Göttingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Göttingen
Göttingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Göttingen hervorgehoben
51.5338888888899.9355555555556150Koordinaten: 51° 32′ N, 9° 56′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Höhe: 150 m ü. NHN
Fläche: 116,89 km²
Einwohner: 116.650 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 998 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 37001–37099
Vorwahl: 0551
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 03 1 52 012
Stadtgliederung: 18 Stadtbezirke
und 9 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hiroshimaplatz 1–4
37083 Göttingen
Webpräsenz: goettingen.de
Oberbürgermeister: Wolfgang Meyer (SPD)
Lage der Stadt Göttingen im Landkreis Göttingen
Staufenberg Hann. Münden Bühren Scheden Rosdorf Friedland Dransfeld Jühnde Niemetal Adelebsen Bovenden Waake Gleichen Landolfshausen Bilshausen Göttingen Seulingen Ebergötzen Bodensee Seeburg Obernfeld Krebeck Wollbrandshausen Rollshausen Wollershausen Duderstadt Gieboldehausen Rhumspringe Rüdershausen Landkreis Göttingen Niedersachsen Hessen Landkreis Northeim Landkreis Northeim Landkreis Osterode am Harz ThüringenKarte
Über dieses Bild
Marktplatz mit altem Rathaus, Gänseliesel und Fußgängerzone
Luftbild von Göttingen (aus Nordwesten fotografiert)
Die Leine in Göttingen

Göttingen (niederdeutsch Chöttingen) ist eine Universitätsstadt in Südniedersachsen. Mit einem Anteil von rund 20 Prozent Studenten an der Bevölkerung ist das städtische Leben stark vom Bildungs- und Forschungsbetrieb der Georg-August-Universität, der ältesten und größten Universität Niedersachsens, und zweier weiterer Hochschulen geprägt.

Das erstmals 953 als Gutingi urkundlich erwähnte Dorf am Fluss Leine erlangte um 1230 die Stadtrechte. Göttingen wurde 1964 zur Großstadt und ist heute eines der neun Oberzentren von Niedersachsen. Die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Göttingen wurde 1964 als bis dahin kreisfreie Stadt durch das vom Niedersächsischen Landtag verabschiedete Göttingen-Gesetz in den gleichnamigen Landkreis integriert, jedoch weiterhin den kreisfreien Städten gleichgesetzt.

Göttingen liegt im Süden der Europäischen Metropolregion (EMR) Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie[Bearbeiten]

Göttingen liegt an der Grenze der Leine-Ilme-Senke zum Göttinger Wald und wird in Süd-Nord-Richtung von der Leine durchflossen, der nördliche Stadtteil Weende von der Weende, mehrere nordöstliche Stadtgebiete von der Lutter und mehrere westliche Stadtbereiche von der Grone. Wenige Kilometer weiter nördlich schließt sich der Nörtener Wald an. Am südlichen Stadtrand von Göttingen liegt der vom Wasser der Leine gespeiste Göttinger Kiessee.

Das zu Göttingen gehörende Gebiet liegt auf 138 bis 427 m ü. NN westlich der Berge Kleperberg (332 m) und Hainberg (315 m), wobei die Mackenröder Spitze (427 m) an der Ostgrenze des Göttinger Walds der höchste Berg Göttingens ist. Im Stadtgebiet sowie westlich der Leine liegen mit gleichnamigen Stadtvierteln der Hagenberg (auch Kleiner Hagen genannt; 174 m) und ungefähr 2 km südlich davon die sanfte Erhöhung des Egelsbergs. An der westlichen Stadtgrenze erheben sich Knutberg (363 m) und Kuhberg (288 m).

Das direkt westlich des Göttinger Walds befindliche Göttingen liegt zwischen Solling (etwa 34 km nordwestlich), Harz (etwa 60 km nordöstlich), Kaufunger Wald (etwa 27 km süd-südwestlich), Dransfelder Stadtwald (13 km südwestlich) und Bramwald (19 km westlich); die Entfernungen beziehen sich per Luftlinie gemessen auf die Strecke Göttingen-Innenstadt bis zu den Zentren und Hochlagen der jeweiligen Mittelgebirge.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Im Gebiet der Stadt Göttingen sind zur Erhaltung wertvoller und gefährdeter Lebensräume zwei Naturschutzgebiete ausgewiesen: Das Naturschutzgebiet Stadtwald Göttingen und Kerstlingeröder Feld wurde im Mai 2007 ausgewiesen und umfasst eine Fläche von 1193 Hektar,[2] das Naturschutzgebiet Bratental in den Gemarkungen Nikolausberg und Roringen besteht seit September 1982 und umfasst 115 Hektar in drei räumlich voneinander getrennten Flächen.[3]

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm für Göttingen

Die Stadt Göttingen liegt innerhalb der gemäßigten Breiten im Übergangsbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägten Gebieten. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,7 °C, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 644 mm. Die wärmsten Monate sind Juli mit durchschnittlich 17,1 °C und August mit 16,7 °C und die kältesten Januar mit 0,3 °C und Februar mit 1,0 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt im Juni mit durchschnittlich 81 mm, der geringste im Februar mit durchschnittlich 39 mm. Im Mai ist mit 6,3 Stunden täglich der meiste Sonnenschein zu erwarten.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Göttinger Stadtbezirke

Das Stadtgebiet Göttingens ist in 18 Stadtbezirke und Stadtteile eingeteilt. Einige Stadtteile sind allein oder mit benachbarten Stadtteilen zusammen Ortschaften im Sinne des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes(NKomVG). Sie haben einen vom Volk gewählten Ortsrat, der je nach Einwohnerzahl der Ortschaft zwischen 9 und 13 Mitglieder hat; deren Vorsitzender ist ein Ortsbürgermeister. Die Ortsräte sind zu wichtigen, die Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme obliegt jedoch dem Rat der Stadt Göttingen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Göttingen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Landkreis Göttingen: Flecken Bovenden, Waake und Landolfshausen (beide Samtgemeinde Radolfshausen), Gleichen, Friedland, Rosdorf, Stadt Dransfeld (Samtgemeinde Dransfeld) und Flecken Adelebsen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte Göttingens:[4][5]

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Göttingens ist seit der frühen Jungsteinzeit besiedelt, wie zahlreiche Fundstellen der bandkeramischen Kultur zeigen. Eine dieser Fundstellen wurde beim Bau des heutigen Einkaufszentrums Kauf Park in Grone in den 1990er Jahren von der Stadtarchäologie großflächig ausgegraben.[6] Darüber hinaus finden sich Besiedlungsspuren der Bronze- und Eisenzeit.[7]

Dorf Gutingi[Bearbeiten]

Göttingen geht auf ein Dorf zurück, das sich archäologisch bis ins 7. Jahrhundert nachweisen lässt. Dieses Dorf wurde 953 unter dem Namen Gutingi erstmals in einer Urkunde Kaiser Ottos I. erwähnt – mit der Beurkundung schenkte der Kaiser dem Kloster St. Moritz in Magdeburg Besitz im damaligen Gutingi[8] – und lag am Ostrand des Leinetalgrabens im Umkreis der heutigen St. Albanikirche auf einem Hügel. Diese Kirche wurde spätestens zu Beginn des 11. Jahrhunderts dem Heiligen Albanus geweiht und ist damit die älteste Kirche Göttingens, auch wenn das heutige Gebäude erst aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammt. Neuere archäologische Funde im Bereich des alten Dorfes weisen auf ein ausgebildetes Handwerk hin und lassen auf weitreichende Handelsbeziehungen schließen. Durch das Dorf floss ein kleiner Bach, die Gote, von der das Dorf seinen Namen bezog („-ing“ = „Bewohner bei“).

Pfalz Grona[Bearbeiten]

Gedenkstein an der Stelle der früheren Pfalz Grona bei Göttingen
Friedenskirche Göttingen auf dem Gelände der ehemaligen Pfalz Grona, Informationstafeln dazu im Kirchturm

Während – abgesehen von den archäologischen Funden – über das Schicksal des Dorfes Gutingi im frühen Mittelalter nicht viel bekannt ist, tritt mit der Pfalz Grona (dt. Grone) zwei Kilometer nordwestlich des Dorfes ein Ort deutlicher aus der Geschichte hervor. Als neu erbaute Burg 915 urkundlich erwähnt, wurde sie später zur Pfalz ausgebaut. Diese über dem gegenüberliegenden Ufer der Leine auf dem südlichen Sporn des Hagenbergs gelegene Pfalz gilt mit ihren insgesamt 18 bezeugten Königs- und Kaiseraufenthalten zwischen 941 und 1025 als spezifisch ottonische Pfalz mittleren Ranges. Insbesondere für Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde war Grone ein beliebter Aufenthaltsort. Hierher zog sich Heinrich II. schwer erkrankt im Sommer 1024 zurück, wo er am 13. Juli 1024 verstarb.

Die Burg verlor später ihre Funktion als Pfalz und wurde im 13. Jahrhundert zur Burg der Herren von Grone umgebaut. Zwischen 1323 und 1329 wurde sie von den Bürgern der Stadt Göttingen zerstört. Die Reste wurden 1387 von Herzog Otto III. wegen seiner Fehde mit der Stadt Göttingen abgetragen.

Stadtgründung[Bearbeiten]

Kruzifix aus dem 12. Jahrhundert, das beim Jacobifriedhof gefunden wurde

An der zur Furt über die Leine führenden Straße, westlich des Dorfes, entstand im Laufe der Zeit ein Wik (eine kaufmännische Siedlung), die den Ortsnamen weiterführte und später das Stadtrecht erhielt.

Das nunmehr so genannte Alte Dorf, das der Stadt den Namen gab, war nicht die eigentliche Keimzelle der neuen Stadt; es lag außerhalb der ersten Stadtmauer und ist noch heute als gesonderter Bereich um die Albanikirche und die heutige Lange-Geismar-Straße erkennbar. Unter welchen Umständen die eigentliche Stadt Göttingen entstand, ist nicht exakt zu bestimmen. Man geht davon aus, dass Heinrich der Löwe die Stadtgründung initiierte, die in der Zeit zwischen 1150 und 1180/1200 erfolgte. In der Zeit zwischen den Jahren 1201 bis 1208 wird Pfalzgraf Heinrich, der Bruder Ottos IV., als Stadtherr angegeben. In dieser Zeit wurden bereits von Göttingen aus welfische Besitz- und Herrschaftsrechte wahrgenommen. Zu dieser Zeit wurden erstmals Göttinger Bürger (burgenses) erwähnt, was darauf schließen lässt, dass Göttingen bereits auf spezifisch städtische Weise organisiert war. Die Welfen verwalteten ihren Besitz um Göttingen von einem Hofe aus, der nördlich des alten Dorfes, am heutigen Ritterplan lag und in späterer Zeit zu einer Burg, dem sogenannten Ballerhus (balrus) ausgebaut wurde. Der Ackerflur, welcher in diesem Wirtschaftshof sich befand, wird als Bünde, was gebundenes Land bedeutet, bezeichnet und selbst in spätmittelalterlichen Urkunden noch erwähnt. Die Hofleute besaßen ihren Wohnsitz neben dem Herrensitz. In enger Verbindung zum Hof und zur späteren Burg befand sich zudem die Jakobikirche, welche eine Stiftung Heinrichs des Löwen war und ein südlich angrenzender Hof, der 1303 von Herzog Albrecht an das Kloster Walkenried verkauft wurde. Es liegt nahe, dass durch die Einbeziehung der Jakobikirche und des angrenzenden Hofes der gesamte Burgkomplex im Süden bis an die heutige Speckstraße, sowie bis in die Nähe der Weender Straße gereicht haben mag.

Göttingen war jedoch keine Reichsstadt, sondern den welfischen Herzögen von Braunschweig-Lüneburg unterworfen. Die landesherrlichen Statthalter hatten ihre Residenz in der Burg, die in der nordöstlichen Ecke der ältesten, vor 1250 errichteten Stadtbefestigung lag, und an die noch heute der Name Burgstraße erinnert. Gleichwohl mussten die Herzöge der Stadt gewisse Freiheiten zubilligen und Kompromisse schließen. Göttingen wurde in der Frühzeit seiner Geschichte als Stadt in Konflikte der Welfen mit ihren Widersachern im südlichen Niedersachsen hineingezogen. Die Auseinandersetzungen in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts waren den politischen Interessen der Göttinger Bürger förderlich, und diese konnten die politisch-militärische Situation geschickt ausnutzen und sich umwerben lassen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1232 bestätigte Herzog Otto das Kind den Göttingern die Rechte, die sie zur Zeit seiner Onkel – also Otto IV. und Pfalzgraf Heinrich – besessen hätten. Dabei wird es sich um solche Privilegien gehandelt haben, die den Handel erleichterten, am Ort wohnende Kaufleute schützten und Befugnisse der Göttinger Selbstverwaltung absteckten. Er stellte in Aussicht, dass die Stadt nicht in fremde Hände gelangen solle. Es ist davon auszugehen, dass spätestens zu dieser Zeit ein von den Bürgern gestellter Stadtrat und damit ein praktikables Instrument der Selbstverwaltung existierte. Namen von Ratsherren werden erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1247 genannt.

Ausbau und Erweiterung[Bearbeiten]

Städtisches Museum am Ritterplan Ecke Jüdenstraße

Der von der alten Stadtbefestigung zunächst geschützte Bereich umfasste den Markt, das heutige alte Rathaus, die beiden Hauptkirchen St. Johannis und St. Jacobi, die kleinere St. Nikolai-Kirche, sowie die wichtigsten Verkehrswege Weender, Groner und Rote Straße. Außerhalb dieser Befestigung, vor dem inneren Geismarer Tor, lag noch das alte Dorf, das danach Geismarer altes Dorf genannt wurde, mit der Kirche St. Albani. Das Dorf gehörte im Hochmittelalter nur zu Teilen zum welfischen Herrschaftsbereich und konnte deswegen nicht an den städtischen Privilegien und am Schutz durch die Stadtmauer teilhaben.

Geschützt wurde die Stadt zunächst durch Wälle, spätestens Ende des 13. Jahrhunderts durch Mauern auf den Wällen. Von dieser alten Stadtbefestigung ist heute nur in der Turmstraße der Mauerturm sowie ein Teil der Mauer erhalten. Das damals befestigte Areal umfasste maximal 600 mal 600 m, etwa 25 ha, und war damit zwar kleiner als Hannover, jedoch übertraf es die benachbarten welfischen Städte Northeim, Duderstadt und Münden. Die Genehmigung zur Errichtung des Walls wurde 1362 von Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen erteilt, der Bau zog sich schließlich über 200 Jahre hin.[9] Nimmt man die von den Landesfürsten angeordnete Anlage von Außenwerken und die notwendigen Instandsetzungsarbeiten und späteren Verbesserungen hinzu, summiert sich die Bauzeit auf insgesamt 400 Jahre. Gewaltige Geldsummen und Anstrengungen waren nötig, um den Wall in einem solchen Zustand zu errichten, wie er heute auf alten Stichen und Plänen zu sehen ist. Zunächst bildete er einen einfachen Graben mit niedrigem Aufwurf, welcher durch Zäune und Knicks, später mittels Planken und einer niedrigen gemauerten Brustwehr verstärkt wurde. In ihrem Endzustand besaß der Wall eine starke Stützmauer und Brustwehr, einen breiten, aus einer Kette von Teichen zusammengesetzten Festungsgraben, mindestens 30 am Außenrand der Wälle errichtete Türme sowie eine Reihe von Schanzen und Außenbastionen. Vier Haupttore entstanden im Kontext zu den jeweiligen Toren der alten Stadtmauer und wurden als äußere Tore bezeichnet.

Der südlich der Mauern fließende Bach Gote wurde um diese Zeit durch einen Kanal mit der Leine verbunden. Der danach Leinekanal genannte Wasserlauf der Leine führte wesentlich mehr Wasser an der Stadt entlang.

Im Zuge der welfischen Erbteilungen erhielt 1286 Herzog Albrecht der Feiste die Herrschaft über Südniedersachsen. Er wählte Göttingen zu seinem Herrschaftssitz und zog in die in der nördlichen Altstadt befindliche Burg, das Ballerhus (auch Bahrhus) ein. Von diesem wurde außerhalb der Mauern im Westen auf der gegenüberliegenden Seite des Leinekanals eine Neustadt, ein beidseitig bebauter Straßenzug von nur etwa 80 m Länge, noch vor 1300 angelegt. Albrecht beabsichtigte mit der Neugründung ein Gegengewicht zur wirtschaftlich und politisch schnell wachsenden Stadt zu schaffen, um von diesem Stützpunkt aus seine Macht neu zu festigen. Der Herzog konnte das aufstrebende Göttingen jedoch nicht daran hindern, sich nach Westen weiter auszudehnen, da es dem Göttinger Rat gelang, der Neustadt alle Entwicklungsmöglichkeiten zu verbauen. Nachdem sich das Projekt schlecht entwickelte, kaufte der Rat der Stadt Göttingen diese unangenehme Konkurrenzgründung im Jahre 1319 für nur 300 Mark auf. Im Süden an die Neustadt wurde zunächst als Pfarrkirche der Neustadt die St. Marien-Kirche errichtet, die im Jahre 1318 mitsamt den angrenzenden Höfen dem Deutschen Ritterorden übertragen wurde.

