Görlitzer Park

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Vogelperspektive des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg
Geräuschkulisse im Görlitzer Park

Der Görlitzer Park zählt zu den großen Parks und Naherholungsgebieten im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Im 14 Hektar großen Görlitzer Park gibt es unter anderem einen Kinderbauernhof, mehrere Sport-, Spiel- und Bolzplätze, zwei Aussichtsberge und einen kleinen See.

Geschichte[Bearbeiten]

Das letzte Gleis, Mai 1987

Der Görlitzer Park wurde in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren nach dem Abriss der Bahnanlagen des alten Görlitzer Bahnhofs angelegt. Den Namen Görlitzer Bahnhof trägt heute nur noch der in der Nähe gelegene U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof.

Am 29. April 1951 wurde der Personenverkehr im Görlitzer Bahnhof endgültig eingestellt. Bis 1985 verkehrten über die Verbindung nach Neukölln allerdings noch Güterzüge. Das im Zweiten Weltkrieg beschädigte klassizistische Bahnhofsgebäude wurde auf Betreiben des damaligen Bausenators Rolf Schwedler (SPD) trotz Bürgerprotesten der Kreuzberger Kiezbewohner abgerissen, um einer Neubebauung des nicht mehr benötigten Bahngeländes Platz zu machen. Ende der 1980er Jahre wurde dann ein Stadtteilpark nach Plänen der Freien Planungsgruppe Berlin auf dem ehemaligen Bahngelände errichtet. Heute erinnern nur noch Gleisreste, die Reste eines Fußgängertunnels, die ehemalige Einfassungsmauer und drei umgenutzte Güterschuppen im Görlitzer Park an die ehemalige Bahnhofsnutzung.

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Reste des Fußgängertunnels im Görlitzer Park
Die Skulptur Schreitender Mensch von Rüdiger Preisler
Der Görlitzer Park vom Rodelberg aus gesehen, hinten die Emmaus-Kirche und der Fernsehturm

Im Süden des heutigen Parks verbanden mehrere Eisenbahnbrücken das Bahnhofsgelände mit dem Bezirk Treptow, von denen noch eine erhalten ist und als Fußgängerbrücke direkt vom Park südlich der Lohmühleninsel über den Landwehrkanal führt. Über diese Brücke reicht ein Grünzug auf der ehemaligen Bahntrasse parallel zur Kiefholzstraße bis tief nach Alt-Treptow hinein, sodass Radfahrern und Fußgängern eine fast durchgehende Parkverbindung vom Lausitzer Platz durch den Görlitzer Park bis zum Treptower Park zur Verfügung steht. Bis zum Mauerfall verlief am Landwehrkanal die Berliner Mauer. Ebenfalls im südlichen Teil des Geländes, in der vom Görlitzer Ufer und der Wiener Straße gebildeten Ecke, befand sich ein Lokschuppen mit Drehscheibe. An dieser Stelle besteht heute ein Aussichtshügel mit Rutsche und einer rund 80 Meter langen Rodelbahn.

Der Görlitzer Tunnel (besser unter seinem Spitznamen „Harnröhre“ bekannt), war bis mindestens Ende 1989 noch begehbar und wich mit der Öffnung des Parks einer großen Mulde in der Mitte des Parks, die eine Art natürliche Arena bildet. Die ehemaligen Mauern des Tunnels wurden als Gestaltungselement mit einbezogen und sind noch heute erkennbar. Auf der Westseite der Mulde steht die mit 14 Metern Höhe weithin erkennbare, aus Stahlträgern gefertigte Skulptur Schreitender Mensch von Rüdiger Preisler.

Lage[Bearbeiten]

Im Nordwesten des Geländes liegt der Spreewaldplatz, der ehemalige Bahnhofsvorplatz mit dem Bad am Spreewaldplatz, das 1984 bis 1987 nach Plänen des Architekturbüros Christoph Langhof erbaut wurde. Im Norden schließt der Lausitzer Platz mit der zwischen 1890 und 1893 nach Planungen von August Orth erbauten Emmauskirche das Gebiet ab, getrennt vom Park durch das Viadukt der auf der heutigen Skalitzer Straße verlaufenden Hochbahntrasse der ersten Berliner U-Bahn. Im Süden grenzt das Gelände an den Landwehrkanal und damit an den Ortsteil Alt-Treptow.

Ehemaliger Pamukkale-Brunnen und Pläne für die Neugestaltung des Parks[Bearbeiten]

Panorama vom zerbröselten Pamukkale-Brunnen, Winter 2008
BW

Eines der wesentlichen Gestaltungselemente des Görlitzer Parks war die vom Bildhauer Wigand Witting geschaffene Nachbildung der berühmten türkischen Sinterterrassen von Pamukkale, die von 1994 bis 1997 auf der Rückseite des Spreewaldbades in den Hang gebaut und 1998 fertiggestellt wurde. Sie wurden als Erinnerungsort für die zahlreichen Kreuzberger Mitbürger aus der Türkei errichtet. Aufgrund einer fehlerhaften Unterkonstruktion und mangelnder Entwässerung der Fundamente, sowie einer falschen Prüfweise für die aus Portugal stammenden Kalksteine, aus denen die Terrassenstücke von dem Bildhauer Wigand Witting und seinem Team geschlagen wurden, wurde die Anlage bereits im ersten Winter so stark beschädigt, dass sie seitdem aus Sicherheitsgründen für Besucher gesperrt ist. Lange wurde um die Sanierung und Wiederherstellung gestritten.[1] Im Oktober 2000 wurde der Künstler zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 1,1 Millionen Euro verurteilt, das Urteil wurde im November 2008 in letzter Instanz bestätigt.[2] [3] Im Herbst 2009 wurde der zerbröselte Brunnenaufbau samt seiner zum damaligen Zeitpunkt noch intakten Skulpturen abgetragen. Die übriggebliebenen Beton-Terrassen wurden mit Kunstrasen ausgelegt und bilden nun eine Sitzgelegenheit.[4]

Der Abriss der mächtigen Stein-Skulpturen war nicht unumstritten und führte zu demonstrativen Aktionen aufgebrachter Kunstliebhaber und Anwohner. So gossen unbekannte Aktivisten anschließend große Mengen roter Farbe die Terrassenlandschaft hinunter, als Zeichen der Ausblutung eines, für die Integration und Vielfalt der Kulturen in Berlin, bedeutsamen Kunstwerkes.

