Görlitzer Warenhaus

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Kaufhaus Görlitz
Außenansicht

Außenansicht

Daten
Ort Görlitz
Architekt Carl Schmanns
Baustil Jugendstil, Stahlskelettbau
Baujahr 1912/1913
Grundfläche 10.000 m²
Koordinaten 51° 9′ 10″ N, 14° 59′ 15″ OKoordinaten: 51° 9′ 10″ N, 14° 59′ 15″ O

Das Warenhaus Görlitz nahe der Frauenkirche in Görlitz ist eines der besterhaltenen Warenhäuser aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist im Jugendstil erbaut und wurde bis zum 15. August 2009 als Warenhaus betrieben. Die Stadt und eine Bürgerinitiative bemühten sich um eine Wiederbelebung des Kaufhauses, in dem 2012 nur eine Parfümerie untergebracht war. Im Jahr 2013 fand sich ein Privatinvestor, der die Einrichtung als Universal-Kaufhaus erhalten möchte, als sogenanntes Kaufhaus der Oberlausitz (KaDeO)[1][2] und damit Gegenstück zum Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Warenhaus verfügt über eine Gesamtnutzfläche von rund 10.000 Quadratmetern, davon ist die Hälfte Verkaufsfläche. Der Rest entfällt auf Büroräumlichkeiten (475 m²), Lagerfläche (2.750 m²) und sonstige Flächen (1.160 m²).[3] Besonders der aufwendig gestaltete Innenraum mit den freitragenden Treppen und dem ornamental verzierten Glaskuppel lockte viele Besucher an. An den tragenden Stützen befinden sich ebenfalls Jugendstilornamente. Große, reich geschmückte Kronleuchter hängen von der Decke herab.

Geschichte des Hauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbild Kaufhaus Wertheim am Leipziger Platz in Berlin in den 1920er Jahren

Bau eines ersten städtischen Kaufhauses im Deutschen Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1717 befand sich am heutigen Standort der Gasthof „Goldener Strauß“, der später zum Hotel ausgebaut wurde. Der Görlitzer Magistrat wünschte an dieser Stelle ein Warenhaus und zwar nach dem Vorbild des Berliner Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz.[4] Die Baupläne für das „Kaufhaus zum Strauß“ lieferte der Potsdamer Architekt Carl Schmanns. Im Jahr 1912, nach Abriss des Hotels, begann der Neubau als Stahlskelettbau, der eine Fassade ganz nach dem gewünschten Vorbild im Jugendstil erhielt. Nach neun Monaten Bauzeit wurde das Kaufhaus am 30. September 1913 eröffnet. Die Führung des Hauses lag in den Händen einer kleinen mittelständischen Firma.[4]

1929 bis 2010 mit wechselnden Eigentümern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1929 erwarb die Rudolph Karstadt AG das Warenhaus. Die Karstadt-Eigentümer wurden nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und das Haus kam ab 1950 in den Besitz der DDR, die es von der staatlichen HO betreiben ließ. Im Jahr 1958 wurde es ein Centrum-Warenhaus und gehörte damit zu einer ganzen Kette solcher Kaufhäuser in mehreren Städten der DDR.[4] Im Jahr 1984 begann die HO mit der Restaurierung der historischen Fassade und des Innenraums. Nach der Wiedervereinigung erhielt der Karstadt-Konzern das Kaufhaus zurück. In folgenden Neustrukturierungen der Firma wurde es in die Sparte Karstadt Kompakt gelegt, die zum 1. Oktober 2005 an eine britische Investmentgruppe, die Dawnay Day Group, verkauft wurde. Am 1. März 2007 erhielten diese Häuser den historischen Namen Hertie, so auch das Görlitzer Warenhaus. Am 20. Mai 2009 gab Hertie-Eigentümer Dawnay Day bekannt, diese und alle anderen Hertie-Filialen bis Ende Juli zu schließen. Die Stadt suchte nach einem neuen Investor für das Gebäude.[5] Am 3. Juni 2009 verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass das Warenhaus aus der Insolvenzmasse Herties gelöst und einzeln verkauft werden soll.[6] Ein Investor aus Großbritannien übernahm es, musste jedoch im Jahr 2010 wieder aufgeben. So schloss das denkmalgeschützte Gebäude seine Tore. Ab dem 8. Februar 2010 stand das Gebäude auf Antrag der Stadt unter Zwangsverwaltung, um das Problem der Weiternutzung schneller zu lösen.[7] Neben einer Wiedereröffnung als Kaufhaus war auch eine Nutzung als Museum im Gespräch. Das leerstehende Gebäude wurde immer wieder Opfer von Vandalismus.[8] Zur Rettung des Kaufhauses hatte sich sogar eine Bürgerinitiative gebildet, die jedoch keine Lösung fand.[4]

