Günter-Grass-Haus

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Günter-Grass-Haus (Fassade)

Das Günter-Grass-Haus ist ein Gebäude und Museum in der Lübecker Altstadt, das dem literarischen, malerischen und plastischen Schaffen des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass gewidmet ist, der im Alter bei Lübeck lebte. Träger des im Oktober 2002 eröffneten Hauses ist die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck.

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Günter-Grass-Haus wurde als Forum für Literatur und bildende Kunst im Jahr 2002 in der Glockengießerstraße 21 in Lübeck eröffnet. Der Schwerpunkt des Museums ist die Erforschung und Vermittlung des Zusammenwirkens von Literatur und bildender Kunst in Grass’ Werk.

Skulpturenhof mit Grass-Skulptur „Butt im Griff“

Der 1927 in Danzig geborene Schriftsteller, Grafiker und Bildhauer lebte von 1986 bis zu seinem Tod 2015 in der Nähe der Hansestadt, sein Sekretariat befand sich im selben Gebäude.[1] Trotz der räumlichen Nähe zu seinem Namensgeber arbeitete das Günter-Grass-Haus wissenschaftlich unabhängig. Nach seinem Tod veranstaltete das Günter-Grass-Haus in Kooperation mit dem Steidl Verlag die zentrale Gedenkveranstaltung, die am 10. Mai 2015 im Theater Lübeck im Beisein des Bundespräsidenten Joachim Gauck stattfand. Die Hauptrede hielt der Schriftsteller John Irving. Helene Grass und Mario Adorf lasen Gedichte des Verstorbenen.[2]

Für die interdisziplinäre Forschung steht dem Museum eine Sammlung mit mehr als 1.300 originalen Zeichnungen, Lithographien, Aquarellen und Radierungen sowie zahlreichen Manuskripten aus dem Nachlass des Künstlers zur Verfügung. 2016 wurde der gesamte Sammlungsbestands digitalisiert.[3]

Träger des Hauses ist die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck.[4] Der Freundeskreis Günter-Grass-Haus e.V. unterstützt und fördert die Arbeit des Museums. Mitglieder des Freundeskreises sind neben Bürgern Lübecks auch Persönlichkeiten der Öffentlichkeit wie Mario Adorf, Günter Netzer, Eva Menasse, Frank-Walter Steinmeier, Volker Schlöndorff, Denis Scheck und Ulrich Wickert.

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sanierte Altstadthaus in der Glockengießerstraße befindet sich unterhalb der Katharinenkirche. Im Innenhof ist ein Skulpturengarten mit originalen Bildhauerarbeiten Grass’ zu sehen – wie die Skulptur „Der Butt im Griff“. Jedes Jahr im Sommer findet hier ein großes Kinderfest mit wechselnden Themen sowie eine Museumsnacht statt. Über den Innenhof besteht eine Verbindung mit der Außenstelle der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in der Königstraße, dem 2007 eröffneten Willy-Brandt-Haus Lübeck.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museumsleiter Jörg-Philipp Thomsa mit Ute und Günter Grass

Die Sammlungsausstellung wurde im Jahr 2012 komplett überarbeitet.[5] Unter dem Titel „Das Ungenaue genau treffen“ bietet sie seitdem Einblicke in den Schaffensprozess des Künstlers und zeigt Verbindungslinien in seinen Wort- und Bildwelten auf. Die Schau beleuchtet in fünf Ausstellungselementen zum Teil weitestgehend unbekannte Facetten aus Grass’ Leben und Werk. Aktuell sind folgende Themenkreise zu sehen: Der Nationalsozialismus und seine Folgen, Politisches Engagement, Skandale, Literatur und bildende Kunst sowie Grass und die Religionen. Eines der Elemente wird jährlich zu Grass’ Geburtstag im Oktober ausgetauscht. Die Besucher können am Ende des Rundgangs darüber abstimmen, welcher Aspekt aus seinem Leben und Werk künftig in der Ausstellung gezeigt werden soll. In einem digitalen Archiv können die vergangenen Ausstellungselemente entdeckt werden, die das Publikum in den letzten Jahren selbst bestimmte. Dies waren "Sexualität im Werk von Günter Grass" (2013), "Grass als Soldat" (2014), "Grass und die Ostsee" (2015), "Grass und die Kochkunst" (2016) und "Grass und die Religionen" (2017).

