Günther Lachmann

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Günter Lachmann (2015)

Günther Lachmann (* 11. März 1961 in Papenburg) ist ein deutscher Journalist, Autor und im Bereich strategische Kommunikation für die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag tätig sowie Medienberater des AfD Landesvorsitzenden Björn Höcke[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lachmann studierte Volkswirtschaftslehre in Münster. Laut Piper Verlag lebte er zu Zeiten seiner Beschäftigung bei der Welt in Berlin.[2]

Journalistischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lachmann war u. a. Politik-Redakteur bei Bild und ab 2001 Leiter der Seite drei (Politik) bzw. stellvertretender Leiter[3] der Parlamentsredaktion der Welt am Sonntag.[4] Er arbeitet als gelegentlicher Kolumnist für Deutschlandradio Kultur und MDR Kultur.[5]

Bis zu seiner Entlassung im Februar 2016 war er Chefreporter bei Welt Online und der Welt-Gruppe. Er war dort unter anderem für die Berichterstattung über die Partei Alternative für Deutschland (AfD) zuständig. Stefan Aust begründete Lachmanns Entlassung mit „unredlichem Verhalten“. Die Junge Freiheit hatte kurz zuvor E-Mails von Lachmann an den Pressesprecher Marcus Pretzells veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, dass Lachmann ein Konzept für eine Neuausrichtung der AfD geschrieben habe.[6][7][8] Marcus Pretzell, seinerzeit AfD-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, vermutet außerdem, Lachmann habe besonders kritisch über die AfD berichtet, nachdem die Vorsitzende Frauke Petry – Pretzells damalige Lebensgefährtin – Lachmanns Angebot, als Honorarberater für sie zu arbeiten, abgelehnt hatte.[9]

Lachmann bestritt die Vorwürfe umgehend. Der frühere AfD-Vorsitzende Bernd Lucke versicherte an Eides statt, dass Lachmann sich, anders als von Pretzell behauptet, während seiner Zeit als AfD-Chef niemals in irgendeiner Weise angeboten hätte.

In einem Arbeitsgerichtsverfahren musste die Welt die fristlose Kündigung zurücknehmen. Beide Seiten einigten sich auf eine einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses zum Juni 2016.[10] Eine dreimonatige interne Untersuchung bei der Welt gegen Lachmann, die belegen sollte, dass dieser seine journalistische Unabhängigkeit gegenüber der AfD aufgegeben habe, fand für diesen Vorwurf keinerlei Belege. Im Gegenteil heißt es im Abschlussbericht, dass Lachmann „keineswegs unkritisch über die AfD berichtet hat“.[11]

Tätigkeit nach Ende seiner journalistischen Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2016 wurde bekannt, dass Lachmann die Thüringer AfD-Fraktion, deren Vorsitzender Björn Höcke ist, in Fragen der strategischen Kommunikation berät.[12] Im September 2019 unterbrach er ein Interview von Höcke mit dem ZDF mit der Begründung, Höcke habe sich nicht ausreichend auf die Fragen vorbereiten können und sei dadurch zu stark emotionalisiert worden. Seine Bitte, das Interview neu zu beginnen, lehnte der ZDF-Redakteur unter Berufung auf die Pressefreiheit ab.[13]

