Fußball-Weltmeisterschaft 2022

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022
2022 FIFA World Cup Qatar

Logo der Bewerbung Katars
Anzahl Nationen 32
Austragungsort KatarKatar Katar
Endspiel 18. Dezember 2022
Spiele 64

Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 (englisch 2022 FIFA World Cup) wird die 22. Austragung des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und soll in Katar ausgetragen werden. Im März 2015 wurde endgültig entschieden, dass wegen der großen Hitze im Sommer in Katar das Turnier erstmals gegen Jahresende stattfinden wird. Das Endspiel wird demnach am 18. Dezember 2022 stattfinden und es wird beabsichtigt, die Weltmeisterschaftsendrunde auf 28 Tage zu verkürzen.[1]

Vergabe[Bearbeiten]

Das Exekutivkomitee der FIFA hatte am 19. Dezember 2008 während seiner Sitzung in Tokio beschlossen, die beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gleichzeitig zu vergeben. Die Frist für die Mitgliedsverbände zur Bekundung ihres Interesses an der Ausrichtung endete am 2. Februar 2009. Für die beiden Turniere gingen elf Bewerbungen aus 13 Ländern ein. Dem 2007 modifizierten Rotationsverfahren entsprechend, war für das Turnier 2022 der Kontinentalverband, in dem die vorletzte Weltmeisterschaft stattgefunden hat (Südamerika mit Brasilien 2014), von der Bewerbung ausgeschlossen. Bis zur Vergabe zogen alle nicht-europäischen Bewerber für die Weltmeisterschaft 2018 ihre Kandidatur zurück und konzentrierten ihre Bewerbungen auf das Turnier 2022. Die Bewerbung aus Indonesien wurde von der FIFA abgelehnt, da die geforderten Unterlagen und Garantien nicht eingereicht wurden. Der mexikanische Verband zog am 28. September 2009 seine Bewerbung aufgrund der ungeklärten Finanzierung zurück.

Den Gastgeber der WM 2022 gab die FIFA am 2. Dezember 2010 in Zürich bekannt. Dabei setzte sich Katar gegen die Mitbewerber aus den USA, Südkorea, Japan und Australien durch.[2]

Bewerber 1. Runde 2. Runde 3. Runde 4. Runde Bemerkung
KatarKatar Katar 11 10 11 14
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 3 5 6 8 Ausrichter der WM 1994
Korea SudSüdkorea Südkorea 4 5 5 Beide Länder richteten die WM 2002 zusammen aus.
JapanJapan Japan 3 2
AustralienAustralien Australien 1   –

Anmerkung: Es war eine absolute Mehrheit erforderlich, welche zwölf Stimmen entsprach. Bis diese erreicht wurde, schied pro Runde der Bewerber mit den wenigsten Stimmen aus.

Spielorte[Bearbeiten]

Für die Weltmeisterschaft sind laut Evaluation der FIFA basierend auf den Bewerbungsunterlagen folgende Stadien als Austragungsorte vorgesehen:[3]

Lusail (Al-Daayen) Al-Khor Al-Rayyan Al-Rayyan
Lusail Iconic Stadium Al-Khor Stadium Al-Rayyan Stadium Education City Stadium
Kapazität: 80.090
(Neubau)
Kapazität: 41.650
(Neubau)
Kapazität: 42.015
(Umbau)
Kapazität: 41.375
(Neubau)
 
 
im Bau
 
 
im Bau Bild fehlt im Bau
Al-Rayyan
Spielorte 2022 in Katar
Al-Rayyan
El-Gharafa Stadium Khalifa International Stadium
Kapazität: 42.015
(Umbau)
Kapazität: 62.345
(Umbau)
Bild fehlt Außenansicht des Stadions bei Nacht
Al-Shamal Al-Wakra
Al-Shamal Stadium Al-Wakrah Stadium
Kapazität: 41.500
(Neubau)
Kapazität: 41.500
(Neubau)
 
 
im Bau
 
 
im Bau
Doha Doha Doha Umm Slal
Doha Port Stadium Qatar University Stadium Sports City Stadium Umm Slal Stadium
Kapazität: 41.480
(Neubau)
Kapazität: 40.000
(Neubau)
Kapazität: 44.010
(Neubau)
Kapazität: 41.500
(Neubau)
 
 
im Bau
 
 
im Bau im Bau im Bau

Qualifikation und Teilnehmer[Bearbeiten]

An der Weltmeisterschaft werden 32 Mannschaften teilnehmen. Die Startplätze werden innerhalb der sechs Kontinentalverbände durch Qualifikationsturniere sowie durch interkontinentale Entscheidungsspiele vergeben. Der Gastgeber Katar ist automatisch qualifiziert.