Am Rande der Altstadt wurden zudem im späten 13. Jahrhundert zwei Klöster gegründet. Im östlichen Teil der Altstadt, auf dem Gelände des heutigen Wilhelmsplatzes wurde zunächst ein Franziskanerkloster errichtet. Nach Angaben des späteren Stadtchronisten Franciscus Lubecus sollen sich die Franziskaner bereits seit 1268 dort angesiedelt haben. Da die Franziskaner als Ausdruck ihrer Armut und Demut keine Schuhe trugen, wurde ihr Orden im Volksmund Barfüßer genannt; daher erhielt die zum Kloster führende Straße ihren heutigen Namen Barfüßerstraße. Im Jahre 1294 gestattete Albrecht der Feiste den Dominikanern im Papendiek, am Leinekanal gegenüber der Neustadt, ein Kloster zu gründen, als dessen Klosterkirche die 1331 geweihte Paulinerkirche diente.

Juden wurden im späten 13. Jahrhundert in der Stadt angesiedelt. Unter dem Datum des 1. März 1289 erteilten die Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg dem Göttinger Rat die Erlaubnis, den Juden Moses in der Stadt aufzunehmen. Die Juden wohnten hauptsächlich in der Nähe der St. Jacobi-Kirche in der heutigen Jüdenstraße. In Göttingen war die Geschichte der Juden schon im Mittelalter von großem Leid geprägt. Nachdem im Jahre 1369/70 Herzog Otto III. der Stadt das Recht der Gerichtsbarkeit über die Juden abgetreten hat, kam es hier immer wieder zu blutigen Pogromen und Vertreibungen. Von 1460 bis 1599 wohnten über 100 Jahre überhaupt keine Juden in Göttingen.

Das 14. und das 15. Jahrhundert bildeten für Göttingen eine Blütezeit wirtschaftlicher Machtentfaltung, von der die Werke der Baukunst Zeugnis ablegen. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann der Neubau der St.-Johannis-Kirche als gotische Hallenkirche. Ab 1330 ersetzte ein gotischer Bau die kleinere St. Nikolai-Kirche. Nach dem Abschluss der Arbeiten an der St. Johannis-Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit dem Neubau der St. Jacobi-Kirche begonnen. In den Jahren nach 1366 entstanden wesentliche Teile des jetzigen (alten) Rathauses. Die heutige Gestalt des Gebäudes erhielt es in Grundzügen erst um die Mitte des 15. Jahrhunderts.

In den Jahren um 1360 wurde zudem der Befestigungsring um die Stadt neu abgesteckt und umfasste nunmehr die Neustadt und das Alte Dorf. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurden die vier Stadttore weiter nach außen verlegt und das Gebiet der Stadt wuchs auf ein Areal von etwa 75 ha.

Wachstum und Selbständigkeit[Bearbeiten]

Nach dem Tode Albrecht des Feisten 1318 kam Göttingen über Otto den Milden († 1344) an Herzog Ernst I. († 1367). Das von ihm regierte Fürstentum Göttingen bildete ein Teilfürstentum im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Das Fürstentum Göttingen war das wirtschaftlich ärmste der welfischen Fürstentümer. Unter Ernsts Nachfolger, Otto III. († 1394), gelang es Göttingen, seinen Status als autonome Stadt weiter zu befestigen. Otto III., der Quade (der Bösewicht) genannt, wird als markanter Vertreter des damaligen Rittertums beschrieben, dessen Hass den Städten galt, deren aufblühende Macht ihm ein Dorn im Auge war. Dementsprechend stand seine Herrschaft ununterbrochen im Zeichen von Fehden und außenpolitischen Konflikten. Obwohl die Stadt Göttingen anfangs heftig von ihm bedrängt wurde, gelang es ihm letztlich nicht, die Landesherrschaft weiter auszubauen, wovon die Selbständigkeit Göttingens profitierte. Das vor den Toren der Stadt gelegene herzogliche Landgericht am Leineberg geriet unter Göttinger Einfluss und wurde 1375 von Otto an die Stadt verpfändet. Es gelang der Stadt, neben der Erlangung der gerichtsherrschaftlichen Rechte, grundherrschaftliche Rechte von Otto zu erwerben. Im April 1387 erreichten die Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und Otto ihren Höhepunkt: Die Göttinger erstürmten die herzogliche Burg innerhalb der Stadtmauern, im Gegenzug verwüstete Otto Dörfer und Ländereien in der Umgebung. Die Bürger konnten jedoch im Juli in einer offenen Feldschlacht unter dem Stadthauptmann Moritz von Uslar zwischen Rosdorf und Grone einen Sieg über die fürstliche Streitmacht erringen. Otto musste danach im August 1387 die Freiheit der Göttinger Güter in der Umgebung anerkennen. Insofern markiert das Jahr 1387 einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der Stadt. Nach Ottos Tod konnte Göttingen unter dessen Nachfolger Otto Cocles (der Einäugige) seine Autonomie weiter ausbauen, nicht zuletzt, weil mit Otto Cocles das Haus Braunschweig-Göttingen ausstarb und die offene Erbfrage sowie seine vorzeitige Abdankung 1435 zu einer weiteren Destabilisierung der landesherrschaftlichen Macht führten.

Das Verhältnis zur welfischen Landesherrschaft war in der Folgezeit bis zum Ende des 15. Jahrhunderts durch eine ständige und erfolgreiche Zurückdrängung des landesherrlichen Einflusses auf die Stadt gekennzeichnet. Auch wenn Göttingen offiziell keine Freie Reichsstadt war, sondern stets den Braunschweiger Herzögen untertan blieb, so konnte es sich doch eine bedeutende Selbständigkeit erkämpfen und wurde teilweise in Urkunden unter den Reichsstädten geführt und zu besonders wichtigen Reichstagen geladen.

Nach diversen weiteren dynastischen Teilungen und Herrschaftswechseln, die mit dem Tode Otto Cocles’ (1463) einsetzten, erhielt Erich die Herrschaft über das zusammengelegte Fürstentum Calenberg-Göttingen. Die Stadt verweigerte zunächst dem neuen Herrscher die Huldigung, woraufhin Erich 1504 bei König Maximilian eine Reichsacht gegen Göttingen erwirkte. Die andauernden Spannungen führten zu einer wirtschaftlichen Schwächung der Stadt, so dass die Stadt letztendlich 1512 die Huldigung leistete. Schon bald darauf zeichnete sich das Verhältnis zwischen Erich und der Stadt durch eine eigenartige Friedfertigkeit aus, die darauf zurückgeführt wird, dass Erich finanziell auf die Stadt angewiesen war.

Grundlage für den politischen und allgemeinen Aufschwung Göttingens im Spätmittelalter war die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Stadt. Diese beruhte vor allem auf der verkehrsgünstigen Lage im Leinetal an einem alten und wichtigen Nord-Süd-Handelsweg. Dieser begünstigte den heimischen Wirtschaftszweig, die Textilproduktion. Neben den Leinenwebern, die zwar zum inneren Kreis der Göttinger Gilden gehörten, allerdings im sozialen Ansehen am unteren Ende rangierten, siedelten sich in der Neustadt die Wollenweber an. Die dort verarbeitete Wolle kam hauptsächlich aus der Umgebung der Stadt; teilweise standen hier bis zu 3000 Schafe und 1500 Lämmer. Die Wolltücher wurden erfolgreich bis nach Holland und über Lübeck exportiert. Ab 1475 wurde mit der Anwerbung neuer Fachkräfte die heimische Tuchproduktion ausgebaut. Diese so genannten neuen Wollenweber brachten neue, bisher nicht angewandte Techniken mit nach Göttingen und festigten die Stellung der Stadt als exportorientierte Tuchmacherstadt für drei Generationen. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als mit den billigen englischen Tüchern kaum noch konkurriert werden konnte, kam es zum Niedergang des Göttinger Tuchmachergewerbes.

Von der guten Verkehrslage zwischen den bedeutenden Handelsstädten Lübeck und Frankfurt am Main profitierten die Göttinger Kaufleute. Der Göttinger Markt erreichte überregionale Bedeutung. Viermal im Jahr kamen zum Jahrmarkt fremde Händler in großer Zahl nach Göttingen. Die Kaufleute, die den Fernhandel als Zulieferer für den Göttinger Markt und als Transithändler im überregionalen Geschäft betrieben, besaßen in Göttingen die großen Vermögen.

Auch der Hanse trat Göttingen bei. Die erste Ladung der Stadt zum Hansetag wird auf 1351 datiert.[10] Das Verhältnis zur Hanse blieb jedoch weitgehend distanziert. Als Binnenstadt nutzte Göttingen zwar gerne das funktionierende Wirtschaftsnetz der Hanse, wollte sich aber nicht in die Politik des Gesamtverbandes verwickeln lassen. Zahlendes Mitglied wurde Göttingen erst 1426, und 1572 folgte bereits der endgültige Austritt aus der Hanse.

Reformation und Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten]

Ansicht der Stadt von Westen (Holzschnitt aus dem Jahr 1585)

Das 16. Jahrhundert begann in Göttingen mit wirtschaftlichen Problemen, die schließlich zu Spannungen führten. Zum offenen Konflikt zwischen Handwerksgilden und Rat, der im Wesentlichen von der Schicht der Kaufleute gestellt wurde, kam es 1514, als der Rat zur Haushaltssanierung neue Steuern erlassen wollte. Am 6. März 1514 stürmten die Gilden das Rathaus, setzten den Rat kurzerhand gefangen und jagten ihn anschließend aus der Verantwortung. Der Rat konnte zwar mit Hilfe von Herzog Erich I. seine alte Stellung wieder zurückgewinnen, der Konflikt schwelte jedoch weiter und bildete damit den Nährboden für die Einführung der Reformation in Göttingen.

Die Reformation, die infolge von Martin Luthers Thesenanschlag 1517 und dem Reichstag zu Worms im Jahre 1521 nach und nach weite Teile Deutschlands und insbesondere die großen Städte ergriffen hatte, schien jedoch zunächst an Göttingen vorbeizugehen. Selbst als der Bauernkrieg 1524/25 durch Deutschland tobte, blieb es in Göttingen ruhig. Erst 1529, also zwölf Jahre nach Luthers Thesenanschlag, kam in Göttingen die Reformation auf. Anlass dazu war zunächst eine Szene ganz mittelalterlicher Prägung: eine Bartholomäus-Prozession. Derartige Prozessionen waren in den großen Städten Deutschlands in diesen Zeiten selten geworden. Das alte Kirchenwesen war in Göttingen bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch unbestritten. Der Umbruch wurde von den neuen Wollenwebern eingeleitet, jenem Personenkreis also, der erst ab 1475 in Göttingen angesiedelt war, und insofern dem neuen Gedankengut offener gegenüberstand als die Alteingesessenen, also gewissermaßen das progressive Element in der Stadt bildete. Diese neuen Wollenweber hatten eine Gegendemonstration zu der Bartholomäus-Prozession formiert und die Prozession auf der Groner Straße mit Luthers Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ empfangen sowie den Zug mit weiteren christlichen Psalmen und Spottliedern begleitet. Über den religiösen Aspekt hinaus stellten damit die neuen Wollenweber zugleich das in der Stadt bestehende Herrschaftssystem in Frage.

Nunmehr drängten sich die Ereignisse, der vorherigen Verspätung folgte eine überraschende Beschleunigung des Umbruchs: Mit dem ehemaligen Rostocker Dominikaner Mönch Friedrich Hüventhal war jetzt ein evangelischer Prediger in der Stadt. Dieser gewann zunehmend an Einfluss, hielt eine öffentliche Predigt auf dem Marktplatz und konnte schließlich nach kontroversen Verhandlungen mit dem Rat gegen den Willen der Paulinermönche in der Paulinerkirche am 24. Oktober 1529 den ersten regulären evangelischen Gottesdienst in Göttingen feiern. Dieser Ort musste gewählt werden, da der Rat der Stadt Göttingen anfangs noch keine Verfügungsgewalt über die Pfarrkirchen in der Stadt hatte. Diese unterstanden der Verfügungsgewalt des Herzogs Erich I. Dieser hing noch dem alten Glauben an und wollte evangelische Predigten in den ihm unterstellten Pfarrkirchen nicht zulassen. Erich I. war bereits 1525 dem Dessauer Bund, einem antiprotestantischen Bündnis norddeutscher Staaten, beigetreten, und sah durch die Einführung der Reformation in der größten Stadt in seinem Fürstentum Calenberg-Göttingen das Verhältnis zwischen der Stadt und ihrem Landesherrn empfindlich gestört. Nachdem die Göttinger mit einem abschließenden Rezeß am 18. November 1529 die Kirchenreform und politische Neuerungen zusammenfassten, reagierte Erich prompt und schroff. Er wandte sich an die Stadt in der harten Form eines Fehdebriefes. Hüventhal, der in der reformatorischen Bewegung der Stadt nicht mehr unumstritten war, musste daraufhin die Stadt verlassen. Dies bedeutete jedoch nicht das Ende der Reformation in Göttingen, die Göttinger holten den gemäßigteren Prediger Heinrich Winkel aus Braunschweig in die Stadt. Um diese Zeit wurde Johann Bruns einer der bestimmenden Köpfe der Göttinger Kirchenpolitik. Schon vorher hatte er als Pfarrer von Grone als einer der ersten in der Region lutherisch gepredigt; später wurde er Syndicus der Stadt. Nachdem der Rat der Stadt die Pfarrkirchen, in denen nicht lutherisch gepredigt werden durfte, hatte schließen lassen, wurde am Palmsonntag des Jahres 1530 die neu ausgearbeitete Kirchordnung Göttingens verlesen, die der Göttinger Reformation den Abschluss gab. Die Kirchenordnung wurde Martin Luther zur Korrektur und Absegnung vorgelegt und erschien 1531 in einer Wittenberger Druckerei mit einem zustimmenden Vorwort des Reformators.

Erich I. mit seiner zweiten Frau Elisabeth um 1530

Nach dem Abschluss der Reformation durch die neue Kirchenordnung spitzte sich die Situation nochmals zu. Herzog Erich I. erlangte auf dem Landtag zu Moringen die Unterstützung der Stände für die Forderung an die Stadt, zur alten Kirche zurückzukehren. Göttingen seinerseits tat einen Schritt in die Reichspolitik hinein und entschloss sich am 31. Mai 1531, dem Schmalkaldischen Bund beizutreten, einem Zusammenschluss der protestantischen Reichsstände zur Verteidigung ihres Glaubens.

Im April 1533 gelang es der Stadt, sich mit dem Herzog ins Benehmen zu setzen und in einem Vertrag die Kontroverse auszuräumen. Daran nicht unbeteiligt war Erichs Frau Elisabeth von Brandenburg, die selbst 1538 öffentlich zum evangelischen Glauben übertrat. Nach Erichs Tod im Jahre 1540 übernahm sie die vormundschaftliche Regierung für ihren Sohn Erich II. und begann von ihrer Leibzucht Münden aus, im Fürstentum Calenberg-Göttingen die Reformation durchzusetzen. Elisabeth machte den Pfarrer Anton Corvinus aus dem hessischen Witzenhausen zum Superintendenten für das Fürstentum und ließ von diesem die Calenberger Kirchenordnung ausarbeiten, die 1542 in Druck ging.

Nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg 1548 mussten diese das Augsburger Interim hinnehmen. Wie in vielen Teilen des Reiches fiel dies den Göttingern schwer und sie weigerten sich, dieses durchzusetzen. Herzog Erich II. kehrte nach längerer Abwesenheit wieder in sein Fürstentum zurück, trat 1549 zum katholischen Glauben über und begann – sehr zum Leidwesen seiner Mutter – das Interim durchzusetzen. In Göttingen führte dies dazu, dass die Stadt ihren Superintendenten Mörlin, der sich zu harsch gegen das Interim und gegen den Herzog gewandt hatte, entlassen musste. In dieser Entlassung kann ein erster Schritt zur Beseitigung der städtischen Autonomie im Kirchenwesen und in anderen Bereichen der Selbstverwaltung im späten 16. und im 17. Jahrhundert gesehen werden.

Nachdem im Augsburger Reichs- und Religionsfrieden 1555 den Reichsständen das Recht zugesprochen wurde, das Bekenntnis ihrer Untertanen zu bestimmen, versprach Erich II., obwohl er dem katholischen Glauben treu blieb, das Fürstentum bei der Kirchenordnung von 1542 und bei der evangelischen Lehre zu belassen. Der Rat der Stadt Göttingen unterzeichnete 1580 die lutherische Konkordienformel von 1577[11].

