufbau des Ermlandes verdient.

Frauenburg am Ostufer des Frischen Haffs, nordöstlich von Elbing und südwestlich von Braunsberg auf einer Landkarte von 1910.

Am 9. Februar 1945 wurde Frauenburg bei der Eroberung durch die Rote Armee zu 80 Prozent zerstört und verlor dadurch die Stadtrechte (die es erst 1959 wiedererlangte). Bis 1945 hatte der Ort zum Kreis Braunsberg gehört. Nachdem die Stadt 1945 polnischer Verwaltung unterstellt worden war, begann die Zuwanderung von Polen und Ukrainern aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die an ihren Heimatorten von der Sowjetkommandantur vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen. Verbliebene Deutsche wurden aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben. Ab 1966 wurde die Stadt mit Hilfe polnischer Pfadfinder wieder aufgebaut.

Zur Erinnerung an die Flucht bei der Eroberung durch die Sowjetunion 1945 und an die anschließende Vertreibung verbliebener Deutscher durch den polnischen Staat wurde im Jahre 2001 ein großer Gedenkstein am Frischen Haff aufgestellt. Der Erzbischof Dr. Edmund Piszcz weihte den Stein mit der Plakette in polnischer und deutscher Sprache zum Gedenken an das tragische Ereignis ein.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Dom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Frauenburger Dom

Der Dom zum Heiligen Andreas und Himmelfahrt Mariä stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde nach einem einheitlichen Plan von 1329 bis 1388 errichtet. Die 99 m lange Hallenkirche ist bis heute architektonisch im weitgehend ursprünglichen Zustand erhalten.

Domburg[Bearbeiten]

Um den Dom entstand bis in das 15. Jahrhundert eine Wehranlage mit drei Toren, zahlreichen Türmen und Basteien sowie Wohnhäusern der Domherren und des Bischofs. Das mächtigste Bauwerk der Domburg ist der erst im 17. Jh. unter Bischof Radziejowski vollendete Campanile (Glockenturm), der heute Radziejowski-Turm genannt wird.

Das Castrum Dominae Nostrae war der Bischofssitz des Ermlands bis zur Verlegung des Sitzes des Domkapitels und des Bischofssitzes nach Allenstein zu Beginn der polnischen Herrschaft 1945.

Heute gehört der Dom der katholischen Kirche, die Domburg dem Staat, der dort das Nikolaus-Copernicus-Museum eingerichtet hat. Ausstellungsräume des Museums befinden sich vor allem im Alten Bischofspalast, aber auch dem Copernicusturm und dem Campanile (Radziejowski-Turm). Der letzte beherbergt ein kleines Planetarium im Untergeschoss; darüber hängt ein Foucaultsches Pendel.

Hl.-Geist-Hospital und die Stadtpfarrkirche[Bearbeiten]

1514 wurde der Terminei-Bezirk des Antoniter-Hauses von Tempzin in Mecklenburg auf das Ermland ausgedehnt; Frauenburg wurde Sitz einer Tochter-Niederlassung, in der auch Pilger auf einem Jakobsweg aus dem Baltikum nach Santiago de Compostela betreut wurden. Nördlich der Domburg erhielt sich bis heute diese spätmittelalterliche Hospitalanlage (umgebaut im 17. Jahrhundert; heute Abteilung für Geschichte der Medizin des Nikolaus-Copernicus-Museums). In der Hospitalkapelle St. Anna sind recht gut gotische Wandmalereien erhalten, mit einer großformatigen Szene des Jüngsten Gerichts in der Apsis.

Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus aus dem 14. Jahrhundert, als ein turmloser, rechteckiger Hallenbau von drei Schiffen in dem Langhaus des Domes ähnlichen Formen offensichtlich von der damals am Dom tätigen Bauhütte errichtet, wurde jahrelang als städtisches Heizwerk genutzt und dadurch vor endgültiger Zerstörung bewahrt (aus dem Zweiten Weltkrieg ging sie als ausgebrannte Ruine hervor). 2005 wurde sie der katholischen Kirche übergeben und wartet auf die Wiederherstellung.

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Nicolaus Copernicus[Bearbeiten]

Text des Copernicus-Epitaph in Frueburg, 1581

Nicolaus Copernicus lebte von 1513 bis zu seinem Tode 1543 mit kurzen Unterbrechungen in Frauenburg. Der Mathematiker, welcher als Astronom einer der Begründer des heliozentrischen Weltbildes gilt, wirkte als ermländischer Domherr und wurde im Dom begraben. Copernicus hat Frauenburg scherzhaft Weiberstadt[6] oder Ginnepolis (altpreussisch ginne), (griechisch: gyne = Frau, polis = Stadt) genannt. Die Nicolaus Copernicus Gesamtausgabe verzeichnet neben einem latinisierten Fraunburgum auch Gynopolis[7], in seinen Handschriften[8] finden sich Einträge wie in Frueburgo Prussiae oder Frueburgo, quam Gynopolim dicere possumus.[9] Der älteste Turm der Domburg in deren Nordwestecke wird heute „Copernicusturm“ genannt, da er dem Gelehrten gehörte, der dort seine Wohnung und Arbeitsräume hatte. In seinem unteren Stockwerk wurde ein Raum als Arbeitszimmer eines Renaissance-Gelehrten aus der Zeit Copernicus' eingerichtet. Die übrigen Räume des Turmes dienen Wechselausstellungen.