Die Verteilung der Startplätze bleibt unverändert zu den Turnieren von 2014 und 2018:[4]

  • Afrika (CAF): 5
  • Asien (AFC inkl. Australien): 4,5*
  • Europa (UEFA): 13
  • Nord-, Mittelamerika und Karibik (CONCACAF): 3,5*
  • Ozeanien (OFC): 0,5*
  • Südamerika (CONMEBOL): 4,5*
  • Gastgeber (Katar/Asien): 1

 * = Halbe Plätze bedeuten, dass sich eine weitere Mannschaft über interkontinentale Entscheidungsspiele qualifizieren kann.

Organisation und Umfeld[Bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten]

In der Hauptstadt Doha werden sechs Stadien liegen, sechs weitere Stadien verteilen sich in Städten der näheren Umgebung, so dass nur relativ kurze Entfernungen zwischen den Sportanlagen zu bewältigen sind. Alle Stadien werden darüber hinaus an das im Bau befindliche Stadtbahnsystem (das Light Railway System, dessen Kern die Doha Metro bildet) angeschlossen. Man rechnet damit, dass 60 Prozent der Besucher mit dieser Bahn in die Stadien fahren.

Das Investitionsvolumen für die zwölf Spielstätten wird auf etwa 2,87 Milliarden[5] bis 4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das Gesamtinvestitionsvolumen für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft wird mit bis zu 50 Milliarden US-Dollar beziffert.[6] Das Projekt soll auch im Gesamtrahmen der Entwicklung Katars – und hier insbesondere des Ballungsraums Doha – zu einem modernen Siedlungsraum große Schubkraft entwickeln. Die schon heute starken Impulse bei der infrastrukturellen und baulichen Entwicklung des Raums (siehe The Pearl, Lusail, Doha Metro) dürften sich mit dem Fokus auf die WM beschleunigen.

Planungsstand und Baurealisierung[Bearbeiten]

Scheich Mohammed Hamad bin Chalifa Al Thani, der Mentor der WM-Bewerbung, hat das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer & Partner GmbH (AS&P) und seine Partner beauftragt, die Planungen zu erarbeiten. Wegen der großen Hitze im Sommer sollen die Stadien temperiert werden. Von den zwölf für die WM erforderlichen Stadien werden vier vorhandene ausgebaut und acht neu errichtet. Die Neubauten werden in modularer Bauweise erstellt, d. h. sie können nach der WM bedarfsgerecht zurückgebaut und verkleinert, oder ganz abgebaut und woanders neu aufgestellt werden. Die Klimatisierung aller Stadien verfolgt ein ökologisch nachhaltiges Konzept: Die im Umfeld der riesigen Sportstätten über Solartechnik gewonnene Energie wird zur Kühlung der Sportanlagen verwendet. Die Temperatur im Stadioninneren soll auch bei geöffnetem Dach 27 Grad Celsius nicht überschreiten.

Kritik an der Vergabe[Bearbeiten]

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger, der als Gegner der WM in Katar gilt, sprach sich bereits Ende 2011, ein Jahr, nachdem beschlossen worden war, die WM in Katar zu veranstalten, für eine Neuvergabe der Weltmeisterschaft aus.[7] Auch der ehemalige Präsident des englischen Fußballverbandes, David Bernstein, verlangte eine Neuausschreibung.[8] FIFA-Chef Blatter stellte aber wiederholt klar, dass die WM in Katar stattfinden werde. Man werde nur darüber reden, ob das Turnier in die Winterzeit gelegt werden solle, um der dort im Sommer herrschenden Hitze zu entgehen.[9] Mitte Mai 2014 bezeichnete er die Vergabe der WM nach Katar erstmals als „Fehler“.[10]

Fehlende Fußballtradition Katars[Bearbeiten]

Die WM-Bewerbung Katars hatte in der westlichen Welt als aussichtslos gegolten. Die Kritik nach der Vergabe an Katar wird im Wesentlichen damit begründet, dass das Land keine fußballerische Tradition vorzuweisen habe: Katar hatte zuvor noch nie an einer WM-Endrunde teilgenommen, zum Zeitpunkt der Vergabe nahm Katar in der FIFA-Weltrangliste Platz 113 ein. Die FIFA trat dem mit der Begründung entgegen, dass man neue Wege gehen wollte.

