GAIA-X

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

GAIA-X ist ein Projekt zum Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen, sicheren und vertrauenswürdigen Dateninfrastruktur für Europa, das von Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung aus Deutschland und Frankreich, gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern getragen wird.[1][2] Der Name des Projektes leitet sich von einer der ersten aus dem Chaos entstandenen griechischen Gottheiten Gaia ab, die in der Mythologie als personifizierte Erde für die Gebärerin steht.[3] Der breiten Öffentlichkeit wurde das Projekt beim Digital-Gipfel 2019 in Dortmund vorgestellt und wird seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel ist die Gestaltung der nächsten Generation einer Dateninfrastruktur aus Europa. Gemeinsame Anforderungen an eine europäische Dateninfrastruktur sollen entwickelt werden. Vor diesem Hintergrund sind Offenheit, Transparenz und europäische Anschlussfähigkeit nach Aussage des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zentral für GAIA-X. Vertreter und Vertreterinnen aus mehreren europäischen Ländern beteiligen sich aktiv am Projektgeschehen. Das digitale Ökosystem soll dafür sorgen, dass Unternehmen und Geschäftsmodelle aus Europa heraus wettbewerbsfähig sein können. Durch die Umsetzung von GAIA-X soll kein Konkurrenzprodukt zu bereits existierenden Angeboten (zum Beispiel von Hyperscalern) geschaffen werden. Durch GAIA-X sollen verschiedene Elemente über offene Schnittstellen und Standards miteinander vernetzt werden, um Daten zu verknüpfen und eine Innovationsplattform zu schaffen.[4][5][6][7]

Lösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Projektziele sollen laut eigener Projektaussage durch Vernetzung vorhandener zentraler und dezentraler Infrastrukturen zu einem System erreicht werden, die gemeinsam ein „digitales Ökosystem“ bilden. Merkmale dieses Ökosystems sind

GAIA-X soll aus Daten- und Infrastrukturperspektive folgende Mehrwerte bieten:[11]

  • Es soll eine souveräne Entscheidung über datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglicht werden.
  • Es soll innovative branchenübergreifende Kooperationen unterstützen, um den Wert von Daten zu aggregieren und zu steigern.
  • Faire und transparente Geschäftsmodelle sollen gefördert werden, indem Regeln und Standards für kooperative Ansätze, einschließlich der rechtskonformen Nutzung von Daten, bereitgestellt werden.
  • Gemeinsame Modelle und Regeln der Datenmonetarisierung sollen die Komplexität und die Kosten der Kommerzialisierung von Daten reduzieren.
  • Die branchenübergreifende Zusammenarbeit zur Schaffung föderaler, interoperabler Services soll ermöglicht werden.
  • Der Zugriff auf sichere, vertrauenswürdige und moderne IT-Infrastrukturen (Automatisierte Services und API gesteuerte Infrastrukturen), welche die Produktivität in der Software-Entwicklung steigern, soll erleichtert werden.
  • Der Verlust von Unternehmensdaten durch Erkennung und Erhaltung von Schutzklassen und Regelungen zur Vertraulichkeit beim Austausch von Daten soll deutlich reduziert werden.

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die GAIA-X Projektziele zu erreichen, wurde im Juni 2020 verkündet, dass eine internationale Non-Profit-Organisation mit Sitz in Brüssel gegründet wird. Die GAIA-X Association soll in Form einer Internationalen Vereinigung ohne Gewinnerzielungsabsicht nach belgischem Recht (frz. association internationale sans but lucratif, kurz: AISBL) mit Sitz in Brüssel gegründet werden. Die Rechtsform unterstreicht die europäische und internationale Perspektive von GAIA-X. Zu den Gründungsmitgliedern gehören auf der deutschen Seite Beckhoff Automation, BMW, Robert Bosch, DE-CIX, die Deutsche Telekom, German Edge Cloud, PlusServer, SAP und Siemens. Außerdem sind die Fraunhofer-Gesellschaft, die International Data Spaces Association und die europäische Cloudanbietervereinigung Cispe, Mitgründer der GAIA-X-Entität. Auf französischer Seite sind Amadeus, Atos, Docaposte, EDF – Électricité de France, IMT – Institut Mines-Télécom, Orange, Outscale, OVHcloud, Safran und Scaleway mit dabei. Zudem soll die Entwicklung der notwendigen Komponenten vorangetrieben werden.[12][13] Im Dezember 2020 sorgte die Ankündigung, auch große US-basierte Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Amazon in die Entwicklung einzubeziehen, für datenschutzrechtliche Bedenken.[14] Ebenfalls im Dezember 2020 überraschte das auf Big-Data-Analysen spezialisierte US-Unternehmen Palantir mit der bis dahin nicht bekannt gewordenen Information, dass es sich "von Tag Eins an" dem europäischen Cloud-Projekt Gaia-X als Mitglied angeschlossen habe. Palantir, das vor rund 17 Jahren unter anderem mit Geld des CIA-Wagniskapitalarm In-Q-Tel loslegte, gilt als "Schlüsselfirma in der Überwachungsindustrie". Sie ist Kritikern zufolge tief in den militärisch-digitalindustriellen Komplex der USA verstrickt. Ihr Geschäftsmodell heiße: Big Data für Big Brother[15].

