Günter Lenz (Musiker)

Günter Lenz (* 25. Juli 1938 in Frankfurt am Main; † 26. Juni 2026[1][2]) war ein deutscher Jazzmusiker (Kontrabass, Komposition).
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lenz lernte zunächst, unterstützt von Carlo Bohländer, Gitarre und spielte seit Mitte der 1950er Jahre Jazz in den Clubs der US-Armee. Während des Wehrdienstes 1959/1960 wechselte er zum Kontrabass. Albert Mangelsdorff holte sich den Newcomer am Bass als Nachfolger von Peter Trunk, der sein Cousin war, in sein 1961 neu formiertes Albert Mangelsdorff Quintett. Lenz war seit dieser Zeit Mitglied des hr-Jazzensemble, für das er auch arrangierte und komponierte. 1965 arbeitete er auch im Quintett von Krzysztof Komeda.[3] 1968 spielte er mit Joachim Kühn und Aldo Romano in der Band von Barney Wilen; auf den Berliner Jazztagen 1970 trat er auch mit dem Sextett von George Russell und mit der Band von Leon Thomas auf. 1972 stieg Günter Lenz bei Mangelsdorff aus, um bei Kurt Edelhagen zu spielen. Das erlaubte ihm ein Jahr lang, Big-Band-Erfahrungen zu sammeln und sich in das Arrangieren für Jazzgruppen hineinzudenken.
Nach Auflösung der Edelhagen-Band 1973 zog er nach München, wo die vormaligen Edelhagen-Arrangeure Peter Herbolzheimer, Dieter Reith und Jerry van Rooyen sehr gefragt waren und eine Rhythmusgruppe für Studioarbeit aufbauten. Amerikanische Jazzmusiker schätzten die Zusammenarbeit mit ihm; Chet Baker, Coleman Hawkins, Oliver Nelson und Benny Bailey engagierten ihn für ihre Konzerttourneen und Schallplattenproduktionen, aber auch deutsche Musiker wie Eugen Cicero, Horst Jankowski oder Volker Kriegel. Mitte der 1970er bildete er zusammen mit Peter Giger und Eddy Marron ein Fusion-Trio und spielte auch in der Rhythmusgruppe von Clarinet Contrast sowie im Quintett von Manfred Schoof. Mit den 1971 aus der Mangelsdorff-Band ausscheidenden Kollegen Günter Kronberg und Ralf Hübner, sowie dem Pianisten Bob Degen und dem Saxophonisten Heinz Sauer spielte er zur gleichen Zeit in der Gruppe Voices. Zudem gründete er seine Gruppe Springtime (zunächst mit Trompeter Johannes Faber, den Saxophonisten Frank St. Peter und Leszek Zadlo, Bob Degen und Schlagzeuger Joe Nay), mit der er zweimal den Deutschen Schallplattenpreis errang. Mit Charly Antolini und Dirk Raufeisen spielte er ebenso im Trio wie mit Patrick Bebelaar und Herbert Joos. Außerdem trat er mit dem Südpool-Ensemble um Joos und Bernd Konrad auf. 2014 fand seine letzte Aufnahmesession statt, als er mit Patrick Bebelaar, Pierre Favre und Frank Kroll das Album Studio Konzert (Neuklang) einspielte.
Lenz schuf auch Orchesterarrangements für Plácido Domingo, die Tänzerin Nina Corti, die Radio Philharmonie des NDR sowie die Bigbands von HR und NDR. Er lehrte von 2001 bis 2006 Bass als Professor an der Musikhochschule Stuttgart und wurde 2004 mit dem Hessischen Jazzpreis als „vielseitige Musikerpersönlichkeit“ geehrt.[4] Die Waldi Heidepriem Stiftung zeichnete ihn im Jahr 2000 mit einem der höchstdotierten Preise der Branche als besten deutschen Jazzmusiker aus.
Ende Juni 2026 starb er im Alter von 87 Jahren.
Diskographische Hinweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- The German All Stars: In Südamerika (CBS 1969, with Ack van Rooyen, Manfred Schoof, Albert Mangelsdorff, Rudi Fuesers, Rolf Kühn, Emil Mangelsdorff, Gerd Dudek, Heinz Sauer, Wolfgang Dauner, Ralf Hübner, Willi Johanns)
- Springtime: Roaring Plenties (L+R Records, 1980)
- Springtime: Majorleague (L+R Records, 1992)
- Springtime: Strict Minimum (JazzWerkstatt 2007, mit Claus Stötter, Gebhard Ullmann, Ernst-Ludwig Petrowsky, Dieter Glawischnig, Billy Elgart)[5]
- Beebelaar, Joos, Lenz: Book of Family Affairs (HGBS, 2013)
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- U. Andis: Günter Lenz’s Springtime. In: Jazz Podium, 1991, 40/10, S. 40.
- Jürgen Arndt: Kontra-Bass-Perspektiven im Jazz zwischen Frankfurt und Freiburg: Peter Trunk, Günter Lenz, Eberhard Weber, Thomas Stabenow, Dieter Ilg. Olms Verlag, 2017, ISBN 978-3-487-15594-4.
- Carlo Bohländer, Karl Heinz Holler, Christian Pfarr: Reclam’s Jazzführer, 3. Auflage, Reclam, Stuttgart 1989, S. 206.
- Ulfert Goeman: Der Bassist und Komponist Günter Lenz wurde siebzig. In: Jazz Podium, 11/2008, S. 39–41.
- Günther Huesmann, Barry Kernfeld: Günter Lenz. Grove Music Online.
- Martin Kunzler: Jazz-Lexikon. Band 1: A–L. 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2004, ISBN 3-499-16512-0 (= rororo-Sachbuch, Band 16512).
- Wolfgang Sandner (Hrsg.): Jazz in Frankfurt. Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. 1990, ISBN 3-7973-0480-3
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Frank Schindelbeck: Günter Lenz 1938–2026. In: jazzpages.de. 28. Juni 2026, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ Martin Laurentius: RIP: Günter Lenz. In: Jazz thing. 30. Juni 2026, abgerufen am 30. Juni 2026.
- ↑ Bassist Günter Lenz erinnert sich an die Aufnahmen von Astigmatic. In: JazzPages. 24. Februar 2017, abgerufen am 29. Juni 2026.
- ↑ Bassist Günter Lenz erhält den Landes-Jazzpreis 2004. ( vom 12. Mai 2021 im Internet Archive) In: FAZ, 25. März 2004.
- ↑ Günter Lenz Springtime: Strict Minimum. In: All About Jazz. 12. Juli 2007, abgerufen am 9. Oktober 2020 (italienisch).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lenz, Günter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jazz-Bassist |
| GEBURTSDATUM | 25. Juli 1938 |
| GEBURTSORT | Frankfurt am Main |
| STERBEDATUM | 26. Juni 2026 |