„Und selbstverständlich werden die Fans aus der ganzen Welt nach dem faszinierenden Erlebnis der arabischen Gastfreundlichkeit Katar mit einem völlig neuen Verständnis für den Nahen Osten verlassen.

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in dieser Region auszutragen wäre damit auch ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung, ganz im Sinne des FIFA Slogans For the Game; For the World.“

– Netzauftritt der FIFA: Bewerber für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 2022[11]

Korruption bei der Abstimmung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Korruption in der FIFA

Eine eher grundsätzliche Kritik vieler Veröffentlichungen und Kommentare aus der „alten Fußballwelt“ (d. h. Westeuropa) bezieht sich auf das wenig transparente Abstimmungsverhalten der Mitglieder des FIFA-Exekutivausschusses. Nach den Bekundungen eines Ausschussmitglieds der Sektion Südamerika sollen weit im Vorfeld der Katar-Bewerbung schon Stimmen gekauft worden sein. Zwei der 24 Mitglieder des Exekutiv-Komitees, nämlich die Vertreter von Tahiti und von Nigeria, boten ihre Stimmen für die WM-Vergabe zum Kauf an und wurden dabei von der englischen Wochenzeitung The Sunday Times mit versteckter Kamera gefilmt.[12]

In einem seiner ersten Interviews nach der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar bestritt Sepp Blatter die vorgebrachten Vorwürfe bezüglich Korruption und Intransparenz beim Abstimmungsverfahren vehement. Zum Ergebnis der Abstimmungen nahm er wie folgt Stellung:

„Es ist meine Philosophie, die Expansion des Fußballs voranzutreiben. Ich fing vor über dreißig Jahren als Entwicklungsbeauftragter bei der FIFA an. Das bin ich bis heute geblieben. […] Manche verkraften es einfach nicht, wenn ausnahmsweise andere zum Zuge kommen. […] Wenn man diese Strategie konsequent weiter denkt, dann wären die nächsten Gebiete, die wir erobern müssten, China und Indien.“

Sepp Blatter[13]

Am 1. Juni 2014 wurde der Korruptionsverdacht erhärtet, als in der Sunday Times berichtet wurde, es seien mehrere Millionen US-Dollar gezahlt worden, um eine Abstimmung zugunsten Katars herbeizuführen. Die Zeitung will im Besitz konkreter Beweismittel sein.[14] Auch gegen den ursprünglichen Mitbewerber aus Australien wurden von der australischen Zeitung The Sydney Morning Herald Bestechungsvorwürfe erhoben.[15]

Klimatische Bedingungen[Bearbeiten]

Ein bedeutender Einwand gegen die Vergabe war von Beginn an, dass aufgrund der hohen sommerlichen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius die Stadien klimatisiert werden müssten. Daraufhin regte Franz Beckenbauer eine Verlegung der Fußball-WM in den Winter an, wofür sich einen Monat später auch Sepp Blatter, der Präsident der FIFA, aussprach, dieses kurze Zeit später allerdings relativierte. Am 20. Januar 2012 stellte die FIFA in einer offiziellen Stellungnahme klar, dass es „derzeit keine konkreten Pläne“ gäbe, die WM 2022 vom Sommer in den Winter zu verlegen. Dies „müsste vom Fussballverband von Katar initiiert und dem FIFA-Exekutivkomitee unterbreitet werden“.[16] Blatter sprach sich am 17. Juli 2013 dennoch erneut für eine Verlegung in den Winter aus.[17]