Nach dem Tode Erichs II. 1584, der keinen männlichen Nachfolger hinterließ, fiel das Fürstentum an Herzog Julius von Wolfenbüttel, wodurch das Fürstentum Calenberg-Göttingen wieder an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gelangte. Göttingen, das schon 1582 durch den Verlust der umgebenden Leinedörfer an die Herzöge an Einfluss verloren hat, musste neben dem wirtschaftlichen Niedergang, der nunmehr einsetzte, 1597, 1611 und zuletzt 1626 mehrere Pestausbrüche verkraften.

Göttingen im Jahre 1641

Im Jahre 1623 wurde Göttingen erstmals in den 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieg einbezogen. Göttingen war von den kämpfenden Heeren umgeben und musste auf Drängen des Landesherren Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel vorübergehend eine Garnison aufnehmen. Dessen Bruder Christian, genannt der tolle Halberstädter, hatte den niedersächsischen Reichskreis, zu dem Göttingen gehörte, mit in den Krieg gezogen. 1625 begann Göttingen mit Genehmigung des Landesherrn, die Befestigungsanlagen auszubauen. Diese sollte die Stadt brauchen, denn schon im Herbst 1625 belagerte der kaiserliche Feldherr Albrecht von Wallenstein die Stadt und stellte Proviant- und Quartierwünsche. Wallenstein zog weiter und gab sich damit zufrieden, die gesamte Göttinger Kuhherde von etwa 1.000 Stück Vieh als Beute davon zu führen. Göttingen strengte seine Verteidigungsvorbereitungen an, doch schon kurz darauf stand Tilly, der Feldherr der katholischen Liga, im Sommer 1626 vor der Stadt, nachdem er kurz zuvor im benachbarten Münden ein Blutbad angerichtet hatte. Tilly ließ Göttingen angeblich fünf Wochen lang beschießen und die Leine durch Harzer Bergleute umleiten, so dass die Stadt Tilly am 3. August 1626 die Tore öffnen musste. Tilly nahm Residenz in der Weender Straße 32, dem Kommandantenhaus. Nach dem Siege Tillys in der Schlacht bei Lutter am Barenberge über die dänischen Truppen konnte dieser seine Position in Niedersachsen sichern und Göttingen blieb von kaiserlich-katholischen Truppen besetzt. Göttingen litt sehr unter der Besatzung und den für die Stadt unerträglichen Kontributionslasten, woraufhin ein großer Teil der Bevölkerung die Stadt verließ und bis zu 400 Häuser leer standen. Erst sechs Jahre später änderten sich die Machtverhältnisse, und nach dem Sieg der Schweden über Tilly in der Schlacht bei Breitenfeld 1631 wurde Göttingen von schwedischen und weimarischen Truppen unter Wilhelm von Weimar für die evangelische Seite zurückerobert. Göttingen wurde im Herbst des Jahres 1632 zwar nochmals von Pappenheimer Truppen bedroht, anschließend war die Stadt fest in der Hand protestantischer Truppen. Dies bedeutete für die Stadt jedoch zunächst keine Besserung der Verhältnisse, die Besatzung lastete weiterhin schwer auf der Zivilbevölkerung.

1634 erlosch mit dem Tode Friedrich Ulrichs das Mittlere Haus Braunschweig. Göttingen fiel nach der abermaligen welfischen Erbteilung an Georg von Braunschweig und Lüneburg-Calenberg, der Hannover zu seiner Residenz wählte. Nach dessen Tod 1641 musste Göttingen unter Herzog Christian Ludwig, die letzte große Belagerung durch Piccolomini ertragen. Anschließend war der Krieg für Göttingen zwar zu Ende, die Stadt hatte noch lange Jahre die Last der Garnison und der Kriegskosten zu tragen.

Wiederaufstieg als Universitätsstadt[Bearbeiten]

Ansicht der Stadt von Südosten. Das Schriftband des 1735 entstandenen Kupferstichs betont die neue Bedeutung der Stadt durch die Universitätsgründung.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich der wirtschaftliche Niedergang der Stadt weiter fort. Der Export von Tuchen und Leinwand war fast völlig zusammengebrochen. Die Einwohnerzahl, die im Jahre 1400 noch 6000 Personen betrug, sank um 1680 auf unter 3000. Dem wirtschaftlichen Niedergang folgte der politische. Die Vorherrschaft der Gilden in Rat und Bürgerschaft wurde abgelöst durch die Herrschaft des Landesherrn. Herzog Ernst August erreichte es 1690, dass durch den so genannten Stadtrezess der Rat faktisch in ein fürstliches Verwaltungsorgan umgestaltet wurde. Außenpolitisch änderte sich die Situation. Das Fürstentum Braunschweig-Calenberg, zu dem Göttingen seit 1634 gehörte, wurde unter Herzog Ernst August im Jahre 1692 von Kaiser Leopold I. zum Kurfürstentum ernannt. Die nunmehr Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) waren ab 1714 zugleich in Personalunion König von Großbritannien. Ernst Augusts Sohn, Kurfürst Georg Ludwig von Hannover, sollte als Georg I. den britischen Thron besteigen.

Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, das sich zu einer territorialen Macht in der Mitte Deutschlands zu entwickeln begann, verfügte bis dahin über keine eigene Universität. Es wurde daher beschlossen, eine Universität neu zu gründen, die der Ausbildung der im Land benötigten Theologen, Juristen und Ärzte dienen sollte. Die kurhannoversche Landesregierung entschied, diese in Göttingen anzulegen. Für Göttingen sprach, dass sich in der Stadt bereits seit einiger Zeit ein Gymnasium, das Pädagogium, befand, das als Keimzelle der neuen Universität fungieren konnte. Während der Regierungszeit Georgs II. August von Großbritannien, der der Universität ihren Namen gab, konnte 1734 der Lehrbetrieb der Georg-August-Universität eröffnet werden. Im Jahre 1737 folgte die feierliche Einweihung. Der schnelle Erfolg, den die Neugründung hatte, ist nicht zuletzt auf das Engagement des ersten Kurators der Universität, Gerlach Adolph von Münchhausen, zurückzuführen. Die Universität brachte neuen Aufschwung in die Stadt und beförderte das Bevölkerungswachstum. Durch intensive Bautätigkeit veränderte sich rasch das Gesicht der Stadt. Ein repräsentatives Beispiel für das Selbstbewusstsein Göttinger Neubürger verkörpert noch heute das barocke Grätzelhaus in der Goethealle. Neue Wohnungen, Gaststätten und Speiselokale sowie Herbergen wurden eröffnet (siehe Londonschänke). Um das kulturelle Angebot der Professoren und Studenten zu verbessern, wurde ein Universitätsreitstall errichtet. Göttingen erhielt in der Folgezeit in ganz Europa und in Übersee einen Ruf als Ort der Wissenschaft, viele berühmte Gelehrte kamen in die Stadt und wirkten dort. Das hohe Ansehen der Universität beruhte nicht zuletzt auf der klugen Anschaffungspolitik der neu gegründeten Universitätsbibliothek. Zudem wurde 1751 die Königliche Societät der Wissenschaften in Göttingen, die spätere Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gegründet, die die Göttingischen Anzeigen von Gelehrten Sachen herausgab, eine schnell international bekannt gewordene Zeitschrift für Informationen über wissenschaftliche Neuerungen.

Der Siebenjährige Krieg bedeutete für Göttingen zwischen 1757 und 1762 neue Besatzungen. Die französische Armee quartierte sich ein, die Universität erhielt jedoch ihren Lehrbetrieb aufrecht. Nach dem Krieg wurden in Göttingen die Stadtwälle geschleift, aus dem Stadtwall wurde eine Promenade. Die insofern entmilitarisierte Universitätsstadt konnte sich wieder voll dem Universitätsbetrieb widmen und trat in ihre Blütezeit ein.

Von Napoléon bis 1866[Bearbeiten]

Der nach Jérôme Bonaparte benannte Jérôme-Pavillon auf der Göttinger Schillerwiese, in dem er sich des Öfteren in weiblicher Begleitung aufgehalten haben soll

In den von Napoléon Bonaparte geführten Kriegen wurde das Kurfürstentum Hannover 1803 kampflos von französischen Truppen besetzt. Göttingen selbst blieb von Besatzungen und anderen Belastungen verschont. Dies mag mit dem hohen Ansehen der Universität zu tun haben. Kurzfristig wurde Hannover 1805 Preußen zugesprochen. Göttingen wurde daraufhin von preußischen Truppen besetzt. Nach dem Frieden von Tilsit im Jahre 1807 verschwand das Kurfürstentum Hannover von der Landkarte. Göttingen wurde Teil des Königreichs Westphalen mit der Residenzstadt Kassel unter Napoléons Bruder Jérôme Bonaparte. Im Königreich Westphalen war Göttingen Hauptstadt des Leine-Departements, das sich zeitweise bis nach Rinteln erstreckte. Göttingen wurde dadurch Sitz mehrerer Behörden und Gerichte mit Zentralfunktion, die Präfektur hatte ihren Sitz im Michaelishaus. Die Fremdherrschaft wurde mit der Zeit nicht als bedrückend angesehen. Die Studentenzahlen stabilisierten sich nach einem anfänglichen Rückgang und Göttingen passte sich der französischen Herrschaft an, die bis 1813 dauerte. Nach dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft in Deutschland wurde das Kurfürstentum Hannover zum Königreich erhoben. Göttingen gehörte ab 1823 zur Landdrostei Hildesheim, der neu gebildeten Zwischenbehörde.

Im Jahr 1807 wurde Carl Friedrich Gauß Leiter der Sternwarte der Universität; er zählt bis heute zu den weltweit angesehensten Mathematikern und Physikern.

Carl Friedrich Gauß

Das letzte bekannte Beispiel der Hinrichtungsmethode des Zerstoßens der Glieder mit eisernen Keulen im Hannöverschen datiert vom 10. Oktober 1828. Als Vergeltung für den aus Habsucht begangenen Mord an Vater und Schwester wurde Andreas Christoph Beinhorn aus Grone auf einer Kuhhaut zum Richtplatz geschleift und dort, auf dem Leineberg in Göttingen, öffentlich von unten auf gerädert – wie es in einem zeitgenössischen Flugblatt heißt – „mit Keulen zerschlagen und nachher sein Körper auf das Rad geflochten“ (wenn auch nur für einen Tag).[12]

Unter Führung des Privatdozenten Dr. Rauschenplatt wurde im Zuge der Göttinger Revolution im Januar 1831 das Rathaus gestürmt.

Die in Deutschland aufkommende Nationalbewegung ging einher mit Forderungen nach politischer Liberalisierung und Demokratisierung. Als im Jahre 1830 die Pariser Julirevolution auf Deutschland übergriff, erlebte Göttingen im Januar 1831 die so genannte Göttinger Revolution. Während das Land Hannover weitgehend ruhig blieb, kam es in Göttingen durch eine Verkettung verschiedener Ursachen zu einem gewaltsamen Ausbruch, in deren Folge unter der Führung des Privatdozenten Johann Ernst Arminius von Rauschenplatt ein Revolutionsrat gebildet und am 8. Januar 1831 der Magistrat der Stadt Göttingen aufgelöst wurde. Vom König wurde eine freie Verfassung für das Königreich Hannover verlangt und der Sturz der Regierung. Die Regierung zeigte sich unnachgiebig und sandte Truppen in größerem Ausmaß auf die Stadt zu. Am 16. Januar mussten die Aufrührer kapitulieren. Die Truppen zogen in die Stadt ein und quartierten sich dort ein. Die Anführer des Aufstandes wurden, soweit sie nicht ins Ausland geflohen waren, zu drakonischen Strafen verurteilt. Erst gegen Anfang März 1831 kehrte in Göttingen wieder Ruhe ein. Die Universität, die von der Regierung am 18. Januar geschlossen wurde, konnte Mitte April wiedereröffnet werden. Als Folge des Aufstandes nahm die Regierung tiefgreifende Veränderungen an der Stadtverfassung vor und ersetzte die alte Stadtverfassung von 1690 durch eine neue. Die jahrhundertealte politische Rolle der Gilden endete, und an ihre Stelle traten Repräsentanten einer bürgerlichen Honoratiorenschicht.

Zum 100-jährigen Bestehen der Universität wurde in Göttingen 1837 eine neue Universitätsaula errichtet.

1837 – 100 Jahre nach Eröffnung der Universität – konnte als Repräsentations- und Verwaltungsgebäude der Universität die Aula eingeweiht werden. Auf dem Platz davor, dem heutigen Wilhelmsplatz, wurde dem damaligen Landesherrn und Stifter, Wilhelm IV., ein Denkmal errichtet. Unter dessen Nachfolger König Ernst August I., mit dem die 123-jährige Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover beendet wurde, kam es noch im gleichen Jahr zum Konflikt. Bei seinem Amtsantritt hob dieser die relativ freiheitliche Verfassung, die sein Vorgänger 1833 erlassen hatte, wieder auf, woraufhin sieben Göttinger Professoren Protest einlegten. Am 12. Dezember 1837 entließ Ernst August I. die Professoren und verwies drei von ihnen des Landes. Dieses Ereignis hatte eine enorme Wirkung – nicht nur im Königreich Hannover, sondern in ganz Deutschland. Die Göttinger Sieben, wie sie von nun an genannt wurden, galten bald als Märtyrer eines politisch aufmerksamer werdenden Bürgertums. Durch die Protestaktion wurde die Opposition im Königreich aufgerüttelt. Der Widerstand des Bürgertums hatte teilweise Erfolg: mit dem Landesverfassungsgesetz vom 6. August 1840 erhielt Hannover wieder eine konstitutionelle Verfassung, in der jedoch die Rechte der Stände zugunsten des Monarchen stark beschnitten waren. In Göttingen kehrte zwar bald wieder Ruhe ein, die Universität, die ohnehin schon seit den 1820er-Jahren an zurückgehenden Studentenzahlen zu leiden hatte, verlor jedoch zusehends an Ansehen.

Nach den Verfassungskämpfen gab es jedoch wenig Entspannung bei den politischen Freiheiten. Versammlungen mussten genehmigt werden, Leihbibliotheken wurden kontrolliert und die drei ausgewiesenen Professoren durften bis 1848 nicht zurück nach Göttingen kommen. Die Universitätsangehörigen waren der Ansicht, dass das strenge Polizeiregiment, das in Göttingen herrschte, für die Universität verderblich sei.

Blick auf Göttingen aus der Vogelschau nach Nordwesten (Lithographie von Friedrich Besemann um 1850)

Die Deutsche Revolution 1848/49, bei der es in vielen Teilen Deutschlands zu Tumulten und Aufständen kam, blieb in Göttingen ohne größeres Blutvergießen. Es kam nur in der Nacht vom 11. zum 12. März 1848 zu einer kleineren Auseinandersetzung zwischen der Polizei und einigen Korpsstudenten. In deren Folge verließen die Studenten aus Protest geschlossen die Stadt. Da sich das Semester ohnehin dem Ende neigte, war dieser Auszug wenig überzeugend. In Göttingen wurden als revolutionäre Institutionen eine Bürgerversammlung und eine Bürgerwehr gegründet. Erstere löste sich jedoch schon zum Jahresende auf, da sie mit und an ihrer Politisierung gescheitert war.

Die Zeit nach den Märzunruhen war für Göttingen eine eher ruhige Zeit. Die politischen Bewegungen verhielten sich ruhiger als früher, und auch sonst werden die fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts als Zeit behäbiger Behaglichkeit beschrieben. Ein Datum von überragender Bedeutung für die Stadtentwicklung war der 31. Juli 1854. An diesem Tage wurde die Eisenbahnstrecke von Alfeld nach Göttingen eröffnet und der Göttinger Bahnhof mit einem prächtigen Fest eingeweiht. Nunmehr machte Göttingen einen großen Schritt in die Moderne, die Einwohnerzahlen stiegen an, Wirtschaftsbetriebe siedelten sich in Göttingen an und außerhalb des mittelalterlichen Walles entstanden neue Wohnviertel.

Die letzte öffentliche Hinrichtung unter der Gerichtslinde auf dem Leineberg fand am 20. Januar 1859 statt. Friederike Lotze hieß die zum Tode verurteilte Delinquentin. Sie hatte den Bäckermeister Sievert zu Münden, der ihr die Ehe versprochen hatte und dessen Dienstmagd sie war, am 13. März 1858 vergiftet. Sie wurde mit dem Schwert enthauptet.[13]

Das Verhältnis der Stadt zu ihrem Monarchen, seit 1851 Georg V., war weiterhin angespannt. Königsbesuche in der Stadt waren selten und wenn, dann galten sie der Universität, auf die er stolz war. Georg misstraute dem Göttinger Bürgertum, das er als Opposition kritisch beobachtete. Zwar wurde in Göttingen keine Revolution gegen den wenig überzeugenden Monarchen geplant, aber als am 22. Juni 1866 preußische Truppen in Göttingen einrückten, und wenig später nach der Schlacht bei Langensalza Hannover an Preußen fiel, gab es in Göttingen keine wesentliche Opposition gegen das Preußischwerden.

