Fußball-Weltmeisterschaft 1986

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 1986
Mexico 86 - Campeonato Mundial De Futbol
180px alt=
Anzahl Nationen 24 (von 121 Bewerbern)
Weltmeister ArgentinienArgentinien Argentinien (2. Titel)
Austragungsort MexikoMexiko Mexiko
Eröffnungsspiel 31. Mai 1986 (Mexiko-Stadt)
Endspiel 29. Juni 1986 (Mexiko-Stadt)
Spiele 52
Tore 132 (⌀: 2,54 pro Spiel)
Zuschauer 2.394.031 (⌀: 46.039 pro Spiel)
Torschützenkönig EnglandEngland Gary Lineker (6 Tore)
Bester Spieler ArgentinienArgentinien Diego Maradona
Gelbe Karten 133 (⌀: 2,56 pro Spiel)
Rote Karten (⌀: 0,15 pro Spiel)

Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 (span.: Campeonato Mundial De Futbol, engl.: Football World Championship) war die 13. Ausspielung dieses bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 31. Mai bis zum 29. Juni 1986 zum zweiten Mal nach 1970 in Mexiko statt.

Weltmeister wurde Argentinien im Finale gegen Deutschland, welches somit sein zweites WM-Finale in Folge verlor. In Erinnerung an die WM 1986 blieb vor allem die Leistung von Argentiniens Kapitän Diego Maradona der seine Mannschaft zum Titel führte und als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet wurde. Besonders das Viertelfinale Argentinien - England, in dem Maradona zunächst mit seiner "Hand Gottes" ein irreguläres Tor erzielte und nur drei Minuten später das WM-Tor des Jahrhunderts, bei dem er mit einem Dribblings über etwa 60 Meter die komplette englische Hintermannschaft inklusive des Torwarts Peter Shilton umspielte, bevor er dann den Ball ins leere Tor schob, wird noch heute kontrovers diskutiert.

Titelverteidiger Italien scheiterte im Achtelfinale an Frankreich. Österreich, die DDR und die Schweiz scheiterten bereits in der Qualifikation. Torschützenkönig wurde der Engländer Gary Lineker mit 6 Toren.

Vergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich sollte die WM 1986 in Kolumbien veranstaltet werden. Weil aber Kolumbien die Auflagen der FIFA nicht erfüllen konnte, verzichtete das südamerikanische Land am 26. Oktober 1982 offiziell auf die Ausrichtung. 1983 wurde von der FIFA Mexiko zum neuen Austragungsort bestimmt.

Gastgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kolumbien war der einzige Kandidat, der sich für die WM 1986 bewarb, die turnusgemäß in Südamerika oder eventuell auch in Nordamerika stattfinden sollte. Auf dem FIFA-Kongress in Stockholm am 9. Juni 1974 erhielt Kolumbien den Zuschlag per Akklamation.

Nachdem die FIFA beschlossen hatte, das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Mannschaften zu erhöhen, sah sich der kolumbianische Fußballverband nicht mehr in der Lage, das Turnier zu organisieren. Am 5. November 1982 sagte Kolumbien endgültig ab.

Am 20. Mai 1983 wählte die FIFA auf ihrem Kongress in Zürich Mexiko zum Ersatzausrichter. Die Mexikaner setzten sich gegen Brasilien und die USA durch, die sich ebenfalls als Ersatzgastgeber für Kolumbien angeboten hatten. Trotz der kurzen Vorbereitungszeit und obwohl Mexiko im September 1985 von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, verlief die Veranstaltung reibungslos. Somit wurde Mexiko als erstes Land zum zweiten Mal Gastgeber einer Weltmeisterschaft, da bereits 1970 das Turnier in Mexiko ausgetragen worden war.

Spielorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spiele der Weltmeisterschaft wurden in 12 Stadien in 9 mexikanischen Städten ausgetragen.

* Angaben zur Stadionkapazität beziehen sich auf den Zeitpunkt der Weltmeisterschaft 1986.
Stadt Stadion Spiele Kapazität*
Fußball-Weltmeisterschaft 1986 (Mexiko)
Irapuato (1), Nezahualcóyotl (2)
2
2
1
1
Guadalajara Estadio Jalisco 7 66.200
Guadalajara Estadio Tres de Marzo 3 30.000
Irapuato Estadio Sergio León Chávez 3 31.300
León Estadio Nou Camp 4 30.500
Mexiko-Stadt Aztekenstadion 9 110.600
Mexiko-Stadt Olympiastadion 4 72.200
Monterrey Estadio Tecnológico 4 33.800
Monterrey Estadio Universitario 4 43.800
Nezahualcóyotl Estadio Neza 86 3 34.500
Puebla Estadio Cuauhtémoc 5 46.400
Querétaro Estadio La Corregidora 4 38.600
Toluca Estadio Nemesio Díez 3 32.600
Statistik
Stadt Stadion Spiele Kapazität* Gesamt-
zuschauerzahl
Schnitt Spiel mit den meisten Zuschauern Spiel mit den wenigsten Zuschauern
Guadalajara Estadio Jalisco 7 66.200 289.748 048.291 Brasilien - Frankreich
(Viertelfinale) 65.000
Spanien - Brasilien
(Vorrunde) 35.748
Guadalajara Estadio Tres de Marzo 3 30.000 078.000 26.000 Nordirland - Spanien und Portugal - Marokko
(Vorrunde) 28.000
Algerien - Nordirland
(Vorrunde) 22.000
Irapuato Estadio Sergio León Chávez 3 31.300 044.500 014.833 Sowjetunion - Ungarn
(Vorrunde) 16.500
Ungarn - Kanada
(Vorrunde) 13.800
León Estadio Nou Camp 4 30.500 165.737 041.434 Kanada - Frankreich
(Vorrunde) 65.500[1]
Ungarn - Frankreich
(Vorrunde) 31.420
Mexiko-Stadt Aztekenstadion 9 110.600 981.351 109.039 Mexiko - Paraguay (Vorrunde) und Argentinien - Deutschland (Finale) 114.600 Bulgarien - Italien
(Eröffnungsspiel) 96.000
Mexiko-Stadt Olympiastadion 4 72.200 240.000 060.000 Italien - Frankreich
(Achtelfinale) 70.000
Südkorea - Bulgarien
(Vorrunde) 45.000
Monterrey Estadio Tecnológico 4 33.800 089.880 022.470 Algerien - Spanien
(Vorrunde) 23.980
England - Marokko
(Vorrunde) 20.200
Monterrey Estadio Universitario 4 43.800 101.315 025.329 Deutschland - Mexiko
(Viertelfinale) 41.700
Marokko - Deutschland
(Achtelfinale) 19.800
Nezahualcóyotl Estadio Neza 86 3 34.500 064.500 021.500 Dänemark - Uruguay
(Vorrunde) 26.500
Schottland - Dänemark
(Vorrunde) 18.000
Puebla Estadio Cuauhtémoc 5 46.400 144.000 028.800 Spanien - Belgien
(Viertelfinale) 45.000
Südkorea - Italien
(Vorrunde) 20.000
Querétaro Estadio La Corregidora 4 38.600 135.000 033.750 Dänemark - Spanien
(Achtelfinale) 38.500
Deutschland - Schottland
(Vorrunde) 30.000
Toluca Estadio Nemesio Díez 3 32.600 060.000 020.000 Paraguay - Irak
(Vorrunde) 24.000
Paraguay - Belgien
(Vorrunde) 16.000

Qualifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1986

Da Titelverteidiger Italien und Veranstalter Mexiko direkt qualifiziert waren und das WM-Turnier mit 24 Mannschaften ausgetragen wurde, standen für die verbleibenden 119 Mannschaften 22 freie Endrundenplätze zur Verfügung. Insgesamt nahmen 111 Mannschaften an der Qualifikation teil. Schottland setzte sich als schlechtester Gruppenzweiter der europäischen Zone gegen den Gewinner der ozeanischen Zone (Australien) durch. Für Dänemark, den Irak und Kanada war es die erste WM-Teilnahme.

14 aus Europa BelgienBelgien Belgien Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien DanemarkDänemark Dänemark Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland EnglandEngland England
FrankreichFrankreich Frankreich ItalienItalien Italien NordirlandNordirland Nordirland Polen 1980Polen Polen PortugalPortugal Portugal
SowjetunionSowjetunion Sowjetunion SpanienSpanien Spanien SchottlandSchottland Schottland Ungarn 1957Ungarn Ungarn
4 aus Südamerika ArgentinienArgentinien Argentinien Brasilien 1968Brasilien Brasilien Paraguay 1954Paraguay Paraguay UruguayUruguay Uruguay
2 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik KanadaKanada Kanada MexikoMexiko Mexiko
2 aus Afrika AlgerienAlgerien Algerien MarokkoMarokko Marokko
2 aus Asien Irak 1963Irak Irak Korea SudSüdkorea Südkorea
Weltkarte der Teilnehmer mit deren Platzierungen

Auslosung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Auslosungsmodus war umstritten; so wäre es möglich gewesen, dass Kanada in die gleiche Gruppe wie Mexiko hätte gelost werden können, so dass die beiden einzigen CONCACAF-Vertreter in einer Gruppe gespielt hätten. Es wäre sogar eine Gruppe mit vier europäischen Mannschaften möglich gewesen.

  • gesetzte Gruppenköpfe: Italien • Mexiko • Frankreich • Brasilien • BR Deutschland • Polen
  • Topf 1: Argentinien • Paraguay • Uruguay • England • Sowjetunion • Spanien
  • Topf 2: Algerien • Marokko • Irak • Südkorea • Kanada • Dänemark
  • Topf 3: Belgien • Bulgarien • Nordirland • Portugal • Schottland • Ungarn

Als erstes wurde ausgelost, aus welchem Topf gezogen werden sollte. Gelost wurde: Zuerst wurde aus Topf 3 gezogen, dann aus Topf 2 und zuletzt aus Topf 1.
Die erste europäische Mannschaft, die aus Topf 1 gezogen wurde, wurde der Brasilien-Gruppe zugeordnet, der Rest wurde frei zugelost.
Aus den Töpfen 2 und 3 wurden die Teams den sechs Gruppen völlig frei zugelost.

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D Gruppe E Gruppe F
ItalienItalien Italien MexikoMexiko Mexiko FrankreichFrankreich Frankreich Brasilien 1968Brasilien Brasilien Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland Polen 1980Polen Polen
Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien BelgienBelgien Belgien KanadaKanada Kanada SpanienSpanien Spanien UruguayUruguay Uruguay MarokkoMarokko Marokko
ArgentinienArgentinien Argentinien Paraguay 1954Paraguay Paraguay SowjetunionSowjetunion Sowjetunion AlgerienAlgerien Algerien SchottlandSchottland Schottland PortugalPortugal Portugal
Korea SudSüdkorea Südkorea Irak 1963Irak Irak Ungarn 1957Ungarn Ungarn NordirlandNordirland Nordirland DanemarkDänemark Dänemark EnglandEngland England

Für Informationen zu den einzelnen Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Modus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 24 Teilnehmer wurden in sechs Vorgruppen mit je vier Mannschaften eingeteilt. Die beiden ersten jeder Gruppe sowie die vier besten Drittplatzierten qualifizierten sich für das Achtelfinale. Ab dem Achtelfinale wurde das Turnier im K.-o.-System ausgetragen.

Vorrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruppe A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. ArgentinienArgentinien Argentinien  3  2  1  0 006:200  +4 05:10
 2. ItalienItalien Italien  3  1  2  0 005:400  +1 04:20
 3. Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien  3  0  2  1 002:400  −2 02:40
 4. Korea SudSüdkorea Südkorea  3  0  1  2 004:700  −3 01:50
31. Mai 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt (Aztekenstadion)
Bulgarien Italien 1:1 (0:1)
2. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
Argentinien Südkorea 3:1 (2:0)
5. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Puebla
Italien Argentinien 1:1 (1:1)
5. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
Südkorea Bulgarien 1:1 (0:1)
10. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Puebla
Südkorea Italien 2:3 (0:1)
10. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
Argentinien Bulgarien 2:0 (1:0)

Das Unentschieden im Eröffnungsspiel zwischen Titelverteidiger Italien und Bulgarien blieb die einzige Überraschung in der Gruppe A. Die Squadra Azzura und Argentinien setzten sich, auch ohne zu ihrer Höchstform zu finden, erwartungsgemäß durch und Bulgarien wurde Gruppendritter. In einer größtenteils ereignislosen Halbzeit gelang in der 43. Minute Alessandro Altobelli der Führungstreffer für Italien. In Folge eines indirekten Freistoßes konnte Altobelli unbedrängt per Direktabnahme einnetzen. In der zweiten Halbzeit war Italien die klar überlegene Mannschaft. Die Squadra Azzura erspielte sich eine Vielzahl an Torchancen heraus, konnte diese aber nicht in Tore ummünzen. Entgegen dem Spielverlauf fand ein Halbfeldflanke von Radoslaw Zdrawkow mit Nasko Sirakow einen Abnehmer, der den Ball als 12 Metern zum 1:1-Entstand ins Tor köpfte.

In der Neuauflage des entscheidenden Zweitrundenspiels von vor vier Jahren traf Italien in seinem zweiten Spiel auf Argentinien. Altobelli gelang erneut der Führungstreffer nach bereits sechs Minuten in Folge eines kontroversen Handelfmeters. Argentinien übernahm anschließend die Kontrolle über das Spiel und kam in der 34. Minute verdient zum Ausgleich. Jorge Valdano bediente Diego Maradona mittels eines Lobpasses, der daraufhin Italiens Torhüter Giovanni Galli aus spitzem Winkel überwand. Beide Mannschaften gingen daraufhin nicht mehr volles Risiko und konzentrierten sich offensiv überwiegend auf Konter und Standardsituationen. Italiens Bruno Conti hatte die beste Chance in einer von Fouls geprägten zweiten Halbzeit. Der Italiener traf mit seinem Flachschuss aus sechzehn Metern allerdings nur den Pfosten.

In seinem letzten Gruppenspiel gegen Südkorea, die erstmals wieder seit 1954 an einer Weltmeisterschaft teilnahmen, erspielte sich der Titelverteidiger in der ersten viertel Stunde ein klares Chancenplus. Alessandro Altobelli eröffnete schließlich in der 17. Minute den Torreigen, nachdem er eine Flanke sieben Meter vor dem Tor annehmen und anschließend den Torhüter Oh Yeon-kyo verladen konnte. Der Torschütze war es auch, der in der 26. Minute einen Elfmeter für Italien vergab. Dem Südkoreaner Choi Soon-ho gelang in der 62. Minute den zu diesem Zeitpunkt überraschenden Ausgleich durch einen sehenswerten Distanzschuss aus 18 Metern was bedeutete, dass auch im dritten Spiel Italien nach Führung den Ausgleich kassierte. Die Squadra Azzura schaltete daraufhin wieder einen Gang höher und ging erneut durch Altobellis vierten und letzten Turniertreffer 11 Minuten später erneut in Führung, als dieser in Folge eines indirekt ausgeführten Freistoßes schneller reagierte als seine zwei Gegenspieler. Für die Vorentscheidung sorgte Choi Kwang-rae, der in der 82. Minute eine Hereingabe nicht klären konnte und den Ball ins eigene Netz beförderte. Zwei Minuten vor dem Schlusspfiff gelang Huh Jung-moo noch der Anschlusstreffer.

Im strömenden Dauerregen vom Mexiko-Stadt trennten sich die favorisierten Bulgaren und die Mannschaft Südkoreas 1:1. In einem Spiel, welches von den äußeren Bedingungen stark an die Wasserschlacht von Frankfurt 1974 erinnerte, gingen die Bulgaren nach elf Minuten in Führung. Von der Strafraumgrenze hob Plamen Getow den Ball gefühlvoll über die koreanische Abwehr und den herausgeeilten Torwart Oh Yeon-kyo, der zuvor eine Flanke nur unzureichend klären konnte. In sich stetig verschlechternden Platzverhältnissen gelang Südkorea schließlich in der 70. Minute der gerechte Ausgleich. Kim Jong-boo konnte in Folge eines indirekten Freistoßes den Ball mit der Brust im Strafraum annehmen und ihn vorbei am bulgarischen Torhüter Borislaw Michajlow ins Tor befördern.

Argentinien ging in ihrer ersten Partie bereits nach 6 Minuten mit ihrer ersten Torchance in Führung, nachdem Jorge Valdano in Folge eines Freistoßes mit einem Spannschuß Torwart Oh Yeon-kyo überwand. Die Südamerikaner erspielten sich in der Folgezeit ein klares Chancenplus. 12 Minuten später erhöhte Oscar Ruggeri per Kopf nach einem indirekten Freistoß auf 2:0, nachdem kurz zuvor Jorge Burruchaga aus 23 Metern nur den Pfosten traf. Die Südamerikaner nahmen daraufhin den Fuß von Gas und boten den Südkoreanern mehr Räume an. Diese fanden dadurch besser ins Spiel und kamen vor dem Halbzeitpfiff zu vereinzelnden Torabschlüssen. Nach dem Seitenwechsel dauerte es nicht einmal eine Minute bis Valdano das 3:0 erzielte. Wie schon bei den zwei vorangegangenen Toren bereitete Diego Maradona auch diese Tor vor. Kapitän Park Chang-sun erzielte schließlich in der 73. Minute aus 26 Metern den 3:1-Endstand, nachdem die Südkoreaner in den Minuten zuvor den Druck auf das gegnerische Tor erhöhten und die Albiceleste einen Gang zurückschaltete.

Das abschließende Gruppenspiel gewann Argentinien in einem enttäuschenden Spiel gegen harmlose Bulgaren mit 2:0. Jorge Valdano brachte die Albiceleste bereits in der 3. Minute per Kopf in Führung. José Luis Cuciuffo setzte in Folge eines Ballverlustes erfolgreich nach und bediente dann den am hinteren Pfosten lauernden Valdano. Die Entscheidung fiel in der 76. Minute, als Maradona sich auf der linke Seite durchsetzen konnte und auf den freistehenden Burruchaga flankte. Die Bulgaren konnten nur durch vereinzelte Weitschüsse offensiv auf sich aufmerksam machen und blieben am Ende ohne einen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor.[2]

Gruppe B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. MexikoMexiko Mexiko  3  2  1  0 004:200  +2 05:10
 2. Paraguay 1954Paraguay Paraguay  3  1  2  0 004:300  +1 04:20
 3. BelgienBelgien Belgien  3  1  1  1 005:500  ±0 03:30
 4. Irak 1963Irak Irak  3  0  0  3 001:400  −3 00:60
3. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
Belgien Mexiko 1:2 (1:2)
4. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Toluca
Paraguay Irak 1:0 (1:0)
7. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
Mexiko Paraguay 1:1 (1:0)
8. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Toluca
Irak Belgien 1:2 (0:2)
11. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
Irak Mexiko 0:1 (0:0)
11. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Toluca
Paraguay Belgien 2:2 (0:1)

In Gruppe B konnten die Mexikaner den Gruppensieg erzielen, ohne dabei spielerisch zu überzeugen. Ein besonderer Fokus in ihrer eineinhalbjährigen Vorbereitungszeit lag auf Standard-Situationen, was sich im ersten Spiel auszahlte. Kapitän Tomás Boy bereitete zunächst das 1:0 per Freistoß, später dann das 2:0 per Eckstoß vor. Es folgte ein 1:1-Unentschieden gegen Paraguay nachdem Mexiko in letzter Minute ein umstrittener Elfmeter zugesprochen wurde, welcher aber von Hugo Sánchez vergeben wurde. In ihrem abschließenden Gruppenspiel traf man ohne den wegen zweier gelber Karten gesperrten Sánchez auf den WM-Debütanten Irak. Trotz einer erneut guten Leistung des WM-Neulings gewann der Gastgeber die Partie nur knapp mit 1:0, was die einheimischen Fans zu ersten Pfeifkonzerten veranlasste.

Für den Irak, dessen Spieler trotz Ramadan nicht fasten mussten, war das Turnier nach der Vorrunde trotz starker Leistung nach drei Niederlagen beendet. Mitentscheidend für das Ausscheiden waren ein nicht gegebener Treffer von Ahmed Radhi kurz vor der Halbzeitpause im Spiel gegen Paraguay, sowie eine rote Karte wegen Reklamierens für Basil Gorgis und eine Reihe an Glanzparaden von Jean-Marie Pfaff in der Partie gegen Belgien.

Aufgrund interner Differenzen in der belgischen Mannschaft nahm Trainer Guy Thys vor dem letzten Gruppenspiel gegen Paraguay sechs Änderungen in der Startformation vor. Zusätzlich ordnete Thys an, dass die Schlüsselspieler René Vandereycken und Erwin Vandenbergh vorzeitig die Heimreise anzutreten hatten.[3] Dieser Schritt bedeutete ein Weckruf für die Belgier, der zwar kurzfristig zu Abstimmungsproblemen in der Abwehr führte, mittelfristig aber den Einklang im Kader förderte.

Die Partie gegen Paraguay endete mit 2:2-Unentschieden und gilt als eines der besten Spiele der Vorrunde. Zusätzlich zu den vier Toren traf Paraguays Mittelfeldspieler Jorge Amado Nunes nur den Pfosten und ein direkter Freistoßtreffer von Enzo Scifo wurde vom Schiedsrichtergespann zu Unrecht nicht anerkannt. Beide Teams kamen ins Achtelfinale, hätten dieses aber auch jeweils mit einer knappen Niederlage erreicht.

Gruppe C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. SowjetunionSowjetunion Sowjetunion  3  2  1  0 009:100  +8 05:10
 2. FrankreichFrankreich Frankreich  3  2  1  0 005:100  +4 05:10
 3. Ungarn 1957Ungarn Ungarn  3  1  0  2 002:900  −7 02:40
 4. KanadaKanada Kanada  3  0  0  3 000:500  −5 00:60
1. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in León
Kanada Frankreich 0:1 (0:0)
2. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Irapuato
UdSSR Ungarn 6:0 (3:0)
5. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in León
Frankreich UdSSR 1:1 (0:0)
6. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Irapuato
Ungarn Kanada 2:0 (1:0)
9. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in León
Frankreich Ungarn 3:0 (1:0)
9. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Irapuato
UdSSR Kanada 2:0 (0:0)

In Gruppe C galt der amtierende Europameister Frankreich um seinen Star Michel Platini als Favorit. Platini plagte jedoch über die gesamte Dauer des Turniers eine Sehnenentzündung im linken Fuß, aufgrund derer er stetig erhöhte Dosen an Entzündungshemmer zu sich nahm, welches ihn aber nur noch mehr schwächten.[4] Der Turnierstart gegen den WM-Debütanten und krassen Außenseiter Kanada verlief für die Franzosen wenig überzeugend. Bis zur 79. Minute mussten die Anhänger der Équipe tricolore warten bis Jean-Pierre Papin zum erlösenden 1:0-Endstand traf, nachdem dieser mehrere Torchancen ungenutzt lies. Im kanadischen Team standen ihr Topstürmer Branko Segota und ihr Stammtorhüter Tino Lettieri nicht in der Startformation, da beide fünf Tage vor WM-Beginn noch in dem entscheidenden Playofffinale der US-amerikanischen Hallenfußballliga Major Soccer League für ihren Verein San Diego Sockers spielten.[5]

Die Vorbereitungsphasen der Sowjetunion und der Ungarn liefen alles andere als optimal. Nach einer Reihe von Testspielniederlagen, u.a. gegen den damaligen Bundesliga-Absteiger 1. FC Saarbrücken[6], entließ der sowjetische Fußballverband den Trainer der Mannschaft Eduard Malofejew gerade einmal 16 Tage vor Turnierbeginn.[7] An seine Stelle trat Walerij Lobanowskyj, der zwei Wochen vor Amtsantritt mit Dynamo Kiew in überzeugender Weise den Europapokal der Pokalsieger gewann. Bei den Ungarn verletzten sich drei Schlüsselspieler[5], unter ihnen Stürmer Tibor Nyilasi, der beste ungarische Spieler des letzten Jahrzehnts.

