Góra

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu weiteren Bezeichnungen siehe Gora.
Góra
Wappen von Góra
Góra (Polen)
Góra
Góra
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Góra
Fläche: 13,66 km²
Geographische Lage: 51° 40′ N, 16° 33′ OKoordinaten: 51° 40′ 0″ N, 16° 33′ 0″ O
Höhe: 96 m n.p.m.
Einwohner: 12.256
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 56-200
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: DGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: SzlichtyngowaRawicz
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 36 Ortsteile
Fläche: 268,74 km²
Einwohner: 20.479
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0204013
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Irena Krzyszkiewicz
Adresse: ul. Mickiewicza 1
56-200 Góra Śląska
Webpräsenz: www.gora.com.pl



Góra [ˈgura] (deutsch Guhrau) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Niederschlesien. Góra ist Kreisstadt des Powiat Górowski (Kreis Guhrau) und hat etwa 13.000 Einwohner.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in Niederschlesien, etwa dreißig Kilometer östlich der Stadt Głogów (Glogau) und neunzig Kilometer nordwestlich der niederschlesischen Hauptstadt Breslau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guhrau um 1819

Erstmals erwähnt ist die Gegend in einer Bulle Papst Hadrians IV. aus dem Jahr 1155. 1289 wurde dem Ort das Magdeburger Stadtrecht verliehen, 1319 kam er in den Besitz der schlesischen Piasten. 1336 findet sich erstmals der Name Guhrau. 1506/1508 kam der Ort zu Böhmen. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert war der zur Standesherrschaft Pleß gehörende Ort[2] ein Zentrum der Tuchmacherei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Guhrau vor allem als Stadt der Windmühlen bekannt, da es um 1840 mehr als 80 solcher Mühlen im Stadtgebiet gegeben haben soll.

Vom Ersten Schlesischen Krieg (1741) bis 1945 gehörte Guhrau zu Niederschlesien. Guhrau war Verwaltungssitz des Landkreises Guhrau im Regierungsbezirk Breslau.

Am 23. Januar 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt, kurz danach wurde sie unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Die Alteinwohner wurden in der Folgezeit vertrieben.

Von 1946 bis 1975 war Góra Sitz eines Landkreises; seit 1999 ist es wiederum Sitz der Kreisverwaltung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1890 4.557 davon 3.417 Evangelische, 1.047 Katholiken und 93 Juden[3]
1900 4.844 meist Evangelische[4]
1925 5.152 [3]
1933 5.422 [3]
1939 5.648 [3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte katholische Kirche
Ruine des Schlosses

Die spätgotische Stadtpfarrkirche (kościół p.w. Św. Katarzyny Aleksandryjskiej) wurde um die Wende des 15. Jahrhunderts zum 16. Jahrhundert in ihrer heutigen Form erbaut und ist das Wahrzeichen Góras. Dabei nahm die dreischiffige Backstein-Hallenkirche Elemente des 1457 abgebrannten Vorgängerbaus auf. Die Doppeltürme der reich gegliederten Fassade erreichen nur eine Höhe von 31 m und ragen somit nur wenig über das Dach des Langhauses hinaus. Im Innern findet sich eine reiche Barock- und Rokokoausstattung.

Die Stadtmauer Guhraus wurde im 15. Jahrhundert aus Backstein errichtet. 1770 wurde mit dem Abbruch der Befestigungen begonnen, den jedoch Fragmente der Anlage überstanden. Ab 1960 wurden die erhaltenen Teile restauriert und teilweise rekonstruiert. Von den vier Stadttoren hat sich nur das Glogauer Tor erhalten, das eine Stundenglocke von 1765 birgt.

Ungefähr zur selben Zeit wie die Pfarrkirche wurde die spätgotische Fronleichnamskirche (kościół p.w. Bożego Ciała) auf dem Pfarrfriedhof errichtet. Im Innern verdienen die Deckenmalereien und die Renaissancekanzel von 1571 Beachtung. In der Nähe der Kirche wurde seit Ende des 17. Jahrhunderts ein Kalvarienberg angelegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Góra unterhält Städtepartnerschaften mit

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadt- und Landgemeinde gehören neben dem namensgebenden Hauptort Góra 35 weitere Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[5] auf einer Fläche von 268,74 km² an:

  • Borszyn Mały (Heinzebortschen; 1936–1945 Nordingen)
  • Borszyn Wielki (Kaltebortschen; 1936–1945 Grandingen)
  • Bronów (Bronau)
  • Brzeżany (Birkendorf)
  • Chróścina (Kraschen)
  • Czernina (Tschirnau; 1937–1945 Lesten)
  • Czernina Dolna (Nieder Tschirnau; 1937–1945 Nieder Lesten)
  • Czernina Górna (Ober Tschirnau; 1937–1945 Ober Lesten)
  • Glinka (Gleinig)
  • Gola Górowska (Guhlau)
  • Grabowno (Graben)
  • Jastrzębia (Jästersheim)
  • Kłoda Górowska (Kloden)
  • Kruszyniec (Juppendorf)
  • Ligota (Ellguth)
  • Łagiszyn (Logischen)
  • Nowa Wioska (Neudorf)
  • Osetno (Osten)
  • Osetno Małe (Klein Osten)
  • Polanowo (Johannisfeld)
  • Radosław (Seiffersdorf)
  • Rogów Górowski (Neuguth)
  • Ryczeń (Rützen)
  • Sławęcice (Schlabitz)
  • Stara Góra (Alt Guhrau)
  • Strumienna (Gaisbach)
  • Strumyk (Alt Bortschen)
  • Sułków (Sulkau)
  • Szedziec (Schätz)
  • Ślubów (Schlaube)
  • Wierzowice Małe (Klein Wiersewitz)
  • Wierzowice Wielkie (Groß Wiersewitz)
  • Witoszyce (Heinzendorf)
  • Włodków Dolny (Friedrichswaldau)
  • Zawieścice (Sallschütz)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Valentin Triller (1493–1573), deutscher Pfarrer sowie Autor und Komponist von Kirchenliedern
  • Sebastian Hempel (1593–1650), deutscher Jurist, Direktor des Hofgerichts Stettin
  • Heinrich Held (1620–1659), deutscher Rechtsanwalt und Kirchenlieddichter
  • Ludwig Herzfeld (1819–1911), deutscher Rechtsanwalt
  • Emil Karl von Pfuel (1821–1894), preußischer Generalleutnant, geboren in Jästersheim
  • Paul Stankiewicz (1834–1897), Maler und Verleger
  • Benno von Arent (1823–1899), königlich-preußischer Generalleutnant
  • Oskar Schultz-Gora (1860–1942), deutscher Romanist, Professor in Berlin, Königsberg, Straßburg und Jena
  • Georg von Dehn-Schmidt (1876–1937), deutscher Diplomat
  • Wilhelm Klemm (1896–1985), deutscher Chemiker, Rektor der Universität Münster
  • Werner Naumann (1909–1982), Staatssekretär im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
  • Hans Alvesen (* 1943), deutscher bildender Künstler
  • Volker Ronge (* 1943), deutscher Soziologe, ehemaliger Rektor der Bergischen Universität Wuppertal
  • Hajo Funke (* 1944), deutscher Politikwissenschaftler, emeritierter Professor an der Freien Universität Berlin
  • Radosław Kałużny (* 1974), polnischer Fußballspieler

Persönlichkeiten mit Bezug zu Góra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Schmundt (1815–1894), preußischer Militärarzt; lebte und praktizierte zuletzt in Guhrau, wo er auch verstarb.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl August Müller: Vaterländische Bilder, oder Geschichte und Beschreibung sämmtlicher Burgen und Ritterschlösser Schlesiens beider Antheile und der Grafschaft Glatz. Zweite Auflage, Glogau 1844, S. 251–253.
  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht aller Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien. Breslau 1830, S. 936–937.
  • Ziołecki: Geschichte der Stadt Guhrau 1300–1900. Guhrau 1900.
  • Otto Tippel: Guhrau an der Jahrhundertwende. Schweidnitz 1902.
  • Fritz Heinze: Heimatbuch des Kreises Guhrau/Schlesien, 504 Seiten, 1973, ISBN 3-930376-13-X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Góra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Siegfried Wollgast: Morphologie schlesischer Religiosität in der frühen Neuzeit: Sozinianismus und Täufertum. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 419–448, hier: S. 438 f.
  3. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/guhrau.html
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 8, Leipzig/Wien 1907, S. 501.
  5. http://www.glogow.pl/okolice/powiaty/gorowskiaaa.htm