Der UEFA-Präsident Michel Platini äußerte sich wegen der Sommerhitze zunächst kritisch zur Vergabe der WM an Katar und plädierte dafür, das Turnier in den Winter zu verlegen. Nachdem sein Sohn Laurent in der Chefetage der Qatar Sport Investment (QSI) eingestiegen war, was im Februar 2012 bekannt wurde, räumte Vater Michel ein, für Katar gestimmt zu haben.[18]

Am 4. Oktober 2013 gab das FIFA-Exekutivkomitee bekannt, die Entscheidung über eine Verschiebung der Weltmeisterschaft in den Winter erst nach der WM 2014 treffen zu wollen. Es wurde beschlossen, ein Konsultationsverfahren durchzuführen, in dem man mit allen Beteiligten spricht.[9]

Gegen eine Verlegung in den Winter hat sich der internationale Ski-Verband FIS ausgesprochen, der eine gemeinsame Resolution der anderen Wintersportverbände gegen die WM im Winter anstrebt, und auch das IOC befürchtet eine Kollision mit den noch nicht vergebenen Winterspielen 2022.[19] Am 9. November 2013 schloss FIFA-Präsident Blatter eine Austragung im Januar oder Februar aus Respekt gegenüber der Olympischen Familie und Organisation aus.[20]

Am 24. Februar 2015 gab die FIFA-Arbeitsgruppe für den internationalen Spielkalender 2018–2024[21] nach sechsmonatigen Konsultationen und drei Sitzungen bekannt, dass „der Zeitraum Ende November bis Ende Dezember als tragfähigste Lösung für die Austragung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ erachtet“ wird. Außerdem wird eine verkürzte Turnierdauer vorgeschlagen. Das FIFA-Exekutivkomitee hat den Vorschlag bei seiner Sitzung am 19./20. März 2015 bestätigt.[1]

Situation homosexueller Fans und Spieler[Bearbeiten]

Ein weiterer Einwand gegen die Vergabe der Spiele nach Katar in vielen westlichen Staaten war, dass in Katar homosexuelle Handlungen unter Strafe stehen.[22]

Arbeitsbedingungen[Bearbeiten]

Die britische Tageszeitung The Guardian berichtete im September 2013 über die Ausbeutung nepalesischer Gastarbeiter in Katar. Zwischen dem 4. Juni und dem 8. August 2013 seien 44 Gastarbeiter ums Leben gekommen, die Hälfte davon aufgrund von Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen, die auf die brutalen Arbeitsbedingungen auf den Baustellen zurückzuführen seien.[23] Die FIFA hat mitgeteilt, sich bei den Behörden in Katar um Aufklärung der Vorwürfe zu bemühen. Zudem teilte die FIFA mit, die Berichte des Guardian beim Treffen des FIFA-Exekutivkomitees am 3. und 4. Oktober 2013 als Punkt der Tagesordnung zu diskutieren.[24] Als Ergebnisse der Sitzung gab Blatter bekannt, dass die FIFA „die Augen nicht verschließen“ werde, stellte aber auch fest, dass „die Verantwortung für die Arbeitsrechte bei den Unternehmen“ läge. Er nahm Katar in die Pflicht einzugreifen.[9]

Am 17. November 2013 berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nach einer Untersuchung der Arbeitsbedingungen in Katar von einer systematischen Ausbeutung von Gastarbeitern in der Baubranche und Fällen von Zwangsarbeit.[25] Amnesty legte darüber einen 153-seitigen Bericht vor.[26][27] Außerdem wurde eine internationale Petition an die Verantwortlichen in Katar gestartet.[28] In einer Sonderbeilage des Amnesty Journals (04-05/2014) wird unter Berufung auf Informationen aus der indischen Botschaft darüber berichtet, dass mehr als 450 Inder in den Jahren 2012 und 2013 auf Katars WM-Baustellen ums Leben gekommen seien.[29] Viele Gastarbeiter müssten auf die Auszahlung ihres Lohnes warten und deshalb betteln gehen, um sich mit Nahrung zu versorgen.[29] Es komme angeblich auch immer wieder vor, dass sie von Vorgesetzten geschlagen und getreten werden. Aufgrund der gängigen Praxis der Arbeitgeber, die Pässe von Arbeitsmigranten unter Verschluss zu halten, ist es für die Betroffenen schwer, sich Drangsalierungen durch einen Arbeitsplatzwechsel zu entziehen.[29]