Obwohl oder wegen der Ausgangslage lieferte die Mannschaft der Sowjetunion gleich in ihrer Eröffnungspartie die vielleicht beste Leistung aller Mannschaften bei diesem Turnier ab. Die Sowjets gewannen in beeindruckender Weise gegen die Ungarn, die von dem ehemaligen argentinischen Nationaltrainer Cesar Luis Menotti zum WM-Favoriten erkoren wurden[8], mit 6:0. Zusätzlich zu den sechs Treffern vergab die Mannschaft Lobanowskyjs sieben weitere hochkarätige Torchancen, darunter ein verschossenen Foulelfmeter durch den eingewechselten Wadym Jewtuschenko. Lobanowskyj setzte auf eine klare Blockbildung und brachte gleich acht Spieler aus Dynamo-Mannschaft von Beginn an. Ein wiederkehrendes Muster des Spieles waren einfache Ballgewinne der Sowjets in zentraler Position im Mittelfeld, die dann aufgrund ihrer Eingespieltheit, ihrer technischen Überlegenheit und des schnellen Umschaltspiels in Windeseile zu gefährlichen Gegenangriffen und zu zahlreichen 1 gegen 1-Situationen mit dem ungarischen Torhüter Péter Disztl führten. Maßgeblich verantwortlich für die Niederlage war außerdem der ungarische Trainer György Mezey, der nach den zwei frühen Treffern der Sowjets bereits nach 13 Minuten den Mittelfeldspieler Győző Burcsa für den Verteidiger Antal Róth brachte und somit seiner Abwehr noch weiter entblößte.

In einer hochklassigen Partie trennten sich Frankreich und die Sowjetunion unentschieden. Die Sowjets dominierten zunächst das Spiel, aber nach der Hälfte der ersten Halbzeit fand Frankreich besser ins Spiel. Folgerichtig hatten auch sie die größte Chance in der ersten Halbzeit durch Michel Platini, der mittels eines direkten Freistoßes aus knapp 30 Metern aber nur den Pfosten traf. Acht Minuten nach der Pause nahm Wassili Raz genauer Maß und traf mit einem sehenswerten Distanzschuß aus 25 Metern in das rechte obere Eck. Die Franzosen glichen in der 63. Minute zum gerechten 1:1-Endstand aus. Alain Giresse bediente mit einem gefühlvollen Heber den aus der Tiefe herangeeilten Luis Fernández, der den Ball auf Höhe des Elfmeterpunktes kurz annehmen und an den sowjetischen Torhüter Rinat Dassajew vorbei ins Tor schieben konnte. Dassajew war es auch, der kurze Zeit später eine Niederlage mit einer sehenswerten Fußabwehr in Folge eines Flugkopfballs von Jean-Pierre Papin aus kurzer Distanz verhinderte.

Der Treffer von Márton Esterházy nach bereits zwei Minuten blieb das einzige hervorzuhebende Vorkommnis in einer ansonsten ereignislosen ersten Halbzeit in der Partie zwischen Ungarn und Kanada, was dazu führte, dass die anwesenden 13.800 Zuschauer, die bei diesen Weltmeisterschaften den negativen Höhepunkt bilden sollten, beide Mannschaften mit einem Pfeifkonzert in die Halbzeit schickten. Auch in der zweiten Hälfte fiel es den Ungarn zunächst schwer sich Chancen zu erspielen. Im Gegensatz dazu kamen die Kanadier zu zahlreichen Torabschlüssen, allerdings ohne den nötigen Erfolg. Entgegen dem bisherigen Spielverlauf traf in der 75. Minute der nachrückende Ungar Lajos Détári zum 2:0-Endstand, als dieser eine weit aufgerückte Defensive der Kanadier in Folge eines Konters bestrafte nachdem zunächst Torhüter Tino Lettieri gegen József Kiprich klären konnte. György Bognár hatte wenige Minuten die Chance auf 3:0 zu erhöhen, traf aber mit seinem Heber aus spitzem Winkel nur den Innenpfosten. Fünf Minuten vor dem Ende sah der erst kurz vor der Pause eingewechselte Mike Sweeney in Folge eines taktischen Fouls die rote Karte nachdem er schon in der 52. Minute gelb sah.

In ihrem dritten Gruppenspiel besiegte Frankreich die erneut enttäuschenden Ungarn mit 3:0. Trainer Mezey nahm bei den Ungarn sechs Änderungen in der Anfangsformation vor und versuchte mit Ballbesitzspiel zum Erfolg zu kommen. Dies führte zunächst zu einer optischen Überlegenheit, aber sollte zu keinem Tor führen. Die Équipe tricolore konzentrierte sich hingegen aufs Kontern, was schließlich nach einer halben Stunde zum ersten Tor führte. Die Flanke von William Ayache fand am langen Pfosten den alleinstehenden Yannick Stopyra, der den Ball ins Tor köpfte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit kamen die Ungarn beinahe zum Ausgleich. In einer ihren wenigen klaren Torchancen während des gesamten Spiels traf Lajos Détári aus 15 Metern aber nur die Unterkante der Latte, worauf der Ball kurz vor der Torlinie auf- und zurück ins Spielfeld sprang. In der 62. Minute ging Frankreich 2:0 in Führung als Jean Tigana in Folge eines Doppelpasses mit gerade eingewechselten Dominique Rocheteau den ungarischen Torhüter in der kurzen Ecke verlud. Dieses Tor sollte das Einzige in Tiganas 52 Spiele umfassenden Nationalmannschaftskarriere bleiben. Der dritte Treffer fiel sechs Minuten vor Schluss, als ein langer Abschlag von Joël Bats Michel Platini fand. Dieser legte quer auf den freistehenden Rocheteau, der den Ball nur noch einschieben brauchte. Wie schon in ihrem Auftragsmatch konnten sich die Ungarn glücklich schätzen, dass ihr Gegner zahlreiche Chancen liegen ließ und das Resultat am Ende nicht doppelt so hoch ausfiel. György Mezey zog nach den unbefriedigenden Leistungen seines Teams und dem ernüchternden Vorrundenaus die Konsequenzen und trat noch vor Ort von seinem Posten als ungarischer Nationaltrainer zurück.

Mit der zweiten Garnitur kamen die Sowjets in der abschließenden Partie zu einem ungefährdeten 2:0-Sieg gegen Kanada und zogen aufgrund der besseren Tordifferenz als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. Damit blieb Kanada die einzige Mannschaft in diesem Turnier ohne Torerfolg.

Gruppe D[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. Brasilien 1968Brasilien Brasilien  3  3  0  0 005:000  +5 06:00
 2. SpanienSpanien Spanien  3  2  0  1 005:200  +3 04:20
 3. NordirlandNordirland Nordirland  3  0  1  2 002:600  −4 01:50
 4. AlgerienAlgerien Algerien  3  0  1  2 001:500  −4 01:50
Die Brasilianer mit Elzo (gelbes Trikot) gewannen ihr Auftaktspiel gegen Spanien
1. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
Spanien Brasilien 0:1 (0:0)
3. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara (Tres de Marzo)
Algerien Nordirland 1:1 (0:1)
6. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
Brasilien Algerien 1:0 (0:0)
7. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara (Tres de Marzo)
Nordirland Spanien 1:2 (0:2)
12. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
Nordirland Brasilien 0:3 (0:2)
12. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Tecnológico)
Algerien Spanien 0:3 (0:1)

Brasilien reiste mit einem ersatzgeschwächten Kader nach Mexiko.[9][10] Toninho Cerezo, Dirceu und Carlos Mozer fielen verletzungsbedingt aus. Renato Gaúcho und Éder Aleixo wurden aufgrund disziplinarischer Gründe nicht nominiert. Leandro verzichtete aus Loyalität zu Renato Gaúcho auf seine Nominierung. Falcão und Sócrates suchten wegen lang andauernder Verletzungen nach ihrer Form und Zico fiel aufgrund einer andauernden Knieverletzung für einen Großteil der Vorrunde aus. Trotz dieser Schwächungen galt die Seleção bei den Londoner Buchmachern als Topfavorit auf den Titel.[11]

Obwohl die Brasilianer alle drei Gruppenspiele gewannen und als einzige Mannschaft in den Vorrunde ohne Gegentor blieben, konnten sie ihre Fans nicht vollends überzeugen.

In ihrer Eröffnungspartie traf die Seleção auf die Spanier, die ebenfalls ersatzgeschwächt antraten. Pünktlich zum ersten Spiel suchte eine Durchfallerkrankung, auch scherzhaft als „Montezumas Rache“ bezeichnet, die halbe Mannschaft heim.[12] Davon betroffen waren u.a. auch die Stars Ramón Calderé und Ricardo Gallego.

In der Partie profitierten die Brasilianer u. a. davon, dass den Iberern ein klarer Treffer nicht anerkannt wurde. In der 53. Minute traf Míchel nach einem Eckball mit einem Schuss aus etwa 18 Metern die Unterkante der Torlatte. Ähnlich wie beim Wembley-Tor kam der Ball auf dem Boden auf und sprang zurück ins Spielfeld. Schiedsrichter Chris Bambridge erkannte das Tor nicht an, obwohl TV-Bilder und Fotos später zeigten, dass der Ball mit vollem Umfang hinter der Torlinie war.[13][14] Der spielentscheidende Treffer gelang Brasilien in der 61. Minute. Careca traf mit einem Schuss aus 15 Metern ebenfalls die Unterkante der Torlatte. Der Ball kam vor der Torlinie auf und wurde anschließend von dem zum Zeitpunkt des Schusses im Abseits stehenden Socrates unbedrängt ins Tor geköpft.

Die Nordiren gingen in ihrer Partie gegen Algerien früh durch einen abgefälschten Freischoß aus 18 Metern in Führung. In der zweiten Halbzeit operierten die Algerier vermehrt mit langen Bällen und brachten so die Defensive des Gegners mehrfach in Bredouille. In der 72. Minute glich Djamel Zidane ebenfalls mit einem Freistoß zum verdienten und gerechten Ausgleich aus. Dieses Unentschieden sollte der einzige Punktgewinn für beide Teams bleiben.

In der ersten Halbzeit im zweiten Gruppenspiel gegen Algerien spielte sich die Seleção zahlreichen Torchancen heraus, scheiterte aber entweder an dem ausgezeichneten Torhüter Nacerdine Drid oder an der Querlatte. Dieses sollte sich beinahe rächen, da die Algerier nach dem Seitenwechsel offensiv mutiger agierten und so sich mehreren Torchancen erspielten. Der einzige Treffer des Spiels fiel Mitte der zweiten Halbzeit infolge eines individuellen Aussetzers des algerischen Kapitäns Mahmoud Guendouz. Careca erkannte die Situation schneller als sein Gegenspieler Liégeon und vollendete aus kurzer Distanz.

Die Brasilianer dominierten in ihrer abschließenden Begegnung gegen Nordirland das Spiel trotz zahlenmäßiger Überlegenheit des Gegners im Mittelfeld von der ersten Minute an. Die Seleção ließ Ball und Gegner laufen und kam zu einem ungefährdeten 3:0-Sieg gegen harmlose Iren. Bei der Niederlage stand der nordirische Torwart Pat Jennings das letzte Mal zwischen den Pfosten. Nach 23 Profijahren und über 1200 Ligaspielen in England trat er an seinem 41. Geburtstag vom Profifußball zurück. Jennings stellte damit einen zwischenzeitlichen Rekord für den ältesten WM-Teilnehmer aller Zeiten auf.

Die spanische Mannschaft ging in ihrem zweiten Spiel gegen Nordirland nach bereits 62 Sekunden in Führung nachdem Míchel durch einen Steilpass Emilio Butragueño bediente und dieser den Ball am nordirischen Torhüter Jennings vorbei ins Tor schlenzte. Julio Salinas erhöhte knapp einer viertel Stunde später auf 2:0 nach einer verunglückten Klärungsaktion des irischen Kapitäns Sammy McIlroy. Kurz nach der Halbzeit verkürzte Colin Clarke zum 2:1-Endstand nach einer slapstick-artigen Fehlerserie, verursacht durch den spanischen Torhüter Andoni Zubizarreta und Mittelfeldspieler Gallego.

