Günter Wagner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Günter Wagner (* 28. September 1908 in Berlin; † 21. August 1952) war ein deutscher Anthropologe und Afrikanist.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem 1926 begonnenen Studium in Freiburg, Hamburg und bei Franz Boas an der Columbia University in New York unternahm Wagner zunächst eine Studienreise zur Erforschung des Peyote-Kults. 1932 promovierte er am Seminar für Afrikanische Sprachen und Kulturen an der Universität Hamburg. Nach Aufenthalten an der University of Chicago und der University of California, Berkeley war er von 1933 bis 1939 Rockefeller- und Research Fellow. In dieser Zeit war er zu einem Feldforschungsaufenthalt im Westen der britischen Kolonie Kenia. Seine Forschungen für das International African Institute (London) unter der Luhya-Gruppe der Bukusu veröffentlichte er nach dem Krieg in einer zweibändigen Monographie.[1]

1940 habilitierte Wagner sich bei Richard Thurnwald an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Anschließend war er als Dozent für Völkerkunde in Tübingen und für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda tätig[2] und nahm am Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion, in Griechenland und Italien teil.[3]

Nach dem Ende des Krieges gelang es Wagner nicht, eine neue Anstellung in Deutschland zu finden;[2] er fertigte wissenschaftliche Arbeiten und Übersetzungen an. 1950 reiste er nach Südwestafrika aus und wurde dort Assistant Government Ethnologist für das Department of Native Affairs. Während einer Feldstudie bei den Herero starb Wagner an den Folgen einer Venen- und Lungenentzündung.

Wagners gesammeltes Material aus seinen Feldforschungen befindet sich heute am Seminar für Afrikanische Sprachen und Kulturen der Universität Hamburg.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Entwicklung und Verbreitung des Peyote-Kultes. Dissertation. In: Baessler-Archiv. Beiträge zur Völkerkunde. 15, 1932, S. 59–144.
  • The changing family among the Bantu Kavirondo. Supplement to Africa Volume XII, N° 1. Oxford University Press, London 1939.
  • The political organization of the Bantu of Kavirondo. In: Meyer Fortes, Edward E. Evans-Pritchard (Hrsg.): African Political Systems. Oxford 1940.
  • The Bantu of North Kavirondo. 2 Bände. Oxford 1949–1956.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Mischek: Leben und Werk Günter Wagners (1908–1952). Gehren 2002 (Veröffentlichungen des Instituts für Ethnologie der Universität Leipzig, Reihe Fachgeschichte, Band 2).
  • Jan J. de Wolf: Bukusu Tales. Collected by research assistants of Günter Wagner (1908–1952) ca. 1936 (= Beiträge zur Afrikanistik. Band 5). 1995, ISBN 3-8258-2399-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Bantu of North Kavirondo. 2 Bände. Oxford 1949–1956.
  2. a b Martin Rössler: Die deutschsprachige Ethnologie bis ca. 1960: Ein Abriss. (Memento des Originals vom 10. Juni 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/kups.ub.uni-koeln.de Kölner Arbeitspapiere zur Ethnologie No. 1. S. 26.
  3. Richard Thurnwald: Nachruf auf Günter Wagner. In: Sociologus. 2, 1952, S. 81.