Sortiment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kaufhaus vertrieb zuletzt Bekleidung, Süßwaren, Einrichtungsgegenstände und andere Warengruppen außer Lebensmitteln. Auf Grund der Grenznähe zu Polen waren sämtliche Beschilderungen zweisprachig verfasst. Die Verkäuferinnen waren teilweise beider Sprachen mächtig.

Innenansicht auf die verschiedenen Ebenen

Neustart ab 2013[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2013 erwarb Winfried Stöcker das Warenhaus. Es soll wieder als Kaufhaus mit hochwertigem Sortiment einschließlich Lebensmitteln betrieben werden.[9] Die Wiedereröffnung war zunächst für Oktober 2015 geplant,[10], im Juni 2015 wurde als voraussichtlicher Zeitpunkt der Herbst 2017 genannt.[11]

Das Kaufhaus als Filmkulisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische Filmregisseur Wes Anderson suchte für den Film Grand Budapest Hotel einen realen Drehort und wurde mit dem Kaufhaus Görlitz fündig. Das gesamte Filmteam, unter anderem mit der Schauspielerin Tilda Swinton und den Schauspielern Willem Dafoe oder Ralph Fiennes, quartierte sich während der mehrmonatigen Dreharbeiten im benachbarten Hotel Börse ein. Das führte zu einem kleinen wirtschaftlichen Aufschwung, auch bei den Handwerksfirmen, die für die Herrichtung der Kulissen eingesetzt waren.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Bednarek, Hans-Jürgen Treppe: Historisches Warenhaus Karstadt, Görlitz. 2. Auflage. Schnell und Steiner, Regensburg 2002, ISBN 3-7954-5935-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jugendstilkaufhaus Görlitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. derhandel.de: Professor Stöcker und sein Traum vom Luxus-Kaufhaus. Abgerufen am 18. August 2014.
  2. mdr.de: KaDeO – das Kaufhaus in Görlitz. Abgerufen am 18. August 2014.
  3. goerlitz.de: Deutschlands schönstes Jugendstilkaufhaus. Abgerufen am 13. September 2012.
  4. a b c d e Frank Junghänel: Die Kulissenstadt. In: Berliner Zeitung vom 25./26. Januar 2014
  5. OB geht für Kaufhaus auf Investorensuche. In: Sächsische Zeitung.
  6. MDR: Görlitzer Warenhaus soll einzeln verkauft werden
  7. Görlitzer Kaufhaus steht unter Zwangsverwaltung
  8. Vandalismus bedroht Görlitzer Jugendstil-Kaufhaus. In: Sächsische Zeitung
  9. Neue Hoffnung für Görlitzer Jugendstilkaufhaus (Memento vom 1. Februar 2014 im Internet Archive), mdr.de, abgerufen am 27. Juni 2013
  10. kaufhaus-goerlitz.eu: Rund ums Kaufhaus. Abgerufen am 2. Oktober 2014.
  11. http://www.focus.de/panorama/welt/denkmaeler-goerlitzer-kaufhaus-soll-2017-oeffnen_id_4765817.html