1866 bis 1933[Bearbeiten]

Unter preußischer Herrschaft passten sich die Göttinger relativ rasch den neuen Verhältnissen an. Insbesondere entwickelte sich in Göttingen eine Begeisterung für Otto von Bismarck, der von 1832 bis 1833 an der Georgia Augusta immatrikuliert war. Im Göttinger Stadtgebiet wurde neben einem Bismarckturm auf dem Kleperberg, wie es ihn in vielen Städten Deutschlands gab, ein Bismarckstein am Klausberg errichtet. In der Stadt erinnern zwei Göttinger Gedenktafeln, eine davon an seiner letzten Studentenwohnung in Göttingen, dem Bismarckhäuschen, an den bekanntesten Göttinger Studenten des 19. Jahrhunderts. In der Stadt Göttingen erzielte die Preußen-freundliche Nationalliberale Partei starken Zulauf, während die Hannoveranerfreundliche Welfen-Partei eher im Göttinger Landkreis Erfolge erzielte.

Die Industrialisierung setzte in Göttingen relativ spät ein. Erst ab der Jahrhundertwende kann man von einem Vordringen der industriellen Produktionsweise in Göttingen sprechen. Bedingt durch die Nähe zur Universität, die inzwischen zu einer weltweit geachteten Hochburg der Naturwissenschaften aufgestiegen war, entwickelte sich in Göttingen die feinmechanische, optische und elektrotechnische Industrie, die jetzt die Textilwirtschaft als wichtigsten Göttinger Wirtschaftszweig ablöste.

Die Stadtbevölkerung Göttingen begann seit den 1870er-Jahren stark zu wachsen. 1875 zählte Göttingen 17.000 Einwohner, 1900 waren es bereits 30.000. Der Großteil der Bevölkerung lebte damals noch in der Altstadt; lediglich die Angehörigen der Mittel- und Oberklasse, insbesondere die Professoren, setzten sich östlich der Stadt auf den Anhöhen des Hainbergs nieder. Erst um 1895 herum begann die Bevölkerung in den Gebieten außerhalb der Altstadt stärker anzuwachsen. In der Zeit des Kaiserreiches wurde unter den Göttinger Bürgermeistern Merkel und Calsow damit begonnen, die unterentwickelten öffentlichen Versorgungseinrichtungen auszubauen und die Stadt zu modernisieren.

Nach fast dreißigjähriger Diskussion entschloss sich die Stadt im April 1914, eine Straßenbahn einzurichten. Am 29. Juni begannen die Bauarbeiten. Schienen waren bereits geliefert, aber nicht eingebaut. Bei Kriegsausbruch am 1. August wurden die Arbeiten eingestellt und nie wiederaufgenommen.[14]

In Göttingen wurde der Erste Weltkrieg überwiegend enthusiastisch begrüßt. Viele Professoren ließen sich von der nationalen Hysterie mitreißen. Schon bald trat hier Ernüchterung auf. Die Gewerbebetriebe mussten sich auf die Kriegsökonomie einstellen, und die Lebensmittelversorgung wurde zum Problem. Der Krieg kam Göttingen insofern nahe, als schon ab August 1914 im Ebertal unterhalb des Lohberges ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet wurde, in dem zeitweise bis zu 10.000 Kriegsgefangene untergebracht waren. Als 1918 der Niederlage im Ersten Weltkrieg die Novemberrevolution folgte, wurde in Göttingen ein Soldaten- und Volksrat gewählt und eine Resolution verabschiedet. Am 10. November wurde durch den Arbeiter Willi Kretschmer auf dem Rathaus die rote Fahne gehisst. Faktisch änderte sich in Göttingen jedoch trotz der Tumulte nicht allzu viel; die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Georg Calsow konnte nahezu ungestört weiterarbeiten.

Notgeld der Handelskammer Göttingen in den 1920er Jahren

Die innere Instabilität der Weimarer Republik schlug sich in Göttingen nieder. Während des Kapp-Putsches im Frühjahr 1920 wurde in Göttingen der Generalstreik beschlossen. Das Militär demonstrierte daraufhin seine Macht und marschierte am 15. März in der Innenstadt auf und sperrte die Straßen ab. In den folgenden unruhigen Jahren der Weimarer Republik konnte die NSDAP in Göttingen schnell Fuß fassen. Bereits 1922 wurde die NSDAP-Ortsgruppe Göttingen gebildet, und schon in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre galt Göttingen als Hochburg der Nationalsozialisten, die in Göttingen überdurchschnittlich hohe Wahlerfolge verbuchen konnten. Die NSDAP und allen voran die SA zeigten regelmäßig bei Massenausmärschen Präsenz auf der Straße, wobei Zusammenstöße mit den politischen Gegnern bewusst provoziert wurden. Bereits im März 1930 kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen SA und dem kommunistischen Rotfrontkämpferbund. Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten blieben in der Folge in Göttingen an der Tagesordnung.

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 zeigte ebenfalls in Göttingen ihre Folgen. Große Betriebe mussten schließen, die Arbeitslosigkeit stieg an, und in Göttingen steigerte sich die Not. Die NSDAP erhielt dadurch weiteren Zulauf. Am 21. Juli 1932 bildete ein Auftritt Hitlers den Höhepunkt im Göttinger Reichstagswahlkampf. 20.000 bis 30.000 Zuhörer fanden sich trotz strömenden Regens zu der Veranstaltung im Kaiser-Wilhelm-Park ein. Bei der anschließenden Wahl am 31. Juli wählten 51 % der Göttinger, also die absolute Mehrheit, die Nationalsozialisten.

Im Gegensatz zur Stadt Göttingen hatten es die Nationalsozialisten in den nach dem Krieg eingemeindeten Stadtteilen wesentlich schwerer, Fuß zu fassen. Insbesondere die damals selbständige Gemeinde Grone sticht heraus. Hier blieben selbst bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 die Sozialdemokraten stärkste Kraft. Grone war eine von nur vier Gemeinden im damaligen Wahlkreis Braunschschweig-Südhannover, in dem die NSDAP bei dieser Wahl nicht stärkste Kraft werden konnte.

Trotzdem gelang es den Nationalsozialisten, nachdem sie durch das Ermächtigungsgesetz den Parlamentarismus der Weimarer Republik beendet hatten, im April 1933 durch einen einzigen Federstrich – genauer durch ein einziges Regierungsdekret, das sogenannte Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums – alle gegnerisch eingestellten und nicht-arischen Beamten zu entlassen bzw. in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen, wodurch allein die Universität schlagartig etwa 18 bis 19 % ihrer Professoren verlor.[15]

Im 20. Jahrhundert war es von Beginn an – bis zur nationalsozialistischen Epoche – zu einer enormen Blüte der Fächer Mathematik und Physik an der Universität gekommen. Mathematiker wie Felix Klein, David Hilbert, Hermann Minkowski, Emmy Noether, Hermann Weyl, Richard Courant und andere, sowie Physiker wie Max Born, James Franck setzten Maßstäbe, genossen weltweites Ansehen und verbreiteten den Glanz der Stadt. Dass das jetzt vorbei sein sollte, wurde von den Nazis bewusst in Kauf genommen.

Nationalsozialismus, Kriegs- und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

An der Stelle, an der bis 1938 die Göttinger Synagoge stand, befindet sich seit 1973 ein von Corrado Cagli entworfenes Denkmal
Skulptur am Platz der Synagoge von innen gesehen
Flugblatt der Deutschen Studentenschaft, das 1933 zur Bücherverbrennung verbreitet wurde

Zwar gingen die Wahlerfolge der NSDAP in Göttingen kurz vor der Machtergreifung noch leicht zurück, Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde in Göttingen am nächsten Tag mit einem großen Fackelzug gefeiert, an dem mehr als 2.000 uniformierte Angehörige von SA, SS und Hitlerjugend teilnahmen. Die Machtübernahme in Göttingen verlief ohne Zwischenfälle. Nach der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar ging die Göttinger Polizei gezielt gegen die Kommunisten in Göttingen vor, und bereits am 5. März konnte die SA auf dem Rathaus ungehindert die Hakenkreuzflagge hissen. Die SA schlug am 28. März 1933 in Göttingen die Schaufenster jüdischer Geschäfte ein und griff jüdische Mitbürger tätlich an. Nicht weit von Göttingen, in Moringen (Landkreis Northeim), wurde schon 1933 ein Konzentrationslager eingerichtet, das ab 1940 als Jugendkonzentrationslager diente.

Personen jüdischer „Abstammung“[16]  wurden systematisch aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft herausgedrängt. Für die Universität, insbesondere im Bereich der Mathematik und Physik, führte dies zu einem Aderlass, von dem sich die Naturwissenschaften in Göttingen und in ganz Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nur langsam erholt haben.

Zugleich kam es langfristig zu einer nicht sofort sichtbaren Verarmung des Geisteslebens in der Stadt. Im Gefolge der Bücherverbrennung, bei der die deutschen Studenten in vielen Universitätsstädten Bücher als „undeutsch“ bezeichneter Autoren öffentlich verbrannten, wurde das schon bald spürbar. Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 wurde vom Rektor der Georg-August-Universität, Friedrich Neumann eröffnet. Nach einer sogenannten „Feuerrede“ des Germanisten Gerhard Fricke[17] zogen die studentischen Gruppen um den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund in einem Fackelzug vom Weender Tor zum Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Albaniplatz. Dort hielt der Führer der Studentenschaft, Heinz Wolff, vor dem Scheiterhaufen mit einem „Lenin“-Schild auf der Spitze, eine kurze Rede über den „undeutschen Geist“. Nach dem Singen des Lieds „Flamme empor“ und des Horst-Wessel-Lieds löste sich die Menge auf.

Im Zuge der Gleichschaltung der Studentenverbindungen mit dem Ziel der Überführung dieser in die nationalsozialistischen Kameradschaften (der so genannte Feickert-Plan) kam es zu Auseinandersetzungen, die von der Stadt unter dem nationalsozialistischen Bürgermeister Albert Gnade noch geschürt wurden und 1934 in den Göttinger Krawallen einen Höhepunkt fanden. Dennoch setzte sich die Staatsmacht durch und alle Verbindungen wurden, beschleunigt durch die reichsweite Wirkung des Heidelberger Spargelessens im Mai 1935, bis Mitte 1936 entweder aufgelöst oder in Kameradschaften übergeleitet.[18]

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Göttinger Synagoge in der Maschstraße, die schon bei den Übergriffen im März 1933 erstmals verwüstet worden war, vom Nazi-Pöbel verbrannt. Von den vor 1933 fast 500 jüdischen Einwohnern lebten 1938 noch an die 220 in der Stadt. Diese wurden fast ausnahmslos Opfer der Angriffe von SA und SS. Im Dezember 1941 beschwerte sich die NSDAP-Kreisleitung Göttingen, dass die bevorstehende Deportation der Göttinger Juden in der Bevölkerung bereits bekannt geworden sei und sie mit Anträgen auf Wohnungszuweisung überhäuft werde. Widerstand gegen die Aktionen regte sich nicht. Die letzten 140 Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Göttingen wurden 1942 in die Vernichtungslager deportiert.

Bei Luftangriffen auf Göttingen im Zweiten Weltkrieg entstanden im Vergleich zu anderen Städten nur mäßige Schäden. Ab dem 7. Juli 1944 erlebte die Stadt zwar acht Luftangriffe, diese galten vorwiegend den Bahnanlagen. Zerstört wurden: Zoologisches Institut, Anatomie, Brauerei, die Eisenbahnbrücke über die Leine, der Güterbahnhof, das Gaswerk und das Empfangsgebäude des Bahnhofs. Die historische Altstadt blieb weitgehend unzerstört. Sprengbomben vernichteten hier die Hälfte der Unteren Maschstraße, ebenso die Lutherschule, die Junkernschänke, den Rheinischen Hof und mehrere Wohnhäuser in der Jüden- und Angerstraße. Schwer beschädigt wurde die Universitätsbibliothek, die sich damals in der Prinzenstraße befand, ebenso das Auditorium am Weender Tor, Paulinerkirche, Rathaus und Johanniskirche. Außerhalb der Altstadt wurden in Grone und Treuenhagen sowie in der Kasseler Landstraße, Arndtstraße, Emilienstraße und Weender Landstraße Wohnhäuser vernichtet. Insgesamt waren etwa 120 Tote zu beklagen; zudem wurden 235 Wohnungen restlos zerstört, viele Häuser und öffentliche Gebäude beschädigt. Die Nachbarstädte Kassel, Hannover und Braunschweig mussten die volle Wucht der alliierten Bombenangriffe erleben.

Göttingen wurde mit Bombenflüchtlingen überfüllt. Unter anderem wegen der gut ausgestatteten Krankenhäuser war es im Laufe des Krieges zur Lazarettstadt geworden, in der sich bei Kriegsende drei- bis viertausend verwundete Soldaten befanden. Mit Rücksicht darauf hatte Göttingen das Glück, dass die "freie Stadt" vor den anrückenden amerikanischen Truppen von allen Kampfeinheiten verlassen wurde und so ohne größere Kampfhandlungen am 8. April 1945 befreit werden konnte. Durch Artilleriebeschuss wurden an diesem Tage noch mehrere Häuser in Geismar und der Wilhelm-Weber-Straße sowie die St.-Paulus-Kirche beschädigt. Insgesamt wurde Göttingen im Zweiten Weltkrieg zu 2,1 % zerstört.

Nach dem Krieg wurde die Stadt der britischen Besatzungszone zugeschlagen, die amerikanischen Einheiten durch britische abgelöst. Göttingen lag nunmehr in einem Zonendreieck: Das benachbarte Thüringen gehörte zur sowjetischen Besatzungszone, Kassel im Süden zur amerikanischen. Durch diese Lage und da Göttingen weitgehend intakt den Krieg überstanden hatte, wurde es Anlaufstelle für viele Interzonenwanderer und Flüchtlinge. Die Göttinger Universität konnte als erste in Deutschland (kurz vor Heidelberg) zum Wintersemester 1945/46 den Lehrbetrieb wieder aufnehmen.

Seit Gründung der Bundesrepublik[Bearbeiten]

Aufgrund der Kriegs- und Nachkriegswirren nahm die Bevölkerung der Stadt schlagartig zu. Während 1939 in Göttingen noch knapp 50.000 Einwohner lebten, waren es 1949 schon 80.000. Göttingen gehörte in dieser Zeit zu den am dichtesten besiedelten Städten Deutschlands. Dies lag daran, dass die Stadt nicht schon während des Industrialisierungsprozesses im 19. Jahrhundert wie andere Städte durch Eingemeindungen ausgeweitet worden war. In den ersten Nachkriegsjahren wurde vorrangig die Weststadt bebaut.

Die Altstadt (Johanniskirche und Rückseite des Rathauses) im Jahre 1953

Am 12. April 1957 kam es erneut zu einer Göttinger Erklärung: 18 deutsche Atom- und Kernphysiker, darunter Nobelpreisträger wie Max Born, Otto Hahn, Werner Heisenberg und Max von Laue warnten unter der Federführung von Carl Friedrich von Weizsäcker vor der Ausrüstung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen, wie sie damals vom Kanzler der jungen Bundesrepublik, Konrad Adenauer, ins Gespräch gebracht wurde. Die Initiative der Göttinger 18, die sich selbst in der Nachfolge der oben erwähnten Göttinger 7 sahen, war von Erfolg gekrönt, denn Adenauers Vorstellungen waren von diesem Zeitpunkt an hinfällig.

Eingemeindungen und Industrialisierung wurden durch das Göttingen-Gesetz vom 1. Juli 1964 nachgeholt. Einerseits wurden die Gemeinden Geismar, Grone, Nikolausberg und Weende mit Wirkung vom 4. Juli 1964 in die Stadt eingegliedert. Andererseits wurde die Stadt Göttingen in den Landkreis Göttingen eingegliedert.[19] Dennoch erhielt Göttingen eine Sonderstellung im Kreis, da für die Stadt weiterhin die Vorschriften für kreisfreie Städte anwendbar sind, soweit nicht landesrechtlich etwas anderes bestimmt ist. Göttingens Stadtgebiet wurde durch die Eingliederungen auf 7371 ha mehr als verdoppelt, die Einwohnerzahl erhöhte sich um 31 % von 83.000 auf 109.000. Parallel dazu entstanden in den eingemeindeten Außenbezirken große Neubaugebiete und neue Stadtteile.

Das neue Rathaus konnte 1978 bezogen werden

Die Weichen für eine Entwicklung zu einer modernen Großstadt waren gestellt. Größere Planungsvorhaben in den 1970er-Jahren wollten zwar das Gepräge der alten Universitätsstadt erhalten, Göttingen sollte nach dem Raumordnungsplan als Oberzentrum für den gesamten südniedersächsischen Raum fungieren. Die Altstadt sollte saniert werden.

Einschneidendster Schritt hierbei war der 1968 erfolgte Abriss des 1735 errichteten universitären Reitstalls in der Weender Straße, der von heftigen Bürger- und Studentenprotesten begleitet wurde. Zwischen 1966 und 1975 wurden die innerstädtischen Straßen weitgehend zu Fußgängerzonen ausgebaut. Die Verwaltung konnte 1978 ihr neues Rathaus beziehen, für das ursprünglich der Reitstall weichen musste, das aber an ganz anderer Stelle südöstlich der Altstadt gebaut wurde. Statt des Rathauses entstanden im Reitstallviertel ein Kaufhaus und ein kurzlebiges Stadtbad (nach langem Leerstand etwa 2004 abgerissen).