Im abschließenden Gruppenspiel kam Spanien zu einem nie gefährdeten 3:0-Sieg gegen Algerien. Nach dem Spiel stellte sich bei der Dopingkontrolle heraus, dass Tage zuvor der zweifache Torschütze Ramón Calderé aufgrund der Durchfallerkrankung mit einem Antibiotikum behandelt wurde, in dem das auf der Dopingliste aufgeführte Aufputschmittel Ephedrin enthalten war. Calderé entging jedoch einer Strafe.[15]

Gruppe E[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. DanemarkDänemark Dänemark  3  3  0  0 009:100  +8 06:00
 2. Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland  3  1  1  1 003:400  −1 03:30
 3. UruguayUruguay Uruguay  3  0  2  1 002:700  −5 02:40
 4. SchottlandSchottland Schottland  3  0  1  2 001:300  −2 01:50
4. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Querétaro
Uruguay BR Deutschland 1:1 (1:0)
4. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Nezahualcóyotl
Schottland Dänemark 0:1 (0:0)
8. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Querétaro
BR Deutschland Schottland 2:1 (1:1)
8. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Nezahualcóyotl
Dänemark Uruguay 6:1 (2:1)
13. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Querétaro
Dänemark BR Deutschland 2:0 (1:0)
13. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Nezahualcóyotl
Schottland Uruguay 0:0

In Gruppe E spielte die deutsche Elf in der sogenannten „Todesgruppe“. Uruguays Trainer Omar Borrás beschrieb so nach der Auslosung die Gruppe und machte damit den Ausdruck international bekannt. Die Ziehung sah vor, dass der amtierende Vizeweltmeister BR Deutschland auf den zweifachen Weltmeister und amtierenden Südamerikameister Uruguay, den Europameisterschafts-Halbfinalisten Dänemark und auf Schottland traf.

Teamchef Franz Beckenbauer nominierte den bis heute ältesten Kader in der DFB-Geschichte[16] und den zweitältesten Kader des Turniers. Darunter waren die Langzeitverletzten Rudi Völler (Adduktorenabriss im linken Oberschenkel)[17], Karl Allgöwer (geplatzte Vene in der Wade im DFB-Pokalfinale)[18], Karl-Heinz Rummenigge (zwei Muskelfaserrisse)[19] und Pierre Littbarski, da Beckenbauer hoffte, dass diese Spieler noch rechtzeitig fit werden würden. Obwohl drei der vier Spieler im Laufe des Turniers zum Einsatz kommen sollten, revidierte Beckenbauer die Einschätzung Jahre später.[20]

Die Deutschen erzielten zum Auftakt ein 1:1 gegen Uruguay. Die deutsche Mannschaft geriet früh in Rückstand, nachdem Lothar Matthäus unbedrängt nahe der Mittellinie einen 30 Meter langen Rückpass vor den eigenen Strafraum spielte. Antonio Alzamendi erkannte die Situation schneller als der deutsche Libero Klaus Augenthaler, umkurvte Torhüter Toni Schumacher und erzielte den Führungstreffer. In der restlichen Spielzeit wusste die deutsche Mannschaft läuferisch, aber nicht spielerisch zu überzeugen. Der Ausgleich fiel schließlich in der 84. Minute. Nach einer anhaltenden Powerplay-Situation köpfte Augenthaler aus dem Mittelkreis den Ball zurück in die Gefahrenzone. Dieser flog über die Abwehr Uruguays und landete vor den Füßen von Klaus Allofs, der per Flachschuss vollendete.

Auch im zweiten Spiel gegen Schottland, deren Trainer Jock Stein acht Monate vor dem Turnier während eines Qualifikationsspiels an einem Herzinfarkt starb und die ohne ihre beiden vermeintlich besten Spieler Alan Hansen und Kenny Dalglish anreisten, lief die deutsche Mannschaft zunächst einem Rückstand hinterher. Gordon Strachan brachte die Schotten, die in der Partie ohne ihre zwei angeschlagenen Stürmer Charlie Nicholas und Paul Sturrock auskommen mussten, durch einen von Klaus Augenthaler leicht abgefälschten Schuss in Führung. Rudi Völler gelangt allerdings schon vier Minuten später der Ausgleich, nachdem in der dritten Spielminute in Folge eines Eckballs sein Kopfball nur den Pfosten traf. Die Entscheidung erwirkte Klaus Allofs, der in der 50. Minute nach einem verunglückten Klärungsversuch den Ball aus 10 Metern in lange Eck schlenzte. In der letzten halben Stunde verflachte das Spiel deutlich was den Witterungsbedingungen, speziell der Hitze und der Höhenlage, geschuldet war. Strachan wurde nach dem Spiel zitiert, dass in genereller Übereinstimmung die Spieler sich einig waren, dass es sich um die härtesten Bedingungen handelte, in denen die Beteiligten je ein Spiel bestritten und das Spieler bis zu 3,6 kg an Gewicht verloren haben.[21]

Zuvor trafen die Schotten bereits auf Dänemark, die laut dem offiziellen Bericht der FIFA "die definitiv beste Mannschaft der Gruppenphase" waren und die "den spektakulärsten Fußball während des Turniers zeigten".[22] In einer Partie, die sich durch offensiven Fußball und für damalige Verhältnisse hohem Tempo auszeichnete, setzte sich Dänemark dank eines Treffer von Preben Elkjær Larsen mit 1:0 durch.

In der Partie Uruguay gegen Dänemark kam es zu einem 6:1-Kantersieg der Dänen. Die Mannschaft des deutschen Trainers Sepp Piontek, die sowohl individuell, als auch als Kollektiv überlegen waren, war spätestens nach 19 Minuten das dominierende Team nachdem Miguel Bossio wegen wiederholt überharten Foulspiels die Rote Karte sah. Nach einer 2:1-Führung zur Halbzeit überließen sie nach dem Seitenwechsel bewusst den Südamerikanern die Initiative und verließen sich hauptsächlich auf Konter. Uruguay erlitt schließlich die höchste Niederlage seit 15 Jahren, die durchaus noch hätte höher ausfallen können.

Im dritten Spiel der Celeste gegen Schottland sorgte Schiedsrichter Joël Quiniou für einen Rekord, als er dem uruguayischen Abwehrspieler José Batista nach 56 Sekunden die Rote Karte zeigte. Der Platzverweis blieb der Einzige in dem Spiel, war jedoch nicht die gröbste Unsportlichkeit der Uruguayer während der 90 Minuten. Die Südamerikaner konzentrierten sich von dem Moment an mit 9 Mann das eigene Tor zu verteidigen, während die alleinige Sturmspitze Enzo Francescoli auf Konter lauerte. Auf diese Weise konnte die Mannschaft das torlose Unentschieden über die Zeit retten was den dritten Platz und damit das Weiterkommen bedeutete. Der schottische Trainer Alex Ferguson äußerte sich nach dem Spiel mit den Worten "Das war kein Fußballspiel mehr. Unter diesen Umständen bin ich froh, dass wir nach Hause fahren. Die Uruguayer haben keinen Respekt vor dem Fußball".[23] Einen Tag nach dem Spiel belegte die FIFA Uruguays Fußballbund AUF zu einer Geldstrafe in Höhe von 25.000 Schweizer Franken (etwa €33.800 ‒ Stand 2017) und verwies Trainer Borrás für das Achtelfinale auf die Tribüne.[24]

Im letzten Gruppenspiel traf die deutsche Mannschaft auf Dänemark. Die Ausgangslage sah vor, dass bereits vor dem Anpfiff des Spiels beide Teams für das Achtelfinale qualifiziert waren. In einer offenen und mit hohem Tempo geführten Partie ging Dänemark kurz vor der Halbzeit in Führung, nachdem Jesper Olsen einen Elfmeter verwandelte. Andreas Brehme traf Mitte der ersten Halbzeit mit einem Schuss aus 30 Metern nur die Latte. Die Entscheidung fiel in der 62. Minute. Der zur Halbzeit eingewechselte John Eriksen erzielte das 2:0 in einer Phase, in der Karlheinz Förster verletzungsbedingt sich an der Seitenlinie behandeln ließ und die Defensive Deutschlands dadurch unsortiert war. Für den weiteren Turnierverlauf von Bedeutung war der Platzverweis von Frank Arnesen zwei Minuten vor dem Spielende nach einer Tätlichkeit.

Gruppe F[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. MarokkoMarokko Marokko  3  1  2  0 003:100  +2 04:20
 2. EnglandEngland England  3  1  1  1 003:100  +2 03:30
 3. Polen 1980Polen Polen  3  1  1  1 001:300  −2 03:30
 4. PortugalPortugal Portugal  3  1  0  2 002:400  −2 02:40
2. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Universitario)
Marokko Polen 0:0
3. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Tecnológico)
Portugal England 1:0 (0:0)
6. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Tecnológico)
England Marokko 0:0
7. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Universitario)
Polen Portugal 1:0 (0:0)
11. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
Portugal Marokko 1:3 (0:2)
11. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Tecnológico)
England Polen 3:0 (3:0)

Gruppe F sollte sich als die spielerisch uninteressanteste Gruppe herausstellen. Gründe dafür waren u.a. die Temperaturen in dem Austragungsort Monterrey, in dem fünf der sechs Spiele stattfanden, sowie das hohe Gras und der holprige Untergrund, was den Spielern zusätzlich Probleme bereitete und ein ordentliches Passspiel verhinderte.[25][26] Aufgrund der äußeren Bedingungen versuchten die vier Mannschaften mit ihren Kräften hauszuhalten und es zu verhindern einen Rückstand hinterherzulaufen. Dies führte dazu, dass in den ersten vier Spielen nur zwei Tore erzielt wurden und dass jede Mannschaft, die in den sechs Spielen in Führung ging das Spiel am Ende auch gewann.

Die Mannschaft aus Marokko sorgte für die größte Überraschung in der Gruppenphase bei diesem Turnier, indem sie sich trotz ihrer Außenseiterrolle gegen drei stärker eingeschätzte Teams den Gruppensieg sicherte und als erste Mannschaft Afrikas überhaupt die Vorrunde überstand. In ihrem Auftaktspiel gegen die polnische Mannschaft konnte keine der Mannschaften in der ersten Halbzeit das Spiel kontrollieren was dazu führte, dass mehrere Distanzschüsse der Marokkaner die einzigen halbwegs gefährlichen Aktionen in der Hälfte blieben. Nach zwei Auswechselungen zu Beginn der zweiten Halbzeit gelang es den Polen mehr Kontrolle über das Spiel zu erlangen. In Folge dessen kamen sie zu mehreren Torchancen. Die größte davon hatte Jan Urban, der gegen Ende des Spiels mit einem Flachschuss aus knapp 22 Metern aber nur den Pfosten traf. Am Ende blieb ein mageres, wenn auch gerechtes 0:0, welches von dem Publikum in Monterrey mit einem Pfeifkonzert quittiert wurde.

Portugals Auftritt bei dieser WM wurde überschattet von der sogenannten Saltillo-Äffäre (aus dem portugiesischen O Caso Saltillo). Ihren Ursprung nahm die Affäre, als nur wenige Stunden vor der geplanten Abreise der Mannschaft nach Mexiko der Benfica-Verteidiger António Veloso positiv auf das Anabole Steroid Primobolan getestet wurde ‒ ein Befund, der sich später als falsch herausstellte. Erbost über den Umgang mit Veloso, ihrer Unterkunft, dürftigen Siegprämien und nach einem Streit mit dem portugiesischen Fußballverband FPF über ausbleibende Bonuszahlungen drohte die Mannschaft schließlich wenige Tage vor Beginn der WM damit nicht antreten zu wollen. Aufgrund des öffentlichen Drucks aus dem In- und Ausland lenkte die Mannschaft aber frühzeitig ein[27]

In ihrem ersten Spiel kamen die Portugiesen und Engländer bis zur 75. Minute auf insgesamt nur einen Schuss auf das gegnerische Tor. Der entscheidende Treffer der Partie fiel, nachdem sich Diamantino Miranda auf der rechten Außenbahn entscheidend gegen Kenny Sansom durchsetzen konnte, unbedrängt diagonal in den Strafraum eindrang und auf Höhe des Fünfmeterraumes den Ball quer auf Carlos Manuel legte, der sich am hinteren Pfosten davon stahl und aus zwei Metern zum entscheidenden 1:0 nur noch einschieben brauchte. Die Engländer hatten dem nichts mehr entgegen zu setzen und konnten sich glücklich schätzen, dass die Portugiesen ihre anschließenden Konterchancen ungenutzt ließen. Diese Niederlage bedeutete das Ende einer fast 12 Monate lang andauernden Serie, in der die Engländer elf Spiele lang unbesiegt blieben.

