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Günter Grass

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Günter Grass (2006)

Günter Wilhelm Grass (* 16. Oktober 1927 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig, als Günter Wilhelm Graß;[1]13. April 2015 in Lübeck) war ein deutscher Schriftsteller, Bildhauer, Zeichner und Grafiker sowie streitbarer Intellektueller in der Auseinandersetzung um die demokratische Entwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. 1999 wurde Grass der Nobelpreis für Literatur verliehen mit der Begründung, er habe der deutschen Literatur nach Jahrzehnten moralischer und sprachlicher Zerstörung einen Neuanfang ermöglicht.

Als kaum 17-Jähriger war Grass im Herbst 1944, wie er erst spät in Beim Häuten der Zwiebel (2006) öffentlich bekannte, zur Waffen-SS eingezogen worden. Nach der Entlassung aus westalliierter Kriegsgefangenschaft 1946 und mehreren Gelegenheitsbeschäftigungen bereitete sich Grass mit einer Steinmetz-Lehre auf ein Studium in den Kunstakademien Düsseldorf und Berlin vor, das er 1956 als Meisterschüler Karl Hartungs abschloss. Bereits seit 1955 trug Grass Proben seines schriftstellerischen Schaffens in der Gruppe 47 vor. Mit der während seiner Jahre in Paris verfassten und 1959 erschienenen Blechtrommel erzielte er einen phänomenalen, auch international gefeierten Durchbruch als Schriftsteller. Zugleich begründete er damit seine Rolle als unablässig für die Vergegenwärtigung deutscher Schuld und Scham angesichts der NS-Verbrechen öffentlich Eintretender, was ihm auch teils heftigste Ablehnung eintrug.

Unterschiedliche Reaktionen löste zudem sein häufiges Engagement für die SPD in Wahlkämpfen aus. Zu Zeiten der deutschen Teilung trat Grass für fortgesetzten kulturellen Austausch zwischen Bundesrepublik und DDR ein und im Zuge der Wiedervereinigung für den Erhalt der DDR im Rahmen einer Konföderation der beiden deutschen Staaten. Von seinem politischen Wirken beeinflusst waren häufig auch die Einschätzungen der zahlreichen bis in sein letztes Lebensjahrzehnt erbrachten Leistungen als Schriftsteller und Künstler. Mit weiteren Romanwerken wie Der Butt, Die Rättin oder Ein weites Feld erreichte Grass ein breites Publikum, ebenso wie mit mehr oder minder fiktionalen Erinnerungswerken wie Mein Jahrhundert oder mit der Novelle Im Krebsgang. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und teilweise verfilmt. Eine Vielzahl bedeutender Auszeichnungen begleitete sein Schaffen. Grass’ Werk und Rolle als Autor und politischer Intellektueller war und ist Gegenstand umfangreicher Forschung im In- und Ausland.

Leben und Wirken

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Günter-Grass-Haus (Fassade) (2008)

In seinen 87 Lebensjahren war Grass als Künstler und Schriftsteller nicht nur vielseitig, sondern auch vielerorts tätig und wirksam. Längere und teils wiederholte Aufenthaltsorte waren nach dem Verlust seiner Danziger Heimat als Studienorte für Bildhauerei Düsseldorf und Berlin, als Entstehungsort der Blechtrommel Paris, nach dem Ende seiner Berliner Jahre Wewelsfleth in Schleswig-Holstein, schließlich Feriendomizile auf Møn und an der portugiesischen Algarve sowie als Wohnort und Schaffensmittelpunkt für seine drei letzten Lebensjahrzehnte Behlendorf, unweit Lübeck mit dem Günter-Grass-Haus. Die ausgedehnteste seiner zahlreichen Reisen (u. a. zu Lesungen, Vorträgen, Wahlkampfveranstaltungen, Ehrungen, Recherchen und Erkundungen) führte ihn für etwa ein halbes Jahr nach Kalkutta, worüber das mit Zeichnungen und Gedichten verbundene Erinnerungsbuch Zunge zeigen Aufschluss gibt.[2]

Danziger Wurzeln

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Aufgewachsen ist Grass im Danziger Vorort Langfuhr. Sein Elternhaus im Labesweg 13[3] war ein vierstöckiges Mietshaus, in dem seinerzeit 19 Familien lebten. Im Erdgeschoss rechts befand sich der von Grass‘ Mutter betriebene Kolonialwarenladen sowie Wohnzimmer, Küche und das zum Hinterhof gelegene Schlafzimmer der Familie, zu der auch Günters drei Jahre jüngere Schwester Waltraud gehörte. Die da schon verstorbenen Großeltern mütterlicherseits stammten aus der Kaschubei; deren drei Söhne waren im Ersten Weltkrieg gefallen. Ihre jeweiligen Neigungen, von denen der junge Grass durch seine Mutter hörte, machte er zu den seinen: die Schriftstellerei, das Schauspiel und das Kochen. Die Mutter selbst regte ihn durch ihr Klavierspiel und mit kleinen Gedichten für die örtliche Sonntagszeitung zu schöngeistiger Betätigung an. Auch den Sinn für Geschäftliches förderte die Mutter bei Günter, indem sie ihn als Eintreiber für ausstehende Zahlungen von Kunden herumschickte – womit der minderjährige Günter als mit kleinem Prozentanteil Beteiligter nicht nur sein Taschengeld aufbessern konnte, sondern auch Eindrücke von verarmten Mietern, zerstrittenen Nachbarn, prügelnden Alkoholabhängigen und herablassenden Beamten für sein späteres Werk sammeln konnte.[4]

Der Vater Willy entstammte einer in Danzig eingesessenen protestantischen Handwerkerfamilie mit einem Tischlereibetrieb, hatte eine Bürolehre absolviert und war als Vertreter für Papierwaren beschäftigt, bis die Familie vom Laden seiner Frau leben konnte, für den er die Großmarkteinkäufe und die Fensterdekoration übernahm. Den Ausschlag für die Religionszugehörigkeit der Kinder gab die katholische Mutter, sodass Günter von frühauf in der örtlichen Herz-Jesu-Kirche mit der entsprechenden Liturgie vertraut gemacht wurde und dann auch als Messdiener fungierte.[5] Sein Onkel Walther väterlicherseits verhalf dem erst zehnjährigen Neffen zu ganz anderen, noch unstatthaften Erlebnissen, als er 1937 Filmvorführer im örtlichen Tobis-Kino wurde und Günter durch ihn regelmäßig zum kostenlosen Betrachtungsgenuss von Filmproduktionen weit jenseits der für ihn geltenden Altersempfehlung kam.[6] Im Gesamtbild erscheint dem Grass-Biographen Harro Zimmermann diese Familie als ein „vielfarbenes Volks-, Sprachen- und Religionsgemenge, ein spannungsvolles Charakter- und Temperamentsgemisch.“[7]

Eigenwilliges Temperament ließ Grass bereits in seiner Schulzeit erkennen, in der er als frech, aufsässig und unverschämt geführt wurde und deshalb wiederholt die weiterführende Schule wechseln musste. Ausgeprägtes Interesse zeigte er nur für bestimmte Fächer, die seinen Anlagen entgegenkamen, hauptsächlich Deutsch und Kunst. Schon der Bücherschrank seiner Mutter, später die Stadtbibliothek boten ihm viel anregenden Lesestoff, mit dem er sich in die Abgeschiedenheit des Dachbodens zurückzog. Seiner Zeichenlehrerin Lilly Kröhnert fielen sein Zeichentalent und sein kunsthistorisches Interesse auf. Sie lud ihn außerhalb der Schulzeit in ihr Gartenatelier ein und machte ihn da auch mit Werken bekannt, die die NS-Propaganda als „entartete Kunst“ ausgesondert und untersagt hatte.[8] Den zweiten unfreiwilligen Schulwechsel provozierte Grass, als er nicht wie beim ersten Mal den Turnlehrer, sondern den Musiklehrer anging. Dessen „Heideröschen“-Gesangsvortrag, begleiteten die Schüler mit jazzartigen Geräuschen und Zuckbewegungen. Der aufgebrachte Pädagoge griff sich Grass heraus und schüttelte ihn, worauf der ebenfalls handgreiflich wurde und am Schlips des Gegenübers zog, bis dem die Luft wegblieb.[9]

In Krieg und Kriegsgefangenschaft

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Nicht als Last, sondern wie eine Befreiung empfand Grass das vorzeitige Ende der Schulzeit, die ohne Abitur von der angeordneten Ausbildung zum Flakhelfer abgelöst wurde. Viel mehr als mit der Schule identifizierte der junge Grass sich mit der Ideologie und den Aktivitäten der Hitler-Jugend sowie mit dem Krieg und dem Kriegsgeschehen deutscherseits seit 1939, wozu er sich Spezialkenntnisse etwa über die diversen Kriegsschiffe aneignete. Noch während der Flakhelfer-Ausbildung machte er sich im Frühjahr 1944 auf, um sich für die Verwendung in der U-Boot-Flotte mustern zu lassen, wurde aber aus Altersgründen abgewiesen. Stattdessen kam die Einberufung zum dreimonatigen Reichsarbeitsdienst. Dort ermöglichte man ihm anstelle der sonst zu leistenden Baumfällaktionen bald die Anfertigung von Aquarellen kaschubischer Landschaften für die Kantine.[10] Im September 1944 wurde der noch nicht 17-Jährige zur Waffen-SS eingezogen und in den böhmischen Wäldern mit anderen einem abstoßenden militärischen Schleifungsgeschehen unterworfen, an das sich die Ausbildung zum Panzerladeschützen anschloss. Im Februar 1945 wurde Grass der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ zugeordnet, die gerade von der West- an die Ostfront verlegt worden und nur mehr lückenhaft bestückt war, sodass Grass‘ Einheit auf Panzer zunächst anwarten musste und bereits beim ersten Einsatz zwischen Forst und Guben im April 1945 unter Stalinorgel-Beschuss verheerende Verluste erlitt. Ab Mitte April 1945 war Grass eigenen Angaben zufolge keinem regulären Kommando mehr untergeordnet und brachte sich schließlich, teils hinter die russischen Linien geratend, auf eigene Faust durch, zeitweise mit Hilfe eines Obergefreiten, der ihm zwecks verbesserter Überlebenschancen zum Tausch der SS-Uniform gegen eine reguläre Wehrmachtsuniform riet.[11] Als Begleiter eines Flüchtlingstracks gerieten beide ins Schussfeld eines Gefechts zwischen sowjetischen Panzern und deutschen Sturmgeschützen, bei dem Grass durch einen Streifschuss am Bein und einen Granatsplitter in der Schulter verletzt wurde, vergleichsweise leicht, sodass man ihn nach der medizinischen Erstversorgung wieder fortschickte. Ein Marschbefehl beorderte ihn ins Großlazarett nach Marienbad, wo er am 8. Mai in amerikanische Kriegsgefangenschaft kam.[12]

Seinen Angaben entsprechend erfassten die US-Behörden Grass: seit dem 10. November 1944 der Waffen-SS zugehörig und Ladeschütze der Panzerdivision Frundsberg. Als Zivilberuf des 17-Jährigen wurde „Schüler“ eingetragen.[13] Von seinen Verwundungen einigermaßen genesen wurde Grass bald darauf in das größte süddeutsche Kriegsgefangenenlager nach Bad Aibling verlegt und hatte wie viele andere zunächst nur Erdlöcher als Behausung, bis schließlich Baracken und Zelte für alle vorhanden waren.[14] Dauerhaft profitieren sollte Grass von dem aus Vorträgen bestehenden Kochkurs (als Bestandteil des Lager-Fortbildungsangebots), den ein darin beschlagener Mitgefangener für Interessierte anbot und der vielerlei Rezepte und Zubereitungsarten vermittelte.[15] Mit deutschen Kriegsverbrechen dagegen konnte man Grass vorerst nicht kommen. Die von der amerikanischen Lagerverwaltung Grass und seinen Mitinsassen vorgelegten Beweisfotos der im KZ Bergen-Belsen begangenen Verbrechen stießen bei ihm wie bei anderen auf Unglauben, der auch nach einem angeordneten Besuch des KZ Dachau aufrechterhalten wurde: lauter inszenierte Fälschungen der Sieger, das konnten Deutsche nicht getan haben, meinten sie. Grass Einschätzung und Haltung dazu sollte sich nach eigenem Bekunden erst grundlegend ändern, als er in Radioübertragungen von den Nürnberger Prozessen 1946 die Schuldbekenntnisse des vormaligen „Reichsjugendführers“ Baldur von Schirach mitanhörte.[16]

Aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde Grass am 24. April 1946. Ohne vom Verbleib seiner Verwandtschaft etwas zu wissen, zog er auf der Suche nach entlohnter Arbeit durch die Lande. Auf eine Beschäftigung als Schwarzhändler in privaten Diensten in Köln-Mülheim folgte eine als Erntehelfer auf einem Bauernhof, dann Gelegenheitsarbeiten im Saarland. Den Ansatz, in Göttingen das Abitur mittels Schulbesuch nachzuholen, gab Grass schleunigst wieder auf, als ihn der Stoff anödete. Stattdessen verdingte er sich als „Koppeljunge“ bei der Burbach-Kali-AG in Groß-Giesen, wo er auf der 950 Meter tiefen Sohle des Salzbergwerks die vollen Loren aneinander zu koppeln hatte. In diesem Milieu entwickelte er unter den politisch diskutierenden Arbeitern Sympathie für die Sozialdemokratie.[17]