Der Neubau der Staats- und Universitätsbibliothek am Campus wurde 1993 eröffnet.

Wie die Stadt, modernisierte sich die wachsende Universität. Die Studentenzahlen stiegen von 4680 im Wintersemester 1945/46 auf 30.000 Anfang der 1990er-Jahre; erst anschließend wurden sie wieder rückläufig. Ab 1964 entstand der heutige Campus und das geisteswissenschaftliche Zentrum auf dem Gebiet des ehemaligen Universitätssportzentrums nördlich der Altstadt. Zwischen Weende und Nikolausberg wurde die Nord-Uni aufgebaut, wo sich heute ein Großteil der naturwissenschaftlichen Einrichtungen befindet. Ab 1973 wurde zudem mit dem Bau eines neuen Universitätsklinikums begonnen. 1993 wurde schließlich der architektonisch anspruchsvolle Neubau der Staats- und Universitätsbibliothek auf dem Campus eröffnet.

Mit der Grenzöffnung 1989 und dem Beitritt der ostdeutschen Bundesländer 1990 verlor Göttingen seine Randlage und liegt verkehrsgünstig mitten in Deutschland. Der Wandel war jedoch damit verbunden, dass die Bundeswehr 1993 ihren Standort in Göttingen aufgab und so nicht nur die traditionsreiche Geschichte der Stadt als Garnisonsstadt ein Ende fand (siehe 2. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 82), sondern ein bedeutender Wirtschaftsfaktor verschwand.

Die im Jahre 1968 in Göttingen aufgetretenen Studentenunruhen gingen hier nicht so schnell zu Ende wie anderswo. Noch Anfang der 1990er-Jahre geriet Göttingen wegen der sogenannten Scherbendemos der Autonomen Antifa sowie der spektakulären Bündnisdemonstrationen gegen Rechtsextremismus unter Beteiligung des linksradikalen schwarzen Blockes, dessen Teilnehmer vermummt an der Spitze der bis ins bürgerliche Spektrum reichenden Demonstrationen auftraten, in die Schlagzeilen. Seit 1990 fast durchgängig bis heute gibt es aus dieser linksradikalen Bewegung zahlreiche Aktionen, welche ein bundesweites Medienecho auf sich ziehen.

Das entschlossene Vorgehen weiter Teile der Göttinger Bevölkerung gegen rechtsradikale Demonstrationen, häufig in Form von Bündnissen, an welchen sich kirchliche Gruppen sowie Gewerkschaften und autonome Gruppen aus dem linksradikalen Spektrum Göttingens beteiligen, hat mit dazu beigetragen, dass der Rechtsextremismus in Göttingen selbst wenig bis gar keinen Boden gewinnen konnte. Trotzdem finden regelmäßig NPD-Demonstrationen, Naziaufmärsche und -kundgebungen mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland statt, die regelmäßig viele Gegendemonstranten dazu bringen sich aktiv gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Während derartiger Ereignisse müssen die Rechtsextremen und die Gegendemonstranten von einem hohen Polizeiaufgebot getrennt werden.

Bei der Entschärfung eines 65 Jahre alten Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Göttinger Schützenplatz starben am 1. Juni 2010 drei Personen, zwei wurden schwer und vier leicht verletzt; alle waren mit den Vorarbeiten zur Bombenentschärfung beschäftigt.[20]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden wurden nach Göttingen eingegliedert:

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerentwicklung weist seit dem Mittelalter ein Wachstum auf, das sich mit Beginn der frühen Neuzeit stark beschleunigt hat. 1985 wurde mit 132.100 Einwohnern ein vorläufiger Höchststand erreicht. Am 31. Dezember 2006 hatte Göttingen nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Statistik 121.581 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Laut Göttinger Tageblatt vom 2. Februar 2012 verzeichnet das Göttinger Statistische Informationssystem (GoeSIS.de) für das Jahr 2011 einen Anstieg um 700 auf 128.600 Einwohner.

Studierendenzahlen der Uni Göttingen: Sommersemester 2004: 23.446, Wintersemester 2004/05: 24.398, Sommersemester 2005: 23.649, Wintersemester 2005/06: 24.400 ([22]). Daneben gibt es noch weitere Hochschulen wie die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst oder die Private Fachhochschule Göttingen, was einen Studentenanteil von etwa 20 % ergibt.

Religionen[Bearbeiten]

St. Johanniskirche

Das Gebiet der Stadt Göttingen gehörte anfangs zum Erzbistum Mainz beziehungsweise zu dessen Archidiakonat Nörten. Nach der Reformation war Göttingen über viele Jahrhunderte eine fast ausschließlich lutherische Stadt. 1530 erhielt die Stadt eine neue Kirchenordnung mit einem Stadtsuperintendenten, welcher dem Landessuperintendenten in Grubenhagen unterstand. Alle Kirchengemeinden der Stadt bildeten einen Gesamtverband. Im späteren Königreich Hannover wurde Göttingen Sitz eines Sprengels, zu dem mehrere Kirchenkreise, darunter der Kirchenkreis Göttingen gehört. Alle protestantischen Kirchengemeinden der Stadt Göttingen gehören heute – sofern es sich nicht um Freikirchen handelt – zum Kirchenkreis Göttingen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers.

Ab 1713 wurden in Göttingen reformierte Hausgottesdienste gehalten, 1736 gab es französisch-reformierte Gottesdienste. Dies alles führte 1748 zur Gründung einer reformierten Gemeinde, die 1752 in die Konföderation reformierter Kirchen in Niedersachsen aufgenommen wurde. 1928 war die reformierte Gemeinde Göttingens Gründungsmitglied des Bundes Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands, dem sie heute noch angehört.

Ab 1746 wurden für die Studenten in Göttingen wieder katholische Gottesdienste erlaubt, ein Jahr später für alle Einwohner der Stadt. Erst 1787 konnte die erste katholische Kirche (St. Michael) nach der Reformation gebaut werden. 1825 entstand eine selbständige Pfarrgemeinde, die zum Bistum Hildesheim gehörte. 1929 wurde eine zweite katholische Kirche, die Pauluskirche, geweiht. Später wurde Göttingen Sitz eines Dekanats des Bistums Hildesheim, zu dem heute alle Pfarrgemeinden der Stadt gehören.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten, gegründet 1894), eine Mennoniten-Gemeinde (gegründet 1946), die Evangelische Freikirche Ecclesia, eine Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten, eine Gemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) und die Freie Evangelische Gemeinde (FeG).

In Göttingen gibt es eine seit dem 16. Jahrhundert nachweisbare jüdische Gemeinde, deren Synagoge in der Reichspogromnacht 1938 niedergebrannt wurde. Der jüdische Friedhof neben dem Stadtfriedhof hat die Zeit des Nationalsozialismus erstaunlich gut überstanden. Mittlerweile gibt es wieder ein reges jüdisches Gemeindeleben. Zum Jahresbeginn 2004 konnte in der Angerstraße ein neues Gemeindezentrum eingeweiht werden. Am 6. Februar 2004 konnte der erste Erew-Shabbat-Gottesdienst im neuen Gotteshaus gefeiert werden. Das neue Synagogengebäude wurde aus Bodenfelde nach Göttingen versetzt („transloziert“).[23]

Salimya-Moschee

Ebenso gibt es mehrere muslimische Gemeinden. Im Königsstieg wurde 2005 mit dem Bau der Salimya-Moschee begonnen, die 2006 fertiggestellt wurde. Außerdem findet sich die Al-Taqwa-Moschee in der Weender Landstraße.

Darüber hinaus sind Gemeinden der Zeugen Jehovas, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, der Neuapostolischen Kirche und der Russisch-Orthodoxen Kirche in Göttingen vertreten.

Politik[Bearbeiten]

Politik- und Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt stand schon seit dem 12. Jahrhundert der Rat mit 24 Ratsherren. Ab 1319 unterstand die Neustadt dem Rat. Die Wahl des Rates erfolgte am Montag nach dem Michaelistag. Ab 1611 wurden die 24 Ratsherren von der gesamten Bürgerschaft gewählt. Der Rat wählte aus seiner Mitte den Bürgermeister. Ab 1669 gab es nur noch 16 Ratsherren, später nur noch 12. Ab 1690 wurde das Stadtregiment völlig neu geordnet. Danach gab es den Rat, der aus dem Gerichtsschulze, zwei Bürgermeistern, dem Syndikus, dem Stadtsekretär und acht Ratsherren, die von der Regierung zu wählen waren, bestand. Während der Zugehörigkeit der Stadt zum Königreich Westphalen leitete ein Maire die Stadtverwaltung. Ihm stand ein Munizipalrat zur Seite. 1831 wurde ein neues Verfassungs- und Verwaltungsreglement erlassen. Danach gab es einen Bürgermeister beziehungsweise ab 1844 einen Oberbürgermeister. Mit der neuen Städteordnung von 1852 gab es wieder einen Bürgermeister, der ab 1885 erneut den Titel Oberbürgermeister trug. Während des Dritten Reichs wurde das Stadtoberhaupt von der NSDAP eingesetzt.

1946 führte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten Rat. Dieser wählte aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Daneben gab es ab 1946 einen ebenfalls vom Rat gewählten hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. 2000 wurde in Göttingen die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wird seit 1999 direkt vom Volk gewählt. Aus der ersten Wahl im Jahr 1999 ging Jürgen Danielowski (CDU) als Sieger hervor. Er trat das Amt am 1. Januar 2000 an und übergab es am 1. November 2006 an seinen Nachfolger, Wolfgang Meyer (SPD). Es gibt jedoch weiterhin einen eigenen Vorsitzenden des Rates, der nach jeder Kommunalwahl bei der konstituierenden Sitzung des Rates aus dessen Mitte gewählt wird. Dies ist Katharina Lankeit (SPD).

Rat der Stadt[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2011
 %
40
30
20
10
0
32,4 %
27,9 %
26,2 %
6,2 %
3,7 %
3,3 %
0,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-2,4 %p
+7,1 %p
-2,0 %p
-0,6 %p
+3,7 %p
-5,5 %p
-0,3 %p
Luftbild vom Neuen Rathaus

Stimmenverteilung der Parteien in Prozent:

SPD CDU Grüne FDP GöLinke Piraten
2001 36,2 30,6 16,9 8,9 3,8
2006 34,8 28,2 20,9 8,8 6,8
2011 32,4 26,2 27,9 3,3 6,2 3,7

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Der Rat der Stadt Göttingen setzt sich aus 47 Ratsmitgliedern (46 Ratsfrauen und Ratsherren und einem direkt gewählten hauptamtlichen Oberbürgermeister) zusammen.

Mandatsverteilung der Ratsfrauen und Ratsherren:

SPD CDU Grüne FDP GöLinke Piraten Andere Gesamt
1996 17 17 10 3 1 1 49 Sitze
2001 17 15 8 4 2 46 Sitze
2006 16 13 10 4 3 46 Sitze
2011 15 12 13 1 3 2 46 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

SPD und GRÜNE haben sich für die Wahlperiode auf Eckpunkte einer gemeinsamen Politik und ein Haushaltsbündnis verständigt.[24]

Oberbürgermeister[Bearbeiten]

SPD und GRÜNE unterstützten in der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters Wolfgang Meyer (SPD). Am 24. September 2006 ging Meyer mit 68,9 % als Gewinner gegenüber Daniel Helberg (CDU) mit 31,1 % hervor. Die Wahlbeteiligung lag bei 30,4 %. Wolfgang Meyer trat am 1. November sein Amt für acht Jahre an.

Abgeordnete[Bearbeiten]

Im Bundestag wird Göttingen durch die Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD), Fritz Güntzler (CDU) und Jürgen Trittin (Grüne) vertreten.

Im 2008 gewählten Niedersächsischen Landtag vertreten die Abgeordneten Gabriele Andretta (SPD, Direktwahl Göttingen-Stadt), Ronald Schminke (SPD, Direktwahl Göttingen/Münden), Lothar Koch (CDU, Direktwahl WK15), Stefan Wenzel (Grüne, Landesliste) und Patrick Humke (Die Linke, Landesliste) die Stadt Göttingen.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Ehemaliges Wappen
Wappen von Göttingen
Beschreibung:

Das Wappen der Stadt Göttingen geht zurück auf das älteste erhaltene Siegel der Stadt aus dem Jahr 1278. Es zeigt unten in rotem Feld einen nach heraldisch links (vom Betrachter aus gesehen: rechts) schreitenden, goldenen oder gelben Löwen, das Wappenbild der welfischen Herzöge. Der Löwe weist darauf hin, dass Göttingen zum welfischen Territorium, dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, gehörte. Darüber befindet sich auf blauem Feld ein die Stadtmauer symbolisierender, silberner Bogen mit drei ebenfalls silbernen Türmen, die rote, spitze Dächer tragen. Der mittlere Turm trägt einen goldenen Knauf, die beiden äußeren goldene Kreuze. Türme und Mauer zeigen an, dass Göttingen im Besitz der Stadtrechte war. Der Raum zwischen den Türmen wird durch vier Kugeln unterbrochen. Die Stadtflagge ist schwarz-gold.


Das Stadtwappen wurde in seiner heutigen Form zuletzt 1961 in der Hauptsatzung der Stadt festgelegt. Zeitweise verwendete die Stadt ein einfacheres Wappen, das in Schwarz den golden gekrönten, goldenen Großbuchstaben G zeigte.[25]

Göttingens Wahlspruch, der am Eingang des Ratskellers steht, ist „Extra Gottingam non est vita, si est vita non est ita“ und bedeutet „Außerhalb Göttingens gibt es kein Leben; gibt es Leben, dann kein solches“.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Göttingen unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Cheltenham (Vereinigtes Königreich), seit 1951
PolenPolen Toruń/Thorn (Polen), seit 1978
FrankreichFrankreich Pau (Frankreich), seit 1983
Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt), seit 1988
NicaraguaNicaragua La Paz Centro (Nicaragua), seit 1989 Solidaritätsvereinbarung

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Das Goetheinstitut im Fridtjof-Nansen-Haus
Die Stadtbibliothek im Thomas-Buergenthal-Haus neben St. Johannes

Göttingen ist eine Stadt, die im Wesentlichen von Bildung und Forschung geprägt wird, daher die Bezeichnung Universitätsstadt. 44 Nobelpreisträger kamen aus der Stadt und/oder haben dort gewirkt. (Dies wird als Göttinger Nobelpreiswunder bezeichnet.)

Dominierend in Stadtbild und Wahrnehmung ist die Georg-August-Universität Göttingen. Sie wurde 1737 durch den damaligen Kurfürsten Georg II. August von Hannover, König von Großbritannien gegründet und hat eine lange Liste berühmter Persönlichkeiten hervorgebracht. 2007 gewann die Universität die zweite Runde der Exzellenzinitiative. Im Stadtbild erinnern die für Göttingen seit 1874 typischen Gedenktafeln an den Häusern an die Wohnstätten von etwa 320 berühmten Göttinger Gelehrten und Studenten. Sie sind zumeist aus weißem Marmor und verweisen auf die Wohnzeit der geehrten Person im jeweiligen Haus. Mit der Anbringung der Tafel ist eine Göttinger Laudatio verbunden.[26]

1751 wurde die Königliche Societät der Wissenschaften in Göttingen, die spätere Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, gegründet.

Seit 1974 hat die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst einen Standort in Göttingen. 1983 wurde die Berufsakademie Göttingen gegründet, 1994 die Private Fachhochschule Göttingen und 2002 die Fachhochschule im Deutschen Roten Kreuz, die nicht mehr besteht. Daneben gibt es die Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Göttingen e. V. sowie die Volkshochschule Göttingen e. V.