Nach dem Abriss des Brunnens und aufgrund der Unzufriedenheit vieler Parkbesucher mit dem Zustand des Parks veranstaltete das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg im Jahr 2009 eine „Ideenwerkstatt“ zur Verschönerung des Parks.[5]

Streuobstwiese[Bearbeiten]

BW

Seit 2011 entsteht in der Mitte des Parks, östlich des Rondells, eine Streuobstwiese mit Apfel- und Birnbäumen sowie Reneclauden. Insgesamt waren es 26 Bäume nach der dritten Pflanzung Anfang April 2013.[6] Zum Gedenken an den im April 2013 verstorbenen Kreuzberger Schauspieler Eralp Uzun pflanzten Familienangehörige und Freunde im Mai 2013 einen weiteren Baum auf die Wiese.

Diese Obstbaumwiese wurde von den Kiezwandlern ins Leben gerufen, einer lokalen Gruppe der Transition-Town-Bewegung, mit Unterstützung vom Grünflächenamt des Bezirks. Engagierte Anwohner pflegen in freiwilliger Arbeit die Streuobstwiese.[7] Die spätere Ernte soll wie bei einer Allmende für alle Besucher frei sein.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Im Berliner Volksmund werden sowohl der Görlitzer Park als auch der heutige U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof kurz „Görli“ genannt (vergleiche hierzu auch das Lied Görli, Görli von P.R. Kantate aus dem Jahr 2003).
  • In Teilen des Parks entstand im Laufe der 2000er Jahre trotz häufiger Polizeieinsätze eine Dealerszene.[8] [9] Aus diesem Grund patrouilliert seit Mai 2014 täglich eine aus Mitarbeitern von Polizei und Ordnungsamt zusammengesetzte permanente Streife.[10] Die Probleme blieben jedoch bestehen. Im November 2014 wurde eine Arbeitsgruppe zur Eindämmung der Drogenkriminalität um den Görlitzer Park eingerichtet.[11]
  • Im Jahr 2009 drehte der Schauspieler Volker Meyer-Dabisch eine Sommertags-Dokumentation über die Menschen im Görlitzer Park mit dem Titel Der Adel vom Görli.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Emil Galli: Görlitzer Bahnhof / Görlitzer Park – Berlin-Kreuzberg. Hrsg.: Verein Görlitzer Park, SupportEdition, Berlin 1994, ISBN 3-927869-09-0.

Filme[Bearbeiten]

  • Mehr als Gras: Der Görlitzer Park. Dokumentarfilm, Deutschland, 2014, 29 Min., Buch und Regie: Simone Brannahl und Philipp Rückriem, Kamera: Guillermo Atocha Paris, Guido Kilbert, Guido Kulecki, Produktion: RBB, Reihe: Himmel und Erde, Erstsendung: 27. September 2014 beim RBB, Inhaltsangabe mit Online-Video vom RBB.
  • Kiffer, Dealer, Coffeeshop. Cannabis-Hauptstadt Berlin. Fernseh-Reportage, Deutschland, 2014, 44 Min., Buch und Regie: Julia Camerer und Torsten Mandalka, Produktion: rbb, Erstsendung: 17. September 2014 bei rbb, Inhaltsangabe von rbb.
    Um den Drogenhandel im Görlitzer Park zu reduzieren, will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine zeitlich befristete legalisierte Abgabe von Cannabis in Coffeeshops einführen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Görlitzer Park – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Stollowsky: Die lange Dürre von Pamukkale. In: Der Tagesspiegel, 11. Juni 2008.
  2. CS: Erneut Aufschub für den Pamukkale-Brunnen. In: Der Tagesspiegel, 8. Juli 2008.
  3. Harald Olkus: Brunnen-Künstler soll zahlen. In: Der Tagesspiegel, 22. November 2008.
  4. Pamukkale. (Memento vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.
  5. Ideenwerkstatt Görlitzer Park. (Memento vom 5. März 2013 im Internet Archive) In: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, 2010.
  6. Obstbaumpflanzaktion im Görlitzer Park In: Sector O, 7. April 2013.
  7. Obstbäume im Görli von obstbäume-im-görli.de, aufgerufen am 31. Januar 2015.
  8. Maximilian Popp: Asyl. Endstation Görli. In: Der Spiegel, Nr. 14, 30. März 2013.
  9. Frank Henkel: Beantwortung einer Kleinen Anfrage über „Ergebnisse der Razzien im Görlitzer Park“. In: Abgeordnetenhaus Berlin, 13. Dezember 2013, aufgerufen am 31. Januar 2015.
  10. Timo Kather: Dauerstreife patrouilliert im Görli. In: Der Tagesspiegel, 6. Mai 2014, S. 20.
  11. Kerstin Breinig: Görlitzer Park wird zur Sonderzone. In: RBB, 26. November 2014.
  12. Film „Der Adel vom Görli“ – Die grüne Insel im Kiez mit Volker Meyer-Dabisch.

52.4964213.437797Koordinaten: 52° 29′ 47″ N, 13° 26′ 16″ O