Fuchsmühl

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Fuchsmühl
Fuchsmühl
Deutschlandkarte, Position des Marktes Fuchsmühl hervorgehoben
Koordinaten: 49° 55′ N, 12° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Höhe: 624 m ü. NHN
Fläche: 14,84 km²
Einwohner: 1620 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95689
Vorwahl: 09634
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 119
Marktgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Rathausstraße 14
95689 Fuchsmühl
Webpräsenz: www.fuchsmuehl.de
Bürgermeister: Wolfgang Braun (CSU)
Lage des Marktes Fuchsmühl im Landkreis Tirschenreuth
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Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Wallfahrtskirche Maria Hilf

Fuchsmühl ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth und staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchsmühl liegt zwischen Marktredwitz und Weiden am Südostrand des Naturparks Steinwald in der hügeligen Landschaft des Stiftlandes.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchsmühl hat acht Ortsteile[2]:

Des Weiteren gibt es die nicht amtlich benannten Ortsteile Ludwigshöhe, Niederreuth und Schloß.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jahr der Gründung ist weitgehend unbekannt, dürfte jedoch im 13. Jahrhundert gelegen haben. Fuchsmühl war seit 1688 Ziel einer ständig wachsenden Wallfahrt. Die große Wallfahrtskirche Mariahilf wurde von 1712 bis 1726 erbaut. Die 1818 entstandene Gemeinde wurde 1950 zum Markt erhoben.

Fuchsmühler Holzschlacht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach jahrzehntelangem Streit um die Holzrechte zwischen Fuchsmühler Lehensbesitzern, den Freiherren von Zoller und den Holzberechtigten der Gemeinde kam es im Herbst 1894 zur Eskalation.

Die Bewohner Fuchsmühls besaßen das Recht, sich in den Wäldern des Freiherrn von Zoller Holz zu holen. Der Konflikt begann um etwa 1860, aber 1873 bestätigte ein Gericht das alte Recht. 1892 verbot Herr von Zoller dennoch die Holzentnahme und bot für das Aufheben der alten Rechte 90.000 Mark.

Diese Summe erschien den Fuchsmühlern viel zu niedrig. Ein Gericht in Weiden gab Zoller jedoch Recht. Nun entstand ein neuer zweijähriger Prozess, während dessen die Fuchsmühler Bauern kein Holz erhielten, Zoller aber Holz im Wert von 3.000 Mark verkaufte.

Klagen, Gegenklagen, Prozess- und Anwaltskosten hatten viele Fuchsmühler verarmen lassen, so dass sie nach dem Urteil der letzten Instanz keine andere Möglichkeit sahen, als den so genannten „Generalmarsch“ zu beschließen und das ihnen ihrer Meinung nach zustehende Rechtholz zu schlagen. Am 29. Oktober 1894 zogen etwa 180 Männer und Frauen aus Fuchsmühl in die Waldabteilung Schrammlohe, um Holz zu fällen. Gendarmerie und der zuständige Bezirksamtmann wollten dies verhindern, fanden aber bei den aufgebrachten „Rechtlern“ kein Gehör.

Tags darauf traf gegen 11 Uhr eine 50 Mann starke Abteilung vom 6. Infanterie-Regiment aus Amberg unter Führung von Premierleutnant Meier ein. Die Soldaten gingen mit aufgepflanzten Bajonetten auf die Menge los. Georg Stock und Leonhard Bauer, beide 69 Jahre alt und schwerhörig, wurden durch Bajonettstiche getötet, mehrere andere Männer auf der Flucht schwer verletzt.

Im Rathaussaal von Weiden fand zwischen dem 23. und 27. April 1895 die Verhandlung gegen die 146 Angeklagten statt. Bis auf zwei wurden alle beteiligten Rechtler wegen Landfriedensbruchs, Forstfrevel und anderer Delikte zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt. Bürgermeister Josef Stock erhielt mit 4½ Monaten die höchste Gefängnisstrafe. Die Verteidigung hatte kostenlos der Staranwalt Max Bernstein übernommen. Am 17. Januar 1896 wurden alle Strafen und die Gerichtskosten auf dem Gnadenwege durch Prinzregent Luitpold erlassen.[3]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau auf grünem Dreiberg eine doppeltürmige silberne Kirche mit roten Turmdächern in der Vorderansicht. Das Wappen wird seit 1950 verwendet.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die imposante barocke Wallfahrtskirche Maria Hilf mit dem Marienaltar wurde 1712 bis 1725 an der Stelle einer 1688 von dem Lehensgutsbesitzer von Fuchsmühl, Freiherr von Froschheim, gestifteten Kapelle erbaut. Die beiden Türme waren früher höher, sie wurden aber mehrmals durch Stürme abgedeckt und im 19. Jahrhundert zum Teil abgetragen. Im Inneren konnte der Chor aus Geldmangel nicht ausgebaut werden. Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1700 und zeigt die Beweinung Christi. Er wurde erst 1885 gekauft und stand vorher in der Deutschherrenkirche St. Ägidius in Regensburg. Das Gnadenbild befindet sich in der Wallfahrtskapelle unter einem geschnitzten Baldachin von 1726.
  • Das Schloss Fuchsmühl am Ortsrand an einem Weiher begleitet die Geschichte des Marktes Fuchsmühl seit dem 14. Jahrhundert.
  • Im Ortsteil Güttern wurde 2005/2006 am Waldrand oberhalb der Radonquelle mit Förderung der Europäischen Union ein funktionsfähiger, historischer Pechofen nach der Planung und unter der Bauleitung der Kreisheimatpflegerin Maria Magdalena Stöckert aus Herzogöd erbaut.[4] Das Projekt wurde 2007 mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz in der Kategorie Bodendenkmäler ausgezeichnet.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111108/085809&attr=OBJ&val=1081
  3. Literatur u. a.: Alfred Wolfsteiner, Die Fuchsmühler Holzschlacht 1894 – Chronologie eines Skandals, Gemeinde Fuchsmühl, 1993
  4. Pechofen im Ortsteil Güttern, Markt Fuchsmühl.
  5. Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz: die Preisträger 2000–…, Bezirk Oberpfalz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fuchsmühl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien