Günter Bruno Fuchs

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Gedenktafel für Fuchs in Berlin-Wilmersdorf

Günter Bruno Fuchs (* 3. Juli 1928 in Berlin; † 19. April 1977 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller und Grafiker.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrengrab von Günter Bruno Fuchs auf dem Friedhof Columbiadamm mit dem Grabstein von Günter Anlauf

Nach einem kurzen Fronteinsatz als Luftwaffenhelfer im Zweiten Weltkrieg war Fuchs in belgischer Gefangenschaft. Fuchs machte eine Lehre als Maurer und arbeitete zunächst als Hilfsarbeiter. Nach schwierigen Nachkriegsjahren und einem kurzen Abstecher nach Ostberlin, wo er als Schulhelfer arbeitete, studierte er an der Hochschule für Bildende Künste und in der Meisterschule für Graphik in Berlin. 1952 lebte er als freier Schriftsteller und Graphiker in Reutlingen und nach 1957 wieder in Berlin. 1959 begründete er mit Robert Wolfgang Schnell und Günter Anlauf die Galerie Zinke. Gemeinsam mit Schnell war er auch Ehrenmitglied im Neuen Friedrichshagener Dichterkreis. 1957 erhielt er den Kunstpreis der Jugend von der Kunsthalle Baden-Baden. Unter seinem Patronat wurde 1963 die Werkstatt Rixdorfer Drucke in einem Berlin-Kreuzberger Hinterhof mit den Grafikern Uwe Bremer, Albert Schindehütte, Johannes Vennekamp und Arno Waldschmidt gegründet. 1967 illustrierte er den Gedichtsband Der Tisch, an dem wir sitzen von Elisabeth Borchers mit drei Monotypen. 1969 schied er aus dem Künstlerkollektiv „Werkstatt Rixdorfer Drucke“ aus. 1971 wurde Günter Bruno Fuchs als ordentliches Mitglied ins P.E.N.-Zentrum Deutschland berufen.

Sein literarisches Werk umfasst Gedichte, Erzählungen, Romane, Hörspiele und Kinderbücher, die er zum Teil mit eigenen Grafiken illustrierte. In den 60er Jahren schrieb er in berlinerischer Mundart Berliner Großstadtgeschichten über Kneipengänger, autowaschende Väter, Polizisten und Leute mit der typischen Berliner Schlagfertigkeit. Die Typografien und Grafiken seiner Bücher entwarf er stets selbst.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der verratene Messias. Essay um den Dichter Wolfgang Borchert, Progress Verlag 1953
  • Die Wiederkehr des heiligen Franz. Drei Legenden, Quell Verlag 1954
  • Der Morgen. 1954
  • Zigeunertrommel. Gedichte, Mitteldeutscher Verlag 1956
  • Die Jungen vom Teufelsmoor. 1956
  • Nach der Haussuchung. Eremiten-Presse 1957
  • Polizeistunde. Erzählung, Hanser 1959
  • Brevier eines Degenschluckers. Hanser 1960
  • Trinkermeditationen. Luchterhand 1962
  • Krümelnehmer oder 34 Kapitel aus dem Leben des Tierstimmen-Imitators Ewald K. Hanser 1963
  • Die Meisengeige. Zeitgenössische Nonsensverse. (Hrsg.), Hanser 1964
  • Pennergesang. Gedichte & Chansons, Hanser 1965
  • Herrn Eules Kreuzberger Kneipentraum. Hanser 1966
  • Ein dicker Mann wandert. Middelhauve 1967
  • Blätter eines Hof-Poeten. Hanser 1967
  • Zwischen Kopf und Kragen. 32 wahre Geschichten und 13 Bilder, Wagenbach 1967
  • Bericht eines Bremer Stadtmusikanten. Hanser 1968
  • 21 Märchen zu je 3 Zeilen. Polyphem Handpressen Druck 1968
  • Fibelgeschichten und drei Holzschnitte. Friedenauer Presse 1969
  • Handbuch für Einwohner. Prosagedichte, Hanser 1969
  • Reiseplan für Westberliner anlässlich einer Reise nach Moskau und zurück. Friedenauer Presse 1970
  • Das Lesebuch des Günter Bruno Fuchs. Hanser 1970
  • Der Bahnwärter Sandomir. Hanser 1971
  • Neue Fibelgeschichten. Literarisches Colloquium 1971
  • Aus dem Leben eines Taugenichts. Hanser 1971
  • Wanderbühne. Beltz & Gelberg 1974, ISBN 3-407-80512-8
  • Ratten werden verschenkt. Ullstein 1974, ISBN 3-548-03066-1
  • Die Ankunft des Großen Unordentlichen in einer ordentlichen Zeit. Gedichte, Bilder und Geschichten, Wagenbach 1977, ISBN 3-8031-2039-X
  • Gesammelte Fibelgeschichten und letzte Gedichte. Hanser 1978, ISBN 3-446-12416-0
  • Erlernter Beruf eines Vogels. Gedichte, Geschichten & Bilder. Leipzig, Reclam 1981
  • Abenteuerliche Geschichten ohne Abenteuer. Heyne 1981, ISBN 3-453-35806-6
  • Gemütlich summt das Vaterland. Gedichte, Märchen, Sprüche und allerhand Schabernack (zusammengestellt von Michael Krüger), Hanser 1984, ISBN 3-446-14179-0
  • Bis zur Türklinke reiche ich schon. Mit Illustrationen von Winand Victor, Hauschild Verlag 1985, ISBN 3-920699-70-X
  • Werke in drei Bänden. München, Hanser 1990–1995, ISBN 3-446-15811-1

Tonträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein Ohr wäscht das andere – Die schönsten Texte von Günter Bruno Fuchs, gelesen von ihm selbst: aus vollem Hals, mit listigen Betonungen, schmatzend berlinerisch lispelnd, Wagenbachs Quartplatte 19, Berlin, 1980

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Propp: Ornung muss sein, sprach der Anarschist – eine Reise zum Dichter Günter Bruno Fuchs und zurück. Lüneburg 1985, ISBN 3-924253-10-2.
  • Aldona Gustas: 20 Jahre Berliner Malerpoeten – Günter Bruno Fuchs. Ausstellung vom 18.10. bis 6.12.1992, Galerie im Rathaus Tempelhof (Katalog).
  • Georg Ralle: Günter Bruno Fuchs und seine literarischen Vorläufer Quirinus Kuhlmann, Peter Hille und Paul Scheerbart. 1992, 309 S., Berlin, Freie Univ., Diss., 1992
  • Dietrich Segebrecht: Günter Bruno Fuchs in Reutlingen 1952–1958 – Beruf: Maurer, nun Schriftsteller. Marbach 1992, ISBN 3-928882-65-1.
  • Maria Lypp: Kinderblick und Wanderbühne – zu den Texten von Günter Bruno Fuchs.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]