Gönnern

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Koordinaten: 50° 49′ 34″ N, 8° 26′ 55″ O

Gönnern
Gemeinde Angelburg
Gemeindewappen von Gönnern
Höhe: 376 m ü. NHN
Fläche: 7,07 km²[1]
Einwohner: 1515 (30. Jun. 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 214 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35719
Vorwahl: 06464

Gönnern ist ein Ortsteil der mittelhessischen Gemeinde Angelburg im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Er liegt historische gesehen im sogenannten Hessischen Hinterland.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gönnern liegt im Tal des Gansbachs, einem Seitenbach der Perf im Gewässersystem der oberen Lahn im Breidenbacher Grund (Gladenbacher Bergland). Der Ort befindet sich etwa 12 km Luftlinie südlich der Städte Bad Laasphe und Biedenkopf, 15–18 km nordöstlich von Dillenburg und Herborn, sowie rund 30 Kilometer westlich von Marburg an der Lahn. Im Südwesten grenzt Gönnern an den Kneipp-Kur-Ort Bad Endbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wurde Gönnern erstmals im Jahre 1296 als Gindernahe, „Wolfswasser“ erwähnt. In späteren Urkunden als Gindernawe (1351), Gynderna (1365), Gindern (1630), und Gönnre (1677). In Klammern jeweils das Jahr der Erwähnung.[1]

Am 1. Juli 1974 wurde Gönnern in die Gemeinde Angelburg eingegliedert, die am 1. April 1972 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Frechenhausen und Lixfeld entstanden war.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Gönnern unterstand im Überblick:[1][4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

  • 1577: 0048 Hausgesesse
  • 1630: 0040 Hausgesesse (9 zweispännige, 23 einspännige Ackerländer, 8 Einläufige)
  • 1677: 0028 Männer, 3 Witwen, 6 Jungmannschaften , 8 ledige Mannschaften
  • 1742: 0051 Hausgesesse
  • 1830: 0435 evangelische Einwohner
  • 1834: 0511 Einwohner
  • 1867: Erwerbspersonen: 235 Landwirtschaft, 5 Forstwirtschaft, 47 Gewerbe und Industrie, 6 Verkehr, 1 Gesundheitspflege, 1 Erziehung und Unterricht, 3 Gemeindeverwaltung
  • 1885: 0478 Einwohner
  • 1925: 0720 Einwohner
  • 1939: 0776 Einwohner
  • 1950: 1254 Einwohner
  • 1961: 1264 Einwohner. Erwerbspersonen: 149 Land- und Forstwirtschaft, 276 produzierendes Gewerbe, 94 Handel und Verkehr, 66 Dienstleistungen und sonstiges
Gönnern: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
511
1840
  
537
1846
  
531
1852
  
501
1858
  
481
1864
  
447
1871
  
426
1875
  
472
1885
  
478
1895
  
499
1905
  
521
1910
  
648
1925
  
720
1939
  
776
1946
  
1.210
1950
  
1.254
1956
  
1.251
1961
  
1.264
1967
  
1.360
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Backhaus

Im Ortskern an der alten Hauptstraße befindet sich ein für Hessen seltenes kulturhistorisches Bauwerk, das 1712 aus Stein in Pyramidenform errichtete alte Backhaus. Sehenswert sind auch die vorbildlich restaurierte Alte Schule (spätere Bürgermeisterei) und die Rots-Villa, ein mit Kratzputz reich verzierter Fachwerkbau.

Viele historische Kleinodien und Baudenkmale fielen in den 1960er Jahren der Spitzhacke zum Opfer: das Hirtenhaus, die Assmanns-Mühle und die 1340 erbaute Wehrkirche (Abriss 1959).