Vor der zweiten Partie brach sich der portugiesische Stammtorhüter und Kapitän Manuel Bento während einer Trainingseinheit, in der er als Stürmer agierte, das Bein. Dies zwang Trainer José Torres auf den Ersatzmann Vítor Damas zurückzugreifen, der zwar ähnlich erfahren wie Bento war, der aber mit dem Druck und Verantwortung nicht umgehen konnte und daraufhin eine Depression erlitt. Bento fiel in Folge der Verletzung ein ganzes Jahr lang aus und sollte nie wieder sowohl in der Nationalmannschaft, als auch bei seinem Verein Benfica im Tor stehen. Die Polen und die Portugiesen gingen die Partie vorsichtig an, was in der ersten Hälfte zu nur wenigen Torchancen führte. Die größte Chance in den ersten 45 Minuten hatte Włodzimierz Smolarek, der aber das leere Tor verfehlte. Beide Mannschaften steigerten sich schließlich in der zweiten Halbzeit und kamen vermehrt zur Aktionen vor dem gegnerischen Tor. Der entscheidende Treffer des Spiels fiel in der 68. Minute, als ein Chip-Ball über die portugiesische Defensive flog und den freistehenden Smolarek fand, der daraufhin den Ball unter dem heraus eilenden Torhüter Vítor Damas ins Tor schob. Die Portugiesen erhöhten darauf den das Risiko und den Druck, konnten aber den großartig haltenden polnischen Torhüter Józef Młynarczyk nicht überwinden oder scheiterten wie in der 83. Minute an dem Pfosten.

Englands Kapitän Bryan Robson kugelte sich im zweiten Gruppenspiel gegen Marokko in der 38. Minute zum dritten Mal innerhalb von 15 Monaten die Schulter aus[28] und wurde wenige Minuten später ausgewechselt. Die Situation verschlimmerte sich, als Ray Wilkins parallel dazu zunächst gelb wegen Foulspiel und zwei Minuten später die rote Karte sah, nachdem er in Folge einer Abseitssituation aus Protest den Ball in Richtung des Schiedsrichters warf. Trotz des Platzverweises und dem Verlust ihres Kapitäns gelang es den Engländern in der zweiten Halbzeit mit einem Mann weniger größeren Druck auszuüben als in der ersten Hälfte. Dennoch sprang kein zählbarer Erfolg heraus, was bedeutete, dass auch das zweite Spiel der Marokkaner torlos endete und die Zuschauer dies erneut mit einem Pfeifkonzert nach Abpfiff quittierten.

Vor dem letzten Gruppenspiel wurde Trainer Bobby Robson zu zahlreichen Änderungen gezwungen. Einerseits standen ihm der Verletzte Robson, als auch der gesperrte Wilkins nicht zu Verfügung. Andererseits rebellierte seine Mannschaft gegen Robsons Taktik und Personalpolitik was zur Folge hatte, dass Robson das 4-3-3-System in ein 4-4-2 änderte und vier neue Spieler in der Startformation standen. Diese Änderungen sollten von Erfolg gekrönt werden, denn obwohl die Defensive in den ersten Minuten unsortiert wirkte, kamen durch sie mehr Tempo und Bewegung in das Angriffsspiel und nach knapp einer halben Stunde führten die Three Lions mit 3:0 aufgrund eines lupenreinen Hattricks von Gary Lineker. Die Engländer zogen sich daraufhin zurück und überließen den Polen das Spiel, die aber in der restlichen Spielzeit mit Ausnahme eines Pfostenschusses von Zbigniew Boniek zu keinen qualitativ hochwertigen Torchancen kamen.

Ein einfacher Fehlpass von Jaime Pacheco 25 Meter vor dem eigenen Tor führte zum ersten Treffer der Marokkaner in ihrer abschließenden Partie gegen Portugal. Der Pass landete vor den Füßen von Abderrazak Khairi, der kurz nach innen zog und aus der gleichen Distanz mit einem Flachschuss den portugiesischen Torhüter überwand. Sieben Minuten später traf Khairi erneut ‒ dieses Mal in Folge einer Halbfeldflanke von Labid Khalifa, die über die gesamte portugiesische Defensive flog. Wie auch schon bei den beiden vorangegangenen Toren wurde auch das dritte Tor durch einen weiten Diagonalball von dem ein Jahr zuvor zum Afrikas Fußballer des Jahres gewählten Spielmacher Mohammed Timoumi eingeleitet, gegen den die Südeuropäer über den gesamten Verlauf des Spiels keine Lösungen fanden. Die hochstehenden Portugiesen entwickelten zu wenig Druck auf den sich an der linken Außenbahn befindenden Timoumi, der den Ball diagonal auf den zentral durchstoßenden Abdelkrim Krimau spielte. Dieser konnte wiederum ungehindert auf Torhüter Damas zulaufen und ihn aus 15 Metern verladen. Diamantino erzielte zehn Minuten von Schluss den Anschlusstreffer als eine zu kurz geklärte Flanke vor seinen Füßen landete und er den Ball aus 15 Metern über die Verteidigung ins Tor hob.

Diese Niederlage bedeutete das vorzeitige Aus Portugals bei dieser WM. Trainer José Torres zog daraus die Konsequenzen und trat von seinem Posten als portugiesischer Nationaltrainer zurück.

Rangliste der Gruppendritten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pl. Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
 1. BelgienBelgien Belgien  3  1  1  1 005:500  ±0 03:30
 2. Polen 1980Polen Polen  3  1  1  1 001:300  −2 03:30
 3. Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien  3  0  2  1 002:400  −2 02:40
 4. UruguayUruguay Uruguay  3  0  2  1 002:700  −5 02:40
 5. Ungarn 1957Ungarn Ungarn  3  1  0  2 002:900  −7 02:40
 6. NordirlandNordirland Nordirland  3  0  1  2 002:600  −4 01:50

Finalrunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Achtelfinale Viertelfinale Halbfinale Finale
                           
             
 D1: Brasilien 1968Brasilien Brasilien 4
 
 F3: Polen 1980Polen Polen 0  
 Brasilien 1968Brasilien Brasilien 1 (3)
 
   FrankreichFrankreich Frankreich 21 (4)2  
 C2: FrankreichFrankreich Frankreich 2
 
 A2: ItalienItalien Italien 0  
 FrankreichFrankreich Frankreich 0
 
   Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 2  
 F1: MarokkoMarokko Marokko 0
 
 E2: Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 1  
 Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 20 (4)2
 
   MexikoMexiko Mexiko 0 (1)  
 B1: MexikoMexiko Mexiko 2
 
 A3: Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 0  
 ArgentinienArgentinien Argentinien 3
 
   Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 2
 A1: ArgentinienArgentinien Argentinien 1
 
 E3: UruguayUruguay Uruguay 0  
 ArgentinienArgentinien Argentinien 2
 
   EnglandEngland England 1  
 F2: EnglandEngland England 3
 
 B2: Paraguay 1954Paraguay Paraguay 0  
 ArgentinienArgentinien Argentinien 2
 
   BelgienBelgien Belgien 0   Spiel um Platz drei
 C1: SowjetunionSowjetunion Sowjetunion 3
   
 B3: BelgienBelgien Belgien 141  
 BelgienBelgien Belgien 21 (5)2  FrankreichFrankreich Frankreich 241
 
   SpanienSpanien Spanien 1 (4)    BelgienBelgien Belgien 2
 E1: DanemarkDänemark Dänemark 1
 D2: SpanienSpanien Spanien 5  

1 Sieg nach Verlängerung
2 Sieg im Elfmeterschießen

Achtelfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

15. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
MexikoMexiko Mexiko Bulgarien 1971Bulgarien Bulgarien 2:0 (1:0)
15. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in León
SowjetunionSowjetunion Sowjetunion BelgienBelgien Belgien 3:4 n.V. (2:2, 1:0)
16. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
Brasilien 1968Brasilien Brasilien Polen 1980Polen Polen 4:0 (1:0)
16. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Puebla
ArgentinienArgentinien Argentinien UruguayUruguay Uruguay 1:0 (1:0)
17. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt (Olympiastadion)
ItalienItalien Italien FrankreichFrankreich Frankreich 0:2 (0:1)
17. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Universitario)
MarokkoMarokko Marokko Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 0:1 (0:0)
18. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
EnglandEngland England Paraguay 1954Paraguay Paraguay 3:0 (1:0)
18. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Querétaro
DanemarkDänemark Dänemark SpanienSpanien Spanien 1:5 (1:1)

Verlauf der Spiele:

1. Spiel: Mexikos Trainer Bora Milutinović nahm vor dem ersten Achtelfinale gegen Bulgarien einige Änderungen vor. Hugo Sánchez kehrte nach abgesessener Gelbsperre als einziger Stürmer zurück und Manuel Negrete, der in den vorangegangen Spielen auf dem linken Flügel zum Einsatz kam, durfte im zentralen offensiven Mittelfeld schalten und walten. Diese Änderungen hatten zur Folge, dass die Mexikaner zum ersten Mal in diesem Turnier spielerisch überzeugen konnten. Mittels eines flüssigen Kurzpassspiels im Mittelfeld erspielte sich El Tri in der ersten Halbzeit schnell ein klares Chancenplus. Belohnt wurden diese Bemühungen in der 34. Minute mit einem der schönsten Tore der WM-Geschichte.[29][30] Etwa 25 Meter vor dem gegnerischen Tor nahm Manuel Negrete einen halbhohen Pass an, kontrollierte diesen mit einer weiteren Ballberührung, und spielte den Ball volley weiter auf Javier Aguirre, der den Ball erneut volley und halbhoch zurück auf Negrete spielte. Dieser beförderte die Ablage daraufhin mit einem artistischen Seitfallzieher aus 16 Metern in die lange Ecke des bulgarischen Tores. Vier Minuten später konnten sich die Osteuropäer bei ihrem Kapitän Georgi Dimitrow bedanken, der nach einer nicht geklärten Ecke kurz vor der Torlinie für den bereits geschlagenen Torhüter Michajlow klären konnte. Nach dem Seitenwechsel zeigten die Bulgaren etwas mehr Initiative. Ihre Offensivbemühungen endeten aber fast ausschließlich in harmlosen Distanzschüssen. Die Vorentscheidung fiel in der 61. Minute als ein scharf getretener Eckball von Negrete am kurzen Pfosten mit Raúl Servín einen Abnehmer fand. Erst mit der Einwechslung von Boschidar Iskrenow 20 Minuten vor Schluss gelang es den Bulgaren erstmals wirklichen Druck auszuüben, was die mexikanische Defensive prompt in Schwierigkeiten brachte. Nur dank zweier herausragender Paraden von Mexikos Torwart Pablo Larios eine Viertelstunde vor Schluss blieb es bei dem Zwei-Tore-Vorsprung. Diese Druckphase dauerte aber nur wenige Minuten an, so dass Mexiko in der 81. Minute beinahe das dritte Tor erzielte. Mittelfeldspieler Carlos Muñoz traf aus 25 Metern aber nur die Querlatte. Am Ende blieb ein verdienter Sieg für die Mexikaner, die damit zum zweiten Mal nach 1970 ins Viertelfinale der WM einzogen.

