Frommetsfelden

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Frommetsfelden
Koordinaten: 49° 20′ 11″ N, 10° 22′ 27″ O
Höhe: 429 m ü. NHN
Fläche: 3,23 km²
Einwohner: 132 (25. Mai 1987)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91578
Vorwahl: 09803
Frommetsfelden mit der Kirche St. Erhard
Altmühlbrücke
Ehemaliger Gasthof von 1821

Frommetsfelden ist ein Ortsteil der Stadt Leutershausen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Kirchdorf fließt die Altmühl und der Hainhofgraben mündet dort als rechter Zufluss in die Altmühl. Der Ort befindet sich am südlichen Rand der Frankenhöhe.[2]

Ortsnamendeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schreibweisen des Ortsnamens im 14. Jahrhundert wie „Frummoltsfelden“ und „Frumolsfelden“ legen die Deutung nahe, dass der Ortsname auf den Personennamen „Frumolt“ zurückgeht.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet um Frommetsfelden herum war schon im Mesolithikum besiedelt.[4]

Bis zum Bau einer Brücke - die heutige dreibogige stammt aus dem 16./17. Jahrhundert[5] - überquerte man die Altmühl in Frommetsfelden mittels einer Furt. Der Ort hatte häufig unter Überschwemmungen der Altmühl zu leiden.[6]

1324 verkauften Lupold Tauber zu Jochsberg und seine Frau Hedwig Frommetsfelden an das Prämonstratenserinnenkloster Sulz.[7] Auch in den ältesten Lehenbücher des Bistums Würzburg aus dem 14. Jahrhundert ist Frommetsfelden verzeichnet.[8] Laut einer Auflistung von 1342 besaß das Kanonikerstift Ansbach in Frommetsfelden einen Fischer als Untertan.[9] 1358 erwarb Burkard von Seckendorff zu Jochsberg von seinem Vetter Burkard von Seckendorff-Aberdar ein Frommetsfeldener Gut, das nürnberg-burggräfliches Lehen war.[10] 1402 verkaufte die Herrschaft Seckendorff zu Rammersdorf ein Gütlein zu Meuchlein an die Kirche St. Erhard in Frommetsfelden.[11] 1404 wurde der Ort von der Pfarrei St. Kilian in Geslau abgetrennt und mit Buch am Wald zu einer eigenen Pfarrei im Bistum Würzburg erhoben; durch Teilung der Pfarrpfründe erhielt Frommetsfelden 1460 einen Frühmesser als Expositus. Als 1423 Jörg von Seckendorff die Burg Jochsberg an Conz Lesch verkaufte, gehörte auch das Fischwasser zu Frommetsfelden dazu, das er spätestens 1440 mit der Burg wieder zurückgekauft hatte.[12] Laut einem klösterlichen Gültbuch von 1478 besaß das Frauenstift Sulz ein Ochsengut und zehn Güter; die Untertanen mussten zu Sulz Recht nehmen. Außerdem standen der Große und der Kleine Zehent dem Kloster zu.[13]

1528 führte das Haus Brandenburg-Ansbach mittels einer Kirchenvisitation die Reformation ein. In einem markgräflichen Lehenbrief von 1544 wird ein Gut in Frommetsfelden als zur Burg Jochsberg gehörend erwähnt.[14] Nach einem brandenburgischen Bericht von 1608 gehörten von den 18 Mannschaften in Frommetsfelden, das innerhalb der Fraisch des brandenburg-ansbachischen Amtes Colmberg lag, sechs dem Ansbacher Markgrafen, zehn dem Kloster Sulz und je eine der Herrschaft Jochsberg und dem Rat Ansbach. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft gehörte dem Markgraf.[15] Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort 1631 durch kaiserliche Truppen schwer geschädigt.[16] Nach dem Krieg bauten vor allem protestantische Exulanten aus Österreich Frommetsfelden wieder auf.[17] Frommetsfelden wurde nunmehr vom Pfarrer von Weißenkirchberg, später vom Geistlichen in Buch versehen.[18] 1681 heißt es, dass Frommetsfelden aus 20 Mannschaften besteht, zwölf dem Kloster Sulz, sechs dem Kastenamt Colmberg und je eine dem nunmehrigen brandenburgischen Vogtamt Jochsberg sowie dem Bürgermeister und Rat Ansbach gehörend.[19]

1734 gehörten sechs Untertanen grundherrschaftlich dem brandenburg-ansbachischen Amt Colmberg, einer zur Pfarrei Colmberg, zwölf zum brandenburg-ansbachischen Klosterverwalteramt Sulz, einer zum brandenburg-ansbachischen Vogtamt Jochsberg und einer zum Bürgermeister und Rat zu Ansbach; das Hirtenhaus war gemeindlicher Besitz. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Amt Colmberg inne, die Vogtei inner Etters lag bei der jeweiligen Grundherrschaft, die Vogtei außer Etters und die Fraisch nahm ebenfalls das Amt Colmberg wahr.[20] Gegen Ende des Alten Reiches bestand Frommetsfelden aus 26 Untertanen, die alle brandenburg-ansbachischen Ämtern gehörten: neun dem Kastenamt Colmberg, 13 dem Klosterverwalteramt Sulz, einer dem Vogtamt Jochsberg, einer, der auf dem Gut der Ansbacher Johannispflege saß, dem Ansbacher Rat, einer, der auf dem Gütlein der Kirche Frommetsfelden saß, dem Kastenamt Colmberg, sowie einer, der auf dem Halbhof der Pfarrei Colmberg saß, ebenfalls dem Kastenamt Colmberg. Der Gemeinde gehörten die Filialkirche St. Erhard, das Schulhaus, das Hirtenhaus sowie zwei Häuser.[21]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 das Steuerdistrikt Frommetsfelden gebildet, zu dem Bieg, Frommetsfelden, Hainhof, Höchstetten, Hürbel, Pfetzendorf und Zweiflingen gehörten. Die Ruralgemeinde Frommetsfelden wurde im Jahr 1810 gegründet[22] und war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) erfolgte die Aufspaltung in