Zum Jahresende 1946 erfuhr Grass vom Verbleib seiner Eltern und Schwester auf einem Bauernhof im Rhein-Erft-Kreis. In den ohnehin sehr beengten Verhältnissen der zugewiesenen Bauernküche hielt es ihn nur drei Wochen. Dann hörte er von der bevorstehenden Wiedereröffnung der Düsseldorfer Kunstakademie und machte sich mit der Bahn auf den Weg, seinen Künstlertraum zu leben. Vor Ort hieß es, dass es für die Beheizung der Akademie-Räume vorerst an Kohle fehle, doch könne er in einem örtlichen Steinmetzbetrieb bei der Erstellung von Grabmälern unterdessen nutzbringende Erfahrungen machen. Grass ließ sich dort ein Jahr lang bis zur Gesellenprüfung ausbilden und besaß damit den Rückhalt eines erlernten Berufes. Die Akademie-Aufnahmeprüfung bestand Grass 1948 unter mehr als 25 Bewerbern als einer von zweien. Die klassische Ausrichtung seines ersten Akademielehrers Josef Mages wurde ihm bald zu eng; immerhin ermöglichte der ihm, zu Otto Pankok zu wechseln, der seinen Schülern reichlich Freiheit für eigene Gestaltungen ließ.[18] Pankok, dessen Andenken Grass später den Otto-Pankok-Preis widmete, ermunterte seine Schützlinge, ihrem eigenen Formgefühl zu vertrauen und durch Offenheit für alle Erscheinungsformen der Realität Zugang zur Wirklichkeit zu finden.[19]

Seinen Düsseldorfer Alltag finanzierte Grass mit monatlichen Zuwendungen seines Vaters und eigenen Gelegenheitsarbeiten wie Schaufensterdekorationen oder Wagenbau für den Rosenmontagszug. Die Freizeit verbrachte er gern beim Tanzen und beim Musizieren mit Horst Geldmacher im Restaurant Zum Csikós. Sein Instrument im Quartett war das Waschbrett, das er einmal für wenige Minuten auch im Zusammenspiel mit Louis Armstrong einsetzen konnte. Die Lektürefrüchte moderner Lyrik setzte er in eigene Gedichte um; auch ausgedehntere Reisen durch Italien 1951 und Frankreich 1952 verband er mit künstlerischen Interessen und diese mit seiner Reisekasse, etwa bei Restaurationsarbeiten an Heiligenstatuen in Klöstern. Auf der Rückreise 1952 durch die Schweiz lernte er seine spätere Frau Anna kennen, die in Berlin Ausdruckstanz zu studieren beabsichtigte. Mehrere Faktoren kamen zusammen, die Grass bewegten, nach Berlin an die Hochschule für bildende Künste zu gehen. Nach dem Besuch einer Ausstellung Karl Hartungs sah er in diesem den richtigen Anreger für die eigene künstlerische Weiterentwicklung. Der mit Grass später befreundete Bildhauer Ludwig Gabriel Schrieber, selbst zwischen Düsseldorf und Berlin pendelnd, bestärkte ihn in dem Vorhaben und beriet ihn bezüglich der Bewerbung bei Hartung.[20] Von diesem wurde Grass angehalten, immer nach der einfachsten, der Urform zu suchen („Entfleischen des Stoffes bis zum Skelett. Dann mit der Form einer eigenen Skulptur beginnen“), auf „Objektkühle“ ohne Ornamente zu setzen und Kunst grundsätzlich als Handwerk zu begreifen. Nach drei Jahren ernannte Hartung ihn 1956 zum Meisterschüler, womit Grass‘ Kunststudium formell abgeschlossen war.[21]

Bereits im Januar 1953 hatte Grass seine Schweizer Bekanntschaft Anna Schwarz in Berlin wiedergetroffen und sich ihr bei Tanzveranstaltungen, Theater- und Ballettabenden weiter angenähert. Im April 1954 heiratete er die Tochter aus dem wohlsituierten Familienunternehmen Schwarz Stahl AG Eisenwaren in ihrer Schweizer Heimatstadt Lenzburg. Zurück in Berlin bezog das junge Ehepaar bis 1956 aufeinanderfolgend drei verschiedene Wohnungen in Schmargendorf, in einer Grunewalder Halbruine an der Koenigsallee und in der Charlottenburger Uhlandstraße. Seine Frau Anna und seine Schwester Waltraud setzten den Startimpuls für Grass‘ literarische Karriere, als sie ihn 1955 überredeten, der Einreichung von Gedichten bei einem Lyrikwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks zuzustimmen, was ihm einen dritten Preis eintrug und, vermittelt durch ein Jury-Mitglied dieses Wettbewerbs, die Einladung Hans Werner Richters zum Treffen der Gruppe 47 im Mai des Jahres 1955 im Berliner Haus Am Rupenhorn. Die dabei geknüpften Beziehungen sollten sich als dauerhaft und höchst lohnend für Grass erweisen, zumal die sogleich begonnene zu Walter Höllerer, der ihm zu Gedichtpublikationen in der Literaturzeitschrift Akzente verhalf. Ebenfalls Interesse an Grass-Gedichten bekundete der Luchterhand Literaturverlag.[22]

Frühe Schaffensproben

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Mit seinem Beharren auf Gegenständlichkeit lag Grass in den 1950er Jahren nicht im Trend der Kunstszene, in der die ungegenständliche Abstraktion angesagt war. Er fand sich an der Seite des Direktors der Berliner Hochschule für bildende Künste Karl Hofer, der bereits 1952 vor einem „Abgleiten in die Nebelferne des Nichts“ und vor dem Durchmarsch von „Flächendekorateuren“ gewarnt hatte. Auf der documenta 1955 galt die „reine Fläche“ als Inbegriff ästhetischer Produktivität. Formzusammenhänge, nicht Sinnprobleme bestimmten die Qualität eines Kunstwerks.[23] Die auf Anregung seines Lehrers Hartung von Grass beim Künstlerbund eingereichten Kreidezeichnungen, darunter „Heuschrecken über der Stadt“ und „K, der Käfer“, fielen bei der Jury durch und wurden von ihr nicht zur Ausstellung zugelassen. Mit einer Ausstellung von Skulpturen und Zeichnungen in einer privaten Stuttgarter Galerie konnte Grass 1955 immerhin auch als bildender Künstler einen ersten medial beachteten Erfolg verbuchen. Hinsichtlich der Gegenständlichkeit seines Kunstschaffens blieb er unbeirrt. Gemeinsam mit dem Lektor des Luchterhand Verlags Peter Frank gestaltete er seinen ersten Gedichtband Die Vorzüge der Windhühner in Kombination mit Zeichnungen, wie das in der Folge bei allen Lyrikbänden und dem Großteil seiner Prosawerke ebenso geschah.[24]

Mit dieser ersten Gedichtesammlung habe er sich freigeschrieben, befand Grass im Nachgang. Sechs Verse hat das Gedicht mit dem Titel „Streit“: Vier Vögel stritten. / Als kein Blatt mehr am Baum war / kam Venus, verkleidet als Bleistift, / und hat den Herbst, / einen bald darauf fälligen Wechsel, / mit schöner Schrift unterschrieben. In solchen Gedichten stehe Grass für die scheinbar grenzenlose Freiheit des Dichters, die unbedingte Souveränität seiner Phantasie, die es ihm erlaube, „ein privates Universum nach seinen eigenen, wandelbaren, von ästhetischen Kriterien bestimmten Gesetzen aufzubauen“, findet der Grass-Werkinterpret Dieter Stolz. Spielerische Artistik und skurrile, traumnahe Metaphern bestimmten die Atmosphäre. In der den Band abschließenden „Blechmusik“ heißt es im ersten von sechs Sechszeilern: Damals schliefen wir in einer Trompete. / Es war sehr still dort, / wir träumten von keinem Signal, / lagen, wie zum Beweis, / mit offenem Mund in der Schlucht, – / damals, ehe wir ausgestoßen. Das Gedicht gestalte einen exemplarischen Lebenslauf des Menschen, so Stolz, der gegen seinen Willen aus dem zeitlosen Schutzraum in eine ihm fremde, feindlich gesinnte Umwelt gestoßen werde.[25] In den Gelegenheitsgedichten der Sammlung trage Grass eine Art allegorischen Alltagskatalog zusammen, heißt es bei Zimmermann, der die Wirklichkeitswahrnehmung erweitere und das Unbewusste ans Licht bringe. Oft habe Grass betont, dass er von der Lyrik herkomme und sich darin am präzisesten ausmessen könne. Demnach handle es sich um komplexe Vorformen der späteren epischen Großwerke.[26]

Ähnliches gilt für die frühen, vom Theater des Absurden etwa eines Eugène Ionesco (Die kahle Sängerin) oder Samuel Beckett (Warten auf Godot) beeinflussten Dramenentwürfe, die Grass in den 1950er Jahren schrieb: sei es das Clownsstück Beritten hin und zurück, bei dem Conelli auf seinem Schaukelpferd immer neue Ziele ansteuert, ohne je irgendwo anzukommen; sei es der in Regenzeit und Nachregenzeit eingeteilte Einakter Hochwasser, dessen Figuren in den wiederkehrenden Wechsellagen mit den immer gleichen Erwartungen, Maßnahmen und Vorkehrungen befasst sind (hier knüpfte Grass an Verse seines Gedichts Hochwasser an, darunter: Es schwimmt jetzt Vieles in den Straßen / das man während der trockenen Zeit sorgfältig verbarg. / Wie peinlich des Nachbarn verborgene Betten zu sehen. / Oft stehen wir vor dem Pegel / und vergleichen unsere Besorgnisse wie Uhren.[27]); oder das Stück Noch zehn Minuten bis Buffalo, in dem den reisenden Protagonisten Krudewil und Pempelfort, erst per Lokomotive, dann per Schiff, jegliche Ankunft versagt bleibt in stets wiederkehrender Fatalität: „Verdammt, wir haben ja gar keine Einfahrt.“[28] Von „erbittert-humoresken Irrungen und Wirrungen“ dieser frühen Grass-Stücke ist die Rede und von karnevalesken, geradezu vorzivilisatorisch erscheinenden Randfiguren. Zwar traf Grass mit seinem frühen dramatischen Schaffen nicht gerade ins Zentrum des aufkommenden Nachkriegstheaterbooms; doch wurde es durchaus wahrgenommen und kam vor allem an Studenten- und Kleinbühnen auch zur Aufführung. Hans Schwab-Felisch bescheinigte Grass nach der Frankfurter Premiere von Hochwasser 1957 in der FAZ, eine eigene Handschrift und einen „fast barbarischen“ Willen, aus der Konvention auszubrechen. Für den Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb bahnte Maria Sommer bereits im selben Jahr die Zuständigkeit für die Vertretung der Bühnen- und Medienrechte bezüglich aller Theaterstücke von Grass an und blieb danach zeit seines Lebens eine enge Vertraute.[29]

Werden und Wirkung der Blechtrommel

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Schuld- und Schamgefühle waren grundlegende Antriebe für jenes erste große Prosawerk, mit dem Grass auf einen Schlag Berühmtheit erlangte. Sich mit dem eigenen Erleben und Geschehen in der Zeit des Nationalsozialismus schriftstellerisch auseinanderzusetzen, sich und den eigenen Landsleuten diese Vergangenheit auf neuartig-unkonventionelle Art zu spiegeln und so der Tendenz zum Beschweigen und Verdrängen in der Nachkriegszeit zu begegnen, waren Anliegen, die Die Blechtrommel in origineller Weise einzulösen vermochte. Dabei griff Grass weitgehend auf ihm vertrautes Milieu und eigene Erfahrungen zurück, ließ darin etwa die verlorene Danziger Heimat und den eigenen Familienhintergrund wieder aufleben. Während des Schreibprozesses begab er sich zwecks möglichst genauer Detailschilderungen 1958 auf eine vierzehntägige Recherche-Reise an die Schauplätze seiner Kindheit und Jugend in Danzig. Erst in der dritten Fassung des Romanstoffs hat der sein Wachstum als Dreijähriger stoppende Blechtrommler durch Grass jene skurrilen Eigenschaften zugeschrieben bekommen, die diese Ich-Erzähler-Figur zur Kuriosität machten und mit besonderer Beobachtungsperspektive ausstatteten. Dieser seltsame Romanheld mit Anklängen an die Picaro-Überlieferung und den Schelmenroman lässt das Kleine groß und das Große klein erscheinen – die von Grass bevorzugte Verschlingung des menschlichen Mikrokosmos mit der als absurd betrachteten Makrohistorie. In den drei Büchern des Romans werden drei Abschnitte der jüngeren deutschen Geschichte erfasst: Das erste Buch reicht von der Jahrhundertwende bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, das zweite vom Kriegsausbruch 1939 bis Kriegsende 1945, das dritte von Mai 1945 bis September 1954 (dem Todesjahr von Grass‘ Mutter und dem Jahr seiner Eheschließung mit Anna, der der Roman gewidmet ist).[30]

Günter Grass im Jahr 1958 mit einem seiner Zwillingssöhne
Günter Grass mit einem seiner Zwillingssöhne, 1958

Geschrieben hat Grass die Blechtrommel weitestgehend in Paris. Dahin waren die Eheleute 1956 von Berlin umgezogen, weil Anna sich hier die optimale Fortbildung als Balletttänzerin erhoffte. Ihr Vater hatte nach zwei unzulänglichen Bleiben eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Avenue d’Italie für sie erworben und Grass sich dort im Keller sein Bildhauer-Atelier samt Schreibpult eingerichtet. Im September 1957 brachte Anna daheim in der Schweiz die Zwillinge Franz und Raoul zur Welt; auch für eine Haushaltshilfe in Paris nebst Kinderbetreuung sorgten ihre Eltern noch. Im November 1957 erfuhr Walter Höllerer durch Grass erstmals von dessen Romanprojekt, das anscheinend richtig in Fluss kam, nachdem im Frühjahr 1958 der lange gesuchte erste Satz gefunden war: „Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, lässt mich kaum aus dem Auge;…“ Gespräche über Dichtung, Literatur und sein Werk im Werden führte Grass in Paris mit Paul Celan, in dem er einen schwierigen Freund in schwieriger Zeit sah, der seinem Projekt viel Interesse entgegenbrachte. Anfang Februar 1959 war die Arbeit getan, das Blechtrommel-Manuskript vollendet.[31]

Die Resonanz auf das Epos war bereits vor der Veröffentlichung für Grass ungemein erfreulich. Nachdem er auf der Tagung der Gruppe 47 Anfang November 1958 das erste und das 34. Kapitel des Romans vorgetragen hatte, erhielt er neben einer Vielzahl positiver Würdigungen auch einen mit 4500.- DM dotierten Preis zugesprochen, was seine Fokussierung auf die ausstehenden Schreibarbeiten begünstigte und in breiten literarisch interessierten Kreisen gespannte Erwartungen auf das Gesamtwerk weckte. Diverse Vorabdrucke in Zeitschriften, sogar bereits in polnischen, steigerten die Vorabbekanntheit, auch wenn es dabei m Vorfeld teils noch zu Absagen oder Textkürzungen wegen erwartbar ablehnender Reaktionen in der Leserschaft kam. Kurz nach Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe der Blechtrommel äußerten aber auch Verlage in Italien und den USA ihr Interesse daran. Als exemplarisch zitiert Neuhaus die im Süddeutschen Rundfunk erschienene Rezension von Hans Magnus Enzensberger, wonach Grass dem literarischen Schrebergarten zeige, was eine Harke ist: „ein Störenfried, ein Hai im Sardinentümpel, ein wilder Einzelgänger“. Das Buch sei ein Brocken, „an dem Rezensenten und Philologen mindestens ein Jahrzehnt zu würgen haben, bis es reif zur Kanonisation oder zur Aufbahrung im Schauhaus der Literaturgeschichte ist.“ Aufschlussreich bezüglich gespaltener Reaktionen in Deutschland auf die Blechtrommel (Geringschätzung, wo nicht drastische Ablehnung signalisierten Zuschreibungen wie „Pornographie“, „Blasphemie“, „Nihilismus“) war die Reaktion des Bremer Senats, indem er der Jury des Bremer Literaturpreises 1960 die erforderliche Zustimmung zum neuen Preisträger Grass verweigerte. Anderswo in Europa und Amerika kamen alsbald Übersetzungen heraus; binnen weniger Jahre wurde das Buch zu einem Welterfolg. In Frankreich bekam die Blechtrommel 1962 den Preis für das beste ausländische Buch.[32]

Wahlkämpfer für Brandt und weitere literarische Veröffentlichung

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Der nassfeuchte Pariser Keller, in dem Grass an der Blechtrommel gearbeitet hatte, begünstigte die Ausbildung einer Tuberkulose. Da sich Grass damit lieber in Deutschland behandeln lassen wollte, zog die Familie 1960 nach Berlin zurück. Als dauerhafte eigene Grundorientierung nahm er aus der Pariser Existenzialismus-Debatte die Positionierung zugunsten von Albert Camus mit.[33] In Beim Häuten der Zwiebel führte er dazu rückblickend aus: „Es ging um das Absurde an sich und die Legende von Sisyphus, dem glücklichen Steinewälzer. […] Ein Kerl wie dieser gefiel mir. Der von den Göttern verdammte Sträfling, dem das Absurde menschlicher Existenz so gewiß ist wie Sonnenauf- und -untergang und der deshalb weiß, daß sein bergauf gerollter Stein oben nicht liegenbleibt, wuchs sich für mich zum anbetungswürdigen Heiligen aus. Ein Held jenseits von Hoffnung und Verzweiflung. Jemand, den der ruhelose Stein glücklich macht. Jemand, der nicht aufgibt.“[34]

Bereits im Jahr der Rückkehr nach Berlin veröffentlichte Grass den Gedichtband Gleisdreieck. Dieter Stolz erkannte darin den Willen des Verfassers, sich stärker als vordem in Die Vorzüge der Windhühner „den kantigen Wirklichkeiten, den harten Gegenständen der Außenwelt“ zu stellen, seine Phantasie an „den stinkenden Realitäten“ zu erproben und den luftigen Geschöpfen seiner Einbildungskraft die Flügel etwas zu stutzen.[35] Doch auch die Fortsetzung seiner epischen Auseinandersetzung mit der Danziger NS-Vergangenheit nebst Nachwirkungen war bereits angelaufen und sollte 1961 in die Novelle Katz und Maus und 1963 in den Roman Hundejahre münden. Im Ensemble mit der Blechtrommel bildeten sie in der Folge die Danziger Trilogie. Unterdessen hatte Grass seine erlangte Dichterprominenz auch bereits in das politische Tagesgeschäft eingebracht. Motivierender Anlass dafür war im Vorfeld der Bundestagswahl 1961 die Diffamierung des SPD-Kanzlerkandidaten Willy Brandt, der diesen Decknamen als linker Sozialist und NS-Widerständiger Herbert Frahm nach der Reichstagsbrandverordnung angenommen hatte und 1933 nach Norwegen emigriert war. Kanzler Konrad Adenauer suchte ihn als unehelichen „Herrn Brandt alias Frahm“ herabzusetzen; noch weiter rechts beschimpfte man ihn als Landesverräter. In seiner Doppelfunktion als Kanzlerkandidat und Berliner Regierender Bürgermeister suchte Brandt für seine Reden die Unterstützung der Schriftsteller um Hans Werner Richter. Grass war es, der diesen Dienst übernahm.[36]

Der Grautöne liebende Grass 1965

Die Rückkehr in das von der DDR umschlossene West-Berlin regte den nun arrivierten Schriftsteller nach der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 zu weiterem Engagement auch diesbezüglich an. Am darauffolgenden Tag rief er die Vorsitzende des Schriftstellerverbands der DDR Anna Seghers in einem offenen Brief zum Protest gegen das Unrechtsregime der DDR auf. Walter Ulbricht nannte er darin einen Quasi-KZ-Kommandanten an der Spitze eines Staates, dem man die Gewalttätigkeit einer Diktatur nicht absprechen könne. Zudem beschäftigte Grass in dieser Zeit erneut der Aufstand vom 17. Juni 1953, den er gemeinsam mit Anna am Potsdamer Platz beobachtet hatte. Darüber schrieb er das 1964 in der Gruppe 47 vorgestellte und 1966 uraufgeführte Theaterstück Die Plebejer proben den Aufstand. Darin verquickte er das seinerzeitige Geschehen auf den Straßen mit der dazu eingenommenen Haltung des Theaterchefs (ohne Namensnennung Bertolt Brecht), indem dessen bei Grass gleichzeitig stattfindender Probenbetrieb, der von Unterstützungsanliegen protestierender Arbeiter aufgerollt wird, zu einer Tragödie auf zwei Ebenen führt.[37]

Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 1965 legte sich Grass erneut für den SPD-Spitzenkandidaten Brandt ins Zeug. Bereits im Mai trat er mit einem Partei ergreifenden Gedicht an die Öffentlichkeit, an dessen Ende es hieß: „Glaubt dem Kalender, im September / beginnt der Herbst, das / Stimmenzählen; / ich rat Euch, Es-Pe-De zu wählen!“ Zusätzliche Unterstützung für SPD-Wahlkämpfer organisierte er als Hauptinitiator eines Berliner „Wahlkontors“ im Verbund mit anderen noch kaum bekannten Autoren, darunter Friedrich Christian Delius, Hubert Fichte, Peter Härtling, Peter Schneider, Klaus Wagenbach, Bernward Vesper, Gudrun Ensslin. Anstelle Adenauers war wichtigster Gegenspieler nun Kanzler Ludwig Erhard, der Rolf Hochhuth einen „ganz kleinen Pinscher“ nannte und bezüglich Grass äußerte, er benötige niemanden, der für ihn die Blechtrommel rühre. Der Gemeinte engagierte sich nun auch auf Wahlkampfreisen vor stets gut gefüllten Sälen in eigener, nicht unkritischer Manier für die SPD – mit rund 80 Wahlreden und dafür erzielten 40.000 DM Einnahmen, die er für die Ausstattung von Bibliotheken der Bundeswehr spendete.[38] Nachdem die SPD nach dem Wahlabend weiterhin nur in der Opposition verblieben und nach dem Zerfall des Kabinetts Erhard 1966 nur als Juniorpartner der Union unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger in die Große Koalition gelangt war, wandte sich der Großteil der bisherigen Unterstützer unter den Schriftstellern von der SPD ab und näherte sich der APO an. Grass, der sich ebenfalls eindringlich gegen die SPD-Beteiligung an der Große Koalition ausgesprochen hatte, blieb aber trotz oft harscher Kritik letztlich doch politischer Weggefährte des nunmehrigen Außenministers Willy Brandt.[39]

Ziviles Künstlerengagement im politischen Spannungsfeld

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Grass, Bundeskanzler Willy Brandt und dessen Frau Rut, 1970

Vor der Bundestagswahl 1969 engagierte sich Grass im Wahlkampf nochmals intensiver. Hervorgehend aus Gesprächen in seiner Friedenauer Wohnung in der Niedstraße 13 mit Arnulf Baring, Günter Gaus, Eberhard Jäckel, Siegfried Lenz und Kurt Sontheimer, wurde eine SPD-Wählerinitiative mit einem Bonner Büro in der Konrad-Adenauer-Allee 54 gegründet, für Grass in dieser Zeit ein ständiger Anlaufpunkt. Mit einem zur Verfügung gestellten VW-Bus suchten er und der Jura-Student Friedhelm Drautzburg als sein Chauffeur bei knapp 31.000 km Fahrleistung 60 Wahlkreise auf. Grass hielt insgesamt 94 Reden, meist in vollbesetzten Sälen, aber auch im Freien vom befestigten Dach des VW-Busses aus. Rund 60 lokale Wählerinitiativen wurden dabei vor Ort gegründet.[40] Als am Wahlabend ausgezählt wurde, kam es nach Höhen und Tiefen bei den Hochrechnungen schließlich zu einer knapp ausreichenden Mehrheit für die Bildung einer sozial-liberalen Regierung mit Bundeskanzler Willy Brandt. Dessen bekanntester Satz aus der Regierungserklärung: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“, geht womöglich auf Grass zurück. Dieser nahm in der Folge Anläufe, im Zusammenwirken mit Brandt und dem Minister für Entwicklungszusammenarbeit Erhard Eppler in die Regierung eingebunden zu werden, fand dafür aber keine Resonanz.[41]

Einen Rückblick auf das eigene Wahlkampfengagement bot Grass 1972 in Aus dem Tagebuch einer Schnecke, in einer „romanähnlichen Collage“, die „ein streng durchkomponiertes Neben- und Durcheinander gänzlich disparat anmutender Inhalte“ (Dieter Stolz) zusammenführte. Neben persönlichen Wahlkampfreminiszenzen, die Grass den eigenen Kindern kommuniziert, werden eingehende Rückblicke auf Schicksale und Verfolgung der Danziger Juden in der NS-Zeit, Anklänge an die Biographie Marcel Reich-Ranickis in seinem Kellerversteck in Polen, eine breit angelegte Schneckenkunde, der Suizid und familiäre Hintergrund eines Apothekers, der auf einem Kirchentag (mit Grass auf dem Podium) seine vormaligen Kameraden von der Waffen-SS grüßte, sowie Reflexionen über das Verhältnis von Melancholie und Utopie mit Bezug auf den zum Schluss angehängten Grass-Vortrag zum Dürer-Jahr 1971 über dessen Werk Melencolia I kunstvoll ineinander geschachtelt.[42]

Wohnort der Grass-Familie in der Niedstraße 13 in Berlin-Friedenau (August 2024)

An diversen Stellen in der Collage reflektiert Grass die eigene politische Einstellung und Rolle im Wahlkampfgeschehen. Meist wendet er sich dabei an seine Kinder. Seit dem von Uwe Johnson als unmittelbarem Nachbarn 1964 veranlassten Umzug nach Friedenau gehören dazu neben den zweieiigen Zwillingen die 1961 geborene Laura und der 1965 zur Welt gekommene Bruno. Grass steigt in das Buch mit der knappen, aber für das sozial-liberale Bündnis richtungweisenden Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten ein und schließt daran die Veranschaulichung seines Fortschrittsbegriffs an: die Nacktschnecke. „Mein langwieriges Prinzip“. Die Nacktschnecke siege nur knapp und selten. „Sie kriecht, verkriecht sich, kriecht mit ihrem Muskelfuß weiter und zeichnet in geschichtliche Landschaft, über Urkunden und Grenzen, zwischen Baustellen und Ruinen, durch zugige Lehrgebäude, abseits schöngelegener Theorien, seitlich Rückzügen und vorbei an versandeten Revolutionen ihre rasch trocknende Gleitspur.“ Fortschritt bedeute, etwas schneller zu sein als die Schnecke und nie anzukommen.[43] Grass bezieht Stellung gegen die „Schwarzen“ von CDU und CSU, die „dranblieben und wiederkamen“, die den Nazis „ihren Biedersinn liehen“, sich an die Verbrechen nicht erinnern könnten, die Kirche zum Zweigwerk der Industrie machten und die Demokratie nicht begriffen. Andererseits warnt er seinen Nachwuchs eingehend davor – es ist die Blütezeit kommunistischer Gruppierungen in der ausgehenden Studentenbewegung und der ersten Generation der RAF –, die Zukunftshoffnung, womöglich um jeden Preis, auf den Kommunismus zu setzen. „Ich sage: Ich stünde Euch dann im Weg.“[44]

In einem Kneipengespräch mit jungen Schriftstellern, die sich besorgt zeigten, ob nicht politisches Engagement dem Schreiben schade, stellte Grass, wie er schrieb, zwei Bierdeckel hochkant, den einen für sein sozialdemokratisches Bürgerengagement stehend, den anderen für sein Schriftstellertum, näherte und entfernte sie voneinander, lehnte zuletzt den einen schräge gegen den anderen und kommentierte: „Manchmal schwierig, aber es geht. Sie sollten sich weniger Sorgen machen.“ Einem Journalisten, der Grass nach einer Wahlkampfveranstaltung zur Literatur befragte, gestand er zu, zersplittert zu sein. Er sei aber auch früher nie ganz gewesen. „Nur gebündelte Splitter.“ Seine nächsten Vorhaben und Bedürfnisse seien schlafen und sich verkapseln.[45] Im Jahr 1972 – nach dem gescheiterten konstruktiven Misstrauensvotum gegen Brandt wiederum ein Jahr mit Bundestagswahl und Wahlkampf für Grass – war der seit Mitte der 1960er Jahre zunehmende Entfremdungsprozess zwischen Günter Grass und seiner Frau Anna dahin gekommen, dass Grass aus Berlin nach Wewelsfleth wegzog und sich dort mit seiner neuen Lebensgefährtin Veronika Schröter und ihren beiden mitgebrachten Töchtern ein gemeinsames Domizil samt Atelier einrichtete. Sein künstlerisches Schaffen sollte nunmehr wieder stärker im Vordergrund stehen. Sein Wirken für die Sozialdemokratische Wählerinitiative schränkte er ab 1973 ein und begnügte sich bei anhaltender öffentlicher Präsenz auf Reisen und mit politischen Stellungnahmen auf eine kritische Begleitung der Regierungspolitik. Als herben Rückschlag in seinem Engagement erlebte er den Rücktritt Willy Brandts als Kanzler 1974 im Zuge der Guillaume-Affäre. Im selben Jahr trat er aus der katholischen Kirche aus, der er in Fragen der Reform des Paragraphen 218 Unchristlichkeit vorwarf.[46]

Vom „Butt“ zur „Rättin“

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Das nach Alfred Doeblin benannte, von Grass genutzte Haus in Wewelsfleth 2009

Der neue Schaffensort in Wewelsfleth bedeutete für Grass nicht, sich von seiner Berliner Familie loszusagen, auch wenn seine Frau Anna in der Niedstraße nun ebenfalls einen neuen Partner hatte. Um seine Kinder zu sehen und zu erleben, pendelte Grass häufig zwischen Wewelsfleth und Berlin; und da sich sein Verhältnis zu Anna weiter verschlechterte, wurde zwecks räumlicher Trennung in der Wohnung selbst noch eine „Berliner Mauer“ gebaut. Nicht einfach gestaltete sich mit der Zeit zudem die Beziehung zu Veronika Schröter, auch als diese schwanger war und 1974 Helene Grass zur Welt brachte. Die Kindsmutter hatte in der Wewelsflether Abgeschiedenheit nun drei Mädchen zu versorgen und war damit allein durchaus nicht wunschlos glücklich. Die Trennung ließ nicht lange auf sich warten, und Grass kam nun mit der Musiklehrerin und Organistin Ute Grunert zusammen, die später mit ihren beiden Söhnen in Wewelsfleth einzog und es Grass letztlich durchgehen ließ, dass er zeitweise parallel mit der Lektorin Ingrid Krüger ein Verhältnis hatte, aus dem die Tochter Nele hervorging. Nachdem 1978 die Scheidung von Anna vollzogen war, heirateten Ute und Günter Grass 1979.[47]

Die Lebenserfahrungen mit dem eigenen und dem weiblichen Geschlecht und speziell der neunmonatige Weg der Tochter Helene ins Leben bildeten den deutlich sich niederschlagenden Hintergrund für die Konzeption und Fertigstellung des 1977 erschienenen Romans Der Butt, in dem Grass mit dem Märchen Vom Fischer und seiner Frau ein Integrationszentrum für die von der Steinzeit bis in die Gegenwart reichende Romanhandlung einführt und am Beispiel von 11 Köchinnen eine Geschichte des Essens und der Sexualität entwickelt. Die von Männern gemachte Geschichte – mit dem Butt als Einflüsterer – erweist sich mit der eingetretenen Umweltkatastrophe als widersinnig und gescheitert.[48] Neben seiner schriftstellerischen und künstlerischen Arbeit beschäftigten Grass in den 1970er Jahren auf politischer Ebene zunehmend äußere Verwicklungen wie der Nahostkonflikt und die Verhältnisse in der Dritten Welt. Bei einer Ansprache in Neu-Delhi vor dem Indian Council for Cultural Relations beklagte er 1975: „Sie spalten das Atom, fliegen zum Mond, aber die Kinder dieser Welt können sie nicht ausreichend ernähren.“[49] Eine Vergegenwärtigung von Vergangenheit ging Grass nach dem Butt neuerlich an, als er den Dreißigjährigen Krieg – und darin den bevorstehenden Westfälischen Frieden – in der 1979 erschienenen Erzählung Das Treffen in Telgte als akribisch recherchierten Hintergrund für ein barockes Dichtertreffen nahm und dieses erkennbar ähnlich konfigurierte wie die Zusammenkünfte der Gruppe 47 unter der Leitung Hans Werner Richters. Im selben Jahr kam die von Volker Schlöndorff mit seiner Unterstützung verfilmte Blechtrommel in die Kinos. Ein weiteres gemeinsames Filmprojekt hätte aus der siebenwöchigen Asienreise beider Ehepaare Grass und Schlöndorff 1979 resultieren sollen, die sie im Auftrag des Goethe-Instituts u. a. nach Japan, Hongkong, China, Indonesien, Thailand und Indien unternahmen. Tatsächlich inspirierten die dabei gewonnenen Anschauungen Grass zu der 1980 erschienenen, mit Gedankenexperimenten spielenden Erzählung Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus.[50]

Nachdem Grass im zurückliegenden Jahrzehnt nicht nur von seiner Schriftstellertätigkeit – rund 100 Essays kamen zu den größeren Werken noch hinzu – ungemein beansprucht war, verordnete er sich zu Beginn der 1980er Jahre eine vierjährige Schreibpause. Er wendete sich nun verstärkt seinem – auf Anregung der Tochter Laura um Arbeiten mit Ton erweiterten – bildnerischen und graphischen Werk zu, auch mit Ausstellungen. Im September 1982 reiste er auf Einladung von Ernesto Cardenal und Sergio Ramírez nach Nicaragua um sich ein Bild von dem Land nach der Sandinistischen Revolution zu machen, dem er anschließend einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus zutraute.[51] Seine andererseits durch Nachrüstungsdebatte und Nato-Doppelbeschluss zunehmend pessimistisch eingefärbten politischen Auffassungen artikulierte er zu diversen Anlässen entschieden: Am 1. Oktober 1982, dem Tag des konstruktiven Misstaruensvotum gegen Helmut Schmidt, das Helmut Kohls Kanzlerschaft begründete, wurde Grass demonstrativ SPD-Parteimitglied (1992 trat er wegen der SPD-Haltung beim Asylkompromiss wieder aus).[52] Am 2. September 1983 stellte sich Grass an die Seite der die Stationierung von Pershing II-Raketen in der Mutlanger Heide Blockierenden und hielt eine sechsstündige Lesung zwischen nachts 1 Uhr und morgens 7 Uhr.[53] Seit Juni 1983 gewählter Präsident der Berliner Akademie der Künste, interpretierte Grass auch diese Funktion nicht zuletzt als politische und rief im Oktober alle radikalen Demokraten zu gewaltfreiem Widerstand und gezielter Wehrkraftzersetzung angesichts der NATO-Nachrüstung auf.[54]

Als Grass mit seiner Frau 1984 für zwei Jahre nach Hamburg zog, nutzte er das Wewelsflether Haus gleichwohl weiter als Schreibstube für das nun in Angriff genommenen Werk Die Rättin. Dabei handelt es sich in zwölf Kapiteln um eine weit verzweigte, mit Anklängen an Märchen und Sagen verbundene Erzählung vom Ende der Menschheit in einer nuklearen Selbstauslöschung, in der Ratten sich schließlich über die menschlichen Überreste hermachen. Das Jahr 1984, in dem die Handlung wesentlich spielt, lässt mehrfache Bezüge erkennen, so zu George Orwells Roman 1984, zum 700. Geburtstag der Sage vom Rattenfänger von Hameln und zum Jahr der Ratte nach dem chinesischen Kalender. Als Inspiration für seine Phantasmagorie des Untergangs, in die der Autor vielerlei Bezüge auch zum eigenen Werk eingearbeitet hat, diente Grass eine lebendige „Weihnachtsratte“ im Käfig, die seine Frau Ute ihm wunschgemäß unter den Weihnachtsbaum gelegt hatte. Bei den Lesern wollte Grass mit seiner auch komische Passagen und Rückbezüge aufs sein vorheriges Schaffen enthaltenden Dystopie nach eigenem Bekunden eine aufgeklärte Angst bewirken, die sich ihrer menschengemachten Veranlassungsgründe bewusst sein sollte.[55] In der deutschsprachigen Literaturkritik stieß Die Rättin, wie zuletzt bereits die Kopfgeburten, überwiegend auf Ablehnung. Im August 1986 flog Grass mit seiner Frau Ute nach Kalkutta, hauptsächlich, um sich mit dem Elend in dieser Millionen-Metropole der „Dritten Welt“ näher vertraut zu machen und Eindrücke zu sammeln für das 1988 veröffentlichte Buch Zunge zeigen, in dem neben tagebuchartigen Reisenotizen und Schwarz-weiß-Zeichnungen ein zwölfteiliger Gedichtzyklus enthalten ist.[56]

Skeptiker und Gegner des deutschen Einigungsvorgehens

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Da das Monsunklima Utes Gesundheit zusetzte, ging der auf ein Jahr geplante Kalkutta-Aufenthalt bereits im Januar 1987 zu Ende. In ihrem Feriendomizil an der portugiesischen Algarve überbrückten Grass und seine Frau die Zeit bis zur Bezugsfertigkeit des neuen Domizils in Behlendorf. Aus der Wewelsflether Bleibe wurde, von Grass initiiert, das Alfred-Döblin-Haus, eine Stiftung zur Förderung von Schriftstellern. Wieder daheim beschäftigte Grass 1988 und 1989 besonders der sterbende Wald, dem er auf Reisen in den Harz und bis ins Erzgebirge nachspürte und den er in einer Vielzahl von Zeichnungen festhielt. Daraus entstand der 1990 erschienene Band Totes Holz. Ein Nachruf, der Zeichnungen und Notate zu seinen Erkundungen zusammenstellte. Unter anderem steht da: „Wenn man im Oberharz von Deutschland nach Deutschland schaut, sind die Waldschäden verwandt und ist die Wiedervereinigung schon vollzogen.“[57] Lesungen vor DDR-Publikum waren Grass bereits 1987 ermöglicht worden – zwei Jahrzehnte nach den von ihm ab 1973 in der DDR bis zur Ausbürgerung Wolf Biermanns arrangierten und von der Stasi beargwöhnten Schriftstellertreffen – und hatten ihm, der dabei ganz offen Gorbatschows „neues Denken“, die polnische Solidarność und den Prager Frühling lobte, bei Ostberlinern den Spitznamen „Grassnost“ eingetragen.[58]

Vom Mauerfall erfuhr das Ehepaar Grass aus dem Autoradio auf der Fahrt von Berlin nach Behlendorf. Mit der Art und Weise, wie anschließend die deutsche Wiedervereinigung zustande kam, war Grass ganz und gar nicht einverstanden; er artikulierte seinen Protest vehement und ausdauernd. Anfänglich warb er dafür, die DDR bei den Unterstützungsmaßnahmen westdeutscherseits nur im Schongang zu behandeln, andernfalls soziale Unruhen, womöglich sogar ein Rechtsruck folgen könnten. Die Demokratisierungsbewegung in der DDR sollte unterstützt und eine schrittweise Konföderation beider Teile der erhalten gebliebenen Kulturnation angestrebt werden. Die angenommenen Bedenken der Nachbarstaaten gegenüber einem größeren und militärisch stärkeren deutschen Einheitsstaat stellte er in den Kontext der deutschen NS-Vergangenheit und des für den Holocaust stehenden Vernichtungslagers Auschwitz. Als man ihn wegen seiner Positionierung zur Wiedervereinigung teilweise als „vaterlandslosen Gesellen“ hinstellte, reagierte Grass in Kurze Rede eines vaterlandslosen Gesellen: „Nein, ein so unanständig auftrumpfendes, durch Zugriff vergrößertes Vaterland will ich nicht […] Dieses Vaterland verrate ich jetzt schon; mein Vaterland müsste vielfältiger, bunter, nachbarlicher, durch Schaden klüger und europäisch verträglicher sein.“[59]

In zwei Prosawerken befasste sich Grass während der ersten Hälfte der 1990er Jahre mit den neuen Gegebenheiten nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation und im Zuge der deutschen Wiedervereinigung. Die 1992 erschienene Erzählung Unkenrufe entwickelt einerseits die späte, tragikomische Liebesgeschichte zwischen der polnischen Restauratorin Alexandra Piątkowska und dem deutschen Kunsthistoriker Alexander Reschke; sie behandelt in ironischer Brechung die dem „Jahrhundert der Vertreibungen“ eingeschriebene Gemengelage aus Revanchismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus; schließlich wird das von dem polnisch-deutschen Paar aufgelegte Versöhnungsprojekt einer Polnisch-Deutsch-Litauischen Friedhofsgesellschaft von den rein profitorientierten Nachfolgern in der Geschäftsleitung kommerziell pervertiert.[60] Im Jahr 1994 erschien Grass‘ umfänglichster Roman überhaupt: Ein weites Feld. Mit dem Titel zitierte Grass Theodor Fontane, dem er in Gestalt des „Fonty“ einen just 100 Jahre jüngeren Wiedergänger andichtete und einen Stasi-Mitarbeiter als „Tag- und Nachtschatten“ beigab. Mit diesen beiden Hauptfiguren und ihren Kommentaren geht begleitend und von ihnen kommentiert nicht nur das Wende- und Wiedervereinigungsgeschehen einher; vielmehr spielen neben Rückbezügen auf Fontanes Lebensgeschichte schlaglichtartig immer wieder Episoden der vergangenen 150 Jahre deutscher Geschichte eine Rolle, wobei das Detlev-Rohwedder-Haus mit seiner Vorgeschichte als Sitz des NS-Reichsluftfahrtministeriums, dann als Haus der Ministerien der DDR und ab 1991 als Zentrale der Treuhandanstalt einen Handlungsmittelpunkt bildet.

Vielgestaltige Rückblicke vor und nach der Jahrtausendwende

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Infolge Arterienverkalkung unterzog sich Grass im Umfeld seines 70. Geburtstags zur Herzinfarkt- und Schlaganfallvorbeugung einer Herzkatheter- und einer Halsschlagader-Operation und revanchierte sich bei den Ärzten im Januar/Februar 1998 mit einer Gastdozentur an der Medizinischen Hochschule Lübeck und wöchentlichen literarischen Vorträgen im mit 600 Zuhörern jeweils vollbesetzten größten Hörsaal. Zum Abschluss empfahl er seinem Publikum in Anlehnung an die Mediziner Alfred Döblin und Gottfried Benn, ihren Patienten die heilsame Wirkung von Literatur je nach Art und Schwere der Krankheit nahe zu bringen; er selbst habe sich im Krankenbett mit Thomas Manns Joseph und seine Brüder sowie mit Grimmelshausens Simplicissimus befasst. Vor der Bundestagswahl 1998 war der genesene Grass wieder als Wahlkämpfer speziell in Ostdeutschland im Einsatz und warb für einen rot-grünen Regierungswechsel.[61] Rechtzeitig vor Beginn des neuen Jahrtausends veröffentlichte Grass 1999 den Band Mein Jahrhundert, der für jedes Jahr von 1900 bis 1999 eine ausgewählte und illustrierte Episode enthält, mal mit und mal ohne unmittelbaren Bezug zur Biographie des 1927 geborenen Künstlers.

Im Dezember 1999 wurde Grass der Nobelpreis für Literatur verliehen, „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. Eingangs der Begründung des schwedischen Nobelkomitees hieß es: „Als Günter Grass 1959 „Die Blechtrommel“ herausgab, war es, als wäre der deutschen Literatur nach Jahrzehnten sprachlicher und moralischer Zerstörung ein neuer Anfang vergönnt worden.“ In der öffentlichen Debatte seines Heimatlands sei er „Kraftquell und Fels des Ärgernisses“, für namhafte literarische Größen „draußen in der Welt“ andererseits ein bewunderter Vorgänger.[62] Die weitgehend sein Werk und Wirken aufgreifende eigene Nobelvorlesung schloss Grass mit den Worten: „Und selbst wenn eines Tages nicht mehr geschrieben und gedruckt werden wird oder darf, wenn Bücher als Überlebensmittel nicht mehr zu haben sind, wird es Erzähler geben, die uns von Mund zu Ohr beatmen, indem sie die alten Geschichten aufs neue zu Fäden spinnen: laut und leise, hechelnd und verzögert, manchmal dem Lachen, manchmal dem Weinen nahe.“[63]

Im Jahr 2001 erschien der Werkstattbericht Fünf Jahrzehnte, im Jahr darauf die Novelle Im Krebsgang, die den Untergang des mit Flüchtlingen angefüllten Schiffes Wilhelm Gustloff infolge sowjetischen Torpedobeschusses behandelt, ein Thema im Kontext der Vertreibungsproblematik zu Ende des Zweiten Weltkriegs, das Grass nicht den „Rechtsgestrickten“ zur Deutung überlassen wollte.[64] Die Autobiographie seiner jungen Jahre bis 1959 mit dem Titel Beim Häuten der Zwiebel legte Grass schließlich 2006 vor. Darin enthalten war auch die der Öffentlichkeit bis dahin unbekannte Tatsache, die sogleich medial breit aufbereitet wurde, dass er als 17-Jähriger zur Waffen-SS eingezogen worden war. Dies löste eine Empörungswelle gegen ihn aus angesichts der von Grass so oft beklagten Leugnungs- und Verdrängungstendenz von NS-Verbrechen unter Mitschuldigen und in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Sein Ansehen als moralische Instanz schien auch manchen, die ihm näherstanden, ruiniert, zum Beispiel Volker Schlöndorff: „Ich ging so weit, zu glauben, der kleine Oskar in ihm, der Anarchist, der er immer war, wolle das eigene Denkmal abreißen, um nie wieder von einem Sockel, von höherer moralischer Warte zu sprechen.“[65]

Tadeusz Różewicz und Grass, 2006

Des Künstlers Produktivität hielt, von öffentlichen Reaktionen ungemindert, auch im Alter an. Nach dem Gedichtband Letzte Tänze von 2003 erschien 2007, im Jahr seines 80. Geburtstags, der u. a. in Danzig drei Tage lang mit Aufführungen, Lesungen und Debatten begangen wurde, ein Buch mit dem Titel Dummer August. Gedichte, Lithographien, Zeichnungen, das Grass zur Auseinandersetzung mit seinen Verächtern nutzte. Noch ein persönliches Erinnerungswerk erschien 2008 mit dem Buch Die Box, in dem Grass seine Kinder auf das Leben mit dem Vater, ihren Müttern und miteinander in von ihm arrangierten Treffen zurückblicken lässt. Der Titel bezieht sich auf jene Fotokamera als häufiger Gesprächsanlass, mit der Grass‘ Freundin Maria Rama (Ehefrau und Erbin von Hans Rama) das Leben und Treiben der Familie Grass sowie vor allem Günters Sonderwünsche über Jahre und Jahrzehnte abgelichtet und in ihrem Photolabor entwickelt hat.[66] Als dritten Band der von ihm so bezeichneten „Trilogie der Erinnerung“ (nach Beim Häuten der Zwiebel und Die Box) veröffentlichte Grass 2010 Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung. Darin würdigte er zum einen das Forscherleben der Brüder im Dienst an der deutschen Sprache, nutzte die ihm eigene Sprachkunst, um ihre Lebensleistung zu illustrieren und reflektierte sich selbst in ihnen und ihren Auseinandersetzungen mit den Widrigkeiten der Zeit auch in politischer Hinsicht.[67]

Rendezvous mit der Endlichkeit

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Das Anwesen von Günter und Ute Grass in Behlendorf, Schleswig-Holstein, Wohnsitz des Schriftstellers von 1987 bis zu seinem Tod 2015

In den letzten Lebensjahren dominierten wieder lyrisches und bildkünstlerisches Schaffen von Grass, der seine politische Stimme dabei allerdings keineswegs schonte, vielmehr neuerlich sehr gezielt zur Geltung brachte. Im Vorfeld seines 85. Geburtstags erschien der Gedichtband Eintagsfliegen. Zwei der darin aufgenommenen Gedichte platzierte er aber bereits in den Monaten zuvor in der Öffentlichkeit. Großes auch internationales Aufsehen erregte er durch Was gesagt werden muss, worin er warnend einen atomaren Erstschlag Israels gegen den Iran zum Thema machte. Damit setzte er sich nicht nur vielseitiger Empörung, sondern auch massiven Antisemitismus-Vorhalten aus. Als er zwei Monate später in dem Gedicht Europas Schande Griechenlands katastrophale Finanzlage im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise reflektierte, das Europas geistiges Fundament gelegt habe, hatte sich der über ihn hereingebrochene öffentliche Sturm bereits etwas gelegt; als streitbare Persönlichkeit in der Tradition der europäischen Aufklärung wurde er im Antike-Kontext besser angenommen.[68]

Konnten bereits viele der Eintagsfliegen-Gedichte als „lyrisches Lebensabend-Tagebuch“ und „Zyklus im Zeichen des Abschieds“ gelesen werden,[69] so trifft dies mindestens so sehr auf das ab 2013 angelegte, doch erst posthum im August 2015 erschienene Alterswerk Vonne Endlichkait zu. Darin zusammengeführt sind Gedichte, Prosa und Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Von mancherlei Beeinträchtigungen ist dabei die Rede, vom letzten Zahn, von nachlassender Tatkraft, vom Probeliegen mit Ute in den vom Tischler gefertigten Särgen, die ihnen zwischendurch aus dem Keller entwendet werden, vom Rückblick auf das Geleistete und von der Frage, ob noch etwas fehlt, „das unterm Schlußstrich zählen könnte“, von Erinnerungsbildern und dem anhaltenden Reiz neuer Eindrücke, vom heimatlichen Zungenschlag eines früheren Nachbarn, den es ebenfalls nach Westen verschlagen hatte und der ihm über den Gartenzaun die gern gehörte und beantwortete Frage stellte: „Waas möchte nu los sain inne Polletik?“ Am Schluss steht das titelgebende Gedicht: „Nu war schon jewäsen. / Nu hat sech jenuch jehabt. / Nu is futsch un vorbai. / Nu riehrt sech nuscht nech. / Nu will kain Furz nech. / Nu mecht kain Ärger mähr / un baldich bässer / un nuscht nech ibrich / un ieberall Endlichkait sain.“[70]

Das Grab von Günter Grass auf dem Friedhof von Behlendorf (Kreis Herzogtum Lauenburg)

Grass starb am 13. April 2015 im Alter von 87 Jahren in einem Lübecker Krankenhaus an den Folgen eines Infekts mit starkem Fieberschub und Lungenentzündung. Er wurde am 30. April 2015 im engsten Familienkreis auf dem Friedhof der frühgotischen Feldsteinkirche von Behlendorf in einem Grab beigesetzt, das vereinbarungsgemäß dem Chor des Gotteshauses nicht zu nah auf einer den Friedhof begrenzenden Wiese angelegt wurde, „die einst pastörlicher Kartoffelacker gewesen war“.[71] Die zentrale Gedenkfeier mit 850 Trauergästen im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck folgte am 10. Mai 2015 im Theater Lübeck. Helene Grass und Mario Adorf lasen Texte des Verstorbenen. Die Hauptrede hielt John Irving, der Grass u. a. als „kindlichen Dichter“, Vorbild und als den Intellektuellen würdigte, der sich selbst und alle Welt habe zur Rechenschaft ziehen wollen.[72] Schleswig-Holstein ehrte Grass mit der Trauerbeflaggung öffentlicher Gebäude an diesem Tag.[73][74]

Rezeptionsaspekte

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Die bundesdeutsche Literaturkritik habe nach Grass‘ Ableben auf bemerkenswerte Weise innegehalten, konstatierte Harro Zimmermann. Die rühmenden Nachrufe überboten sich, eine Ausnahmeerscheinung auf den Begriff zu bringen: Ein Gigant sei gestorben, eine Epoche gehe zu Ende. Man sah in Grass u. a. einen „Renaissance-Menschen“, ein Gesamtkunstwerk, das Idealbild eines Bürgers und Intellektuellen, einen vor aller Welt gekrönten Dichterfürsten und „Nationalpoeten“.[75] Harro Zimmermann sieht in Grass‘ vielschichtigem biographischen Profil „wichtige Phasen der deutschen Diskurs- und Mentalitätsgeschichte nach 1945“ gespiegelt.[76] Als künstlerisches Vorbild und „Meister einer Schreibschule des phantastischen Realismus“ galt Grass laut Volker Neuhaus seinen jüngeren Kollegen wie John Irving und Salman Rushdie. Im akademischen Unterricht der englischsprachigen Welt sei Grass teils erheblich präsenter gewesen als im deutschen Sprachraum.[77] „Selbstreflexivität, das Feingefühl für Gattungsmerkmale, historische Tiefenbohrungen und insbesondere die verspielte Ernsthaftigkeit, mit der der Märchenerzähler Grass sich seinen Erzählstoffen widmet, machen die Einzigartigkeit seines Erzählens aus“, heißt es bei Katrin Wellnitz.[78] Nur wenige deutsche Schriftsteller, so Günther Rüther, „haben ein so vielfältiges, spektakuläres, weltweit gelesenes und diskutiertes Werk geschrieben wie Günter Grass.“[79]

Schaffensmotive

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Als Antriebsfaktoren und Leitmotive für den von den 1950er Jahren bis zu seinem Ableben 2015 anhaltenden, vielgestaltigen Schaffensprozess des Schriftstellers und Künstlers Günter Grass und für sein unbeugsam auftrumpfendes politisches Engagement werden in der Grass-Forschung mehrere herausgestellt. So gingen speziell aus seinem Erleben der NS-Zeit in Kinder- und Jugendjahren ein Bewusstsein von Schuld und ein Gefühl der Scham hervor, die seine inhaltliche Ausrichtung und Perspektive auf Dauer geprägt hätten. „In der Blechtrommel wurde eine bizarre, die Schuld und die Scham des Autors verlarvende Künstlergeschichte aufgeblättert“, heißt es bei Zimmermann. Mit der späten autobiographischen Befragung in Beim Häuten der Zwiebel und den darin enthaltenen Bekenntnissen ließe sich im Anschluss an Wolfram Schütte fragen, ob Grass‘ Lebenswerk letztlich als Überkompensation eigener Schuldverstrickung zu verstehen sei; „rumort in allen Figuren seiner Literatur vor allem die Erinnerung an die eigene politische Verführbarkeit? Rühren daher auch seine argwöhnische Sensibilität und seine ängstliche Antizipation von Gefahren?“[80] In anderen Werken, so Volker Neuhaus, erweitere Grass die Gestaltung deutscher Schuld zum generellen Aufzeigen menschlicher Schuld, der Gewalt der Männer gegen die Frauen, der Gewalt gegen die Dritte Welt, gegen die natürliche Umwelt, gegen die entfesselte Kriegsgewalt überhaupt.[81]

Ein weiteres Motivationsfundament des Schriftstellers und Bürgers Grass wird in seiner weltanschaulichen Selbstverortung erkannt, dem Bekenntnis zum Revisionismus nach Art des Sozialdemokraten Eduard Bernstein, das er im Bild der Schnecke zu einem eigenen Symbol skeptisch-zögerlichen Fortschritts gestaltet hat. Sie verkörpere politische Tugenden wie „die Empfindung, das Zögern, die Einsamkeit, die Geduld, die Beharrlichkeit, die Bereitschaft zur permanenten Revision.“ Die Schnecke krieche auf der Erde, begebe sich nicht in luftige Höhen der Revolution oder der Utopien. Grass zeige im Bild der Schnecke „allen Weltverbesserern von Hegel zu Marx, von Lenin zu Marcuse bis zum ‚lustigen Enzensberger‘“ klare Kante, so Günther Rüther, Grass zitierend: „Je größer die Intelligenz, umso verheerender kann ihre Dummheit ins Kraut schießen.“[82]

Das Zustandekommen humanen Fortschritts, wie Grass sich ihn im Solidarzusammenhang der Menschheitsgeschichte vorstellte, ging und geht mit Gegenbewegungen und teils drastischen Rückschlägen einher, die in seinem Werk breiten Raum einnehmen. Bei aller Nähe zum Gedankengut der europäischen Aufklärer, repräsentiert durch Montaigne und Kant wie auch durch Schopenhauer und Nietzsche, war es doch Albert Camus, so Dieter Stolz, der das Denken und Handeln von Grass weitgehend geprägt habe. Daran hielt Grass seit seinen Pariser Jahren unbeirrbar fest: „Ich kann in unserer Situation nur die Camussche Haltung empfehlen, diese Sisyphoshaltung, die gegen Resignation und zynische Hoffnungslosigkeit gefeit ist. Die absurde Situation des Menschen, wie sie Camus beschreibt, erlaubt weiter tätig zu sein, auch wenn keine Hoffnung besteht.“[83] Wie Sisyphos verurteilt zu sein, bis in alle Ewigkeit den Stein auf den Berg zu rollen, schreckte Grass nicht ab, heißt es bei Michael Jürgs. Vielmehr sah er wie Camus in dem Steinewälzer einen glücklichen Menschen. Den immer wieder zurückrollenden Stein habe er nicht als Horrorvison empfunden, sondern „nur als eine Parabel für die ihn antreibende Kraft, sich nie aufzugeben und nie zu resignieren.“[84]

Werkspektrum und Arbeitsweisen

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Das reiche Gesamtwerk des Künstlers Grass hat seine Wurzeln in einem mehrspurigen Werdegang, der vom Bildhauer und Zeichner über den Lyriker und Dramaturgen zu dem in mehreren Ausdrucksformen schreibenden Epiker reicht. Zeichnen, töpfern und schreiben waren für Grass Ausdruck ein und desselben Schaffensprozesses, so Rüther.[85] Das Handwerk des Schreibens habe Grass in ganz spezifischer Weise betrieben, heißt es bei Jürgs. „Der Bildhauer macht getreu seiner Gewohnheit in der Vorbereitung Arbeitspläne, Skizzen, Aufrisse. Er malt sich seine Kopfgeburt an die Wand. Er will sie vor Augen haben. Er spricht hin und her gehend seinen Text.“[86] Lesungen gestaltete Grass ungemein beeindruckend. „Seine Sprachkraft täuscht auch dann saftige Sinnlichkeit vor, wenn die Vorlage papierne Kopfgeburt ist. Was sogar Freunde, selbst lesend als bleierne Last belehrender Worte empfinden“, so Jürgs, „hört sich vom Dichter, selbst redend, faszinierend an.“ Auch habe Grass für seine Romanwerke die Magie der ersten Sätze beherrscht, darunter: „Der Zufall stellte den Witwer neben die Witwe.“ (Unkenrufe) Oder: „Wir vom Archiv nannten ihn Fonty.“ (Ein weites Feld)[87] Nicht zuletzt der Auftakt des Butt: „Ilsebill salzte nach.“

Von einem „Wort-Bild-Werker“ ist bei Zimmermann die Rede, wo gestaltende Kunst und sprachbildende Literatur einander laut Grass „ins Wort fallen“, sich ergänzen oder abstoßen. „Das Schreiben hebt raffend oder verschleppend die Zeit auf. Beim Zeichnen findet sich der knappere Ausdruck. […] Seht, sagt die Zeichnung, wie wenige Wörter ich brauche, hört, sagt das Gedicht, was zwischen den Linien ist“.[88] Es sei Grass stets um die experimentelle Ausgestaltung multipler Formen und Strukturen von Visualität gegangen, um die Einsicht in eine die menschliche Existenz erweiternde Wirklichkeit. Die Dinge müssten daher rundum, also mehrdimensional wahrgenommen werden, „in überraschenden Perspektiven und spielerischen Reflexen, gleichsam aus bildhauerischer Sicht.“ So würden auch Grass‘ scheinbar realitätsferne „Tier-Ikonen“ – Hühner, Vögel, Katz und Maus, Krebse, Hunde, Ratten, Unken, Fische, Insekten und Spinnen – zu poetischen Ausdrucksträgern „für die gleichsam körperhaft phantasierende Inspiration des Künstler-Schriftstellers.“[89]

"Blechtrommel"-Zitat am Bahnhof Gdańsk Główny

Grass’ Werk ist Teil des deutschen literarischen Kanons. An seinen „pikaresken“ Schreibstil knüpften unter anderen John Irving und Salman Rushdie an. Auch außerhalb literarischer Zirkel erlangte Grass international Bekanntheit seit der 1965 erschienenen Homestory im Magazin Life. Seine auch im Ausland zunehmende Prominenz unterstrich das positive und umfangreiche amerikanische Medienecho einer Lesereise, die Grass im selben Jahr an der Ostküste der USA unternahm. Im Magazin Newsweek wurde er als der Autor beschrieben, der die deutsche Nachkriegsliteratur auf die internationale Bühne gebracht habe. Die Darstellung Danzigs zu seiner Jugendzeit wurde in eine Reihe gestellt mit James JoyceDublin, Marcel Prousts Combray und William Faulkners Jefferson in Mississippi – als literarische Denkmale für eine Stadt oder Region.[90]

Politischer Antreiber und Getriebener

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Günther Rüther bescheinigt Grass eine der bedeutendsten Stimmen der Literatur im 20. Jahrhundert und darüber hinaus gewesen zu sein – eine unbequeme Stimme, unabhängig und rücksichtslos, auch gegen sich selbst. Diese Stimme fehle seit seinem Tod, da niemand mehr mit Entschiedenheit wage, „das Schwert des Wortes strafend gegen den Staat und die Gesellschaft zu richten.“ Dass Grass mit seinem oft harschen Auftreten Kritik auf sich zog und den Vorwurf, einfach mal wieder kräftig auf den Putz hauen zu wollen, findet Rüther teilweise berechtigt. Grass habe mit seinen Schriften und Äußerungen wachrütteln, Denkprozesse auslösen, „gegen die Zeit“ schreiben, die Tagesordnung und den Mainstream stören wollen. Die eigene Schmerzempfindlichkeit, wenn von anderer Seite mit gleicher Münze zurückgezahlt wurde, habe ihn zwar zu gelegentlichen Rückzügen bewogen, ihn aber bis ins hohe Alter nicht daran gehindert, unverblümt zum Ausdruck zu bringen, was er für nötig hielt.[91] Die Liste der prominenten Widersacher, gegen die sich Grass‘ Polemiken richteten, ist lang. Dazu gehörten alle CDU-Kanzler von Konrad Adenauer über Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Helmut Kohl und Angela Merkel wie auch die CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Rainer Barzel und Franz Josef Strauß; unter den einflussreichen Journalisten zum Beispiel Frank Schirrmacher und Rudolf Augstein; als Schriftstellerkollegen unter anderen Hans Magnus Enzensberger, Heinar Kipphardt und Mario Vargas Llosa; in der Literaturkritik insbesondere Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek.[92]

Grass habe stets lieber ausgeteilt als eingesteckt, heißt es bei Michael Jürgs. Wer ihm am Ende Recht gab, habe anfangs widersprechen dürfen. Gern habe er bereits seinen Senf als Nörgler ausgebracht, bevor noch die Wurst auf dem Teller lag. Er habe lieber einmal zu viel als einmal zu wenig gestört. Zu seiner Kür als Künstler habe stets die sozialdemokratische Pflicht der Solidarität mit denen gehört, die ohne Stimme waren, und auch dann zu mahnen, wenn keiner hinhören wollte. „Es gelang ihm überall und in kürzester Zeit, selbst an scheinbar friedlichen Plätzen, eine Ecke zu finden, aus der heraus er schreibend oder unterschreibend anecken konnte.“ Stets habe er seinen Gegnern die offene Brust geboten und Empfehlungen kritischer Freunde zur Zurückhaltung nicht entsprochen. „Grass war letztlich mit sich im Reinen, weil er sich die Last der Steine selbst auferlegt und eben nie resigniert hatte.“[93]

Die letzte ganz große Erregungswelle, sein Gedicht „Was gesagt werden muss“, erzeugte Grass am 4. April 2012 mit der Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung, in La Repubblica und in El País. Keines seiner anderen Gedichte habe eine derart leidenschaftliche Debatte ausgelöst. Das Gedicht wurde von israelischer Seite, Vertretern des Judentums in Deutschland, deutschen Politikern sowie den meisten deutschen Medien ablehnend aufgenommen und zum Teil als israelfeindlich und antisemitisch kritisiert. „Es erregte die Welt. Staatsmänner äußerten sich dazu, Diplomaten, Historiker, nicht nur Literaturkritiker und Germanisten. Die Regierung in Israel verhängte ein Einreiseverbot und erklärte Grass zur unerwünschten Person.“[94] Antisemitische Neigungen waren Grass – wie nun verstärkt – bereits 2001 unterstellt worden, als er die Besitznahme palästinensischen Bodens nebst israelischer Besetzung durch Kolonisten als „kriminelle Handlung“ bezeichnet und im Sturm der Entrüstung danach die Rückkehr zum Oslo-Abkommen gefordert hatte. Nicht selten, so Harro Zimmermann, sei Grass von wetterwendischen „Meinungsmatadoren“ einmal hochgelobt, dann wieder heruntergemacht worden. Eine Mittellage der Rezeption habe es nur in der einschlägigen Literaturwissenschaft gegeben. Davon unabhängig hat Grass laut Zimmermann Entscheidendes beigetragen „zur Ausprägung der Intellektuellenfigur und eines ermutigten, konfliktbewährten Bürgerdiskurses im Nachkriegsdeutschland.“ Den eigenen Dichterruhm habe er gern in die Pflicht genommen „für eine Art Wächteramt über die demokratische Verfassungswirklichkeit“ seines Landes.[95]

Großzügiger Lebensgenießer

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Günter Grass, 2004

Leiblichen Genüssen war Grass sowohl hinsichtlich der Sujets seiner künstlerischen Arbeiten als auch jenseits des enormen Arbeitspensums auf mehrere Weise zugetan. So entwickelte er sich in der Nachkriegszeit zum starken Raucher erst selbstgedrehter Zigaretten, später seiner diversen Pfeifen, bis er sich infolge Durchblutungsstörungen und Sauerstoffmangel damit gesundheitlich nahezu ruiniert hatte. Das Kochen und Verkosten von Speisen gehörten zu seinen bevorzugten Beschäftigungen in Familie und Gesellschaft. So konnte er Tage damit verbringen, für eine Hochzeitsgesellschaft ihm Nahestehender vorzukochen. Den Butt hatte er ursprünglich als eine Art Kochbuch geplant, bis sich ihm dann das Thema der weiblichen Emanzipation stärker aufzudrängen begann.[96] Laut Volker Neuhaus hat Grass das Kochen, wie in anderen Kulturen selbstverständlich, immer schon als vollwertige Kunst angesehen – bei einer Neigung zum Deftigen wie in seinen anderen Kunstübungen. Die Deutsche Akademie für Kulinaristik verlieh Grass im Jahr 2005 den Internationalen Eckart Witzigmann Preis, weil er in seinen Werken immer wieder „die anthropologische, kommunikative und symbolische Bedeutung des Essens“ vermittelt habe.[97]

Der Butt spiegelt anhand dreier eingearbeiteter eigener Beziehungen, was Frauen Grass bedeuteten.[98] In einem Interview für The Observer 1978 in London befragte Eva Figes ihn zu seiner ihr selbstbezogen erscheinenden Vorstellung von Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Grass signalisierte große Wertschätzung für die Kindererziehungsarbeit von Frauen und betonte andererseits die der Familie die Existenz sichernde Bedeutung seines Tuns. „Ich bin zwar zu Hause, aber ich bin immer beschäftigt. Wenn ich nicht schreibe, dann zeichne ich. Das schränkt die kreativen Möglichkeiten einer Frau, die mit mir lebt, natürlich ein. Ob ich das nun gut finde oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Es ist so.“[99] An anderer Stelle heißt es bei Jürgs: „Über sein Leben als Mann, gern liebend, schweigt er sich liebend gern aus.“ Seinen Enkeln sei er ein besserer Großvater gewesen, als seinen Kindern ein guter Vater.[100] Bevorzugt zu festlichen Gelegenheiten wie eigenen runden Geburtstagen versammelte Grass die Mehrgenerationenfamilie als Patriarch um sich. Zu seinen Kindern zählte er neben den sechs leiblichen von drei Frauen auch die beiden von Ute in die Ehe mitgebrachten beiden Söhne. Anlässlich seines 60. Geburtstags hätte Grass gern mit allen Kindern und den zugehörigen Müttern eine Schiffsreise in seine alte Danziger Heimat unternommen. Dafür konnte er Ute aber nicht gewinnen.[101] An der Nobelpreisverleihung in Stockholm nahmen die besagten acht Kinder mit ihren Partnern und einer Schar Enkel teil. Grass brillierte nach Preisverleihung und Festbankett zum ausgedehnten Abschluss der Veranstaltung beim Tanzen mit Tochter Helene. In der schwedischen Presse wurde er anschließend mit Bildern auch dafür gefeiert.[102]

Die 1,8 Millionen DM, die Grass in Stockholm als Preisgeld erhielt, ließ er ebenso in seine diversen Stiftungen fließen wie die 60.000 DM, die er – erster Nichtspanier als Träger des Prinz-von Asturien-Preises – erhielt.[103] Als bereitwilliger Helfer für notleidende Schriftstellerkollegen hatte Grass bereits in den 1960er Jahren fungiert, als die Wohnung in der Niedstraße 13 zu einer Anlaufstelle diesbezüglich wurde, wie später auch Grass‘ Domizil in Wewelsfleth.[104] Den Alfred-Döblin-Preis als Literaturpreis für unveröffentlichte Prosa stiftete er 1979. Die Daniel-Chodowiecki-Stiftung als Vergabe-Einrichtung für den Daniel-Chodowiecki-Preis, der zur Förderung polnischer Zeichnung und Grafik ausgelobt wurde und der Förderung der deutsch-polnischen Kulturbeziehungen dienen sollte, errichtete Grass 1992. Im August 1997 gründete er die „Stiftung zugunsten des Romavolkes“ mit einem Grundkapital von 250.000 DM. Sie vergibt auch den Otto-Pankok-Preis. Gemeinsam mit Peter Rühmkorf begründete Grass im Jahr 2000 die Wolfgang-Koeppen-Stiftung, um den Nachlass dieses Schriftstellers, den Grass wie Alfred Döblin als einen seiner Lehrmeister betrachtete, zugänglich zu machen und dessen Erschließung zu fördern.[105] Die 2011 errichtete Günter und Ute Grass Stiftung schließlich hat als Zweck die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur. Sie soll der Pflege des künstlerischen Werks von Günter Grass sowie der Unterstützung seiner anderen Stiftungen dienen.[106]

1958 erhielt Grass den Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. Die 1960 vorgesehene Ehrung mit dem Bremer Literaturpreis scheiterte am Widerspruch des Bremer Senats. Im selben Jahr erhielt er jedoch den Deutschen Kritikerpreis.

1965 wurde ihm der Georg-Büchner-Preis verliehen, „für sein Werk in Lyrik und Prosa, worin er kühn, weitausgreifend und kritisch das Leben unserer Zeit darstellt und gestaltet.“ 1967 wurde er mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet, 1968 mit dem Fontane-Preis. 1969 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis, 1970 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Laut eigener Aussage sollte Grass in den 1970er-Jahren das Bundesverdienstkreuz erhalten. Er lehnte jedoch mit dem Hinweis ab, dass er Bürger einer Hansestadt (siehe auch: Hanseaten und Auszeichnungen) sei. Der wahre Grund sei jedoch gewesen, dass auch viele ehemalige Nationalsozialisten den Orden bekommen hatten.[107]

1977 erhielt er den italienischen Premio Mondello,[108] 1980 den Weinpreis für Literatur.[109] 1988 zeichnete ihn der Hamburger Senat mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft aus.

1994 verlieh ihm die Bayerische Akademie der Schönen Künste ihren Großen Literaturpreis. 1995 wurde Grass mit der Hermann-Kesten-Medaille ausgezeichnet, im Jahr darauf mit dem Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck, dem Samuel-Bogumil-Linde-Preis und 1996 auch mit dem Hans-Fallada-Preis. 1998 verlieh die Humanistische Union ihm den Fritz-Bauer-Preis für seine Verdienste um die Verteidigung der Menschenrechte.

Den Nobelpreis für Literatur erhielt Grass im Jahr 1999; im selben Jahr ehrte ihn Spanien mit dem Prinz-von-Asturien-Preis für Geisteswissenschaften und Literatur.

Günter Grass war Ehrendoktor des Kenyon College (1965), der Harvard University (1976), der Adam-Mickiewicz-Universität Posen (1990), der Universität Danzig (1993), der Universität Lübeck (2003)[110] und der Freien Universität Berlin (2005).

Grass war seit 1993 Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Danzig und Ehrendoktor der dortigen Universität. 2005 erhielt er den Eckart Witzigmann Preis für das Kulturthema Essen in Literatur, Wissenschaft und Medien.[111] Der Ernst-Toller-Preis wurde ihm 2007 zugesprochen.

Der Internationale Brückepreis wurde ihm 2006 verliehen; die Annahme lehnte er jedoch ab, weil CDU-Kommunalpolitiker die Entscheidung der unabhängigen deutsch-polnischen Jury infrage stellten. Auch die Annahme des Antonio-Feltrinelli-Preises 1982 hatte er abgelehnt.

2009 wurde in seiner Geburtsstadt Danzig ein Günter-Grass-Museum eröffnet.

2012 wurde Grass von der dänischen Europäischen Bewegung (Europabevægelsen) mit dem Ehrentitel „Europäer des Jahres 2012“ ausgezeichnet. Gewürdigt wurden unter anderem seine europapolitischen Debattenbeiträge.[112]

2013 erhielt Günter Grass gemeinsam mit seiner Ehefrau Ute die Auszeichnung „Schleswig-Holsteinischer Meilenstein“ des Verbandes Deutscher Sinti und Roma e. V. – Landesverband Schleswig-Holstein für sein jahrelanges Engagement für die Minderheit der Sinti und Roma.[113]

Grass hatte zu Lebzeiten Einwände gegen ein Denkmal in seiner Geburtsstadt gehabt, weshalb bis zu seinem Tod in der Nähe seines Geburtshauses im heutigen Stadtteil Wrzeszcz (früher Langfuhr) nur eine auf einer Parkbank platzierte Bronzefigur von Oskar Matzerath an den Schriftsteller erinnerte. Am 16. Oktober 2015, ein halbes Jahr nach seinem Tod und gleichzeitig sein 88. Geburtstag, wurde eine größere Bronzefigur von Grass – mit einem Buch und einer Pfeife in der Hand – auf die andere Seite der Parkbank gesetzt. Sie war 13 Jahre zuvor errichtet, aber den Wunsch des Autors respektierend nie aufgestellt worden.[114]

Der deutsche Astronom Freimut Börngen schlug für seinen 1989 entdeckten Asteroid den Namen (11496) Grass vor.

Romane, Novellen und Erzählungen

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  • Die bösen Köche. Ein Drama. 1956.
  • Hochwasser. Ein Stück in zwei Akten. 1957.
  • Noch zehn Minuten bis Buffalo. Ein Spiel in einem Akt. 1957
  • Onkel, Onkel. Ein Spiel in vier Akten. 1958.
  • 32 Zähne. Eine Farce in fünf Akten. 1958
  • Die Plebejer proben den Aufstand. Ein deutsches Trauerspiel. 1966.
  • Davor. Ein Stück in 13 Szenen. 1969

Grafik, Skulpturen, Plastiken

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Butt im Griff. Plastik von Günter Grass
  • Butt im Griff. Bronzeplastik in zwei Versionen: Butt im Griff I (Butt in rechter Hand), 2,3 Meter Höhe, fünf Exemplare (im Skulpturen-Garten des Günter Grass-Hauses in Lübeck, am Gemeindehaus in Behlendorf, vor dem Otto-Pankok-Museum in Gildehaus, vor dem Göttinger Kollegiengebäude, im Hafen von Sønderborg); Butt im Griff II (Butt in linker Hand), 1,3 Meter Höhe, sieben Exemplare.
  • Zeichnungen und Schreiben. Das bildnerische Werk des Schriftstellers Günter Grass. Band I: Zeichnungen und Texte 1954–1977. Hrsg. von Anselm Dreher. Darmstadt/Neuwied 1982
  • Zeichnungen und Schreiben II. Radierungen und Texte 1972–1982. Hrsg. von Anselm Dreher. Darmstadt/Neuwied 1984.
  • In Kupfer, auf Stein. Die Radierungen und Lithographien 1972–1986. Göttingen 1986.
  • Graphik und Plastik. Bearbeitet von Werner Timm. Regensburg 1987 (Ausstellungskatalog).
  • Hundert Zeichnungen 1955–1987. Ausstellungskatalog der Kunsthalle Kiel. Hrsg. von Jens Christian Jensen. Kiel 1987, ISBN 3-923701-23-3
  • Spiegelbilder. Farblithographie, 2006.
  • „O Susanna“. Ein Jazzbilderbuch. Blues, Balladen, Spirituals, Jazz. Bilder: Horst Geldmacher. Deutsche Texte: Günter Grass. Musikarbeit: Herman Wilson. Mit einem Nachwort von Joachim-Ernst Berendt. Köln und Berlin: Kiepenheuer & Witsch 1959.
  • mit Pavel Kohout: Briefe über die Grenze. Versuch eines Ost-West-Dialogs. 1968
  • Über das Selbstverständliche. Reden – Aufsätze – Offene Briefe – Kommentare. 1968.
  • Die Vogelscheuchen. Ballettlibretto (UA 1970)
  • Der Bürger und seine Stimme. Reden Aufsätze Kommentare. 1974.
  • Denkzettel. Politische Reden und Aufsätze 1965–1976. 1978.
  • Widerstand lernen. Politische Gegenreden 1980–1983. 1984.
  • Zunge zeigen. Ein Tagebuch in Zeichnungen. 1988.
  • Rede vom Verlust. Über den Niedergang der politischen Kultur im geeinten Deutschland. 1992.
  • Ein Schnäppchen namens DDR. Letzte Reden vorm Glockengeleut. 1993.
  • Ōe Kenzaburō: Gestern vor 50 Jahren. Ein deutsch-japanischer Briefwechsel. Steidl Verlag, Göttingen 1995, ISBN=3-88243-386-8.
  • Rede über den Standort. 1997.
  • Zeit, sich einzumischen. Die Kontroverse um Günter Grass und die Laudatio auf Yasar Kemal in der Paulskirche (1998)
  • Vom Abenteuer der Aufklärung. Werkstattgespräche mit Harro Zimmermann. 1999.
  • Günter Grass – Helen Wolff. Briefe 1959–1994. Steidl Verlag, Göttingen 2003, ISBN 3-88243-896-7.
  • Der Schatten. Hans Christian Andersens Märchen – gesehen von Günter Grass. Steidl Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-86521-050-3.
  • Uwe Johnson – Anna Grass – Günter Grass. Der Briefwechsel 1961–1984. 2007, ISBN 978-3-518-41935-9.
  • Martin Kölbel (Hrsg.): Willy Brandt und Günter Grass – Der Briefwechsel. Steidl Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-86930-610-0.
  • Günter Grass, Heinrich Detering: In letzter Zeit – Ein Gespräch im Herbst. Steidl Verlag, Göttingen 2017, ISBN 978-3-95829-293-2.
  • „Ich wohne nicht in stehenden Gewässern.“ Der politische Günter Grass. Herausgegeben von Klaus Wettig, Steidl Verlag, Göttingen 2018.[116]
  • Feder & Flöte. Geburtstagsständchen Willy Brandt. Dreizehn Gedichte wie StegreifKompositionen. Günter Grass spricht & Horst Geldmacher flötet. Schallplatte. Verlag NBB o. J. [1963]
  • Günter Grass: Es steht zur Wahl. Rede im Bundestagswahlkampf 1965. Schallplatte. Produktion Hermann Luchterhand Verlag o. J. [1965]
  • Günter Grass …liest, …in Bremen, …antwortet, …zur Person. CD-ROM. Redaktion Jörg-Dieter Kogel u. Kai Schlüter. Produktion Radio Bremen / Steidl Verlag 1998.
  • Günter Grass liest „Mein Jahrhundert“. 6 CD. Redaktion Jörg-Dieter Kogel u. Kai Schlüter. Produktion Radio Bremen / Steidl Verlag / Deutsche Grammophon, 1999.
  • Heinrich Böll, Günter Grass: Reden anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1972 und 1999. 2 CD. Redaktion Kai Schlüter. Produktion Radio Bremen/Deutsche Grammophon, 2000. Auch in: Freipass. Forum für Literatur, Bildende Kunst und Politik. Schriften der Günter und Ute Grass Stiftung Bd. 2. Berlin: Ch. Links Verlag 2016. 2 CD-Beilagen.
  • Günter Grass: „Als ich 32 Jahre alt war, wurde ich berühmt.“ Eine akustische Collage aus Originaltönen. Von Gabriele Intemann, Dorothee Schmitz-Köster u. Walter Weber. Produktion Radio Bremen/Der Audio Verlag, 2001.
  • Günter Grass, Günter „Baby“ Sommer: Mein Jahrhundert. Eine Text- und Toncollage. 2 CD. Redaktion Jörg-Dieter Kogel. Produktion Radio Bremen / Steidl Verlag, 2001.
  • Günter Grass liest „Im Krebsgang“. 9 CD. Produktion Der Hörverlag, 2002.
  • Günter Grass liest „Lyrische Beute“. 140 Gedichte aus fünfzig Jahren. 3 CD. Produktion Steidl Verlag, 2004.
  • Günter Grass, Helene Grass, Stephan Meier: Des Knaben Wunderhorn oder Die andere Wahrheit. Ein literarisch-musikalischer Abend. 2 CD. Produktion Steidl Verlag, 2004.
  • Günter Grass liest „Ein weites Feld“. 24 CD. Redaktion Jörg-Dieter Kogel, Kai Schlüter u. Harro Zimmermann. Produktion Radio Bremen / Steidl Verlag, 2006.
  • Günter Grass, Hermann Kant: „Ich mache Sie mitverantwortlich…“. Das Streitgespräch zur DDR-Vergangenheit am 21. März 2010 im Berliner Ensemble. Redaktion Kai Schlüter u. Ralph Schock. Produktion Saarländischer Rundfunk / Radio Bremen, 2010 (SR2 Edition No. 05).
  • Günter Grass liest „Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung“. 11 CD. Produktion NDR/Steidl Verlag, 2010.
  • Günter Grass liest „Der Butt“. 24 CD. Redaktion Jörg-Dieter Kogel u. Harro Zimmermann. Produktion Radio Bremen/Steidl Verlag 2011.
  • Günter Grass: „Ich klage an“. Die Cloppenburger Wahlkampfrede. 14. September 1965. Hg. v. Kai Schlüter. Produktion Radio Bremen/Ch. Links Verlag, 2011.
  • Günter Grass: Die Wut über den verlorenen Milchpfennig. Eine satirische Wahlkampfrede mit Musik. Hg. v. Kai Schlüter. Koproduktion Radio Bremen/NDR Kultur/Ch. Links Verlag 2017.
  • mit Martin Walser:
  • Katz und Maus. Spielfilm, BRD, 1967, 88 Min., Regie: Hansjürgen Pohland, u. a. mit Wolfgang Neuss als Pilenz
  • Mein Jahrhundert. Fernsehlesung. Günter Grass liest Mein Jahrhundert im Deutschen Theater Göttingen. Produktion Radio Bremen/3sat 1999.
  • Die Rättin. Fernsehfilm, Deutschland, 87 Min., Regie: Martin Buchhorn, Erstausstrahlung: ARD, 14. Oktober 1997, u. a. mit Matthias Habich als Markus Frank