2. Spiel: In der Anfangsphase waren die Sowjets die aktivere Mannschaft und gingen nach 27 Minuten verdient mit 1:0 in Führung. Trotz einer 5 gegen 2-Überzahl gelang es den Belgiern nicht den Distanzschuss von Belanow aus 19 Metern zu verhindern, der im oberen linken Toreck einschlug. Die Sowjets nahmen daraufhin den Fuß von Gaspedal und ließen den Ball wiederholt geduldig durch die eigenen Reihen laufen. Die Belgier kamen infolgedessen zu vermehrten Torabschlüssen, die aber fast ausnahmslos aus ungefährlichen Weitschüssen bestanden. Zu Beginn der zweiten Halbzeit übernahm die Sbornaja wieder das Kommando und ging beinahe 2:0 in Führung. Belanow traf mit dem Kopf aber nur den Pfosten und wenige Sekunden später wurde der anschließende Distanzschuss von Pawlo Jakowenko kurz vor der Torlinie von Vervoort geklärt. Nur zwei Minuten später, in der 56. Minute, gelang den Belgiern entgegen dem Spielverlauf der Ausgleich. Kapitän Anatolij Demjanenko verkalkulierte sich bei einer Halbfeldflanke von Franky Vercauteren, wodurch Enzo Scifo den Ball acht Meter vor dem Tor annehmen und ihn vorbei an Dassajew zum 1:1 schlenzen konnte. Die Sowjets zeigten sich nur kurz beeindruckt und blieben die taktgebene Mannschaft. Dieser Aufwand wurde in der 70. Minute belohnt als nach einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte gegen die sich im Spielaufbau befindlichen Belgier Olexander Sawarow alle drei Verteidiger auf sich zog und den freistehenden Belanow in Szene setzte. Dieser hatte keine Probleme damit Pfaff in die falsche Ecke zu schicken und aus elf Metern das 2:1 zu erzielen. Eine Minute später hatte Raz die Chance auf 3:1 zu erhöhen, doch er verzog aus spitzem Winkel. Den Belgiern gelang dann in der 77. Minute der erneute Ausgleich. Stéphane Demol schlug einen hohen 50 Meter Pass von der Mittellinie direkt ins Zentrum der sowjetischen Defensive. Aufgrund einer fehlgeschlagenen Abseitsfalle fand sich Jan Ceulemans allein gelassen an der Strafraumgrenze wieder, konnte den Pass ohne Schwierigkeiten mit der Brust annehmen und den Ball aus elf Metern im langen Eck versenken. Die Sbornaja suchte trotz des erneuten Rückschlags noch in der regulären Spielzeit die Entscheidung und blieb in den restlichen Minuten das aktivere Team. In der 80. Minute war es erneut Wassili Raz der im Mittelpunkt stand, aber aus 16 Metern nur die Querlatte traf. Doch die roten Teufel waren es, die die letzte Großchance in der normalen Spielzeit hatten. Scifo kam nach einer Hereingabe von Nico Claesen aus spitzem Winkel aus vier Metern frei zum Kopfball, konnte aber den bereits am kurzen Pfosten wartenden Torwart Dassajew nicht überwinden. Die Sowjets blieben auch zu Beginn der Verlängerung das dominierende Team, während die Belgier durch gelegentliche Konter für Entlastung sorgten. Aus solch einem Konter entstand ein kurz ausgeführter Eckball in der 102. Minute. Eric Gerets fand den am langen Pfosten den sich davonstehlenden Demol, der freistehend den Ball entgegen der Laufrichtung des Torwarts nur einköpfen brauchte. Die Sbornaja baute nun körperlich und mental ab. Die Vorentscheidung fiel in der 110. Minute als in Folge eines Eckballs die Osteuropäer die Situation nicht klären konnten und Claesen aus 12 Metern zum Abschluss kam. Eine Minute später keimte aber wieder Hoffnung auf als Belanow im Strafraum zum Kopfball hochstieg und niedergerissen wurde. Der Gefoulte trat selbst an und traf zum 3:4-Endstand.

3. Spiel: Die Polen waren in der ersten Halbzeit trotz weniger Ballbesitz die dominante Mannschaft und hätten bereits nach 70 Sekunden in Führung gehen können, als ein in den Strafraum hineingelupfter Ball von Ryszard Tarasiewicz immer länger wurde und an den Pfosten sprang. Zehn Minuten später sollte erneut das Aluminium für Brasilien retten als Jan Karaś mit einem Gewaltschuss aus 25 Metern die Unterkante der Latte traf. Entgegen dem Spielverlauf ging Brasilien in der 30. Minute in Folge eines fragwürdigen Elfmeterpfiffes durch den schlecht positionierten deutschen Schiedsrichter Volker Roth in Führung. Obwohl die Polen zu Beginn der zweiten Halbzeit erneut die bessere Mannschaft waren, schafften sie es über die gesamte Spielzeit kaum in den brasilianischen Strafraum einzudringen und beschränkten sich fast ausschließlich auf Distanzschüsse. In der 55. Minute gelang es Brasiliens Rechtsverteidiger Josimar mit dem Ball am Fuß in den Sechzehnmeterraum einzudringen und aus spitzem Winkel sein zweites sehenswertes Tor bei dieser WM zu erzielen. Aufgrund des Rückstandes ergaben sich in den letzten 25 Minuten immer größere Räume in der polnischen Defensive, die die Brasilianer wiederholt für Konter nutzten. Die endgültige Entscheidung fiel in der 79. Minute als der Innenverteidiger Edinho einen 50 Meter weiten Befreiungsschlag in den Lauf von Careca spielte, dieser das Spiel kurz verzögerte und dann zurück in den Lauf des über das gesamte Spielfeld nachgerückten Edinho spielte. Dieser verlud daraufhin einen polnischen Verteidiger und den Torhüter und erzielte das 3:0. Für den 4:0-Endstand sorgte Careca vier Minuten später abermals von Elfmeterpunkt. Zuvor war der eingewechselte Zico nach einem erneuten Bilderbuchkonter im Strafraum von Torhüter Tarasiewicz am Fuß getroffen worden.

Italien – Frankreich

4. Spiel: In der Partie der beiden Ex-Weltmeister, die zum ersten Mal seit dem Finale von 1930 wieder bei einer WM aufeinandertrafen, dominierte Argentinien über weite Strecken das Spiel, tat sich aber schwer damit diese Überlegenheit in klare Torchancen und Tore umzumünzen. In einem recht unansehnlichen Spiel, welches durch den kleinlich pfeifenden italienischen Schiedsrichter insgesamt 61 Mal durch Freistöße unterbrochen wurde[31], kam zu kaum einen Zeitpunkt ein wirklicher Spielfluss auf. Drei Minuten vor der Pause führte ein verunglückter Klärungsversuch im Strafraum von Acevedo zum einzigen Treffer des Spiels. Der Ball landete direkt vor den Füßen des einschussbereiten Pasculli, der vor dem Spiel für Borghi in die Mannschaft gerückt war. Dieser hatte keinerlei Mühe aus acht Metern den uruguayischen Torhüter Alvez zu verladen. Mit ein wenig mehr Glück hätte das Resultat auch klarer ausfallen können. So traf Diego Maradona in der 21. Minute per Freistoß aus 30 Metern nur die Querlatte, in der 53. Minute klärte Acevedo auf der Torlinie mit dem Kopf einen Schuss von Burruchaga aus vier Metern für den schon geschlagenen Alvez, und in der 66. Minute wurde ein regulärer Treffer von Maradona nicht gegeben, nachdem er angeblich seinen Gegenspieler weggestoßen habe. Bis zur 70. Minute fanden die Himmelblauen gegen die aufmerksam agierende und stets zahlenmäßig überlegene argentinische Defensive kein Gegenmittel. Es war der Zeitpunkt, als innerhalb weniger Minuten ein schwerer Regenschauer aufzog. In dieser Phase gelang es Uruguay erstmals die Albiceleste unter Druck zu setzen. Eine wirkliche Torgefahr konnten sie in den letzten 20 Minuten aber noch immer nicht ausüben, womit es am Ende bei einem knappen, wenn auch ungefährdeten Sieg für Argentinier bleiben sollte.

5. Spiel: Die Begegnung zwischen dem amtierenden Weltmeister und dem amtieren Europameister sah eine klar überlegene französische Mannschaft, die auch ohne an ihre Leistungsgrenzen zu gehen das Spiel klar dominierte. Die Italiener bestätigten ihren Eindruck aus der Gruppenphase und wirkten erneut lethargisch, müde und ohne Ideen. Der Titelverteidiger begann die Partie mit einer kurz andauernden Druckphase. Aber bereits nach wenigen Minuten übernahm das französische Mittelfeld ‒ insbesondere Tigana und Fernández ‒ das Kommando und kontrollierte Spiel sowohl in der Defensive, als auch der Offensive. Nach einem zügig vorgetragenen Angriff über vier Stationen gelang der Equipe Tricolore in der 15. Minute der Führungstreffer. Rocheteau legte den Ball auf den aus der tiefe herbeigestürmten Platini ab, der den Ball dann nur noch über den herausgeeilten Galli heben brauchte. Für weitere Torgefahr sorgte Fernández in der 30. Minute, als er aus 35 Metern abzog und die Querlatte traf. Die Entscheidung fiel in der 57. Minute, als die Franzosen ähnlich wie beim ersten Tor den Ball in der eigenen Hälfte eroberten, kurz das Tempo anzogen und nach sechs Stationen Yannick Stopyra ungedeckt Galli in der kurzen Ecke verladen konnte, nachdem erneut Rocheteau für die Vorlage verantwortlich war. Nur für einen kurzen Moment nach dem zweiten Tor und der Einwechselung von Vialli war ein leichtes Aufbäumen der Italiener gegen das drohende Ausscheiden zu beobachten, nachdem die Squadra Azurra trotz des Rückstandes zwischen der 35. und 60. Minute ohne Torabschluss blieb. Wenige Minuten später fiel man wieder in denselben Trott, ergab sich seinem Schicksal und schied verdient aus. Enzo Bearzot zog nach dem Turnier die Konsequenzen und trat als italienischer Nationaltrainer zurück.

Marokko – BR Deutschland

6. Spiel: Marokko setzte in der Partie gegen Deutschland auf dieselbe defensive Taktik aus der Gruppenphase, die zu torlosen Unentschieden gegen Polen und England geführt hatte. Während die ersten 10 Minuten der Partie noch unterhaltsam waren, nahm nach etwa 20 Minuten die Anzahl der Foulspiele zu und das Spiel verflachte Zusehens. Bereits hier wurde offensichtlich, dass die Nordafrikaner auf die Verlängerung spekulierten, da sie sich dort aufgrund einer vermeintlichen konditionellen Überlegenheit und wegen den äußeren Bedingungen (34 °C im Schatten bei 57 % Luftfeuchtigkeit) Vorteile versprachen. Gegen die stets zahlenmäßig überlegene marokkanische Defensive fiel den vorsichtig agierenden Deutschen spielerisch so gut wie nichts ein, so dass Torchancen Mangelware blieben. Die Ausnahme blieb eine laut Teamchef Beckenbauer „tausendprozentige Chance“[32] in der 44. Minute nach einem Einwurf von der linken Seite. Klaus Allofs setzte sich im 1 gegen 1 durch und spielte aus dem Halbraum einen scharfen Pass in den Fünfmeterraum auf den heranstürmenden Rummenigge. Dieser verfehlte aber aus drei Metern das freistehende Tor und der Ball landete direkt in die Armen des marokkanischen Torhüters Zaki. Zur Halbzeit brachte Beckenbauer Pierre Littbarski für den wegen einer Oberschenkelzerrung angeschlagenen Rudi Völler, der aber dem Spiel ebenso wenig seinen Stempel aufdrücken konnte wie Marokkos Spielmacher Timoumi, der abwechselnd von Matthäus oder Magath manngedeckt wurde und nicht zur Entfaltung kam. Das Niveau des Spiels nahm weiter ab bis etwa 12 Minuten vor dem Schlusspfiff, als es den Deutschen gelang vermehrt zu Torabschlüssen zu kommen. Schließlich belohnte sich die deutsche Mannschaft für ihr mehr an Aufwand, als Lothar Matthäus in der 87. Minute einen Freistoß aus 30 Metern flach an der schlecht positionierten Mauer der Marokkaner vorbeizirkelte und der Ball in der unteren rechten Ecke des Tores zum entscheidenden 1:0 einschlug. Die spanische Zeitung El País titelte tags darauf: „Das war wohl das schlechteste der 42 Spiele, die bisher bei der Weltmeisterschaft stattfanden. Nichts Sehenswertes, nichts Unterhaltsames, reine Ohnmacht.“[33]