  • Ruralgemeinde Bieg mit Hainhof, Höchstetten, Hürbel, Pfetzendorf und Zweiflingen;
  • Ruralgemeinde Frommetsfelden.

Von 1862 bis 1879 wurde Frommetsfelden von dem Bezirksamt Ansbach verwaltet, ab 1880 von dem Bezirksamt Rothenburg ob der Tauber (ab 1938: Landkreis Rothenburg ob der Tauber) Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 Amtsgericht Rothenburg ob der Tauber. Die Finanzverwaltung wurde 1880 vom Rentamt Rothenburg ob der Tauber (ab 1920: Finanzamt Rothenburg ob der Tauber) übernommen.[23] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 3,231 km².[24]

1936 wurde die evangelisch-lutherische Filiale Frommetsfelden mit der Pfarrei St. Mauritius in Jochsberg zusammengelegt; Pfarrsitz ist seitdem Jochsberg.[25]

Am 1. Juli 1972 wurde Frommetsfelden im Zuge der Gebietsreform in die Stadt Leutershausen eingemeindet.[26]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Erhard, Chorturmkirche, 13. Jahrhundert, Turm 1584 und 1661 wiederhergestellt; mit Ausstattung; Friedhof, im Kern mittelalterliche Anlage, mit Grabsteinen; Ummauerung, im Kern mittelalterlich
  • Hürbeler Straße 2: ehemaliges Gasthaus, zweigeschossiger giebelständiger Satteldachbau, in Teilen Fachwerk, bezeichnet 1821
  • Steinbrücke über die Altmühl: dreibogig, Natursteinquader, wohl 16./17. Jahrhundert

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Leutershausen#Frommetsfelden

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987
Einwohner 153 179 178 172 182 162 162 167 170 178 179 174 172 172 178 184 182 168 150 206 208 175 136 138 132
Häuser[27] 34 30 31 32 33 35 31 31 32
Quelle [28] [29] [30] [30] [31] [30] [32] [30] [33] [34] [33] [33] [35] [33] [33] [33] [36] [33] [33] [33] [37] [33] [24] [38] [1]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtszeit
Johann Georg Finsterer ca. 1846
Leonhardt Sturm ca. 1856
Michael Gümpelein 1876–1882
Johann Michael Wiegel 1882–1915
Johann Georg Kilian 1915–1919
Johann Michael Zanzinger 1919–1925
Georg Gümpelein 1925–1946
Johann Michael Vogel 1946–1966
Georg Weidner 1966–1972

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Bieg, Höchstetten, Meuchlein, nach Buch am Wald und Hürbel jeweils zur Kreisstraße AN 5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frommetsfelden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 328 (Digitalisat).
  2. Frommetsfelden im BayernAtlas
  3. H. Schreiber, S. 365.
  4. H. Schreiber, S. 364; M. Jehle, Bd. 1, S. 19.
  5. Denkmäler in Bayern. Bd. 5, Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986, S. 266.
  6. H. Schreiber, S. 364.
  7. H. Schreiber, S. 365.
  8. M. Jehle, Bd. 1, S. 161.
  9. M. Jehle, Bd. 1, S. 140.
  10. M. Jehle, Bd. 1, S. 639.
  11. M. Jehle, Bd. 1, S. 580.
  12. M. Jehle, Bd. 1, S. 634 f.
  13. M. Jehle, Bd. 1, S. 623.
  14. M. Jehle, Bd. 1, S. 636.
  15. M. Jehle, Bd. 2, S. 703.
  16. H. Schreiber, S. 365.
  17. Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen. Eine familiengeschichtliche Untersuchung (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 15). Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg 2006, ISBN 3-929865-10-6, S. 49 u. passim.
  18. H. Schreiber, S. 366.
  19. M. Jehle, Bd. 2, S. 707.
  20. M. Jehle, Bd. 2, S. 802; H. Schreiber, S. 367.
  21. M. Jehle, Bd. 2, S. 856.
  22. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 964.
  23. M. Jehle, Bd. 2, S. 989.
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 814 (Digitalisat).
  25. M. Jehle, Bd. 1, S. 81.
  26. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 420.
  27. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  28. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann meherer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 27 (Digitalisat).
  29. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 189 (Digitalisat).
  30. a b c d Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 164, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  31. Joseph Heyberger (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabethischem Ortslexikon. Literar.-artist. Anst. der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 988, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  32. kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarr-, Schul- u. Postzugehörigkeit. … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt, Sp. 1154, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  33. a b c d e f g h i j Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 182, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  34. Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1173 (Digitalisat).
  35. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1244 (Digitalisat).
  36. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1283 (Digitalisat).
  37. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1110 (Digitalisat).
  38. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 170 (Digitalisat).