Futarchy

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Futarchie englisch Futarchy ist eine von dem Ökonom Robin Hanson vorgeschlagene Staatsform, bei der das Volk über Werte abstimmt, aber Entscheidungen mit Hilfe von Prognosemärkten getroffen werden.[1]

Es war das New York Times-Schlagwort des Jahres 2008.[2]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltkarte über die Regierungssysteme
Regierungssysteme der Welt
Republikanische Staatsform:
  • präsidentielles Regierungssystem
  • semipräsidentielles Regierungssystem
  • parlamentarisches Regierungssystem
  • parlamentsgebundene Exekutivgewalt

  • Monarchische Staatsform:
  • parlamentarische Monarchie
  • konstitutionelle Monarchie
  • absolute Monarchie

  • Diktatorische Systeme (meist in Republiken):
  • Einparteiensystem (obwohl ggf. Blockparteien existieren)
  • verfassungsmäßige Regierung gestürzt
    (de facto meist Militärdiktaturen)

  • sonstige Systeme oder unklare
    politische Situationen
  • Stand: 2012

    Demokratische Abstimmungen werden weiterhin verwendet, um zu entscheiden, welche Ziele erreicht werden sollen, beispielsweise Reduzierung der Arbeitslosigkeit, Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts, Verbesserung der Luftqualität etc. Diese Ziele müssen messbar sein und könnten auch in einem Zielindex aggregiert werden.

    Sind die Ziele festgelegt, wird auf Prognosemärkten entschieden, wie sie am besten erreicht werden können. Politikmaßnahmen können von jedem Bürger nach Hinterlegung einer Kaution vorgeschlagen werden. Wird eine Politikmaßnahme vorgeschlagen, eröffnen zwei Märkte: Einer, der den Erfüllungsgrad des Zielindexes nach Umsetzung der Maßnahme voraussagt, ein zweiter, der Erfüllungsgrad des Zielindexes nach Nichtumsetzung der Maßnahme voraussagt. Jeder Bürger kann beliebige Summen wetten bzw. Wertpapiere erwerben. Sollten die sich ergebenen Quoten bzw. Marktpreise anzeigen, dass der Erfüllungsgrad nach Umsetzung höher ist als nach Nichtumsetzung, wird die Maßnahme umgesetzt. Das Zehnfache der vom Initiator der Maßnahme hinterlegten Kaution wird zurückerstattet. Eine vorher festgelegte Zeitspanne nach der Umsetzung wird der Zielindex gemessen. Die Investoren werden entsprechend der Güte ihrer Vorhersage entlohnt.

    Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Futarchie löst das Problem in der Demokratie, dass die Bereitschaft, sich über Politik zu informieren aufgrund des geringen Einflusses einer einzelnen Stimme, in der Bevölkerung niedrig ist. Da eine Person sich in Futarchie einen großen finanziellen Vorteil erschaffen kann, kann es hier rational sein, sich über Politik zu informieren. Dadurch können insgesamt bessere Entscheidungen getroffen werden.[3]

    Dazu kommt, dass es im Laufe der Zeit zu einem evolutionären Prozess kommt, bei dem Individuen, welche ein Auskommen schlecht hervorsagen, Geld verlieren und sich somit ihr Einfluss auf zukünftige Märkte vermindert und andersherum.[3]

    Außerdem könnte Futarchie aufgrund des Fokus auf politische Themen (im Gegensatz zu Personen), irrationale Entscheidungen minimieren.

    Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Ökonom Tyler Cowen sagt:

    “I would bet against the future of Futarchie, or its likelihood of succeeding were it in place. Robin says ‘vote on values, bet on beliefs’, but I don’t think values and beliefs can be so easily separated”

    „Ich würde gegen die Zukunft von Futarchie oder deren Wahrscheinlichkeit Erfolg zu haben wetten. Robin sagt "wählt Werte,wettet auf Überzeugungen", allerdings bezweifele ich, dass Werte und Überzeugungen so einfach voneinander zu trennen sind.“

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Robin Hanson: Shall we vote on values, but bet on beliefs? (PDF) Abgerufen am 23. März 2017.
    2. Mark Leibovich, Grant Barrett: The Buzzwords of 2008. In: Week in Review, The New York Times, 21. Dezember 2008. Abgerufen am 23. Juli 2010. 
    3. a b Vitalik Buterin: An Introduction to Futarchy. Abgerufen am 23. März 2017.