England – Paraguay

7. Spiel: Die erste halbe Stunde im Spiel England gegen Paraguay wurde von den Südamerikanern dominiert. Es gelang ihnen aber nicht ihre vier Torchancen ‒ die größte in Folge eines verunglückten Rückpasses von Butcher auf Torwart Schilton welcher von Mendoza abgefangen wurde ‒ in Tore ummünzen. Dieses rächte sich nicht einmal eine Minute nach dem Rückpass. Ein Diagonalball durch den Strafraum von Glenn Hoddle wurde von Steve Hodge noch kurz vor der Torauslinie erlaufen. Er legte den Ball quer auf den vor dem Tor lauernden Lineker, der den Ball aus zwei Metern nur noch über die Torlinie grätschen musste. 80 Sekunden später hatte der Torschütze die Chance auf 2:0 zu erhöhen, doch Torhüter Fernández hielt zu diesem Zeitpunkt seine Mannschaft weiter im Spiel als er Linekers Volleyabnahme noch über die Latte lenkte. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff konnten sich Los Guaraníes glücklich schätzen die Partie zu elft fortzusetzen. Während eines Konters wurde Lineker durch einen Ellbogenschlag an den Hals von Vladimiro Schettina niedergestreckt. Diese Tätlichkeit blieb jedoch von dem Schiedsrichterteam ungeahndet. Während Lineker noch an der Seitenlinie behandelt wurde fand sich Butcher nach einem Eckball für einen kurzen Moment im Strafraum unbewacht. Den Schuss konnte Torwart Fernández nur nach vorne abprallen lassen. Beardsley reagierte am schnellsten und erzielte das 2:0. Die endgültige Entscheidung fiel in der 73. Minute, als der eingewechselte Stevens nach einem Lauf in die Tiefe von Hoddle bedient wurde und dann im Halbraum den Ball quer auf seinen freistehenden Vereinskollegen Lineker legte. Dieser erzielte mühelos seinen zweiten Treffer des Tages zum 3:0-Endstand.

Dänemark – Spanien

8. Spiel: Dänemarks Trainer Piontek musste vor dem Spiel mehreren Änderungen vornehmen. Aufgrund der roten Karte von Frank Arnesen im letzten Gruppenspiel wurde er dazu gezwungen auf den seiner Meinung nach besten Spieler seiner Mannschaft aus der Vorrunde zu verzichten. Dazu kam der kurzfristige Ausfall von John Sivebæk wegen eines Magen-Darm-Infekts. An seine Stelle trat Hendrik Andersen, wodurch Jesper Olsen vom linken auf den rechten Flügel wechselte. Außerdem gingen Preben Elkjær Larsen und Jens Jørn Bertelsen angeschlagen beziehungsweise nicht hundertprozentig fit in die Partie.[34] Wie in den bisherigen Partien kontrollierten die Dänen zunächst das Tempo des Spiels und kamen gegen die zunächst vorsichtig agierenden Spanier zu mehreren Torabschlüssen. Nach einer viertel Stunde gelang es den Spaniern allmählich Zugriff herzustellen wodurch sie die Dänen nun vermehrt schon bei der Ballannahme stören konnten. In der 33. Minute wurde der heranstürmende Klaus Berggreen an der Strafraumgrenze gefoult. Den anschließenden Elfmeter verwandelte Jesper Olsen sicher. Olson war es, der 10 Minuten später erneut im Mittelpunkt stehen sollte. Nach einem kurzen Torabschlag spielte er unter Bedrängnis auf Höhe des eigenen Sechzehnmeterraumes einen Querpass direkt in die Füße des lauernden Emilio Butragueño, der den Ball nur noch ins Tor zu schieben brauchte. Infolgedessen fand der Begriff en rigtig Jesper Olsen (ein richtiger Jesper Olsen) Einzug in den dänischen Alltag und das dänische Wörterbuch als Umschreibung eines Ausrutschers oder Patzers.[35][36] In der Anfangsphase der zweiten Halbzeit hatte Elkjær zwei hochkarätige Chancen innerhalb von 45 Sekunden, lies aber beide ungenutzt. Dieses rächte sich drei Minuten später als eine Ecke der Spanier mit dem Kopf verlängert wurde. Die Verlängerung fand mit Butragueño einen Abnehmer, der innerhalb des Fünfmeterraumes sträflich allein gelassen wurde. Als Resultat auf diesen erstmaligen Rückstand im Turnier brachte Piontek in der 60. Minute für den Verteidiger Henrik Andersen den Stürmer John Eriksen. Innerhalb weniger Minuten verloren die Dänen aber nach einem groben Fehlpass von [[Jens Jørn Bertelsen<Bertelsen]] und zwei daraus folgenden Großchancen nun vollkommen den Faden. Aus dem vordergründigen 3-4-3 wurde unbeabsichtigt ein 3-2-5. Dieses hatte zur Folge, dass sich für die Spanier schon frühzeitig mehrere 4 gegen 3, beziehungsweise 3 gegen 2 Konterchancen ergaben. Eine dieser Chancen führte in der 68. Minute zum 3:1, als Søren Busk im Strafraum Butragueño zu Fall brachte und Andoni Goikoetxea den fälligen Elfmeter verwandelte. Die heißen Temperaturen, die Unerfahrenheit der Dänen bei großen Turnieren, die harten Trainingseinheiten, das hohe Durchschnittsalter der Verteidigung und das Festhalten Pionteks an der Stammformation im Spiel gegen Deutschland forderten nun endgültig ihren Tribut. Ein simpel vorgetragener Angriff über fünf Stationen über den gesamten Platz führte in der 80. Minute zum dritten Treffer Butragueños. Dieser erzielte auch noch seinen vierten Treffer eine Minute vor dem Schlusspfiff zum 5:1-Endstand vom Elfmeterpunkt, nachdem er zuvor von Morten Olsen gefoult wurde.

Viertelfinale BR Deutschland gegen Mexiko

Viertelfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

21. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
Brasilien 1968Brasilien Brasilien FrankreichFrankreich Frankreich 1:1 n.V. (1:1, 1:1), 3:4 i.E.
21. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Monterrey (Universitario)
Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland MexikoMexiko Mexiko 0:0 n.V., 4:1 i.E.
22. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
ArgentinienArgentinien Argentinien EnglandEngland England 2:1 (0:0)
22. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Puebla
SpanienSpanien Spanien BelgienBelgien Belgien 1:1 n.V. (1:1, 0:1), 4:5 i.E.

Das Viertelfinalspiel Frankreich gegen Brasilien gilt noch heute als eines der besten Weltmeisterschaftsspiele aller Zeiten. Zwei der besten Mittelfeldreihen der 1980er Jahre (Sócrates, Junior und Alemão sowie Michel Platini, Alain Giresse und Jean Tigana) übten Angriffsfußball mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Brasilien, das in Führung gegangen war, verpasste es, bis zur Halbzeit den Spielstand zu halten und musste kurz vor der Pause sein erstes Gegentor im Turnier hinnehmen. In der zweiten Hälfte inszenierten die Franzosen ein offenes Feldspiel, ohne dass noch ein Tor fiel. Das Spiel endete nach Elfmeterschießen mit dem Sieg für die Franzosen. Der Brasilianer Zico, der als einer der besten Fußballer seiner Zeit gilt, verschoss in der regulären Spielzeit einen Foulelfmeter.

Im zweiten Viertelfinale musste sich Deutschland in Monterrey mit dem Gastgeber Mexiko auseinandersetzen. Dieses Match war wesentlich härter und mehr von Taktik bestimmt als das vorangegangene Spiel. Torchancen gab es kaum, jedoch gab es zwei Platzverweise, einen für jedes Team. In der Verlängerung fiel kein Tor mehr. Im Elfmeterschießen setzten sich die DFB-Kicker dann mit 4:1 durch, Torwart Schumacher konnte zwei schwach geschossene Elfmeter der Mexikaner parieren.

Im Spiel Argentinien - England erzielte Diego Maradona ein Tor mit der Hand, indem er den Ball über den vor ihm stehenden englischen Torwart faustete. Der Schiedsrichter gab das Tor. Maradona sprach später von der „Hand Gottes“, die das Tor erzielt habe. Kurz darauf schoss Maradona nach einem Alleingang, bei dem er sieben englische Spieler umspielte, das 2:0. Dieses Tor wurde später bei einer Abstimmung der FIFA zum schönsten Tor der WM-Geschichte gewählt. Beide Tore fielen kurz nach der Pause, danach zogen die Argentinier sich zurück. England gelang zehn Minuten vor dem Abpfiff noch der Anschlusstreffer.

Das letzte Viertelfinale wurde zwischen Vize-Europameister Spanien und Belgien ausgetragen. Spanien konnte einen Rückstand erst kurz vor dem Spielende ausgleichen und eine Verlängerung erzwingen. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen, wo ein verschossener Strafstoß der Spanier den Ausschlag gab.

Halbfinale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spielszene aus dem Halbfinale Frankreich – BR Deutschland
25. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Guadalajara
FrankreichFrankreich Frankreich Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland BR Deutschland 0:2 (0:1)
25. Juni 1986, 16:00 Uhr (24:00 Uhr MESZ) in Mexiko-Stadt
ArgentinienArgentinien Argentinien BelgienBelgien Belgien 2:0 (0:0)

Im Halbfinale gab es zunächst die Neuauflage des Halbfinales vier Jahre zuvor zwischen Frankreich und der deutschen Elf. Die Franzosen galten nach den Siegen über Titelverteidiger Italien und Favorit Brasilien als Favorit, während sich die Deutschen bis dahin weniger deutlich durchsetzten. Die Deutschen gingen jedoch durch einen Freistoß von Brehme nach einem Torwartfehler von Bats früh in Führung und hätten diese zur Halbzeit noch ausbauen können. In der zweiten Hälfte bedrohten die Franzosen das deutsche Tor, ohne jedoch zu klaren Torchancen zu kommen. In der Schlussminute vollendete Rudi Völler einen Konter zum 2:0-Endstand.

Im zweiten Halbfinale galt Argentinien um seine Stars Valdano, Burruchaga und Maradona als Favorit gegen Belgien. In der ersten Hälfte standen die Belgier noch sicher und nahmen ein 0:0 mit in die Pause, doch in der zweiten Hälfte machte sich der Kräfteverschleiß der Belgier zunehmend bemerkbar, die zuvor zweimal in die Verlängerung hatten gehen müssen. Maradona erzielte das Tor zum 1:0 und setzte wenig später zu einem ähnlichen Solo an wie im Viertelfinale gegen England. Dieses Tor zum 2:0 brachte die Entscheidung und wurde bei der Wahl zum WM-Tor des Jahrhunderts auf den vierten Platz gewählt.

Spiel um Platz 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

28. Juni 1986, 12:00 Uhr (20:00 Uhr MESZ) in Puebla
BelgienBelgien Belgien FrankreichFrankreich Frankreich 2:4 n.V. (2:2, 1:2)

Im Kleinen Finale kämpften beide Mannschaften leidenschaftlich um den Sieg, obschon die Franzosen vielen Reservisten eine Chance gaben. So trat z. B. Michel Platini nicht mehr an. Die Belgier erreichten ein 2:2 und mussten im vierten Spiel in Folge ihre dritte Verlängerung spielen. Mit zwei weiteren Toren, darunter ein Elfmeter, kamen die Franzosen zum Erfolg.