Neben den Hochschulen sind vier Institute der Max-Planck-Gesellschaft in Göttingen ansässig, es handelt sich um das Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin, das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften und das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Darüber hinaus wird 2014 das zurzeit noch in Katlenburg-Lindau ansässige Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung nach Göttingen verlegt.[27] Die Stadt Göttingen ist außerdem "Korporativ Förderndes Mitglied" der Max-Planck-Gesellschaft.[28]

Mit dem Thema Perspektive Sprache gehörte Göttingen zu den zehn deutschen Städten, die im Wissenschaftsjahr 2009 Treffpunkt der Wissenschaft waren.[29]

Bibliotheken und wissenschaftliche Serviceeinrichtungen[Bearbeiten]

Sonstige wissenschaftliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Gebäude des Schülerlabors XLAB auf dem Nordcampus der Universität

Schulen[Bearbeiten]

Göttingen hat neben fünf Gymnasien (Felix-Klein-Gymnasium, Hainberg-Gymnasium, Max-Planck-Gymnasium, Otto-Hahn-Gymnasium, Theodor-Heuss-Gymnasium) die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, die Geschwister-Scholl-Gesamtschule und das Abendgymnasium Göttingen, an welchem man ebenso sein Abitur absolvieren kann. Außerdem besteht diese Möglichkeit an den Berufsbildenden Schulen I (Arnoldischule) im Fachgymnasium Wirtschaft, im Fachgymnasium Technik der Berufsbildenden Schulen II sowie an den Berufsbildenden Schulen III im Fachgymnasium Gesundheit und Soziales. Schulen in freier Trägerschaft sind die Freie Waldorfschule Göttingen als Gesamtschule mit allen Abschlussmöglichkeiten sowie eigenem Waldorfabschluss und die Montessori-Schule. Allgemein gibt es in Göttingen ein vollständiges Angebot an Allgemeinbildenden und beruflichen Schulen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Deutsches Theater
Junges Theater
Barbara – Repro von Reginald Gray
Stadthalle Göttingen am Albaniplatz
Clavier-Salon Göttingen

Die Göttinger Theaterlandschaft umfasst das renommierte Deutsche Theater Göttingen, das Junge Theater Göttingen (JT), das Theater im OP, welches einen ehemaligen Schauoperationssaal der alten chirurgischen Klinik der Göttinger Universität als Bühne nutzt, sowie die Großbühne der Freien Waldorfschule Göttingen in Weende, auf der jährlich mehrere Theater- und Eurhythmieaufführungen in einem 450 Personen fassenden Festsaal stattfinden.

Musik[Bearbeiten]

Die jährlich im Frühsommer von der Händelgesellschaft veranstalteten Internationalen Händel-Festspiele gehen auf die ersten Wiederaufführungen von Händel-Opern in nachbarocker Zeit zurück, die in den 1920erJahren von Musikwissenschaftlern in Göttingen initiiert wurden. Im späten 20. Jahrhundert wurden die Festspiele unter der Leitung von John Eliot Gardiner und später Nicholas McGegan zu einem Zentrum der musikalischen und szenischen historischen Aufführungspraxis der Werke Georg Friedrich Händels. Seit 2012 ist der Brite Laurence Cummings Künstlerischer Leiter der Festspiele. Die Festspiele ziehen ein internationales Publikum an, insbesondere aus Händels Wahlheimat Großbritannien. Einer der zahlreichen Konzertorte ist das Deutsche Theater Göttingen.

Im Sommer 2007 hat Judith Kara in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen die Alte Fechthalle renoviert und zu einem Kulturzentrum ausgebaut. Es entstand ein Veranstaltungsort mit guter Akustik, um unterschiedliche Kunstformen zusammenzuführen. Hier findet im Herbst die Tanz-Kultur-Woche statt.

Seit vielen Jahren ist das Goethe-Institut ein Veranstaltungsort für Kammerkonzerte. Die Levinsche Villa wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem Göttinger Unternehmer erbaut. Zwischen den Weltkriegen wurde das Gebäude von der Stadt Göttingen Wissenschaftlern als Wohnung zur Verfügung gestellt.

Seit März 2012 betreibt der Pianist Gerrit Zitterbart einen Clavier-Salon, wo internationale junge Preisträger solistisch und mit Kammermusik auftreten.

1964 machte das Chanson Göttingen der französischen Sängerin Barbara die Stadt bekannt. Es sind Einrichtungen wie das Göttinger Symphonie Orchester, das Jugend-Sinfonieorchester Göttingen, der Göttinger Flowmarkt oder die Guano Apes und Ganz Schön Feist, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Daneben besitzt Göttingen im Bereich der klassischen Musik eine Laienmusikszene mit allein fünf Sinfonieorchestern mit verschiedener thematischer Ausrichtung.

Die Stadt hat mit dem Göttinger Knabenchor einen in den 1970er Jahren über die Landesgrenzen hinaus bekannten Chor. Solisten der Chorakademie Göttingen werden an Musiktheatern der Region regelmäßig engagiert. Weiterhin gibt es in Göttingen mehrere Laien-Bigbands und andere Jazz-Formationen. Seit 1978 findet am ersten Wochenende im November das Göttinger Jazzfestival mit internationalen Stars sowie Göttinger Jazzkünstlern statt.[31] Der Verein stallarte organisiert jedes Jahr ein Festival mit Bildender Kunst, Literatur und Neuer Musik.

Aus rechtlichen Gründen wird das Göttinger Altstadtfest nicht mehr veranstaltet, stattdessen gibt es seit 2006 jährlich ein Indoor-Altstadtfest in den Räumen verschiedener Diskotheken. Für Veranstaltungen stehen die Stadthalle und die Lokhalle zur Verfügung. Ein traditionsreicher Live-Club ist der Nörgelbuff.

Literatur[Bearbeiten]

Seit 1992 findet jährlich im Herbst der zehntägige Göttinger Literaturherbst statt, mit Lesungen und Vorträgen internationaler Autoren im Alten Rathaus und im Deutschen Theater. Im Jahr 2002 fand der Festakt zum 75. Geburtstag von Günter Grass im Rahmen des Literaturherbstes statt, in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Johannes Rau.

Das Literarisches Zentrum Göttingen bestreitet ein ganzjähriges regelmäßiges Programm, zu dem als „begehbarem Feuilleton“ nicht nur Autorinnen und Autoren, sondern auch Kulturschaffende aus den angrenzenden Bereichen eingeladen werden. Das Literarische Zentrum besteht seit dem Jahr 2000 als feste Institution.

Museen und Archive[Bearbeiten]

Die Original Gänseliesel-Skulptur der Brunnenfigur vom Städtischen Museum

Botanische Gärten der Universität[Bearbeiten]

In Göttingen gibt es folgende Botanische Gärten der Georg-August-Universität:

  • Alter Botanischer Garten: ältester Botanischer Garten in Niedersachsen und einer der reichsten in Deutschland mit über 10.000 Pflanzenarten
  • Neuer Botanischer Garten: ökologischer Versuchsgarten
  • Forstbotanischer Garten: reiche Sammlung an Gehölzen

Denkmäler[Bearbeiten]

Wahrzeichen der Stadt: Das Gänseliesel (Eine Brunnenfigur auf dem Göttinger Marktplatz)
Gauß-Weber-Denkmal mit chemischem Laboratorium
Der Nabel, Zentrum der Göttinger Fußgängerzone

In Göttingen gibt es zahlreiche Denkmäler. Von besonderer kunst- und kulturhistorischer Bedeutung sind:

Denkmal für Zwangsarbeiter
  • Göttinger Erhebung (Bildhauer [Andreas Welzenbach], Skulpturenensemble vor der Kornmarktpassage, 2012)

Bauwerke[Bearbeiten]

Im Rahmen einer von 2008 bis 2010 durchgeführten Nachinventarisierung der ausgewiesenen Kulturdenkmale in der Innenstadt von Göttingen wurde der gesamte vom mittelalterlichen Wall umschlossene Bereich bis zum äußeren Wallfuß als Baukulturensemble Innenstadt Göttingen ausgewiesen. Innerhalb dieses Bereichs sind 179 Bauwerke als Einzelbaudenkmale ausgewiesen. Weitere 819 Gebäude, in 90 Gruppen zusammengefasst, zählen als konstituierende Bestandteile des Baukulturensembles Innenstadt.[32] Für die weitere Entwicklung der Innenstadt wurde im Jahr 2011 ein Innenstadtleitbild herausgegeben.[33]

In der Innenstadt innerhalb des Walles liegen acht Kirchen:

  • St. Albani, im Osten der Innenstadt, leicht erhöht gelegen im Gebiet des ursprünglichen Gutingi, der Keimzelle der heutigen Stadt.
  • St. Jacobi, weithin sichtbares Wahrzeichen und höchste Kirche der Stadt.
  • St. Johannis, zweitürmige Marktkirche, am 24. November 1944 durch Bomben stark beschädigt und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Am 23. Januar 2005 brannte der Nordturm der Kirche nach einer Brandstiftung aus.
  • St. Marien ist die Kirche der ehemaligen Deutschordenskommende.
  • St. Michaelis, die einzige katholische Kirche in der Innenstadt, ist wie ein Bürgerhaus in die Straße eingereiht; die kirchliche Fassade wurde erst um 1900 (?) ausgeführt.
  • St. Nikolai, seit 1820 aufgrund einer Petition der Studentschaft aus dem Jahr 1819 Universitätskirche in deren Eigentum, ist von der Baugestalt her unscheinbar. Sie wurde von 1800 bis 1818 als Magazin genutzt. Im Zuge der Herrichtung für diese Nutzung wurde die vorher vorhandenen Doppelturmanlage abgetragen. Der Sandsteinbau stammt aus der Zeit des ausgehenden 13. Jahrhunderts. Jedoch wurden bei archäologischen Untersuchungen romanische Fundamente (12. Jahrhundert (?)) angetroffen. Zu den Ausstattungsdetails gehört ein aus der Paulinerkirche umgesetztes Epitaph zur Erinnerung an den berühmten Universitätskanzlers von Mosheim.
  • Paulinerkirche, heute umfunktioniert als alte Universitätsbibliothek, ist eine ehemalige Dominikanerkirche. Am 24. November 1944 wurde sie durch Bomben schwer beschädigt und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.
  • Reformierte Kirche, wurde nach der Universitätsgründung durch die Initiative des Schweizer Professors Albrecht von Haller 1752/53 erbaut.

Davon sind die fünf ältesten Stadtpfarrkirchen: Albani, Jacobi, Johannis, Nikolai und Pauliner – Marien kam wahrscheinlich erst nach einer Stadterweiterung hinzu.

Der Vierkirchenblick ist mit einer Bronzeplatte im Pflaster an der Ecke Marktplatz/Kornmarkt gekennzeichnet. Von dort ist in jeder Himmelsrichtung eine Kirche zu sehen (N: Jacobi, O: Albani, S: Michaelis, W: Johannis). Die Bronzeplatte wurde von dem Inhaber des Bekleidungshauses Diekmann, Harro Tubbesing, gestiftet. 1981 wurden bei Umbauarbeiten im Bekleidungshaus Diekmann die Grundmauern des 1251 erbauten Schuhhofes, das älteste Gildehaus der Stadt mit gotischem Tonnengewölbe und Kreuzgratgewölbe, entdeckt.[34] Heute wird das Kellergewölbe als Gaststätte genutzt. Die Gebäude mit den Hausnummern Markt 7 und 8 wurden in die Liste niedersächsischer Kulturdenkmale aufgenommen und stehen an der Südseite des Marktplatzes.[35]

Die Junkernschänke wurde im 15. Jahrhundert als spätgotisches Fachwerkhaus erbaut. An der Hausfront sind prachtvolle Schnitzereien mit Gestalten des alten Testaments zu sehen.

Das Alte Rathaus ist im Kern gotisch. An der Treppe des Rathauses befinden sich zwei steinerne, wappentragende Löwen. Auf dem davor gelegenen Marktplatz befindet sich der berühmte Gänselieselbrunnen, das Wahrzeichen der Stadt. Außerdem finden sich zahlreiche mitunter stark restaurierte Fachwerkhäuser (13. bis 19. Jahrhundert), wie zum Beispiel die Rote Straße 25 von 1276, ein typisches gotisches Wohnhaus, und – nach zwei Fachwerkhäusern in Esslingen am Neckar von 1262/63 und 1267 – das drittälteste bislang dendrochronologisch datierte Fachwerkhaus in Deutschland. Ferner erwähnenswert sind die Ratsapotheke und die am 21. März 1945 durch Bomben zerstörte und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Junkernschänke (1547), das Bornemannsche Haus, der Schwarze Bär, das Schrödersche Haus und das Lichtenberghaus, mit dem sich die Stadt Göttingen im Zeit-Wettbewerb 365 Orte im Land der Ideen bewirbt. Die Innenstadt ist noch heute fast vollständig umgeben vom im 18. Jahrhundert zu einem Spazierweg umgebildeten Wall.

Zu den universitären Sehenswürdigkeiten zählen die Aula mit dem Karzer (in dem entgegen einem weit verbreitetem politischen Mythos der Reichskanzler Otto von Bismarck nicht als Student einsaß), die neben anderen Göttinger Bauten auf dem 10-D-Mark-Schein zu sehen war, das Alte Auditorium und der Alte Botanische Garten. Die ehemalige Sternwarte beim Geismarer Tor ist ein klassizistischer Bau mit Anklängen an die sogenannte Revolutionsarchitektur (um 1800).

Am Geismartor befindet sich das ehemalige Accouchierhaus (Entbindungsanstalt der späten Aufklärungszeit), das heute als Musikwissenschaftliches Seminar der Universität genutzt wird.

An die Studienzeit Bismarcks erinnert neben dem Karzer das Bismarckhäuschen am Wall unmittelbar vor den Toren der Stadt. Auf dem Kleperberg steht ein Exemplar der beliebten Bismarcktürme.

Im Stadtteil Nikolausberg findet man in exponierter Lage eine malerische Dorfkirche, deren romanischen Bauteile stilistisch mit der sogenannten Bauschule von Königslutter am Elm in Verbindung zu stehen scheinen. Ursprünglich als Klosterkirche gegründet, siedelte der Konvent schon früh in das nahe im Tal gelegene Weende (heute Stadtteil von Göttingen) über.

Im Stadtteil Weende beeindruckt der 1987 fertiggestellte, in der Region architektonisch einzigartige Schulbau der Freien Waldorfschule Göttingen mit seinem 2007 eingeweihten Südflügel (Entwurf: Jochen Brandi).

Nördlich von Göttingen, oberhalb von Bovenden, befindet sich die Ruine der mittelalterlichen Burg Plesse.

Konzert der Händel-Festspiele in der Alten Aula am Wilhelmsplatz

Um Göttingen herum wurden im Mittelalter 11 Warttürme angelegt. Erhalten sind: Rieswarte (Nikolausberg), Diemardener Warte und Roringer Warte.

Im Stadtgebiet gibt es zahlreiche Beispiele für moderne Kunst , beispielsweise die Bronzeskulptur Der Tanz von Bernd Altenstein (1982), im Volksmund Nabel genannt.

Glockenspiel[Bearbeiten]

Am Gebäude Lange-Geismar-Str. 44 ertönt mehrfach täglich ein Glockenspiel. Glockenspiel in der Göttinger Innenstadt?/i

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • April: Ostermarkt
  • Mai oder Juni: Internationale Händel-Festspiele
  • Juni: Spieleautorentreffen
  • Juli: Göttinger Nacht der Kultur, Altstadtlauf, Schützenfest
  • September: Gänseliesel-Fest, Lernfest, Gesundheitsmarkt, Tanz-Kultur-Woche in der Alten Fechthalle, NDR2 Soundcheck Neue Musik
  • Oktober: Göttinger Literaturherbst
  • November: Keiner soll einsam sein, Göttinger Jazzfestival
  • Dezember: Göttinger Weihnachtsmarkt

Eine sehr bekannte Veranstaltung mit zahlreichen über die gesamte Fußgängerzone verteilten Bühnen für die Präsentation von satirischen und musikalischen Liveaufführungen war das am letzten Augustwochenende stattfindende Altstadtfest. Der letzte Veranstalter wurde jedoch zahlungsunfähig, ein Nachfolger ließ sich aufgrund des finanziellen Risikos nicht mehr finden und zudem gab es eine Lärmschutzklage einer Anwohnerin, die den Prozess gewann. Diese beiden Gründe führten dazu, dass das letzte Altstadtfest im Jahre 2004 stattfand. Auf Initiative verschiedener Einrichtungen in Göttingen findet seit 2007 das Indoor-Altstadtfest zum gleichen Zeitpunkt in einigen Kneipen statt.

Burschenschaften und Logen[Bearbeiten]

Nach Gründung der Universität wurde in Göttingen eine Loge der Freimaurer auf Wunsch von Carl Phillip Freiherr von Knigge – Vater des Schriftstellers Adolph Knigge-, welcher in Göttingen studierte und in Hannover Meister vom Stuhl der Loge Friedrich wurde, eine Deputationsloge (Zweigloge) im Jahre 1747 ins Leben gerufen. Damit war Göttingen eine der ersten Städte mit einer Loge. Erster Meister vom Stuhl wurde der Professor und Rechtswissenschaftler Georg Ludwig Boehmer. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde die Loge 1753 aufgelöst, 1765 und 1793 erneut gegründet und 1810 unter dem jetzigen Namen Augusta zum Goldenen Zirkel mit der Matrikelnummer 22 gegründet. [36] Die Loge stellt sich selbst als offene Gemeinschaft für jeden dar, nimmt nur Männer auf – lädt aber auch deren Familie ein – und trifft sich regelmäßig in ihrem Logenhaus in der Oberenkarspüle 47. Aktueller Meister vom Stuhl ist Peter Rehfeld. Die Loge fasst knapp 50 Mitglieder.

Durch die Universität gründeten sich mitte des 19. Jahrhunderts etliche Burschenschaften und Stundentenverbindungen in Göttingen. Momentan sind von ihnen noch die Burschenschaften Hannovera, Holzminda und Brunsviga aktiv. Als Gegner der Burschenschaften entstand eine größere Gruppe linker Aktivisten, welche ein Gebäude in der Roten Straße zu Ihrem Treffpunkt machten und regelmäßig Demonstrationen veranstalten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Im Jahr 2010 betrug die Arbeitslosenquote 8,3 % (2009: 9,4 %, 2008: 10,1 %).