Am 19. März 2015, anlässlich des Entscheids, die WM im Winter durchzuführen, wurden erneut Vorwürfe gegen Katar publik. Laut einer im März 2014 veröffentlichten Studie[30] des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) sollen im Zeitraum von 2011 bis 2013 von allen in Katar arbeitenden Indern und Nepalesen 1.200 gestorben sein[31][32], jährlich etwa 250[33] Inder und 170[34] Nepalesen. Die indische Regierung hält es für ganz normal, dass bei 500.000 Indern die in Katar arbeiten, auch 250 pro Jahr sterben; in Indien sei die Todesrate jährlich sogar 1.000 pro halber Million bei Männern im Alter von 25 bis 30. Dies ist eine gute Vergleichsgruppe, da die katarischen Arbeiter hauptsächlich junge Männer sind. Im Vereinigten Königreich ist die Zahl bei Männern diesen Alters ebenfalls höher: 300 pro halber Million von ihnen sterben jährlich. Tim Noonan vom IGB entgegnete der BBC, dass hier Äpfeln mit Birnen verglichen würden: Die Arbeiter in Katar seien außergewöhnlich fit, da der Staat dort eine Gesundheitsuntersuchung für sie verlange bevor sie anfangen können. Die Zahl der gestorbenen 1.200 Arbeiter wird oft zitiert, und wird oft, falscherweise, als Zahl der bei den WM-Vorbereitungen gestorbenen Arbeiter genannt. Jedoch sagt diese Zahl das gar nicht aus, wie die BBC im Juni 2015 berichtete. Diese Zahl kam zustande indem der IGB bei den Botschaften von Indien und Nepal nach den Todeszahlen ihrer in Katar arbeitenden Landsleute für die Jahre 2011 bis 2013 gefragt hatte, und diese sechs Zahlen dann zusammengezählt hatte. Die Todeszahl von 1.200 beinhaltet also nicht nur solche gestorbenen Arbeiter die an Projekten für die WM gearbeitet hatten, sondern auch welche die an was ganz anderem gearbeitet hatten, und sie beinhaltet nicht nur Bauarbeiter, sondern Arbeiter jeglicher Art. Würde keine WM stattfinden, würden trotzdem Arbeiter aus diesen Ländern in Katar arbeiten, und es würden auch welche davon umkommen. Ein weiterer Kritikpunkt an der Zahl ist, dass nur Arbeiter aus zwei Ländern gezählt wurden, in Katar es aber Arbeiter aus noch vielen anderen Ländern gibt, deren Berücksichtigung die Zahl erhöhen würde. Der IGB trägt eine große Verantwortung für die falsche Zahl, denn er hält es für legitim, jegliche Arbeiten durch Inder und Nepalesen in Katar der WM zuzuschreiben. Laut BBC war aber schon vor Vergabe der WM an Katar dort ein Bau-Boom im Anlauf. Auch werden Tode jeglicher Art gezählt, z.B. ein Herzinfarkt in der Freizeit.[33] Hauptkritikpunkte in der IGB-Studie an der Arbeitersituation waren pausenloses Arbeiten bei 50°C Hitze, mangelnde Ernährung, fehlendes Trinkwasser, ungenügende Arbeitssicherheit, medizinische Unterversorgung und Gewalt gegen Arbeitende.[31][32]

Anfang Mai 2015 war eine vom Premierminister Katars eingeladene TV-Crew der BBC verhaftet und zwei Nächte festgehalten worden, nachdem sie die Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter auch außerhalb der offiziellen Pressetermine recherchieren wollte.[35] Die Journalisten durften das Land nach zwei Wochen wieder verlassen, ihre Ausrüstung und das bereits entstandene Material blieben aber beschlagnahmt.