Am 12.01.2021 verkündete das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen University die Implementierung eines sicheren, dezentralen IoT-Datenraums nach GAIA-X Vorbild.[16] Insgesamt wurden 4 Standorte verbunden, einer davon vom Fraunhofer IPT.

Senseering, WZL, IPT und Fraunhofer Fit planen ebenfalls die Errichtung eines NRW-weiten GAIA-X konformen IoT-Datenraums, den DatenMarktplatz.NRW.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Wirtschaft das Projekt breit unterstützt, werden in den Medien und in der Fachöffentlichkeit die Erfolgsaussichten gemischt beurteilt.[17][18][19][20][21][22][23][24]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eine vernetzte Dateninfrastruktur als Wiege eines vitalen, europäischen Ökosystems. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 29. Oktober 2019, abgerufen am 10. November 2019.
  2. Mitwirkende Institutionen am Projekt-Konzept: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Bildung und Forschung, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V., SAP SE, Robert Bosch GmbH, German Edge Cloud, ein Friedhelm Loh Group Unternehmen, Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik, Festo AG & Co. KG, Deutsche Telekom AG, DE-CIX Group AG
  3. Thomas Sigmund, Christof Kerkmann, Moritz Koch, Dietmar Neuerer: Projekt GAIA-X - Digitale Aufholjagd: Altmaiers Cloud-Alternative für Europa, Handelsblatt vom 28. Oktober 2019, abgerufen am 13. November 2019
  4. Das Projekt GAIA-X. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), abgerufen am 5. Oktober 2020.
  5. Schlaglichter der Wirtschaftspolitik. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 11. Februar 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  6. Uta Steinwehr, Andrea Lueg: Gaia-X: Europa will die Hoheit über seine Daten. Deutsche Welle, 11. Februar 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  7. Ingrid Schutzmann: Gaia-X: Geteilte Reaktionen auf europäische Cloud-Infrastruktur. In: internetworld.de. 2. Dezember 2019, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  8. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi (Hrsg.): GAIA-X: Das europäische Projekt startet in die nächste Phase. Juni 2020 (https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/gaia-x-das-europaeische-projekt-startet-in-die-naechste-phase.pdf?__blob=publicationFile&v=18 S. 3 [PDF]).
  9. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi (Hrsg.): Schlaglichter der Wirtschaftspolitik. Ausgabe September 2020, S. 14–15 (bmwi.de [PDF]).
  10. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi (Hrsg.): GAIA-X: Das europäische Projekt startet in die nächste Phase. S. 3 (bmwi.de [PDF]).
  11. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi (Hrsg.): GAIA-X: Die nächste Generation der digitalen Vernetzung in Europa - Abstract. Juni 2020 (bmwi.de [PDF]).
  12. Deutschland und Frankreich Vorreiter beim ersten Schritt Europas in Richtung einer europäischen Dateninfrastruktur. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi, 4. Juni 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  13. Meinrad Happacher: GAIA-X Start der Nutzergruppe. Computer Automation, 8. Juni 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  14. Amerikanische Anbieter dürfen bei EU-Cloud Gaia-X mitmachen. heise.de, 7. Dezember 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020.
  15. heise online: Gaia-X: Big-Data-Firma Palantir aus den USA ist bei EU-Cloud vorn mit dabei. Abgerufen am 19. Dezember 2020.
  16. Daten souverän nutzen - RWTH AACHEN UNIVERSITY Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen - Deutsch. Abgerufen am 21. Januar 2021.
  17. Torsten Kleinz: Digitalgipfel: Die datensouveräne Wollmilch-Cloud. heise online, 29. Oktober 2019, abgerufen am 10. November 2019.
  18. Nico Lumma: Die „europäische Cloud“ ist eine Kopfgeburt, die nicht überleben wird. Gruenderszene.de, 31. Oktober 2019, abgerufen am 10. November 2019.
  19. Deutschland und Frankreich stellen europäische Cloud vor Gaia-X soll europäische Plattformen zur Datenspeicherung bündeln und damit in Konkurrenz zu Amazon und Microsoft treten. Die europäische Cloud soll vor allem sicher sein. Zeit Online, 4. Juni 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  20. Martin Bayer: Die Rettung für unsere digitale Souveränität? Computer Woche, 23. Juni 2020, abgerufen am 5. Oktober 2020.
  21. Uta Steinwehr, Andrea Lueg: Gaia-X: Europa will die Hoheit über seine Daten. 11. Februar 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  22. Michael Kroker: Zwei von drei Entscheidern fordern europäische Cloud-Infrastruktur wie Gaia-X. 13. August 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  23. Jan Mahn: Gaia-X: Wie Europa in der Cloud unabhängig werden soll. 25. Juni 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.
  24. Markus Beckedahl: Unter Mondlandung gehts nicht. 5. Juni 2020, abgerufen am 14. Oktober 2020.