Copernicus' Grabstätte im Frauenburger Dom geriet bald nach seinem Tod in Vergessenheit. Bei einer archäologischen Suche wurden 2005 Skelettreste gefunden, die nach dem Alter und dem anhand zeitgenössischer Bilder rekonstruierten Aussehen des Gelehrten von Copernicus stammen könnten. Auch eine wissenschaftliche Genanalyse ergab, dass die menschlichen Überreste mit 97 % Wahrscheinlichkeit von Copernicus stammen. Ein letzter, absoluter Beweis dafür ließ sich aber bislang nicht erbringen. Im Dom erinnern eine Gedenktafel aus dem 18. Jahrhundert sowie eine Büste aus den 1970er Jahren an Copernicus.

Andere[Bearbeiten]

  • Johannes Frauenburg (* um 1430 in Frauenburg, Preußen; † 1495 in Görlitz, Oberlausitz) war Schulmeister, Stadtschreiber, Ratsherr, Schöffe, Bürgermeister von Görlitz und Humanist.
  • Piotr Elert (Petrus Elert) (* um 1575), Komponist, Buchdrucker
  • Maximilian Kaller (1880-1947), der letzte deutsche Bischof von Ermland, an den seit einigen Jahren eine weitere Büste im Dom erinnert.
  • Rudolph Borowski (1812–1890), deutscher Politiker der Deutschen Zentrumspartei und Mitglied des Reichstages
  • Albert Wichert (1814–1868), Mathematiklehrer am Konitzer Gymnasium

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1890: 2.458, davon 176 Evangelische und zwölf Juden[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Dom (Katedra Wniebowzięcia NMP i sw. Andrzeja) und Domburg (Warownia katedralna)
  • Nikolaus-Copernicus-Museum (Muzeum Mikołaja Kopernika) in der Domburg (Radziejowski-Turm sowie Alter Bischofspalast)
  • Kanonien (Wohnhäuser der Domherren um die Domburg)
  • Hospitalanlage mit Museum für Geschichte der Medizin (Muzeum Medycyny, Abteilung des Nikolaus-Copernicus-Museums)
  • Wasserturm aus dem 16. Jahrhundert in der Stadt, heute mit Aussichtsplattform
  • ehem. evangelische Kirche, ein neugotischer Bau nach Entwurf von Friedrich August Stüler
  • Gedenkstein am Frischen Haff (2001 geweiht), ein großer Findling mit folgendem Text auf einer Steinplatte: „450.000 ostpreußische Flüchtlinge flohen über Haff und Nehrung, gejagt vom unerbittlichen Krieg. Viele ertranken, andere starben in Schnee und Eis. Ihr Opfer mahnt zu Verständigung und Frieden. Januar – Februar 1945“

Gmina Frombork[Bearbeiten]

Die Gmina Frombork ist eine Stadt- und Landgemeinde, Amtssitz ist Frombork.

Die Gmina Frombork umfasst eine Fläche von 125,82 km² bei einer Einwohnerzahl von etwa 3.700.

Nachbargemeinden sind: Gmina Braniewo (Braunsberg), Gmina Krynica Morska (Kahlberg-Lipe), Gmina Młynary (Mühlhausen (Ostpreußen)), Gmina Płoskinia (Plaßwich) und Gmina Tolkmicko (Tolkemit).

Die Gmina Frombork ist in zehn Ortsteile untergliedert:

Bildgalerie[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frombork – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. November 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. November 2013.
  3. „in remotissimo angulo terrae“ – Andreas Kühne (München): Die Edition von Briefen, Urkunden und Akten in der Münchner Nicolaus-Copernicus-Gesamtausgabe, auf S. 141 von Hans-Gert Roloff, Renate Meincke: Editionsdesiderate zur Frühen Neuzeit: Beiträge zur Tagung der Kommission für die Edition von Texten der Frühen Neuzeit, Arbeitsgemeinschaft für Germanistische Edition. Kommission für die Edition von Texten der Frühen Neuzeit. Arbeitstagung, Published by Rodopi, 1997 ISBN 90-420-0332-4, 9789042003323 1063 pages
  4. http://la.wikisource.org/wiki/Pagina:Nicolai_Copernici_torinensis_De_revolutionibus_orbium_coelestium.djvu/142
  5. Manuskript 72 recto (korrigiert) – http://www.bj.uj.edu.pl/bjmanus/revol/images/072r.jpg
  6. „Gynopolis, oder Weiberstadt“, in Hermann Kesten: Copernicus und seine Welt, [1]
  7. Nicolaus Copernicus Gesamtausgabe, S. 373 [2]
  8. Manuskript http://www.bj.uj.edu.pl/bjmanus/revol/images/098v.jpg
  9. Marian Biskup: Regesta Copernicana, Ossolineum, 1973 [3]
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Ostpreußen - Landkreis Braunsberg (2006).