Amnesty International kritisierte im Mai 2015 zum wiederholten Male, dass die in Aussicht gestellte Abschaffung des Kafala-Systems, das Gastarbeiter an einen einheimischen „Sponsor“ kettet, noch immer nicht umgesetzt worden sei. Ohne die Zustimmung des inländischen Arbeitgebers könnten ausländische Arbeiter ihre Arbeitsverträge weiterhin nicht kündigen, nach wie vor dürfen sie ohne seine ausdrückliche Erlaubnis das Land nicht verlassen. Gegen unmenschliche Wohnverhältnisse, gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen und nicht ausbezahlte Löhne seien Gastarbeiter machtlos.[36]

Situation von Profi-Fußballern[Bearbeiten]

Professionelle Fußballer, insbesondere die Masse der unbekannteren, leiden unter denselben Bedingungen wie unterbezahlte Gastarbeiter. Sie werden zum Teil ohne Lohn und Möglichkeit einer Ausreise im Land festgehalten.[37][38][39]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fußball-Weltmeisterschaft 2022 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b FIFA Exekutivkomitee: FIFA Fussball-WM Katar 2022™ im November/Dezember. In: fifa.com. FIFA, 20. März 2015, abgerufen am 20. März 2015.
  2. Nur zwei Stimmen für England. In: kicker.de. Kicker-Sportmagazin, 2. Dezember 2010, abgerufen am 1. August 2013.
  3. 2022 FIFA World Cup™ Bid Evaluation Report: Qatar. In: fifa.com. FIFA, abgerufen am 2. Dezember 2010 (PDF; 2,2 MB, englisch, Seite 12ff.).
  4. FIFA WM 2018: FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™: unveränderte Aufteilung der Startplätze auf die Konföderationen. In: fifa.com. FIFA, 30. Mai 2015, abgerufen am 1. Juni 2015.
  5. Fussball-WM: Russland 2018 - Katar 2022. In: drs.srf.ch. Schweizer Radio DRS, 2. Dezember 2010, abgerufen am 18. August 2013.
  6. Arun Venugopal: Qatar Beats Out U.S. for World Cup 2022. In: wnyc.org. WNYC, 2. Dezember 2010, abgerufen am 28. September 2013 (englisch).
  7. Staudt: Kein Machtkampf mit Niersbach um Zwanziger-Erbe. In: kicker.de. Kicker-Sportmagazin, 6. Dezember 2011, abgerufen am 9. Dezember 2011.
  8. Michael Ashelm: WM 2022 in Qatar: Das Desaster. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. Oktober 2013, abgerufen am 4. Oktober 2013.
  9. a b c Entscheidung vertagt - Blatter stellt sich ins Abseits. In: kicker.de. Kicker-Sportmagazin, 4. Oktober 2013, abgerufen am 8. Oktober 2013.
  10. FIFA-Präsident „entschlossen“ zu weiterer Kandidatur / Blatter: „WM-Vergabe an Katar war ein Fehler“. In: kicker.de. Kicker-Sportmagazin, 16. Mai 2014, abgerufen am 17. Mai 2014.
  11. Bewerber für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 2022. In: fifa.com. FIFA, abgerufen am 5. Januar 2013.
  12. dpa/taz: Skandal bei der FIFA: Nigeria, Tahiti und die versteckte Kamera. In: taz.de. Die Tageszeitung, 18. Oktober 2010, abgerufen am 14. Juli 2013.
  13. Die Weltwoche Nr. 49: Arroganz des Abendlandes. Zürich, 9. Dezember 2010.
  14. Schmiergeldvorwürfe: Wackelt die WM in Katar? In: kicker.de. Kicker-Sportmagazin, 1. Juni 2014, abgerufen am 1. Juni 2014.
  15. Weiterer Mitbewerber in Vergabe-Skandal verstrickt? - WM 2022: Australien weist Vorwürfe zurück. In: kicker.de. Kicker-Sportmagazin, 3. Juni 2014, abgerufen am 4. Juni 2014.
  16. FIFA-Stellungnahme zu Medienberichten. In: fifa.com. FIFA, 20. Januar 2012, abgerufen am 23. Januar 2012.
  17. Marco Plein: FIFA-Boss fordert Fußball-WM im Winter: Blatter gesteht: FIFA hat Katar-Hitze nicht bedacht. In: focus.de. Focus, 17. Juli 2013, abgerufen am 27. September 2013.
