Gökay Akbulut

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Gökay Akbulut

Gökay Akbulut (* 16. November 1982 in Pınarbaşı, Türkei) ist eine deutsche Politikerin und Sozialwissenschaftlerin. Sie ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages für die Partei Die Linke.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akbulut wurde 1982 in Pınarbaşı in der Türkei geboren, wo sie ab 1988 in die Grundschule ging, ehe ihre Eltern 1990 aus wirtschaftlichen und politischen Gründen das Land verließen und in Deutschland Asyl beantragten. Die Familie lebte dann etwa ein halbes Jahr in einer Flüchtlingsunterkunft und danach in der Nähe von Uelzen, bis sie nach Hamburg zogen.[1] Nach ihrem Abitur im Jahr 2003 am Gymnasium Hamm (heute: Louise-Weiss-Gymnasium) in Hamburg studierte Akbulut Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und schloss 2008 mit einem Magister (M.A.) ab. Ebenfalls absolvierte sie ein Auslandssemester an der Concordia University in Montreal in Kanada. Sie absolvierte Praktika bei den Vereinten Nationen in New York und in den Büros der Bundestagsabgeordneten Alexander Ulrich und Heike Hänsel.[2] Auch war sie als Kellnerin und Call-Center-Mitarbeiterin tätig. Später arbeitete sie vom 2010 bis 2011 als Dozentin im Bildungsbereich mit benachteiligten Jugendlichen sowie Neuzugewanderten. Von 2012 bis 2016 war sie als freiberufliche Dozentin an der Mannheimer Abendakademie und Volkshochschule GmbH in Mannheim tätig. Von 2011 bis 2015 war sie Projektmitarbeiterin beim ESF-Projekt Übergang Schule Beruf für SchülerInnen mit Migrationshintergrund bei der Jugendagentur eG Heidelberg. Von 2016 bis 2017 arbeitete sie als Referentin für Migration und Bildung bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg in Stuttgart.[3]

Politische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihrer Studienzeit engagierte sie sich beim Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) und später bei Civaka Azad, dem kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit. Akbulut ist seit 2006 Mitglied bei der Partei Die Linke. Seit 2012 ist sie Teil der Linken in Mannheim, davon vier Jahre aktiv im Vorstand des dortigen Kreisverbandes. In der Zeit von Mai 2014 bis Juni 2018 vertrat sie Die Linke im Mannheimer Gemeinderat unter anderem im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung, im Ausschuss für Bildung und Gesundheit und im Integrationsausschuss. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016 war sie Spitzenkandidatin für ihre Partei und trat im Wahlkreis Mannheim I an. Die Linke verfehlte jedoch die Fünf-Prozent-Hürde.

Akbulut ist unter anderem Mitglied der GEW, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und von attac.[2] Außerdem engagiert sie sich als Vorstandsmitglied bei Mannheim sagt JA (Flüchtlingshilfe), dem Netzwerk kurdischer Akademiker sowie bei Cevi, dem kurdischen Frauennetzwerk und in der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen in DIE LINKE von Baden-Württemberg. Sie engagiert sich beim Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt.[4]

Zur Bundestagswahl 2017 kandidierte Akbulut erstmals und wurde vom Landesverband auf Platz drei der Landesliste in Baden-Württemberg gewählt. Im September 2017 zog Akbulut als Nachfolgerin von Michael Schlecht in den 19. Deutschen Bundestag ein. Dort vertritt sie als eine von sechs linken Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemberg ihren Wahlkreis Mannheim.[5] Akbulut ist integrations- und migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion.[6][7] Sie ist ordentliches Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz und im Unterausschuss Europarecht. Des Weiteren nimmt sie das Amt einer Schriftführerin wahr. Akbulut ist außerdem stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, im Ausschuss für Inneres und Heimat und im Wahlausschuss. Sie ist stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte sie im Bundestagswahlkreis Mannheim 4,8 % der Erststimmen und somit den sechsten Platz. Jedoch zog sie über den zweiten Platz der Landesliste ihrer Partei erneut in den Bundestag ein.[8]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2017 wurde die Beobachtung Akbuluts durch den Verfassungsschutz wegen ihres Engagements in der kurdischen Bewegung bekannt.[9] Ihr wird vorgeworfen, Kontakte zu kurdischen Vereinen zu unterhalten, die der Terrororganisation PKK nahe stehen.[10][11] Nach eigenen Angaben geht Akbulut juristisch gegen die bereits 2007 begonnene Beobachtung vor und erhält Unterstützung von der Linksfraktion im Bundestag sowie ihrer Partei Die Linke Baden-Württemberg.[12]