Verkehr[Bearbeiten]

Luftbild vom Göttinger Bahnhof
Bahnhof Göttingen mit Vorplatz
Weender Tor zwischen Innenstadt und Universitätsbereich
Versuchsweise wurde Ende 2007 ein Doppelgelenkbus in Göttingen eingesetzt
Fahrradstadt Göttingen: Der Bahnhofsvorplatz

Durch das westliche Stadtgebiet von Göttingen führt von Nord nach Süd die Bundesautobahn 7 HannoverKassel. Südlich von Göttingen entstand mit dem Autobahndreieck Drammetal der Anschluss an die Bundesautobahn 38 nach Halle (Saale) und Leipzig. Ferner führen die Bundesstraßen 3 und 27 durch Göttingen. Rund um die Innenstadt verläuft entlang des ehemaligen Stadtwalls der Verkehrsring, der das Stadtzentrum fußläufig relativ stark von den angrenzenden Quartieren abschneidet, den Autoverkehr weitestgehend aus dem Stadtkern heraushält und in die entlegenen Stadtteile in allen Richtungen hin verteilt. Dennoch gibt es Überschneidungen unterschiedlicher Nutzergruppen, insbesondere im Bereich des Übergangs zwischen Fußgängerzone und kleingekammerter Bebauung. Bus- und Parksuchverkehr stören sich hier mit Fahrradfahrern und Fußgängern.

Der Bahnhof Göttingen liegt an der 1991 eröffneten Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und ist seitdem ein Halt des ICE. Die Linienverläufe des InterCityExpress führen über Kassel nach Frankfurt am Main, München und Stuttgart, teils in die Schweiz und nach Österreich, sowie in Gegenrichtung nach Hannover, Hamburg, Bremen und über Braunschweig und Wolfsburg nach Berlin. Im alten Streckennetz liegt Göttingen an der Nord-Süd-Hauptstrecke von Hamburg über Hannover aus Norden und nach Kassel, Frankfurt und Würzburg im Süden (Bahnstrecke Göttingen–Bebra). Die Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde führt an die Weser und in den Solling (mit Anschlüssen in Richtung Paderborn). Täglich verkehren in Göttingen 126 ICE, 53 IC und 236 Nahverkehrszüge. Der Regionalverkehr wird seit einigen Jahren auf der Südstrecke nach Ausschreibungen durch private Anbieter gewährleistet. In Richtung Kassel fährt über EichenbergWitzenhausenHann.Münden ein Regionalexpress in Doppeltraktion, wobei die eine Traktion die Strecke über Bad SoodenEschwege bis nach Bebra bedient.

Seit 1980 ist die in Göttingen abzweigende Dransfelder Bahn, die als Bestandteil der Hannöverschen Südbahn die erste Bahnverbindung zwischen Hannover und Kassel war, stillgelegt. 1957 wurde die Gartetalbahn, eine Schmalspurbahn nach Duderstadt für den Personenverkehr stillgelegt.

Die nächsten Verkehrsflughäfen sind in Hannover (etwa 105 km Luftlinie), Paderborn (etwa 90 km Luftlinie) und Kassel-Calden (etwa 40 km Luftlinie). Kleinere Flugplätze in der Umgebung von Göttingen sind der Flugplatz Göttingen-Heilbad Heiligenstadt (20 km Luftlinie), der Flugplatz Witzenhausen (20 km Luftlinie), der Flugplatz Höxter-Holzminden (47 km Luftlinie) und der Flugplatz Northeim (etwa 20 km Luftlinie).

15 Stadtbuslinien (Linien 1 bis 10, 12 bis 14 sowie Nachtbuslinien 28 und 29) der Göttinger Verkehrsbetriebe und zahlreiche Taxis bedienen den öffentlichen Personennahverkehr Göttingens.

Vielfach bevorzugtes Verkehrsmittel in der Studentenstadt ist das Fahrrad. Durch seine weitgehend hügellose Lage ist der Stadtkern Göttingens für den Fahrradverkehr prädestiniert. Es gibt zahlreiche ausgebaute Fahrradwege und Stellplätze, darunter eine kostenpflichtige Fahrradstation am Bahnhof. Im Jahr 2006 hat die Stadt Göttingen den Landeswettbewerb Fahrradfreundliche Kommune des Landes Niedersachsen gewonnen. Seit 2008 ist ein im Auftrag der Stadt herausgegebener Fahrrad-Flyer mit Verkehrsregeln und Lageplan von innerstädtischen Fahrradparkplätzen erhältlich. Durch die Stadt führt der Leine-Heide-Radweg.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Göttingen hat eine hohe Anzahl von Firmen, welche sich mit Messtechnik beschäftigen. Deshalb wurde 1998 der regionale Wirtschaftsverband Measurement Valley gegründet. Zu den 34 Mitgliedern gehören Einrichtungen wie Berufsbildende Schulen, die Georg-August-Universität Göttingen, die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen oder die Industrie- und Handelskammer Hannover.[37] Ebenfalls Mitglieder sind die Sartorius AG und die Mahr Gruppe. Die Sartorius AG ist ein weltweit agierender Konzern mit Hauptsitz in Göttingen und als Anbieter in Teilbereichen von Labor- und Prozesstechnologie international führend. Mit rund 5900 Mitarbeitern weltweit erzielte das Unternehmen 2013 einen Umsatz von 887,3 Millionen Euro. Die Mahr Gruppe mit weltweit circa 1700 Mitarbeitern hat ebenfalls ihren Hauptsitz in Göttingen, beschäftigt 2012 rund 750 Mitarbeiter in Göttingen und erzielte einen Umsatz in Höhe von 214 Millionen Euro. Sie bezeichnet sich selbst als die „Nr. 3 im Weltmarkt der dimensionellen Messtechnik“.

Die zehn größten Unternehmen nach Bilanzsumme sind:[38]

Von Bedeutung sind ebenfalls:

Energieversorgung[Bearbeiten]

Im Jahr 2012 wurde Göttingen für sein Engagement für erneuerbare Energien als Energie-Kommune ausgezeichnet. Blockheizkraftwerke (BHKWs) versorgen dort zahlreiche Haushalte über Fernwärmenetze mit Bioenergie aus der Region. In Zukunft sollen die Netze Stück für Stück ausgeweitet werden.[39]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Die Gesundheitsversorgung der Einwohner wird von mehreren Krankenhäusern sichergestellt. Die Universitätsmedizin Göttingen steht mit 2600 Betten an der Spitze der Krankenversorgung, gefolgt vom Asklepios Fachklinikum Göttingen mit 375, dem Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende mit 448, dem Agaplesion Krankenhaus Neu Bethlehem mit 120 und dem Krankenhaus Neu-Mariahilf mit 118 Betten.[40]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Göttingen ist Sitz folgender öffentlicher Einrichtungen beziehungsweise Institutionen:

Siehe auch: Region Göttingen

Medien[Bearbeiten]

Printmedien[Bearbeiten]

mit hohem Verbreitungsgrad

weitere

  • Alle ein bis zwei Wochen erscheint die als linksradikal wahrgenommene Göttinger Drucksache.
  • In vierteljährlichem Abstand wird seit 2008 das Magazin GÖKick herausgegeben, welches die regionale Fußballsituation thematisiert.
  • Monatlich erscheinen das Straßenmagazin tagessatz und K3-Das Magazin, zehn Mal im Jahr erscheinen die Stadtmagazine 37°, pony und trends&fun sowie vierteljährlich Faktor, das Entscheider-Magazin für die Region Göttingen, und das Regional-Journal für Südniedersachsen RegJo.

im Umland/eingestellt

  • Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) ist in Göttingen mit einer Redaktion vertreten. Für die HNA-Lokalredaktionen in Niedersachsen (Hann. Münden, Northeim und Uslar) werden dort die landespolitischen Seiten sowie die Seite Blick nach Göttingen (erscheint in der Witzenhäuser Allgemeinen) hergestellt. Außerdem zeichnet die Redaktion für die wöchentlich erscheinende Veranstaltungsseite Das ist los in der Region verantwortlich.
  • Der Versuch, eine unabhängige und genossenschaftlich organisierte Göttinger Wochenzeitung zu etablieren, scheiterte im Juli 2006.

Bis zur Gleichschaltung der Presse 1933 erschienen in Göttingen und dem Umland die Göttinger Zeitung und das Göttinger Volksblatt.

Hörfunk[Bearbeiten]

Als Lokalsender bietet das StadtRadio Göttingen ein Nichtkommerzielles Lokalradio-Programm an. Lokale Fenster werden ebenfalls von den niedersächsischen Privatsendern Hit-Radio Antenne und radio ffn ausgestrahlt. NDR 1 Niedersachsen sendet werktags aus dem Studio Braunschweig für Süd- und Ostniedersachsen Regionalfenster aus, wobei südniedersächsische Beiträge in einem in Göttingen ansässigen Regionalstudio produziert werden, das auch für die anderen NDR-Hörfunkwellen sowie für Das Erste und NDR Fernsehen produziert.

Wegen der für UKW-Empfang ungünstigen Tallage ist der stadtweite Empfang auf die Sender Nikolausberg, Bovenden und Hoher Meißner beschränkt, von denen die folgenden Frequenzen ausgestrahlt werden:

  1. NDR 1 Niedersachsen auf 88,5 MHz (Nikolausberg)
  2. NDR 2 auf 94,1 MHz (Nikolausberg)
  3. NDR Kultur auf 96,8 MHz (Nikolausberg)
  4. NDR Info auf 99,9 MHz (Nikolausberg)
  5. N-Joy vom NDR auf 95,9 MHz (Nikolausberg)
  6. StadtRadio Göttingen auf 107,1 MHz (Bovenden)
  7. Radio 21 auf 93,4 MHz (Bovenden)
  8. radio ffn auf 102,8 MHz (Bovenden)
  9. Hit-Radio Antenne auf 106,0 MHz (Bovenden)
  10. Deutschlandfunk auf 101,0 MHz (Bovenden)
  11. hr1 auf 99,0 MHz (Hoher Meißner)
  12. hr2-kultur auf 95,5 MHz (Hoher Meißner)
  13. hr3 auf 89,5 MHz (Hoher Meißner)
  14. hr4 auf 101,7 MHz (Hoher Meißner)
  15. Hit Radio FFH auf 105,1 MHz (Hoher Meißner)

Die von den starken Sendeanlagen auf dem Brocken ausgestrahlten Programme sind ebenfalls überwiegend gut zu empfangen:

  1. MDR Sachsen-Anhalt auf 94,6 MHz
  2. MDR Figaro auf 107,8 MHz
  3. MDR Jump auf 91,5 MHz
  4. Deutschlandradio Kultur auf 97,4 MHz
  5. 89.0 RTL auf 89,0 MHz
  6. Radio SAW auf 101,4 MHz

In einigen höher gelegenen Stadtteilen kann eine Vielzahl weiterer Sender auf UKW aus den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Thüringen und Nordrhein-Westfalen gehört werden.

Fernsehen[Bearbeiten]

In Göttingen existiert kein Lokalfernsehen. Am 29. Mai 2006 wurde das analoge terrestrische Fernsehsignal der Sender Göttingen (Nikolausberg) und Hoher Meißner, die bisher das Stadtgebiet mit Analogfernsehen abdeckten, abgeschaltet und DVB-T eingeführt. Zwar können die Privatsender RTL und Sat.1 nicht mehr terrestrisch empfangen werden; dafür steht jedoch eine im Vergleich zum Analogempfang größere Anzahl öffentlich-rechtlicher Programme zur Verfügung. Der Sender Espol überträgt Das Erste, ARTE, Phoenix, tagesschau24, 3sat, ZDF, KiKA/ZDFneo, ZDFinfo sowie die dritten Programme von NDR, WDR, hr-fernsehen und MDR. Im gesamten Stadtgebiet können die im Wesentlichen aus den gleichen Programmen bestehenden Bouquets vom Hohen Meißner bzw. vom Sender Hetjershausen empfangen werden. Neben dem Kabel- und Satellitenfernsehen ist in einigen Stadtteilen IPTV vom Anbieter Telekom verfügbar.

Online-Medien[Bearbeiten]

Seit 2001 ist das Göttinger Stadtinfo (goest) als nichtkommerzielles Online-Magazin im Internet mit Berichten zu lokalen Ereignissen politischer wie kultureller Art und einem ausführlichen Veranstaltungskalender. Von Mitte 2005 bis Ende 2012 war die Internet-Zeitung www.buergerstimmen.de online.

Filmstadt Göttingen[Bearbeiten]

Denkmal für Heinz Erhardt

1945 bis 1960 war Göttingen Produktionsstätte von über 90 Spielfilmen, unter anderem

Produktionsfirma war die Göttinger Filmaufbau-Gesellschaft, die von Hans Abich und Rolf Thiele 1946 gegründet wurde. Die Gesellschaft steht für den problemorientierten Kinofilm der 50er-Jahre sowie die Produktion zahlreicher Komödien mit Heinz Erhardt. 1960 siedelte die Gesellschaft nach München um.

Die Curt-Goetz-Filme wurden von der Domnick-Filmproduktion GmbH produziert.

Sport[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Ein überregional bekannter Fußballclub Göttingens war der 1. SC Göttingen 05, der im Jahre 2003 nach lang anhaltender sportlicher Erfolglosigkeit Insolvenz anmelden musste. Im Folgejahr fusionierte die vor der Insolvenz ausgegliederte Jugendabteilung (FC Göttingen 05) mit dem RSV Geismar zum RSV Göttingen 05. Der Club spielt aktuell in der Oberliga Niedersachsen und ist momentan der erfolgreichste Göttinger Fußballverein. Spielorte des 1. SC Göttingen 05 waren der Maschpark und das Jahnstadion.

Der Nachfolgeverein RSV 05 fing auf dem Sportplatz an der Benzstraße in Geismar an und spielt heute wieder im Jahnstadion. Überregional bekannt ist der Verein aufgrund seiner Anhängerschaft, die wohl größte eines Fußballvereins in Göttingen.

Es bestehen noch aus den Zeiten des SC mehrere Fanclubs, darunter die 05 Supporters Crew, die den Dachverband bilden. Die Heimspiele locken im Schnitt 900 Zuschauer an, was beachtlich für einen Fünftligisten ist.

Langjähriger sportlicher Rivale ist der Nachbarverein, die SVG Göttingen 07. Dieser ist (vom Jahnstadion gesehen) auf der anderen Seite des Leineufers beheimatet, im SVG-Stadion am Sandweg und spielt in der Landesliga Braunschweig. Höhepunkt war das Göttinger Stadtderby in der Landesliga Braunschweig im Mai 2011 vor etwa 2500 Zuschauern im SVG-Stadion. Die Partie ging 1:1 aus und der RSV 05 stieg Monate danach überraschend in die Oberliga auf.

Einige Funktionäre der größeren Vereine in Göttingen planten bereits mehrmals eine Fusion zu einem Großverein, um den höherklassigen Fußball wieder in die Universitätsstadt zu bringen (wie auch in anderen Städten geschehen, beispielsweise beim FC Ingolstadt 04). Dies konnten sie aufgrund vieler negativen Stimmen von Vereinen und Fans nicht umsetzen. Zuletzt wurde dabei im November 2008 durch Vorstandsmitglieder der SVG Göttingen, des RSV Göttingen 05, dem SCW Göttingen, dem TSV Holtensen und Sparta Göttingen der FC Göttingen gegründet. Ziel war der höherklassige Fußball in Göttingen. Der Verein wurde teilweise begrüßt, teilweise strikt abgelehnt. Nachdem die SVG Göttingen sich nach Vorstandsgesprächen schnell wieder aus dem Projekt zurückzog, wurde der Verein nach nur 21 Tagen wieder aufgelöst. Ein Sprecher der SVG begründete dies mit den Worten: „die […] materiellen und personellen Ressourcen [die Existenz der SVG] erheblich gefährden.[41]

Fußballturniere[Bearbeiten]

Bekannt ist außerdem der SCW Göttingen aufgrund eines jährlich ausgerichteten A-Jugend-Hallenturniers. Das früher kurz vor Weihnachten in der Lokhalle stattfindende Turnier musste auf Grund des in diesem Zeitraum angesetzten Viertelfinales des DFB-Junioren-Ligapokals auf Mitte Januar verlegt werden. Vier Tage lang kämpfen vier international bekannte Vereine (in der Vergangenheit Vertretungen des FC Barcelona, Chelsea London, PSV Eindhoven, Bröndby Kopenhagen), acht Bundesliga-Mannschaften (wie dem VfL Wolfsburg, Hannover 96 oder Borussia Dortmund) und 12 Regionalvereine um den Turniersieg. Das Turnier hat regelmäßig hohe Zuschauerzahlen und gilt als Europas größtes A-Jugend-Hallenturnier.