  18. Claudio Catuogno und Thomas Kistner: Skurrile Vorschläge von Uefa-Boss Platini: Erste Chance zur Attacke. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung, 2. Juli 2012, abgerufen am 27. September 2013.
  19. dpa: Katar 2022: FIS und IOC gegen Fussball-WM im Winter. In: nzz.ch. Neue Zürcher Zeitung, 4. November 2013, abgerufen am 8. November 2013.
  20. Blatter: Katar 2022 wird nicht mit den Olympischen Winterspielen kollidieren. In: fifa.com. FIFA, 9. November 2013, abgerufen am 10. November 2013.
  21. TASK FORCE FOR THE INTERNATIONAL MATCH CALENDAR 2018-2024 AND THE 2022 FIFA WORLD CUP QATAR™. In: fifa.com. FIFA, 24. Februar 2015, abgerufen am 24. Februar 2015 (PDF, 77 KB, englisch).
  22. Constantin Wißmann: Homophobie in der Fifa: Keinen Sex während der WM. In: zeit.de. Die Zeit, 19. Januar 2011, abgerufen am 11. November 2013.
  23. Pete Pattison: Revealed: Qatar's World Cup 'slaves'. In: theguardian.com. The Guardian, 25. September 2013, abgerufen am 27. September 2013 (englisch).
  24. Tagesordnung der Sitzung Nr. 28 des FIFA-Exekutivkomitees. In: fifa.com. FIFA, 4. Oktober 2013, abgerufen am 4. Oktober 2013 (PDF; 165 kB).
  25. Kritik an Katar: Amnesty beklagt Zustände auf WM-Baustellen. In: spiegel.de. Spiegel Online, 17. November 2013, abgerufen am 18. November 2013.
  26. Amnesty schockiert über WM-Sklavenarbeit in Katar. In: welt.de. Die Welt, 18. November 2013, abgerufen am 18. November 2013.
  27. Fussball-WM 2022 in Katar: Stoppt die Ausbeutung der Arbeitsmigranten! In: amnesty.de. Amnesty International, 17. November 2013, abgerufen am 18. November 2013.
  28. Stop the abuse of migrant workers in Qatar. In: amnesty.org. Amnesty International, 17. November 2013, abgerufen am 18. November 2013 (englisch).
  29. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRamin M. Nowzad: „Blut und Spiele“, Sonderheft „Fußball und Menschenrechte“, redaktionelle Beilage des Amnesty Journals, Seite 26, 04-05/2014. In: issuu.com. Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e. V., April 2014, abgerufen am 6. April 2014 (PDF; 165 kB).
  30. Die Akte Katar - IGB-Sonderbericht. In: ituc-csi.org. Internationaler Gewerkschaftsbund, 1. März 2014, abgerufen am 3. Juni 2015 (PDF).
  31. a b Désirée Linde: Tausende Tote auf WM-Baustellen: Der Tribut von Katar. In: handelsblatt.com. Handelsblatt, 19. März 2014, abgerufen am 21. März 2015.
  32. a b WM in Katar: Too big to fail. In: srf.ch. Schweizer Radio und Fernsehen, 20. März 2015, abgerufen am 22. Februar 2015.
  33. a b Wesley Stephenson: Have 1,200 World Cup workers really died in Qatar? In: bbc.com. British Broadcasting Corporation, 6. Juni 2015, abgerufen am 7. Juni 2015 (englisch).
  34. In Katar gestorbene nepalesische Arbeiter im Jahr 2011: 62, 2012: 169, 2013: 191. Quelle
  35. Arrested for reporting on Qatar's World Cup labourers. In: bbc.com. British Broadcasting Corporation, 18. Mai 2015, abgerufen am 18. Mai 2015 (englisch).
  36. Rechte für Gastarbeiter: "Katar hat wenig versprochen und noch weniger gehalten". In: spiegel.de. Spiegel Online, 21. Mai 2015, abgerufen am 26. Mai 2015.
  37. Ann-Kathrin Seidel: Alternde Fußballprofis: Gefangen im Paradies. In: taz.de. Die Tageszeitung, 25. August 2013, abgerufen am 10. April 2014.
  38. Maik Grossekathöfer: König und Knecht. In: spiegel.de. Der Spiegel, 7. Oktober 2013, abgerufen am 10. April 2014.
  39. Stefan Simons: Gastarbeiter in Katar: Rückkehr des gefangenen Fußballers. In: spiegel.de. Spiegel Online, 28. November 2013, abgerufen am 10. April 2014.