In der Diskussion um die Ratifizierung des UN-Migrationspakts 2018 der Bundesregierung führte Akbulut in der eigenen Fraktion einen Streit an, der die gegensätzlichen Positionen innerhalb der Linksfraktion aufwirft. Mit einem Antrag für die Ratifizierung des Pakts und damit gegen die Position der Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht sorgte sie für Aufmerksamkeit.[13]

Akbulut unterstützt die Schwesterpartei der Linken, die erdogankritische HDP, in der Türkei und forderte die Freilassung inhaftierter HDP-Politiker. Dafür erhielt sie sowohl im Juli 2020 als auch im Februar 2021 Morddrohungen.[14][15][16][17]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akbulut ist ledig und hat zwei Brüder. Sie ist kurdische Alevitin.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gökay Akbulut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Europa Netzwerk Deutsch: Skript* zur 3. Folge Potenzial: Was macht Deutschland aus seiner Mehrsprachigkeit? Abgerufen am 1. Oktober 2021.
  2. a b Gökay Akbulut: Unsere Kandidatin für Mannheim. Persönliche Vorstellung Gökay Akbulut. Die Linke Mannheim, abgerufen am 25. April 2018.
  3. Gökay Akbulut: Stoppt Erdoğans Spione. Agenten müssen ausgewiesen werden. Pressemitteilung. Die Linke Schwäbisch Hall/Hohenlohe, 2. Juli 2017, abgerufen am 25. April 2018.
  4. Gökay Akbulut - BfDT Bündnis für Demokratie und Toleranz. Abgerufen am 2. Oktober 2021.
  5. Juliane Schreiber: Gökay Akbulut, migrationspolitische Sprecherin der Linken. Interview – Folge 360. Jung und Naiv, 24. November 2017, abgerufen am 12. September 2021.
  6. Johanna Sragmeister: Neu im Bundestag Im Klub der alten Männer. Spiegel Online, abgerufen am 24. Februar 2018.
  7. Gökay Akbulut. 19. Dezember 2018, abgerufen am 2. Oktober 2021 (deutsch).
  8. Ergebnisse Mannheim - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 2. Oktober 2021.
  9. Bundestagswahl: Gökay Akbulut ist die letzte Mannheimer Bundestagsabgeordnete. Abgerufen am 2. Oktober 2021.
  10. Josef Hufelschulte: Verfassungsschutz beobachtet neue Bundestagsabgeordnete der Linken. Focus Online, 24. November 2017, abgerufen am 12. September 2021.
  11. Gökay Akbulut: Wir sind uns einig, das PKK-Verbot muss aufgehoben werden. Abgerufen am 2. Oktober 2021.
  12. Beobachtung von Gökay Akbulut sofort beenden! Pressemitteilung. Die Linke Baden-Württemberg, 24. November 2017, abgerufen am 12. September 2021.
  13. Julia Krittian: Fraktion stellt sich gegen Wagenknecht. Artikel. Tagesschau, 27. November 2018, abgerufen am 7. Januar 2019.
  14. Mannheim: Linken-Politikerin Gökay Akbulut erhält erneut Morddrohung. Abgerufen am 1. Oktober 2021.
  15. S. W. R. Aktuell, S. W. R. Aktuell: Morddrohungen gegen Abgeordnete Gökay Akbulut. Abgerufen am 2. Oktober 2021.
  16. Todesdrohung gegen Linken-Politikerin: Gökay Akbulut fordert Verbot der "Grauen Wölfe". Abgerufen am 2. Oktober 2021.
  17. Redaktion: Morddrohungen gegen Gökay Akbulut, MdB DIE LINKE. In: Kommunalinfo Mannheim. 23. Juli 2020, abgerufen am 2. Oktober 2021 (deutsch).