Frontenbewegung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Artikel über Gerichtsprozess (1934)

Die Frontenbewegung (auch Frontismus, Frontisten, Fröntler) war die Parallelbewegung der Schweiz zum Nationalsozialismus im Deutschen Reich und zum Faschismus in Italien.

Seit 1930 verstärkten sich in der Eidgenossenschaft Tendenzen, die eine Erneuerung des Landes auf völkischer Grundlage forderten. Liberale und individuelle Rechte sollten zugunsten einer stärkeren Betonung des Gemeinschaftsgedankens eingeschränkt werden. Insgesamt blieb die Frontenbewegung – im Gegensatz zum deutschen Nationalsozialismus oder dem italienischen Faschismus – aber immer nur eine Randerscheinung.

Einflussreichste Gruppe innerhalb der zersplitterten und sehr vielfältigen Frontenbewegung war die Nationale Front. Der Name Frontenbewegung rührt daher, dass die meisten dieser Gruppen das Wort Front im Namen führten. Die Frontenbewegung kannte mit «Harus!» einen eigenen Führergruss.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 bildeten sich infolge des Landesstreiks in der Schweiz antikommunistische und antisozialistische Bürgerwehren. Diese Bürgerwehren waren Vorläufer der späteren Frontenorganisationen.

1925 wurde in Zürich die nationalkonservative und antisemitische Heimatwehr gegründet.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum deutschen Reichskanzler ernannt. Dies führte in der Schweiz zum so genannten Frontenfrühling.

1933 gelang es den Frontisten, bei der Ständeratsersatzwahl in Schaffhausen einen Wähleranteil von 27 % zu erreichen. Im gleichen Jahr gewannen sie 10 von 125 Gemeinderatssitzen in Zürich.

Im November 1933 gewannen die Frontisten bei den Grossratswahlen in Genf 9 % der Stimmen.

Im Januar 1934 führte eine Gruppe von Frontisten einen Bombenanschlag auf die Wohnung eines Mitarbeiters der Zürcher Tageszeitung Volksrecht durch.

Im November 1934 kam es in Zürich zu mehreren frontistischen Demonstrationen gegen das Kabarett Pfeffermühle und das Schauspielhaus Zürich.

Bei den Nationalratswahlen 1935 gewannen die Fronten je einen Sitz in Zürich und Genf.

Im gleichen Jahr scheiterte die von den Fronten lancierte Initiative, eine Totalrevision der Bundesverfassung durchzusetzen (Fronteninitiative).

Im Mai 1935 wurde der Schaffhauser Stadtpräsident Walther Bringolf von einer Gruppe Frontisten während einer Veranstaltung massiv am Reden gestört. Nach der Veranstaltung kam es zu einer Massenschlägerei mit Sozialisten.

1937 machten die Fronten vergeblich den Vorstoss, die Freimaurerlogen zu verbieten.

Im Juli 1940 kam nach der Niederlage Frankreichs die Hoffnung nach einem 2. Frontenfrühling auf, und Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz empfing die Frontisten Ernst Hofmann und Max Leo Keller zu einem offiziellen Gespräch.

Am 15. November 1940 kam es zur Eingabe der Zweihundert. Daraufhin verbot der Bundesrat am 19. November 1940 die Nationale Bewegung der Schweiz (NBS).

1943 verschwand die letzte Frontenorganisation aus der Öffentlichkeit.

Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flugblatt der Bewegung (1942)

Allgemein waren die frontistischen Gruppierungen nationalistisch, völkisch, antikommunistisch, antiliberal und meist auch antisemitisch eingestellt.

Dem Kommunismus sollte durch den Zusammenschluss der Nation unter einer starken Führung der Boden entzogen werden. Teile der rechtsbürgerlichen und katholisch-konservativen Schweiz sahen in den Fronten, auf Grund ihrer antibolschewistischen und antiliberalen Haltung, einen Helfer bei der Bekämpfung von kommunistischen Aktivitäten und des Liberalismus in der Schweiz. Vereinzelt sympathisierten auch Sozialisten mit der Frontenbewegung. Die helvetische Demokratie sollte eingeschränkt und durch einen autoritären Einheitsstaat und die Marktwirtschaft durch eine korporative Ordnung ersetzt werden.

Propagandamittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitungen und Zeitschriften:

Es kam auch, gemäss Vorbildern aus dem Ausland, zu Massenaufmärschen mit Fahnen und Uniformen, Strassenschlachten und verschiedensten Formen der Einschüchterung von politischen Gegnern.

Offizieller Umgang mit den Fronten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie den Einzelbeiträgen zu entnehmen ist, haben Bundesrat und Kantonsregierungen einige der Organisationen (resp. Sektionen davon) verboten. Erleichtert wurde dies dadurch, dass die Verbote in Nazi-Deutschland nur gedämpftes Missfallen erregten. Der Grund hierfür: Man hatte beim Nachbarn nicht sehr viel übrig für die extrem zersplitterten Schweizer Fröntler, denen aufgrund ihrer parteipolitischen Schwäche auf Dauer keine Chancen für eine Machtergreifung eingeräumt wurden.[1]

Die verschiedenen Frontenorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweizer in NS-Diensten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab ca. 150 exilierte Schweizer, die der SS angehörten, die bekanntesten davon wohl der Luzerner Obersturmbannführer (Oberstleutnant) Franz Riedweg und Benno Schaeppi.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1969: Beat Glaus: Die Nationale Front. Eine Schweizer faschistische Bewegung 1930–1940. Benziger, Zürich / Einsiedeln / Köln 1969 DNB 456760989 (Dissertation an der Universität Basel).
  • 1969: Walter Wolf: Faschismus in der Schweiz. Die Geschichte der Frontenbewegungen in der deutschen Schweiz 1930–1945. Flamberg, Zürich 1969, DNB 458694274 (Dissertation an der Universität Zürich 1969).
  • 1985: Jürg Fink: Die Schweiz aus der Sicht des Dritten Reiches 1933–1945: Einschätzung und Beurteilung der Schweiz durch die oberste deutsche Führung seit der Machtergreifung Hitlers – Stellenwert der Kleinstaates Schweiz im Kalkül der nationalsozialistischen Exponenten in Staat, Diplomatie, Wehrmacht, SS, Nachrichtendiensten und Presse, Schulthess, Zürich 1985, ISBN 3-7255-2430-0 (Dissertation Universität Zürich 1985).
  • 1990: Konrad Zollinger: Frischer Wind oder faschistische Reaktion? Die Haltung der Schweizer Presse zum Frontismus 1933. Chronos, Zürich 1991, ISBN 3-905278-75-8 (Dissertation Universität Zürich 1990).
  • 1998: Matthias Wipf: Frontismus in einer Grenzstadt – Schaffhausen im Zweiten Weltkrieg 1933–1945. Bern 1998, OCLC 612144305 (Seminararbeit an der Universität Bern, Historisches Institut, 1998, 90 Seiten, Standort: Stadtarchiv Schaffhausen).
  • 2015: Daniel Gut: Neidkopf: zur Naturgeschichte des Schweizer Frontisten Hans Kläui – eine literarische Recherche. Elfundzehn, Eglisau 2015, ISBN 978-3-905769-38-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürg Fink: Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, 1985, S. 130 ff.