Frovatriptan

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Strukturformel
Struktur von Frovatriptan
Allgemeines
Freiname Frovatriptan
Andere Namen

(R)-6-(Methylamino)-5,6,7,8-tetrahydrocarbazol-3-carbamid

Summenformel C14H17N3O
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 158747-02-5
PubChem 77992
DrugBank DB00998
Wikidata Q410195
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N02CC07

Wirkstoffklasse

Triptan

Wirkmechanismus

Selektiver 5-HT1-Rezeptor Agonist

Eigenschaften
Molare Masse 243,30 g·mol−1
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Frovatriptan ist ein Serotonin-Rezeptor-Agonist aus der Gruppe der Triptane, der als Arzneistoff zur Akuttherapie der Migräne zugelassen ist. Darüber hinaus zeigt er Wirksamkeit in der vorbeugenden Behandlung des Cluster-Kopfschmerzes.[2][3] Frovatriptan wurde von Vernalis entwickelt und wird in Deutschland von Berlin-Chemie und Kohlpharma angeboten. Es unterliegt der ärztlichen Verschreibungspflicht.

Chemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frovatriptan gehört der Gruppe der Triptane an. Es ist ein ringgeschlossenes Derivat des 5-HT1/7-Rezeptoragonisten 5-Carboxamidotryptamin und ähnelt strukturell dem Serotonin.

Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frovatriptan ist ein hochpotenter Agonist an den Serotonin-Rezeptoren 5-HT1B und 5-HT1D, welche auf zerebralen Blutgefäßen und präsynaptisch auf Neuronen vorkommen. Eine Aktivierung dieser Rezeptoren durch Frovatriptan führt somit während eines Migräneanfalls einerseits zu einer Konstriktion der dilatierten zerebralen Blutgefäße und andererseits zu einer Verminderung der Ausschüttung von Entzündungsmediatoren.[4] Eine Aktivierung von 5-HT1B-Rezeptoren wird jedoch auch mit kardiovaskulären Nebenwirkungen in Verbindung gebracht.

Mit einer Halbwertzeit von 26 h besitzt Frovatriptan innerhalb der Gruppe der Triptane die mit Abstand längste Wirkdauer. Daher konnte unter der Therapie mit Frovatriptan die Wiederholungsrate der Migräneattacken stärker gesenkt werden als mit anderen Triptanen.

Zusätzlich aktiviert Frovatriptan in hohen Dosen auch 5-HT7-Rezeptoren.[5] Auf Grund dieses zusätzlichen Wirkmechanismus wurde vor der Markteinführung ein günstigeres Nutzen-Risiko-Verhältnis erwartet, was sich jedoch nicht bestätigte.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufiger (bei 1 von 100 Personen) können Übelkeit, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen beobachtet werden. Ebenfalls häufig sind Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Parästhesien in den Armen und Beinen sowie verändertes Berührungsempfinden und extreme Schläfrigkeit. Auch Hitzewallungen, gegebenenfalls mit Hautrötungen sowie vermehrtes Schwitzen werden oft beobachtet.

Gelegentlich (bei 1 von 1000 Personen) kommt es zu Geschmacksstörungen, Tremores, Konzentrationsschwäche, Lethargie, gesteigertem Berührungsempfinden und unwillkürlichen Muskelkontraktionen. Auch Magenbeschwerden wie Durchfall oder Blähungen im Magen und/oder Darm können beobachtet werden.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass viele dieser Nebenwirkungen häufig nicht klar auf den Wirkstoff zurückgeführt werden können, da auch die Migräne selbst ähnliche oder deckungsgleiche Symptome umfasst.

Eine der charakteristischen, aber seltenen Nebenwirkungen der Anwendung von Frovatriptan sind der Angina Pectoris ähnliche Druck- und Beklemmungsgefühle der Brust, die auf eine Konstriktion der Herzkranzgefäße zurückgeführt werden. Ein Blutdruckanstieg ist ebenfalls bei einigen Patienten zu beobachten.

Wechselwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frovatriptan sollte nicht mit Ergotamin kombiniert eingesetzt werden, da eine erhöhte Gefahr von Koronarspasmen besteht. Die gleichzeitige Einnahme mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI), wie z. B. Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin und Citalopram, selektiven Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) oder dem pflanzlichen Antidepressivum Johanniskraut kann die Wirkungen und Nebenwirkungen von Frovatriptan verstärken. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA warnt in diesem Zusammenhang vor der potenziell lebensbedrohlichen Wechselwirkung des Serotonin-Syndroms (=der Körper kumuliert zu viel Serotonin im Nervensystem).[6] Symptome des Serotoninsyndroms können Ruhelosigkeit, Halluzinationen, Verlust der Koordination, schnellen Herzschlag, Blutdruckschwankungen, erhöhte Körpertemperatur, gesteigerte Reflexe, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einschließen. Absolute Vorsicht ist auch bei gemeinsamer Anwendung von Frovatriptan mit MAO-Hemmern geboten.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Allegro (D), Eumitan (A), Frovamig (A), Menamig (CH)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  2. Siow HC, Pozo-Rosich P, Silberstein SD.: Frovatriptan for the treatment of cluster headaches. Cephalalgia. 2004; 24(12): 1045–1048; PMID 15566418; doi:10.1111/j.1468-2982.2004.00734.x.
  3. S1-Leitlinie Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). In: AWMF online (Stand 2015)
  4. Limmroth V: Wirkungsmechanismus der Triptane. In: Pharmazie in unserer Zeit. 31, Nr. 5, 2002, S. 458–61. doi:10.1002/1615-1003(200209)31:5<458::AID-PAUZ458>3.0.CO;2-G. PMID 12369163.
  5. Jähnichen S, Glusa E, Pertz HH: Evidence for 5-HT2B and 5-HT7 receptor-mediated relaxation in pulmonary arteries of weaned pigs. In: Naunyn Schmiedebergs Arch Pharmacol. 371, Nr. 1, Januar 2005, S. 89–98. doi:10.1007/s00210-004-1006-6. PMID 15726452.
  6. FDA Public Health Advisory: Combined Use of 5-Hydroxytryptamine Receptor Agonists (Triptans), Selective Serotonin Reuptake Inhibitors (SSRIs) or Selective Serotonin/Norepinephrine Reuptake Inhibitors (SNRIs) May Result in Life-threatening Serotonin Syndrome, vom 19. Juli 2006 (englisch).
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!