Günther Heydemann

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Günther Heydemann (* 14. März 1950 in Burghausen) ist ein deutscher Historiker. Er war von 1993 bis 2016 Professor für Neuere und Zeitgeschichte an der Universität Leipzig und von 2009 bis 2016 Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Günther Heydemann leistete nach dem Abitur 1969 in Forchheim Wehrdienst bei der Gebirgsjägertruppe der Bundeswehr. Von 1970 bis 1976 studierte er Geschichte, Germanistik, Sozialkunde und Italienisch an den Universitäten in Erlangen-Nürnberg, Bonn, Pisa und Florenz und legte 1976 an der FAU Erlangen-Nürnberg das Staatsexamen für das Höhere Lehramt ab. Während seines Studiums wurde er Mitglied der Burschenschaft der Bubenreuther Erlangen.[1] Zwischen 1977 und 1982 arbeitete er zunächst am dortigen Institut für Gesellschaft und Wissenschaft als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und nach seiner Promotion mit summa cum laude (1979; seine Lehrer waren Hubert Rumpel und Karl-Heinz Ruffmann) als Assistent an der FAU Erlangen-Nürnberg.

Abschließend war Heydemann als Akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Adolf M. Birke) an der Universität Bayreuth tätig, bis er im Jahr 1985 an das Deutsche Historische Institut London (DHIL) wechselte. Dort war er bis 1992 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Während dieser Zeit habilitierte Heydemann sich 1991 an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät in Bayreuth. Anschließend übernahm er Lehrstuhlvertretungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Gerhard A. Ritter) sowie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn (Klaus Hildebrand) und arbeitete als Abteilungsleiter in der Außenstelle Potsdam zur Erforschung der Geschichte der SBZ/DDR des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ). Im Jahr 1993 nahm Heydemann schließlich einen Ruf auf die Professur für Neuere und Zeitgeschichte am Historischen Seminar der Universität Leipzig an; seit 2016 ist er emeritiert. Zudem wurde er im Juli 2009 zum Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung (HAIT) in Dresden berufen. Am 30. September 2016 endete diese Tätigkeit. Er ist Vertrauensdozent der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Seine Forschungsschwerpunkte sind DDR-Geschichte, Diktaturenvergleich und Italienische Geschichte.

Heydemann ist Mitglied des Fachbeirats Wissenschaft der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Deutschlandforschung, Mitglied der Wissenschaftlichen Beiräte des Deutschen Historischen Museums, des Instituts für Zeitgeschichte und der Stiftung Ettersberg, Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft, Mitglied der Wissenschaftlichen Auswahlkommission "Pro Niedersachsen", Kuratoriumsmitglied der Horst-Springer-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied der Gestaltungskommission für den Dresdner Revolutionsweg 1989/90. Außerdem ist er Herausgeber der Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie und Mitherausgeber von Processi Storici e Politiche di Pace.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien
  • Geschichtswissenschaft im geteilten Deutschland. Entwicklungsgeschichte, Organisationsstruktur, Funktionen, Theorie- und Methodenprobleme in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR (= Erlanger historische Studien. Bd. 6). Lang, Frankfurt am Main u.a. 1980, ISBN 3-8204-6179-5.
  • Carl Ludwig Sand. Die Tat als Attentat (= Oberfränkische Köpfe). Oberfränkische Verlagsanstalt, Hof 1985, ISBN 3-921615-66-6.
  • Konstitution gegen Revolution. Die britische Deutschland- und Italienpolitik 1815–1848 (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. Bd. 36). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen u.a. 1995, ISBN 3-525-36321-4.
  • Die Innenpolitik der DDR (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte. Bd. 66). Oldenbourg, München 2003, ISBN 3-486-55770-X.
Herausgeberschaften
  • mit Alexander Fischer: Geschichtswissenschaft in der DDR (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung. Bd. 25). 2 Bände, Duncker und Humblot, Berlin 1988/90, ISBN 3-428-06560-3.
  • Bd. I: Historische Entwicklung, Theoriediskussion und Geschichtsdidaktik
  • Bd. II: Vor- und Frühgeschichte bis neueste Geschichte
  • mit Adolf M. Birke: Die Herausforderung des europäischen Staatensystems. Nationale Ideologie und staatliches Interesse zwischen Restauration und Imperialismus (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London. Bd. 23). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen u.a. 1989, ISBN 3-525-36308-7.
  • mit Lothar Kettenacker: Kirchen in der Diktatur. Drittes Reich und SED-Staat. Fünfzehn Beiträge (= Sammlung Vandenhoeck). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1993, ISBN 3-525-01351-5.
  • mit Alexander Fischer: Die politische "Wende" 1989/90 in Sachsen. Rückblick und Zwischenbilanz (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Bd. 1). Böhlau, weimar u.a. 1995, ISBN 3-412-07995-2.
  • mit Eckhard Jesse: Diktaturvergleich als Herausforderung. Theorie und Praxis (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung. Bd. 65). Duncker und Humblot, Berlin 1998, ISBN 3-428-09715-7.
  • mit Gunther Mai und Werner Müller: Revolution und Transformation 1989/90 in der DDR (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung. Bd. 73). Duncker und Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-10003-4.
  • mit Eckart Klein: Staatsräson in Deutschland (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung. Bd. 78). Duncker und Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11133-8.
  • mit Heinrich Oberreuter: Diktaturen in Deutschland - Vergleichsaspekte (= Schriftenreihe. Bd. 398). Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2003, ISBN 3-89331-482-2.
  • mit Eckhard Jesse: 15 Jahre deutsche Einheit. Deutsch-deutsche Begegnungen, deutsch-deutsche Beziehungen (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Deutschlandforschung. Bd. 89). Duncker und Humblot, Berlin 2006, ISBN 3-428-12130-9.
  • mit Francesca Weil: Zuerst wurde der Parteisekretär begrüßt, dann der Rektor…. Zeitzeugenberichte von Angehörigen der Universität Leipzig (1945–1990) (= Beiträge zur Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Reihe B, Bd. 16). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009, ISBN 978-3-374-02705-7.
  • mit Karel Vodička: Vom Ostblock zur EU. Systemtransformationen 1990–2012 im Vergleich [mit 17 Tabellen] (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Bd. 49). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, ISBN 978-3-525-36960-9.
  • mit Jan Erik Schulte und Francesca Weil: Sachsen und der Nationalsozialismus [mit 5 Tabellen] (= Schriften des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Bd. 53). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-647-36964-8.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Robert Adam: Die Darstellung der Jenaer Urburschenschaft in der deutschen Geschichtswissenschaft von 1949 bis 1989/90 (PDF; 384 kB), S. 51.
  2. Preisträgerinnen und Preisträger des Wolf-Erich-Kellner-Preises. Wolf-Erich-Kellner-Gedächnisstiftung; abgerufen am 9. Dezember 2017.