Publizistik und Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privater Blog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lachmann ist Herausgeber der Internetplattform Geolitico.[14] Laut ihrer Selbstbezeichnung versteht sich die Plattform als ein „Magazin für politische Kultur“ und beschäftigt sich vornehmlich mit den „gesellschaftlichen und kulturellen Folgen einer Finanzmarkt dominierten [sic!] globalisierten Weltwirtschaft und der Krise der Demokratie“.[15]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem 2005 erschienenen Buch Tödliche Toleranz sprach Lachmann sich für eine „kritische Toleranz“ gegenüber dem Islam aus und forderte unter anderem, Predigten in Moscheen nur noch auf Deutsch abzuhalten und Sozialwohnungen, um Gettobildung zu vermeiden, nach Aspekten eines „guten Mischungsverhältnisses“ zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu vergeben.[16] Einer Rezension der Süddeutschen Zeitung zufolge entwarf er in einer sowohl „buchhalterischen“ als auch „eindringlichen“ Darstellung das Szenario einer „terroristischen Tötungsmacht“, die sich liberale Gesellschaften untertan machen wolle. Die Integration von „Gastarbeitern“ sei in Deutschland gescheitert; aus ihnen sei eine ausgegrenzte, fanatisierte Generation von Migranten entstanden.[17][18]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien
Beiträge
  • Dem Bürger ist seine Wut geblieben. In: Simona Appenzeller, Felix Flemming, Lena Küpper (Hrsg.): Bürgerproteste im Spannungsfeld von Politik und Medien. Beiträge zur 7. Fachtagung des DFPK (= Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation. Bd. 2). Frank & Timme, Berlin 2012, ISBN 978-3-86596-402-1, S. 31 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Günther Lachmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das ZDF und Björn Höcke: der richtige Umgang?, von Nils Altland & Inga Mathwig, Zapp 18. September 2019
  2. Über Günther Lachmann. Piper Verlag, abgerufen am 17. September 2019.
  3. Günther Lachmann: Tödliche Toleranz. Die Muslime und unsere offene Gesellschaft. München 2005, S. 306.
  4. Personalien. In: Der Tagesspiegel, Nr. 17409, 16. Mai 2001, S. 31.
  5. Simona Appenzeller, Felix Flemming, Lena Küpper (Hrsg.): Bürgerproteste im Spannungsfeld von Politik und Medien. Beiträge zur 7. Fachtagung des DFPK (= Düsseldorfer Forum Politische Kommunikation. Bd. 2). Frank & Timme, Berlin 2012, ISBN 978-3-86596-402-1, S. 277.
  6. „Welt“ trennt sich von AfD-Berichterstatter. In: Junge Freiheit. 13. Februar 2016, abgerufen am 14. Februar 2016.
  7. "Die Welt" entlässt Journalisten wegen Beratungsangebot an AfD. In: Zeit Online. 13. Februar 2016, abgerufen am 14. Februar 2016.
  8. Christian Stöcker: Käuflichkeits-Vorwürfe der AfD: Stefan Aust verkündet Rauswurf von "Welt"-Journalist. In: Spiegel Online. 13. Februar 2016, abgerufen am 14. Februar 2016.
  9. Justus Bender: AfD – Höckes neuer Sprecher ist selbst aus den „Altmedien“. In: faz.net, 1. August 2016, abgerufen am 14. Oktober 2017
  10. "Welt" schafft Streit mit gekündigtem Reporter aus der Welt. Abgerufen am 18. Dezember 2016.
  11. Er hat sich stets bemüht, auch AfD-kritisch zu sein. In: Übermedien. 13. Juli 2016, abgerufen am 18. Dezember 2016.
  12. Nach Rauswurf bei Springer: Ex-Welt-Redakteur Günther Lachmann arbeitet jetzt für AfD-Mann Björn Höcke. In: Meedia 1. August 2016
  13. Von wegen “massive Konsequenzen” – wie das abgebrochene ZDF-Interview mit AfD-Mann Björn Höcke instrumentalisiert wird. Abgerufen am 17. September 2019.
  14. Die „Welt“ entlässt Redakteur, der für die AfD ein „Manifest“ skizzierte. 13. Februar 2016, abgerufen am 25. Dezember 2018.
  15. Über Geolitico. Abgerufen am 25. Dezember 2018.
  16. Europistan. Günther Lachmann geißelt die "tödliche Toleranz" gegenüber moslemischen Fundamentalisten. In: Rezensionsforum literaturkritik.de. August 2005, abgerufen am 17. Dezember 2012.
  17. Von Autos bis multikulturelle Gesellschaft. Sachbuch-Presseschau vom 28. Februar 2005. In: Die Berliner Literaturkritik. 28. Februar 2005, abgerufen am 18. Dezember 2012.
  18. Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Günther Lachmann bei perlentaucher.de, abgerufen am 18. Dezember 2012