Biografische Aspekte

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  • Margarethe Amelung: Fünf Grass’sche Jahreszeiten. Von dem Mädchen, das immer so leicht errötete. Herausgegeben von Manfred E. Berger. Langen Müller, München 2007, ISBN 978-3-7844-3123-9 (Erinnerungsband über fünf Jahreszeiten als Haustochter in der Familie Grass).
  • Kai Schlüter: Günter Grass im Visier – Die Stasi-Akte. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-567-6.
  • Kai Schlüter: Günter Grass auf Tour für Willy Brandt. Die legendäre Wahlkampfreise 1969. Ch. Links, Berlin 2011, ISBN 978-3-86153-647-5.
  • Kai Schlüter (Hrsg.): Günter Grass: Das Milch-Märchen. Frühe Werbearbeiten. Mit einer DVD von Radio Bremen. Berlin: Ch. Links Verlag 2013, ISBN 978-3-86153-739-7.
  • Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Günter Grass. In: text + kritik. Heft 1, 7. revidierte Auflage, edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, München 1997, ISBN 3-88377-564-9.
  • Gertrude Cepl-Kaufmann: Günter Grass, eine Analyse des Gesamtwerkes unter dem Aspekt von Literatur und Politik (= Skripten / Literaturwissenschaft, Band 18), Scriptor, Kronberg im Taunus 1975, ISBN 3-589-20061-8 (Dissertation Universität Düsseldorf, Philosophische Fakultät, 1972, 305 Seiten, 21 cm).
  • Heinrich Detering, Lisa Kunze und Katrin Wellnitz (Hrsg.): Günter Grass als Buchkünstler. Steidl, Göttingen 2022, ISBN 978-3-96999-117-6.
  • Volker Neuhaus, Anselm Weyer (Hrsg.): Küchenzettel. Essen und Trinken im Werk von Günter Grass. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-57072-2.
  • Katrin Wellnitz: Märchen als Roman. Inszenierung und Fortschreibung von Märchen und Sagen bei Günter Grass. Wallstein Verlag, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5519-4.
  • Anselm Weyer: Günter Grass und die Musik. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-55593-8.
  • Anselm Weyer, Volker Neuhaus: Von Katz und Maus und mea culpa: Religiöse Motive im Werk von Günter Grass. Peter Lang, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-631-62632-0.

Kultur- und Literaturbetrieb und Medien

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Dokumentarfilme

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  • In Abrahams Schoß – Günter Grass bereist den Jemen. Dokumentarfilm, 2002, 30 Min., Regie und Buch: Tim Lienhard, Produktion: Goethe-Institut InterNationes, Kommentar von Tim Lienhard.
  • Der Unbequeme: Günter Grass. Dokumentation, 2007, 60 Min., ein Film von Nadja Frenz und Sigrun Matthiesen, Produktion: Regina Ziegler Film GmbH, Kino-Start: 19. April 2007, Erstausstrahlung: ZDF, 14. Oktober 2007, Filmbesprechung von WN.
  • Günter Grass – Die Blechtrommel-Story. Dokumentarfilm, Deutschland, 2007, 45 Min., ein Film von Wilfried Hauke, Produktion: NDR, Inhaltsangabe (Memento vom 5. Januar 2013 im Webarchiv archive.today) von 3sat.
  • Göttingen feiert Günter Grass – Der Nobelpreisträger wird 80. Eine Geburtstagsrevue aus der Lokhalle Göttingen, Produktion: NDR, Erstsendung: 21. Oktober 2007, Inhaltsangabe vom NDR.
Commons: Günter Grass – Sammlung von Bildern und Audiodateien
Biografisches
Linksammlung

Einzelnachweise und Anmerkungen

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  1. Handschriftlich verwandte er immer die Form Graß, während alle seine Veröffentlichungen (schon vor der Rechtschreibreform) unter der Namensform Grass erfolgten.
  2. „Über 40 Länder hat der Weltreisende im Lauf seines Lebens besucht, an literarischen Spiegelungen dieser großen Touren sollte es später nicht fehlen“, heißt es bei Harro Zimmermann. (Zimmermann 2023, S. 654)
  3. Besichtigt werden kann das Haus mittlerweile als Geburtshaus von Güntera Grassa in der Ulica Lelewela 13.
  4. Zimmermann 2023, S. 37–41.
  5. Neuhaus 2012, S. 30 f. und 51 f.
  6. Jürgs 2015, S. 40.
  7. Zimmermann 2023, S. 41.
  8. Rüther 2022, S. 41.
  9. Grass Beim Häuten der Zwiebel 2006, S. 49 f.; Jürgs 2015, S. 46.
  10. Grass Beim Häuten der Zwiebel 2006, S. 76–85 und 92–95.
  11. Grass Beim Häuten der Zwiebel 2006, 81–95 und 126–164; Zimmermann 2023, S. 45 und 48–54.
  12. Neuhaus 2012, S. 75–80.
  13. Zimmermann 2023, S. 55 f.
  14. Jürgs 2015, S. 56.
  15. Neuhaus 2012, S. 82–85.
  16. Jürgs 2015, S. 56 f.
  17. Zimmermann 2023, S. 60 und 68 f.
  18. Jürgs 2015, S. 64–69.
  19. Zimmermann 2023, S. 79.
  20. Neuhaus 2012, S. 108–114.
  21. Neuhaus 2012, S. 117–119; Zimmermann 2023, S. 84 f.
  22. Neuhaus 2012, S. 122–125 und 129–131.
  23. Zimmermann 2023, S. 91 f.
  24. Grass Beim Häuten der Zwiebel 2006, S. 423–425 und 464 f.; Neuhaus 2012, S. 120 f. und 131.
  25. Grass Die Vorzüge der Windhühner 1956, S. 45 und 61; Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 27–30.
  26. Zimmermann 2023, S. 108 f.
  27. Grass Die Vorzüge der Windhühner 1956, S. 11.
  28. Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 117–134.
  29. Zimmermann 2023, S. 145 und 153 f.
  30. Zimmermann 2023, S. 159–219.
  31. Jürgs 2015, S. 107–109, 113–121 und 135 f.
  32. Neuhaus 2012, S. 164–168; Zimmermann 2023, S. 222–229 .
  33. Jürgs 2015, S. 119 f. und 138.
  34. Grass Beim Häuten der Zwiebel 2006, S. 380.
  35. Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 49.
  36. Jürgs 2015, S. 167 f.
  37. Zimmermann 2023, S. 256 f. und 305–310; Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 161–169.
  38. Zimmermann 2023, S. 313 f., 316 f. und 327–330.
  39. Rüther 2022, S. 114–118.
  40. Jürgs 2015, S. 236–238 und 242 f.; Grass, Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), S. 190 in der Rowohlt-Ausgabe 1974; laut Neuhaus 2012, S. 222 f., sprach Grass im Rahmen des von Erdmann Linde zusammengestellten Tourgesamtprogramms auf 190 Veranstaltungen.
  41. Zimmermann 2023, S. 475 und 492.
  42. Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 213–219.
  43. Grass, Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), S. 8 in der Rowohlt-Ausgabe 1974.
  44. Grass, Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), S. 73 und S. 100 in der Rowohlt-Ausgabe 1974.
  45. Grass, Aus dem Tagebuch einer Schnecke (1972), S. 186 und S. 191 in der Rowohlt-Ausgabe 1974.
  46. Zimmermann 2023, S. 499 f., 513 und 525 f.
  47. Jürgs 2015, S. 298–300 und 305 f.
  48. Neuhaus 2012, S. 285 und 293–296.
  49. Rüther 2022, S. 179 f.; Zimmermann 2023, S. 528–530.
  50. Rüther 2022, S. 207–214 und 217–223.
  51. Rüther 2022, S. 224–229.
  52. Neuhaus 2012, S. 306.
  53. Jürgs 2015, S. 337.
  54. Zimmermann 2023, S. 614–616.
  55. Rüther 2022, S. 237–242; Zimmermann 2023, S. 640 f.
  56. Rüther 2022, S. 245–249.
  57. Rüther 2022, S. 248 und 255 f.
  58. Zimmermann 2023, S. 663.
  59. Zimmermann 2023, S. 678–683.
  60. Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 311.
  61. Jürgs 2015, S. 409–411 und 416.
  62. Pressemitteilung der Schwedischen Akademie vom 30. September 1999
  63. Günter Grass: Nobelvorlesung vom 7. Dezember 1999
  64. Rüther 2022, S. 309 f.
  65. Zimmermann 2023, S. 800–802.
  66. Zimmermann 2023, S. 810–814.
  67. Rüther 2022, S. 324–327.
  68. Zimmermann 2023, S. 821–830.
  69. Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 108.
  70. Günter Grass: Vonne Endlichkait. Göttingen 2015, S. 79–90 und 172 f.; Rüther 2022, S. 335 f.
  71. Günter Grass: Vonne Endlichkait. Göttingen 2015, S. 80.
  72. Zimmermann 2023, S. 837 und 841 f.
  73. Trauerbeflaggung für Günter Grass. Lübecker Nachrichten, 9. Mai 2015, S. 18.
  74. Beisetzung im engsten Familienkreis. In: Stuttgarter Zeitung, 29. April 2015.
  75. Zimmermann 2023, S. 838.
  76. Zimmermann 2023, S. 17.
  77. Neuhaus 2012, S. 21.
  78. Wellnitz 2023, S. 525.
  79. Rüther 2022, S. 339.
  80. Zimmermann 2023, S. 19 und S. 808.
  81. Neuhaus 2012, S. 135, nennt unter den anderen Werken explizit den Butt, Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus, Zunge zeigen, Die Rättin, Totes Holz und Im Krebsgang.
  82. Rüther 2022, S. 126 und 137 f.
  83. Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 389 f.
  84. Jürgs 2015, S. 119 f.
  85. Eine so ausgeprägte Doppelbegabung wie bei Grass sei selten, vergleichbar zu finden am ehesten bei William Blake und Jean Cocteau. (Rüther 2022, S. 226 f.)
  86. Zunächst schrieb Grass jeden Text mit der Hand, zumeist in unlinierte Blindbände; alle anschließenden Fassungen tippte er – ebenfalls am Stehpult – in seine Olivetti-Schreibmaschine. Korrekturen nahm er handschriftlich vor, wobei die Texte beim Sprechen gewogen wurden. (Stolz, 3. aktualisierte und erweiterte Neuausgabe 2023, S. 409)
  87. Jürgs 2015, S. 124 und 393.
  88. Zitiert nach Zimmermann 2023, S. 93.
  89. Zitiert nach Zimmermann 2023, S. 94 f.
  90. Siegfried Mews: Günter Grass and his critics. From „The tin drum“ to „Crabwalk“. Rochester 2008, S. 77–81.
  91. Rüther 2022, S. 11 f.
  92. Dem Langzeitverhältnis zwischen Grass und Reich-Ranicki hat Volker Weidermann ein ganzes Buch gewidmet: Das Duell. Die Geschichte von Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki, Köln 2019.
  93. Jürgs 2015, S. 8, 318 f., 440.
  94. Rüther 2022, S. 328 f.
  95. Zimmermann 2023, S. 26–28, 823 f.
  96. Jürgs 2015, S. 293.
  97. Neuhaus 2012, S. 85 f.
  98. Hauptbezugspunkt des Romans ist die Entwicklung der Beziehung zu Veronika Schröter, der Mutter von Helene Grass; Hinweise enthalten sind aber auch auf Ingrid Krüger, die Mutter von Nele, und auf Ute Grunert, die er nach dem Erscheinen des Butt und nach der Scheidung von Anna Grass heiraten wird.
  99. Zitiert nach Jürgs 2015, S. 307 f.
  100. Jürgs 2015, S. 397.
  101. Jürgs 2015, S. 361 und 412 f.
  102. Neuhaus 2012, S. 379–384.
  103. Jürgs 2015, S. 422.
  104. Der Grass-Nachlass im Archiv der Berliner Akademie der Künste enthält Hinweise zum Umfang der Geldzuwendungen, die beispielsweise Hans Joachim Schädlich, Walter Höllerer und Uwe Johnson von ihm erhalten haben. (Zimmermann 2023, S. 379)
  105. Zimmermann 2023, S. 743 und 769.
  106. Neuhaus 2012, S. 459.
  107. Lübecker Nachrichten. 8. Oktober 2014, S. 3.
  108. L'Albo d'Oro dei vincitori - La storia del premio - Premio letterario internazionale Mondello. Abgerufen am 20. Juni 2024 (italienisch).
  109. Weinpreis für die "Kopfgeburten". (PDF) Abgerufen am 11. März 2023.
  110. Günter Grass Ehrendoktor der Universität zu Lübeck: Universität zu Lübeck. Abgerufen am 11. März 2023.
  111. Preisträger 2005. In: Internationaler Eckart Witzigmann Preis. Abgerufen am 19. Dezember 2017.
  112. "Der Europäer des Jahres". Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. März 2013; abgerufen am 11. März 2023.
  113. Ehrung „Meilenstein“. Abgerufen am 11. März 2023.
  114. Danzig würdigt Grass. Deutsche Welle, 17. Oktober 2015, abgerufen am 11. März 2023.
  115. Rezension bei literaturkritik.de
  116. Rezension bei literaturkritik.de
  117. Eine Lange Nacht über Günter Grass – Wörter auf Abruf. In: Deutschlandfunk Kultur. Abgerufen am 25. Juli 2022.