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International sportlich bekannt wurde Gönnern durch den Tischtennis-Bundesligisten und zweimaligen Championsleague-Gewinner TTV Gönnern. Bekannteste Spieler des Vereins waren Timo Boll und Jörg Roßkopf.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die hügelige und waldreiche Umgebung des Ortes (mittlere Höhe 400 Meter über NN) erlaubt keine Landwirtschaft mit hohen Erträgen. Viehzucht, Forstwirtschaft und steinverarbeitendes Handwerk (Diabas), sowie Handwerksbetriebe der Metallverarbeitung und des Bauhandwerks bilden die Grundlage der heimischen Wirtschaft.

Eine regionalgeschichtliche Besonderheit ist der jährlich im Februar stattfindende Wintermarkt, ein Kram- und ehemaliger Viehmarkt in der Hauptstraße, der Gönnern einst als Marktflecken im Breidenbacher Grund auswies.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gönnern liegt, wie die anderen Ortsteile der Gemeinde Angelburg, Lixfeld und Frechenhausen, an der Scheldetalbahn DillenburgWallauBiedenkopf, die 1911/12 erbaut und 1987 stillgelegt wurde. Wenige Jahre danach wurde der gesamte Gleiskörper der Strecke abgebaut und verschrottet, Gleisdämme und Viadukte dem Zerfall preisgegeben oder eingeebnet. Heute wird der öffentliche Nahverkehr mit Bussen über die Schelde-Lahn-Straße betrieben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Debus, in Zusammenarbeit mit Elisabeth Debus und Inge Debus: Geschichten aus unserem Dorf – Gönnern 1296–1996. Eine historische Ortsvermessung, Geschichten und Familienchroniken mit Dokumenten und historischen Fotografien. 1996, ISBN 3-00-001109-9.
  • Karl Huth: Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Landkreises Biedenkopf. Biedenkopf 1962.
  • Hans Friebertshäuser: Mundart und Volksleben im Altkreis Biedenkopf. Biedenkopf 1998.
  • Kerstin Werner: Wandern zwischen zwei Welten – Die Geschichte der Hinterländer / Arbeitsmigration in der Wetterau. In: Michael Keller, Herfried Münkler (Hrsg.): Die Wetterau. Verlag Sparkasse Wetterau, 1990, ISBN 3-924103-06-2.
  • Regina Klein: In der Zwischenzeit. Psychosozialverlag Gießen, 2003, ISBN 3-89806-194-9.
  • Kurt Werner Sänger: schwortswaise raabooche – Stille rauhe Wörter aus dem Hinterland. Illustrationen von Klaus Schlosser, Jonas Verlag, Marburg 1987, ISBN 3-922561-53-5.
  • Kurt Werner Sänger: Hinterländer Totentanz – Gönnernsche Ode an den Tod. Fotos von Rudolf Kraft, Europäische Totentanz-Vereinigung/Danses Macabres d’Europe, Düsseldorf, ISSN 1618-7962.
  • Gruppe Odermennig: Gemorje Hinnerlaand. Lieder, Lyrik & Burlesken. Langspielplatte, Regie: Alwin Michael Rueffer, Illustrationen von Wolfgang Rudelius, Quadriga Ton, Frankfurt 1984, GEMA QU 9083.
  • Odermennig: deheem – odermennig und das hinterland. Fernsehfilm, Regie: Wolfgang Würker, Hessischer Rundfunk, Frankfurt 1987.
  • Ulrike Koeppchen: Bembelsänger, Dippegucker, Ossenköppe – Dialekte und regionale Identität. Sendemanuskript, Regie: Volker Bernius, Hessischer Rundfunk, Frankfurt 2004.
  • Kurt Werner Sänger: Moiserisch Emil, zweisprachig, mit Illustrationen von Leonore Poth, CoCon Verlag Hanau 2017, ISBN 978-3-86314-333-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Gönnern, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 13. Januar 2017)
  2. „Zahlen/ Daten/ Fakten“ im Internetauftritt der Gemeinde Angelburg, abgerufen im September 2015.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 und 351.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 430 (bei google books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]