Funktionsspiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
 Dies ist eine alte Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 4. April 2015 um 13:06 Uhr durch 217.253.49.145 (Diskussion). Sie kann sich erheblich von der aktuellen Version unterscheiden.
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Funktionsspiele sind frühkindliche Verhaltensmuster. Sie entstehen, sobald ein Kind einen Lust erzeugenden Effekt entdeckt hat und anschließend versucht, ihn immer wieder erneut herbeizuführen.

Ablauf

Es wiederholt ständig seine sensomotorischen Koordinationen und vervollkommnet sie dadurch, dass es die dabei auftretenden Umweltreize möglichst exakt erlebt und erfährt. Dieser Vorgang des exakten Erlebens setzt voraus, dass das Kind jedes Mal bemerkt, ob die erzeugten Effekte einander gleichen oder nicht. Die kognitive Aktivität des Kindes dabei ist es, diese frühe Erfahrung sich selbst anzueignen, sie zu assimilieren.

Entstehung

Aufgrund ihres Wiederholungscharakters hat Jean Piaget die frühen Formen des Funktionsspiels als sensomotorische Übungsspiele bezeichnet. Motivation und Emotion verschmelzen bei diesen Spielen in der Funktionslust, das ist die Lust am Effekt einerseits und andererseits die Freude darüber, Urheber des Effekts zu sein. Ergänzt wird das noch durch die (mehr kognitive) Erfahrung, die Effekte durch das eigene Hantieren erneut herbeiführen zu können, welches Piaget als das werkschaffende Spiel bezeichnet. [1]

Beispiel

Lässt ein Kind ein Glas fallen, das mit Geklirre in Scherben zerbricht, ist die Funktionslust geweckt und es wird versuchen mit anderen Gegenständen das Gleiche zu handhaben. Dieses Spiel bezeichnete auch der Psychologe Karl Bühler als Funktionsspiel. In Funktionsspielen können viele Dinge erprobt werden, indem sie beispielsweise in den Mund genommen oder auch fallen gelassen werden. Dazu zählen dann auch Handlungen wie mit dem Stuhl oder Buggy im Zimmer herumfahren, ein Spieltelefon an den Kopf führen oder gar halten. Mit der Zeit werden diese Handlungen stets korrekter.[2]

Literatur

  • Hans Mogel: Psychologie des Kinderspiels. VerlagSpringer, Berlin und Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-46623-9.
  • Friedrich Pohlmann: Die soziale Geburt des Menschen. Einführung in die Anthropologie und Sozialpsychologie der frühen Kindheit. Beltz, Weinheim und Basel 2000.

Einzelnachweise

  1. https://www.hf.uni-koeln.de/data/eso/File/Schaefer/Vorlesung_Spiel.pdf
  2. http://www.spielwarenmesse.de/uploads/media/Spielend_Lernen_GEFAS_Studienergebnisse_01.pdf