Furcht

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Horrorfilm von Robert Wiene siehe Furcht (1917). Zur deutschen Theaterschauspielerin siehe Beate Furcht.
Maria Yakunchikova „Fear“ 1893-95

Furcht (< althochdeutsch for(a)hta < gotisch faurhtei) ist das Gefühl einer konkret fassbaren Bedrohung. Sie bezeichnet die Reaktion des Bewusstseins auf eine gegenwärtige oder vorausgeahnte Gefahr. Sie muss unterschieden werden von dem umgangssprachlich weitgehend synonym verwendeten Begriff der diffusen Ängste, die zu den Psychosen zählen, sowie von Erscheinungsformen wie Zwängen, Paniken oder Phobien.[1]

Im Gegensatz zur Angst ist die Furcht meist rational begründbar und wirklichkeitsgerecht. Sie wird deshalb auch als Realangst bezeichnet. Wo dies nicht der Fall ist, handelt es sich meist um eine Phobie.[2] Furcht (lateinisch timor) grenzt sich von der eher abstrakten, diffusen Angst (lateinisch angor) durch ihre Gerichtetheit auf ein Konkretum ab, das als reale oder als real empfundene Bedrohung wahrgenommen wird. Im Gegensatz zur Angst verfügt sie so über einen innerweltlich erfassbaren Gegenstand, dem zu begegnen oder der zu vermeiden ist. Angst hingegen ist ein ungerichteter Gefühlszustand, der als Gestimmtheit die Welterschließung im Ganzen betrifft.

Praktisch sind je nach Grad der Abstraktheit/Konkretheit des zugrundeliegenden Vorstellungskomplexes Übergänge zwischen Angst und Furcht bzw. Gefühlszustände möglich, in denen sich nicht eindeutig zwischen Furcht und Angst differenzieren lässt.

Begriffe wie Ehrfurcht oder Gottesfurcht betonen die Achtung (den Respekt) vor einer bestimmten Übermacht.

Im weiteren (auf die Tierwelt übertragenen) Sinne ist die Furcht eines Lebewesens vor einem Objekt (das kann ein anderes Lebewesen, ein Gegenstand oder eine Situation sein) die (emotionale) Reaktion dieses Lebewesens auf das Wissen oder die Vermutung, dass von dem Objekt eine Gefahr für es ausgeht. Diese Furcht ist lebensnotwendig, da sie dazu motiviert, Abwehrmaßnahmen zu ergreifen, um die Gefahr abzuwenden (z. B. erhöhte Wachsamkeit), ihr zu entgehen (Flucht) oder ihr entgegenzutreten (Kampf bzw. Gegenangriff).[3]

Zitat[Bearbeiten]

Vergil lässt den Laokoon in der Aeneis die Trojaner vor den Griechen mit den Worten warnen:
Timeo Danaos et dona ferentes – mit Schiller: „Die Griechen fürcht' ich, auch wenn sie Geschenke bringen.“ (gemeint ist das Trojanische Pferd)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Dorschel, Furcht und Angst, in: Il cannochiale. rivista di studi filosofici. 1993, Nr. 3, S. 53 - 72.
  • Siegbert A. Warwitz: Die Funktion von Angst und Furcht. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. Schneider Hohengehren, Baltmannsweiler 2001. S. 32-39. ISBN 3-89676-358-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Furcht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Furcht – Zitate
 Wiktionary: Furcht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Siegbert A. Warwitz: Das Feld der Angstgefühle. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler 2001. Seiten 36-37
  2. Die sogenannten Phobien werden als phobische Bindung diffuser und therapeutisch aufzuklärender Angst an einen symbolisch-metaphorisch geeigneten, innerweltlich gegebenen Gegenstand betrachtet: Phobien verwandeln definitionsgemäß Angst in Furcht. Durch diesen innerseelischen Kunstgriff wird ein Vermeiden der Angst durch Vermeiden des Gegenstandes ermöglicht.
  3. Siegbert A. Warwitz: Die Funktion von Angst und Furcht. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Baltmannsweiler (Verlag Schneider) 2001. Seiten 32-39