Finale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argentinien BR Deutschland
ArgentinienArgentinien
Sonntag, 29. Juni 1986 um 12:00 Uhr in Mexiko-Stadt (Aztekenstadion)
Ergebnis: 3:2 (1:0)
Zuschauer: 114.600
Schiedsrichter: Romualdo Arppi Filho (Brasilien 1968Brasilien Brasilien)
Spielbericht
BR DeutschlandBR Deutschland
Nery PumpidoJosé Luis BrownJosé Luis Cuciuffo, Oscar Ruggeri, Julio OlarticoecheaRicardo Giusti, Sergio Batista, Diego Maradona (C)Kapitän der Mannschaft, Héctor EnriqueJorge Burruchaga (90. Marcelo Trobbiani), Jorge Valdano
Trainer: Carlos Bilardo
Toni SchumacherDitmar JakobsThomas Berthold, Karlheinz Förster, Hans-Peter BriegelAndreas Brehme, Lothar Matthäus, Norbert Eder, Felix Magath (62. Dieter Hoeneß) – Karl-Heinz Rummenigge (C)Kapitän der Mannschaft, Klaus Allofs (46. Rudi Völler)
Teamchef: Franz Beckenbauer
Tor 1:0 Brown (23.)
Tor 2:0 Valdano (56.)


Tor 3:2 Burruchaga (84.)


Tor 2:1 Rummenigge (74.)
Tor 2:2 Völler (81.)
Gelbe Karten Maradona (17.), Olarticoechea (77.), Enrique (81.), Pumpido (85.) Gelbe Karten Matthäus (21.), Briegel (62.)

Im Finale galt Argentinien als klarer Favorit und hatte etwas mehr vom Spiel, die ganz großen Torchancen blieben aber auf beiden Seiten aus, was auch daran lag, dass Lothar Matthäus seinen Gegenspieler Diego Maradona überwiegend im Griff hatte. Die Argentinier gingen Mitte der ersten Hälfte durch einen Freistoß in Führung, nachdem der deutsche Torwart Schumacher einen in den Strafraum geflankten Ball unterlief, so dass Libero Brown ins leere Tor köpfen konnte. Nach knapp einer Stunde fiel das 2:0, aber wie schon gegen England zogen sich die Argentinier jetzt vollständig zurück. Deutschland hatte nun mehr Spielanteile, ohne allerdings große Chancen herausspielen zu können. Nur bei Standards wurde es gefährlich, zwei Ecken, getreten von Andreas Brehme von links, führten zum Ausgleich acht Minuten vor dem Ende. Die deutschen Spieler entblößten jedoch ihre Abwehr, um die Entscheidung noch vor der Verlängerung zu erzielen, und liefen knapp drei Minuten nach dem Ausgleich in einen Konter der Argentinier – Pass Maradona, Solo von Burruchaga – und es stand 3:2 für die Südamerikaner.

Auszug aus dem Original-Fernsehkommentar von Rolf Kramer nach dem 2:2-Ausgleichstreffer von Rudi Völler: "Ist denn das die Möglichkeit ... schauen Sie sich das an: wieder eine Ecke, wieder eine Kopfballvorlage, sie schlagen sie da, wo sie unschlagbar schienen, in der Luft bei hohen Bällen und da fliegt der Pumpido durch die Gegend. Und jetzt ... steh' ich auf ... und die deutsche Bank, ja der FIFA-Mann ist da, er will's verhindern: Horst Köppel, die Ersatzspieler, Franz Beckenbauer, aaalle sind aufgesprungen. Der Torschütze, die beiden, die angeschlagen sind: Karl-Heinz Rummenigge und Rudi Völler die machen hier die Tore - 2:2 81. Minute und es wäre billig, ich verkneif's mir zu sagen, dass wir nicht aufgesteckt haben - ich tu's ja doch; bitte um Entschuldigung!"

Ehrungen der Platzierten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Toni Schumacher wurde zum Fußballer des Jahres in Deutschland gewählt und Diego Maradona wurde Argentiniens Fußballer des Jahres, bei der von El Mundo veranstalteten Wahl als Südamerikas Fußballer des Jahres ausgezeichnet sowie zum inoffiziellen Weltfußballer des Jahres gewählt. Manuel Amoros wurde Frankreichs Fußballer des Jahres und Borislaw Michajlow Fußballer des Jahres in Bulgarien.

Beste Torschützen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rang Spieler Tore
1 EngländerEngländer Gary Lineker 6
2 SpanierSpanier Emilio Butragueño 5
BrasilianerBrasilianer Careca 5
ArgentinierArgentinier Diego Maradona 5
5 ItalienerItaliener Alessandro Altobelli 4
sowjetischer Sportlersowjetischer Sportler Igor Belanow 4
DäneDäne Preben Elkjær Larsen 4
ArgentinierArgentinier Jorge Valdano 4
9 BelgierBelgier Jan Ceulemans 3
BelgierBelgier Nico Claesen 3
DäneDäne Jesper Olsen 3
DeutscherDeutscher Rudi Völler 3
Rang Spieler Tore
13 FranzoseFranzose Jean-Pierre Papin 2
MarokkanerMarokkaner Abderrazak Khairi 2
sowjetischer Sportlersowjetischer Sportler Iwan Jaremtschuk 2
BrasilianerBrasilianer Josimar 2
SpanierSpanier Ramón Calderé 2
BrasilianerBrasilianer Sócrates 2
ParaguayerParaguayer Julio César Romero 2
ParaguayerParaguayer Roberto Cabañas 2
ArgentinierArgentinier Jorge Burruchaga 2
FranzoseFranzose Yannick Stopyra 2
MexikanerMexikaner Fernando Quirarte 2
FranzoseFranzose Michel Platini 2
BelgierBelgier Enzo Scifo 2
DeutscherDeutscher Klaus Allofs 2

Darüber hinaus gab es 54 Spieler mit einem Treffer. Hinzu kam ein Eigentor.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Hand Gottes und das WM-Tor des Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Manchmal denke ich, dass ich das Tor, das ich mit der Hand gemacht habe, dem anderen vorziehe … es war in etwa so, als würde ich den Engländern die Brieftasche klauen.“

„It was probably the one and only time in my whole career that I felt like applauding the opposition scoring a goal.“

„Es war wohl das einzige Mal in meiner gesamten Karriere, dass ich dem gegnerischen Team für ein Tor applaudieren wollte.“

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildseite einer 1/4 oz Goldmünze, die anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko geprägt wurde.
Wertseite einer 1/4 oz Goldmünze, die anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko geprägt wurde.

Die mexikanische Zentralbank gab zur Feier der Weltmeisterschaft eigens geprägte Goldmünzen mit Gewichten von 1/2 und 1/4 Unze aus. Diese Münzen verbanden mit ihren Motiven die Geschichte des Landes mit dem Thema Fußball.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fußball-Weltmeisterschaft 1986 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In anderen Quellen, z.B. [1] werden nur rund 36.000 Zuschauer genannt.
  2. FIFA World Cup - Mexico '86 Official Report
  3. Lions, Brian: World Cup(s) Inside Stories
  4. Gareth Bland: "The era-defining game between France and West Germany in 1986". In: thesefootballtimes.co (englisch), 9. September 2015, abgerufen am 7. September 2016.
  5. a b Alex Yannis: THE WORLD CUP '86; 2-YEAR DRAMA NEARS THE END: ITALY OPENS AGAINST BULGARIA. In: nytimes.com. 25. Mai 1986, abgerufen am 8. September 2016.
  6. "SOWJET-SPIELER Wie Marathon". In: Spiegel.de, 9. Juni 1986, abgerufen am 8. September 2016.
  7. "SPORTS PEOPLE; Soviet Coach Dismissed". In: nytimes.com (English), 14. Mai 1986, abgerufen am 8. September 2016.
  8. Harry Valérien: Fussball-WM '86 Mexiko Südwest, 1986, ISBN 3-517-00894-X, S. 59.
  9. Brazil Limping To World Cup In: articles.sun-sentinel.com (englisch), 17. Mai 1986, abgerufen am 13. September 2015.
  10. The last World Cup of a generation of superstars In: brazilofallworldcups.com (englisch), abgerufen am 13. September 2015.
  11. Alex Yannis: World Cup Play Starts Today In: nytimes.com (englisch), 31. Mai 1986, abgerufen am 22. September 2015.
  12. WM 1986: Maradonas 'Hand Gottes' und genialer linker Fuß In: dfb.de, 3. Mai 2014, abgerufen am 13. September 2015.
  13. Nächster Beweis – Das Wembley-Tor war keins In: welt.de, 21. Januar 2008, abgerufen am 21. September 2015.
  14. Scott Murray, Barney Ronay, Paul Doyle: The Joy of Six: World Cup refereeing controversies In: theguardian.com, 2. Juli 2010, abgerufen am 21. September 2015.
  15. Thomas Hummel: Flügelflitzer: Urintest - Schneller können müssen In: sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 28. September 2015.
  16. "Die WM 1986". In: dfb.de, abgerufen am 28. September 2016.
  17. Jannis Bornemann: "Augenthalers 'normales Foul' an Völler". In: kicker.de, abgerufen am 29. September 2016.
  18. "BUNDESLIGAFINALE 1986: ALLGÖWER LÄSST BREMER MEISTERTRÄUME PLATZEN". In: dfb.de, abgerufen am 24. September 2016.
  19. Udo Muras: "Beckenbauers Fehler ist eine Warnung für Löw". In: welt.de, abgerufen am 29. September 2016.
  20. Jürgen Leinemann und Alfred Weinzierl: "Am 10. Juli gehe ich nach Hause". In: spiegel.de, abgerufen am 28. September 2016.
  21. Jim Reynolds: "The heat got to us, says Souness" In: The Glasgow Herald, 10. Juni 1986, abgerufen am 19. September 2015.
  22. FIFA World Cup - Mexico '86 Official Report
  23. Harry Valérien: Fussball-WM '86 Mexiko Südwest, 1986, ISBN 3-517-00894-X, S. 89.
  24. SCHIEDSRICHTER: Voll gebremst. In: spiegel.de. Spiegel Online, 26. Juni 1986, abgerufen am 28. April 2017.
  25. Dietrich Schulze-Marmeling, Hubert Dahlkamp: Die Geschichte der Fußball Weltmeisterschaft Verlag die Werkstatt, 2010, ISBN 978-3-89533-753-6, S. 304.
  26. FIFA World Cup - Mexico '86 Official Report, S.40
  27. The Blizzard - The Football Quarterly: Issue Six Blizzard Media Ltd, 2013, ISBN 978-1-908940-03-2, S. 14.
  28. "Bryan Robson’s pain of Mexico ’86". In: englandmemories.com (English), 23. Mai 2016, abgerufen am 6. Oktober 2016.
  29. Ranking Mexico's 10 Greatest Midfielders of All Time. In: bleacherreport.com. Bleacher Report, abgerufen am 14. Oktober 2016 (englisch).
  30. Jasper Rees: Listed: The World Cup's Most Beautiful Goals. In: theartsdesk.com. 7. Juni 2014, abgerufen am 14. Oktober 2016 (englisch).
  31. Harry Valérien: Fussball-WM '86 Mexiko Südwest, 1986, ISBN 3-517-00894-X, S. 109.
  32. Harry Valérien: Fussball-WM '86 Mexiko Südwest, 1986, ISBN 3-517-00894-X, S. 116
  33. Harry Valérien: Fussball-WM '86 Mexiko Südwest, 1986, ISBN 3-517-00894-X, S. 113.
  34. Rob Smyth, Lars Eriksen, Mike Gibbons: Danish Dynamite: The Story of Football's Greatest Cult Team Bloomsbury, 2014, ISBN 9781408844847, S. 185.
  35. Rob Smyth, Lars Eriksen, Mike Gibbons: Danish Dynamite: The Story of Football's Greatest Cult Team Bloomsbury, 2014, ISBN 9781408844847, S. 192.
  36. "The footballers who have moves named after them". In: theguardian.com (English), 31. Oktober 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  37. D. Maradona: Maradona: The Autobiography of Soccer's Greatest and Most Controversial Star. Skyhorse Publishing, 2007, ISBN 978-1-60239-027-0, S. 127.