Kosmos Grass

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum präsentiert zudem in einer Sonderausstellungsreihe andere Künstler, die wie Grass in mehr als einer Disziplin arbeiten. Zu den Doppel- und Mehrfachbegabungen, die das Haus bisher gezeigt hat, zählen Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Wilhelm Busch, Friedrich Dürrenmatt, Gottfried Keller[6], Arno Schmidt[7], Ernst Barlach[8], Janosch[9], Robert Gernhardt, John Lennon[10], Markus Lüpertz[11] und Cornelia Funke[12]. In der Sonderausstellung „Don’t fence me in. Frühe Bilder von Günter Grass“ zeigte das Grass-Haus zum ersten Mal Werke des Künstlers in der Öffentlichkeit, die 2013 durch Zufall entdeckt wurden.[13] Es handelte sich dabei um Zeichnungen, Aquarelle und Plastiken, die der damalige Steinmetzpraktikant und Kunststudent in Düsseldorf angefertigt hatte.[14]

In der Ausstellung „Winston Churchill. Schriften. Reden. Bilder.“ präsentierte das Günter Grass-Haus Dokumente und Gemälde des britischen Staatsmanns Winston Churchill. Die Besucher konnten unbekannte Seiten des Literaturnobelpreisträgers und Malers Churchill entdecken. Es war das erste Mal, dass Originalwerke Churchills in Deutschland gezeigt wurden.[15] Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte die Schirmherrschaft für diese Schau übernommen.

Die Sonderausstellung „Verschiedene Ansichten. Böll und Grass“ eröffnete die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2015, Swetlana Alexijewitsch, am 21. Februar 2017.