Die mexikanische Nationalmannschaft hatte anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 ihr WM-Quartier in Göttingen aufgeschlagen. Die Mannschaft gastierte dabei im Hotel Freizeit In, und trug ein Testspiel vor 15.000 Zuschauern gegen eine Göttinger Regionalauswahl aus. Zudem war Göttingen 2006 Austragungsort der inoffiziellen deutschen Meisterschaft im Futsal.

Basketball[Bearbeiten]

Göttingen ist ebenfalls ein traditionsreicher Basketballstandort. Die BG 74 Göttingen ist mit dem Herrenteam derzeit als BG Göttingen in der zweiten Basketball-Bundesliga vertreten. Diese Mannschaft hat 2010 die EuroChallenge gewonnen. In den Jahren 1980, 1983 und 1984 gewannen die Göttinger Basketballer des ASC 1846 Göttingen, der zweite große Verein der Stadt, die deutsche Meisterschaft, 1984 und 1985 wurde man deutscher Pokalsieger. Die Damenmannschaft der BG 74 Göttingen spielte von 2003 bis 2009 ebenfalls in der ersten Damen-Basketball-Bundesliga, in der Saison 2008/2009 unter dem Namen Trinos Göttingen. Nach der Saison 2008/2009 gab es jedoch erneute finanzielle Probleme, die dazu führten, dass dem Team keine Erstligalizenz erteilt wurde. Des Weiteren spielt das Team Göttingen (bestehend aus Spielern des ASC 1846, der BG 74 sowie dem Sportgymnasium Bad Sooden-Allendorf) in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL). Dass drei Teams in der höchsten deutschen Liga spielten, war bisher einzigartig in der deutschen Basketballgeschichte.

Spielort des Damenteams ist die Sporthalle des Felix-Klein-Gymnasiums, welche etwa 1500 Zuschauer fasst. Spielort der Herren seit der Saison 2007/2008 ist die Göttinger Lokhalle. Der ASC 1846 spielt in der Halle der IGS.

Die Wettkampfgemeinschaft der Universität Göttingen war zudem mehrfacher deutscher Hochschulmeister, zuletzt 2006.

Zur Tradition des Basketballs in Göttingen gehören die Damen-Basketballerinnen von Göttingen 05, die in den Jahren 1968, 1970, 1971, 1972 und 1974 Deutsche Meisterinnen wurden.

Kanupolo[Bearbeiten]

Kanupolo ist eine der erfolgreichsten Sportarten Göttingens. Das Herrenteam des Göttinger Paddler Clubs (GPC) wurde 2012 nach zwei Vizemeisterschaften (2006 in Essen und 2007 in Berlin) und einem dritten Platz 2009 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Meister der Kanupolo Bundesliga[42] und erreichte bei den European Club Championships (Championsleague) in Duisburg den 8. Platz. Das Damenteam, eine der erfolgreichsten Mannschaften des Landes (Meister:2004,2005,2007,2011 – Vizemeister 2008,2010 Dritter:2009,2012 – European Club Championshipssiegerin 2007[43]), erreichte 2012 den dritten Platz. Die Nachwuchsmannschaften des GPC konnten schon einige Erfolge feiern: beispielsweise den ersten Platz in der Niedersachsenmeisterschaft, den ersten Platz auf dem hochkarätig besuchten Karnath-Cup und den bisher größten Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft 2007 in Berlin mit dem dritten Platz. Neben den Erfolgen auf nationaler Ebene hat Göttingen zahlreiche erfolgreiche Nationalspieler hervor gebracht. Aktuell spielen Lukas Richter (Vizeweltmeister 2012) und Tonie Lenz (Weltmeisterin 2006, 2012 – 1.Platz World Games 2005) in den höchsten Nationalkadern. Alljährlich findet am letzten April Wochenende mit internationaler und hochkarätiger Besetzung eins der größten nationalen Turniere im Freibad am Brauweg statt.

Hockey[Bearbeiten]

Seit dem 1. Juli 1982 existiert der Hockey-Club Göttingen e. V., der sich aus dem ESV Rot-Weiß Göttingen abspaltete.

Die Trainingsplätze befinden sich für die Feldsaison auf der Bezirkssportanlage (BSA) im Greitweg, dort wird auf dem Naturrasen gespielt und für die Hallensaison in der großen Halle der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS). Der Clubraum befindet sich ebenfalls auf dem Schulgelände.

Nach zwei Aufstiegen in Folge spielen die Damen ab der Hallensaison 2011/12 in der Oberliga Niedersachsen/Bremen. Die 1. Herren treten in der 1. Verbandsliga Niedersachsen an, die 2. Herrenmannschaft des Vereins spielt in der 3. Verbandsliga. Neben diesen drei Teams gibt es noch Kinder- und Jugendmannschaften, sowie eine Freizeitmannschaft, die hauptsächlich an Turnieren in der Region teilnimmt.

Inline-Skater Hockey[Bearbeiten]

Die Black-Lions vertreten den Tuspo 1861 Göttingen in der Norddeutschen Inlinehockey Liga (NIHL)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Eine Zusammenstellung von Ehrenbürgern, Söhnen und Töchtern der Stadt, Angehörigen der Universität, (Ober-) Bürgermeistern, Oberstadtdirektoren sowie weiteren Persönlichkeiten der Stadt findet sich im Artikel Liste von Persönlichkeiten der Stadt Göttingen.

Wissenswertes[Bearbeiten]

10-D-Mark-Banknote mit historischen Göttinger Gebäuden

Auf der letzten Serie der D-Mark-Banknoten fand sich auf der 10-D-Mark-Banknote, links neben dem Porträt des Mathematikers und Astronomen Carl Friedrich Gauß, eine Collage verschiedener historischer Bauwerke von Göttingen. Dort sind die Sternwarte, die Johanniskirche, die Universitätsaula, das Rathaus, der Kirchturm von Jacobi und das Museum zu sehen.[44]

Ein Airbus A340-311 der Lufthansa mit der Kennung D-AIGF trägt den Namen Göttingen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Göttingen bis zum Jahre 1400. Hannover 1863.
  • Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Band 3. Nordwestdeutschland. 1. Teilband. Niedersachsen/Bremen. Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit Unterstützung des Deutschen Städtetages, des Deutschen Städtebundes und des Deutschen Gemeindetages, hrsg. von Erich Keyser, Stuttgart 1952
  • Ludwig Börne: Die Göttinger Unruhen (1818). Sämtliche Schriften, Band 1, Düsseldorf 1964.
  • Albrecht Saathoff: Geschichte der Universitätsstadt Göttingen. Göttingen 1937.
  • Dietrich Denecke, Helga-Maria Kühn (Hrsg.): Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt. 3 Bände, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987–2002, ISBN 3-525-36196-3.
  • Gustav Meier: Filmstadt Göttingen. Bilder für eine neue Welt? Zur Geschichte der Göttinger Spielfilmproduktion 1945 bis 1961. Filmaufbau GmbH. Geschichte 1946–1960. Reichold, Hannover 1996. ISBN 3-930459-14-0.
  • Gudrun Schwibbe, Michael Schwibbe: Zeit-Reise – 1050 Jahre Leben in Göttingen. Göttinger Tageblatt, 2003, ISBN 3-924781-48-6.
  • Bettina Borgemeister: Die Stadt und ihr Wald. Eine Untersuchung zur Waldgeschichte der Städte Göttingen und Hannover vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Band. 228. Hahn, Hannover 2005, ISBN 3-7752-6028-5.
  • Jürgen Höltken, Günther Meinhardt: Göttingen im 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 1976
  • Betty Arndt, Andreas Ströbl: „Gutingi“ – vom Dorf zur Stadt. Hrsg. von der Stadt Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-85424-2.
  • Sibylle Obenaus: Göttingen. In: Herbert Obenaus: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel. 2 Bde. Göttingen 2005, S. 626-663, ISBN 3-89244-753-5.
  • Nils Oschinski: Inhalt und Umsetzung früher nationalsozialistischer Presseanweisungen: Drei Göttinger Zeitungen im Vergleich (1933–1935). Grin, München 2007, ISBN 3-638-74303-9.
  • Elmar Mittler (Hrsg.): Eine Welt allein ist nicht genug – Großbritannien, Hannover und Göttingen 1714–1835. Katalog, Göttingen 2005, ISBN 3-930457-75-X.
  • Maren Büttner, Sabine Horn: Alltagsleben nach 1945. Die Nachkriegszeit am Beispiel der Stadt Göttingen. Göttinger Universitätsverlag, Göttingen 2010, ISBN 978-3-940344-81-6.
  • Hermann Wellenreuther (Hrsg.): Göttingen 1690–1755 – Studien zur Sozialgeschichte einer Stadt. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1988, ISBN 3-525-35839-3.
  • Wieland Sachse: Göttingen im 18. und 19. Jahrhundert – Zur Bevölkerungs- und Sozialstruktur einer deutschen Universitätsstadt. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, ISBN 3-525-85415-3.
  • Martin Heinzelmann: Göttingen im Luftkrieg. Die Werkstatt, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-424-3.
  • August Tecklenburg: Göttingen. Die Geschichte einer deutschen Stadt. Turm, Göttingen 1930.
  • Wiebke Fesefeldt: Der Wiederbeginn des kommunalen Lebens in Göttingen. Die Stadt in den Jahren 1945 bis 1948. Göttingen 1962.
  • August Deppe, Richard Jäger, Heinrich Troe: Das tausendjährige Göttingen: Ursprung und Entwicklung im Spiegel seiner Straßen und Bauten. Reise, Göttingen 1953.
  • Kornelia Duwe, Carola Gottschalk, Marianne Koerner im Auftrag der Geschichtswerkstatt Göttingen e. V. (Hrsg.): Göttingen ohne Gänseliesel. Texte und Bilder zur Stadtgeschichte. 2. Auflage. Wartberg, Gudensberg-Gleichen 1989, ISBN 3-925277-26-9.
  • Stine Marg, Franz Walter (Hrsg.): Göttinger Köpfe und ihr Wirken in die Welt, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-30036-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Göttingen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Göttingen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Göttingen – Reiseführer
 Wikiquote: Göttingen – Zitate
 Wikisource: Göttingen – Quellen und Volltexte

jüngere Geschichte Göttingens

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Naturschutzgebiet „Stadtwald Göttingen und Kerstlingeröder Feld“ auf den Seiten des NLKWN, abgerufen am 14. Juni 2011
  3. Verordnung der Bezirksregierung Braunschweig über das Naturschutzgebiet Bratental, Stadt Göttingen vom 18. August 1982, abgerufen am 14. Juni 2011 (PDF; 234 kB).
  4. A. Deppe, R. Jäger, H. Troe: Das tausendjährige Göttingen – Ursprung und Entwicklung im Spiegel seiner Straßen und Bauten, Hrsg. Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft des Stadt- und Landkreises Göttingen, Beiträge zur Heimatkunde Südniedersachsens Heft 4, Heinz Heise-Verlag, Göttingen 1953, S. 1-84.
  5. Walter Nissen: Göttingen gestern und heute – Eine Sammlung von Zeugnissen zur Stadt- und Universitätsgeschichte, Hrsg. Stadt Göttingen, Göttinger Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH., Göttingen 1972.
  6. www.archaeologieportal.niedersachsen.de.
  7. Reinhard Maier: Die ur- und frühgeschichtlichen Funde und Denkmäler des Kreises Göttingen. Verlag August Laux, Hildesheim 1971 (Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens 5).
  8. Eine ziemlich alte Universitätsstadt. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 8. September 2006, S. 6.
  9.  August Deppe (u. a.): Das tausendjährige Göttingen. Ursprung und Entwicklung im Spiegel seiner Straßen und Bauten. Heinz Reise-Verlag, Göttingen 1953.
  10. Dieter Neitzert: Göttingens Wirtschaft, an Beispielen des 15. und 16. Jahrhunderts. In: Dietrich Denecke (Hrsg.): Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Göttingen 1987, Vandenhoeck & Ruprecht, S. 298–345, hier: S. 330.
  11. Vgl. BSLK, S. 766; vgl. S. 17.
  12. Ausführlich: Matthias Blazek: Die Praxis des Zerstoßens der Glieder mit eisernen Keulen wurde hierzulande noch bis 1828 angewandt. In: Südniedersachsen – Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege, 38. Jahrgang, Nr. 3, September 2010, S. 72 ff.; Mit Keulen zerschlagen, den Körper aufs Rad geflochten. In: Göttinger Tageblatt, 16. Oktober 2010, S. 12.
  13. Ausführlich: Blazek, Matthias: 15 Vorschriften für die Enthauptung. In: Göttinger Tageblatt, 11. März 2012.
  14. Sven Schreivogel: Die Göttinger Strassenbahn. Ein vergessenes Projekt. Sven Schreivogel, Neu-Eichenberg 1992.
  15. Karl Dietrich Bracher: Die Deutsche Diktatur. 6. Auflage, Kiepenheuer & Witsch, 1993, ISBN 3-89340-043-5, S. 294 ff.
  16. Für den sogenannten Ariernachweis wurde gefordert, dass bis einschließlich zu den Großeltern alle Ahnen „rassereineArier waren. Nach der Religionszugehörigkeit wurde dabei nicht gefragt. Wenn eine Person einen jüdischen Ehepartner hatte, wurde sie als „Halbjude“ eingeordnet, zunächst „nur schikaniert“ und 1942 in die Vernichtungsmaßnahmen der sogenannten Wannseekonferenz eingeschlossen.
  17. Fricke schrieb 1933: Das Antlitz der Nation beginnt sich aus der Tiefe zu wandeln. Unfruchtbare, verwesende, schmarotzende Oberflächenschichten werden unwiderstehlich hinuntergepflügt und eingeschmolzen in den erloschen geglaubten, aber jugendlich glühend hervorgebrochenen Kern jener völkischen Urwirklichkeit, aus der wir alle leben… ZS. für deutsche Bildung, Diesterweg, Heft 9, 1933, S. 494.
  18. Am 12. Mai 1936 ordnete Rudolf Heß im Sinne einer Unvereinbarkeit an, das kein Parteigenosse oder Mitglied einer NS-Organisation gleichzeitig Mitglied einer Studentenverbindung sein dürfe.
  19. Göttingen-Gesetz (PDF; 12 kB)
  20. Göttinger Tageblatt vom 1. Juni 2010: Göttingen: Drei Tote bei Bombenexplosion.
  21.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 207.
  22. Studierendenstatistik der Universität Göttingen. Stabsstelle DV der Zentralverwaltung. 21. Oktober 2005.
  23. und der Synagoge in Bodenfelde
  24. Ulrich Schubert: Rot-grünes Haushaltsbündnis besteht weiter. In: Göttinger Tageblatt, 25. August 2009. Abgerufen am 13. Juni 2010.
  25. Heraldry of the World: Wappen von Göttingen
  26. Walter Nissen, Christina Prauss, Siegfried Schütz: Göttinger Gedenktafeln – Ein biografischer Wegweiser. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2002. ISBN 3-525-39161-7.
  27. Sonnensystem-Forscher ziehen nach Göttingen Meldung bei HNA.de vom 12. Mai 2010
  28. siehe Liste der Korporativ Fördernden Mitglieder unter http://www.mpg.de/787880/Korporativ_Foerdernde_Mitglieder_MPG.pdf
  29. Georg-August-Universität Göttingen – Treffpunkt der Wissenschaft 2009 – Perspektive Sprache, abgerufen am 9. Mai 2009, 11.50 Uhr.
  30. http://www.ist.fraunhofer.de/de/ueber_das_institut/standorte/goettingen.html
  31. Jazzfestival Göttingen.
  32. Nachinventarisierung "Baukulturensemble Innenstadt". In: Homepage der Stadt Göttingen. Stadt Göttingen, abgerufen am 25. September 2013.
  33. Stadt- und Verkehrsplanung, Dipl.-Ing. Karen Hoffmann (Redaktion): Innenstadtleitbild der Stadt Göttingen von 2011. Stadt Göttingen, der Oberbürgermeister, 2011, abgerufen am 25. September 2013 (PDF; 32,5 MB).
  34. Stadtarchiv Göttingen.
  35. Info- und Freizeitbörse Galerie Göttinger Land.
  36. Freimaurerloge Augusta zum Goldenen Zirkel. Website der Freimaurerloge zu Göttingen mit Chronik. Aufgerufen am 23. Februar 2014
  37. Homepage Measurement Valley e. V.
  38. Größte 50 Firmen in Göttingen. Busni.de. Abgerufen am 29. März 2014.
  39. Biowärme für die Altstadt, Pressemitteilung, 2012
  40. Krankenhaus Neu-Mariahilf, Qualitätsbericht 2010, abgerufen am 9. Februar 2014.
  41. Artikel der TAZ.
  42. http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Sport/Sport-vor-Ort/Deutscher-Meister-nach-zweitaegiger-Hitzeschlacht
  43. http://www.gross-ellershausen.de/1/Bildergalerie/Hochwasser2007/GT280807_3.pdf
  44.  Deutsche Bundesbank (Hrsg.): Von der Baumwolle zum Geldschein. Eine neue Banknotenserie entsteht. 2. Auflage. Verlag Fritz Knapp GmbH, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-611-00222-4, S. 125.