Aktuell präsentiert das Museum Werke des Malers und Dichters Joachim Ringelnatz.[16]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kai Artinger, Hans Wißkirchen (Hrsg.): „Wortbilder und Wechselspiele“. Das Günter-Grass-Haus. Forum für Literatur und bildende Kunst. Göttingen 2002.
  • Hans Wißkirchen (Hrsg.): Die Vorträge des 1. Internationalen Günter-Grass-Kolloquiums im Rathaus zu Lübeck. Lübeck 2002.
  • Kai Artinger (Hrsg.): „Diesseits und jenseits von Arkadien“. Goethe und Grass als Landschaftszeichner. Göttingen 2004.
  • Kai Artinger (Hrsg.): Hubertus Giebe. Grafiken zu dem Roman „Die Blechtrommel“. Lübeck 2005.
  • Günter-Grass-Haus (Hrsg.): Die Unsterblichen. Die Bilderwelt des „Weiten Feldes“ von Günter Grass. Lübeck 2005.
  • Günter-Grass-Haus (Hrsg.): Von der Arbeit an der Erinnerung. Zu Günter Grass „Beim Häuten der Zwiebel“. Lübeck 2007.
  • Stefanie Wiech, Hans Wißkirchen (Hrsg.): Günter Grass. Schriftsteller und Bildkünstler. Lübeck 2007.
  • Jörg-Philipp Thomsa, Stefanie Wiech (Hrsg.): Ein Bürger für Brandt. Der politische Grass. Lübeck 2008.[17]
  • Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): Ein Buch schreibt Geschichte. 50 Jahre „Die Blechtrommel“. Lübeck 2009.[18]
  • Jörg-Philipp Thomsa, Viktoria Krason (Hrsg.): Von Danzig nach Lübeck. Günter Grass und Polen. Z Gdanska do Lubeki. Günter Grass i Polska. Lübeck 2010.[19]
  • NABU, Günter-Grass-Haus (Hrsg.): „Wolken überm Wald“. Eine Ausstellung des NABU in Zusammenarbeit mit dem Günter-Grass-Haus. Lübeck 2011.
  • Andrea Fromm, Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): „Idyllenjäger“. Gottfried Keller als Maler. Lübeck 2012.
  • Tatjana Dübbel, Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): „Unruhe im Olymp“. Gedichte, Zeichnungen und Skulpturen von Markus Lüpertz. Lübeck 2013.
  • Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): Das neue Grass-Haus. Lübeck 2013.
  • Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): Gedenkveranstaltung für Günter Grass. Lübeck 2015.[20]
  • Kulturstiftung der Länder in Verbindung mit dem Günter Grass-Haus (Hrsg.): PATRIMONIA · 239. »War eigentlich ein schönes Schiff...« Katalog zur Ausstellung im Günter Grass-Haus, Lübeck, 26. Januar 2015 bis 6. Januar 2016. Lübeck 2015.[21]
  • Jörg-Philipp Thomsa, Tatjana Dübbel (Hrsg.): Winston Churchill – Schriften. Reden. Bilder. Lübeck 2016.
  • Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): Zwei Lange Nächte für Günter Grass. Freunde und Weggefährten erinnern sich. Lübeck 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Günter Grass-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Günter-Grass-Haus in Lübeck. In: Hamburger Abendblatt, 24. April 2015.
  2. Emotionaler Abschied von Günter Grass. In: NDR.de, 10. Mai 2015; Abschied mit Wehmut und Respekt. In: N-TV.de, 10. Mai 2015.
  3. Archiv des Günter-Grass-Hauses künftig auch digital nutzbar. In: Focus, 24. Juni 2016.
  4. Leiter des Grass-Hauses: „Wir wollen aufklären“. In: Focus Online, 24. April 2015.
  5. Grass-Haus in Lübeck eröffnet. In: Zeit Online, 15. Oktober 2012; Günther Grass verteidigt sein Israel-Gedicht. In: Focus Online, 15. Oktober 2012.
  6. Bundesweit erste Ausstellung über Gottfried Keller als Maler. In: Die Welt, 26. April 2012.
  7. Stefan Diebitz: Arno Schmidt. Der Schriftsteller als Fotograf. In: Portal Kunstgeschichte, 22. Juli 2011.
  8. Matthias Gretzschel: Mythos Frau. Zwei Ausstellungen thematisieren Ernst Barlachs Kunst und Dichtung in Lübeck. In: Hamburger Abendblatt, 22. Februar 2011.
  9. Redaktion KinderZEIT: 1 Janosch + 2 Stifte = 1 schwarzgelbe Tigerente. In: Zeit Online, 10. März 2010.
  10. John Lennon – Zeichner, Dichter, Musiker. (Memento vom 17. August 2014 im Internet Archive) In: NDR, 1. Juli 2013.
  11. Stefan Grund: Poetisch gefärbte Skulpturen im Günter-Grass-Haus. In: Hamburger Abendblatt, 5. Juli 2013.
  12. Cornelia Funkes fantastische Welt im Grass-Haus. In: Zeit Online, 23. April 2014; Katja Weise: Cornelia Funkes Welt der Dinge. (Memento vom 17. August 2014 im Internet Archive) In: NDR.de, 24. April 2014; Drachen, Feen und Fabelwesen. In: RTL Nord, 24. April 2014; Tilman Spreckelsen: Cornelia-Funke-Ausstellung. Die wilden Märchenhelden malt sie selbst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juni 2014.
  13. Günter Grass’ verschollene Werke. In: NDR.de, 30. März 2016.
  14. Grass im Schuppen. In: NDR.de, 31. März 2016.
  15. Die unbekannte Seite von Winston Churchill. In: DW.com, 13. November 2016.
  16. NDR: Ringelnatz-Ausstellung in Lübeck. Abgerufen am 14. November 2017.
  17. Eckhard Fuhr: „Ich rat euch, Es-Pe-De zu wählen.“ In: Die Welt, 3. Juni 2008.
  18. „Die Blechtrommel“ – Ein Roman wird ausgestellt. (Memento vom 17. August 2014 im Internet Archive) In: NDR.de, 14. September 2009; Und ewig trommelt Oskar – Die Blechtrommel wird 50. In: NDR.de, 14. September 2009; Silke Bartlick: Ein Buch schreibt Geschichte – 50 Jahre „Die Blechtrommel“. In: DW.de, 8. Oktober 2009.
  19. Matthias Günther: Von Danzig nach Lübeck. Günter Grass und Polen. In: Deutschlandfunk, 7. Juli 2010; Thomas Joerdens: „Ein liebevoll-kritisches Verhältnis“. In: taz.de, 8. Juli 2010.
  20. „Reden der Grass-Gedenkfeier gibt es zum Nachlesen.“ In: dpa, 24. Juli 2015.
  21. Katalog zur Ausstellung "War eigentlich ein schönes Schiff". In: Die Welt, 6. Oktober 2015.

Koordinaten: 53° 52′ 10″ N, 10° 41′ 24″ O