GAZ M-21 Wolga

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Wolga
GAZ M-21 in Georgien (2007)
GAZ M-21 in Georgien (2007)
GAZ M-21
Verkaufsbezeichnung: ГАЗ М-21 „Волга“
Produktionszeitraum: 1956–1970
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotor:
2,5 Liter
(55 kW)
Länge: 4830 mm
Breite: 1800 mm
Höhe: 1620 mm
Radstand: 2700 mm
Leergewicht: 1400 kg
Vorgängermodell GAZ-M20 Pobeda
Nachfolgemodell GAZ-24 Wolga

Der GAZ M-21 (russisch ГАЗ М-21, ab 1965 GAZ-21) des sowjetischen Herstellers GAZ aus Gorki (heute Nischni Nowgorod) löste 1956 den GAZ-M20 Pobeda ab und wurde bis 1968 gebaut. Er war der erste Wagen mit dem Markennamen Wolga (russisch „Волга“). Vom Vorgänger wurden einige Baugruppen übernommen. Es folgten einige Modifikationen und ein Kombi M-22.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals präsentiert wurde der Wagen 1955.[1] Zunächst gab es einige technisch voneinander abweichende Vorserien (M-21G, M-21B, M-21A, M-21W), ehe 1957 eine einheitliche Serienfertigung begann.[2] Das Fahrzeug wurde ursprünglich als Pkw der Mittelklasse bezeichnet, ist nach gegenwärtiger Einteilung jedoch eher der Oberen Mittelklasse zuzurechnen. Die Pontonkarosserie des M-21 unterschied sich deutlich von der Buckelform des Pobeda und folgte damaligen Gestaltungstrends. Anlehnungen an den schnelllebigen amerikanischen Stil sind unverkennbar. Schon zu Beginn der 1960er war der M-21 optisch nicht mehr zeitgemäß, lediglich die Frontpartie wurde etwas überarbeitet. Auch technisch herrschte weitgehend Entwicklungsstillstand. Ursprünglich war vorgesehen, den Wolga mit einem Automatikgetriebe auszustatten, welches auch entwickelt und publiziert wurde.[3] Tatsächlich blieb es bei der manuellen Schaltung. Eine relevante Modernisierung fand lediglich im Jahr 1962 statt, als die Federung durch geänderte Teleskopstoßdämpfer verbessert und die Motorleistung durch Änderungen am Vergaser von 70 auf 75 PS gesteigert wurde. Äußerlich erfolgte dabei eine leichte Modernisierung, insbesondere im Bereich der Frontpartie.[4] In der DDR wurde der Wolga M-21 meist als Behördenfahrzeug oder Taxi eingesetzt, während er in der Sowjetunion häufig auch von privat gekauft wurde. Der Export erfolgte auch in westliche Länder. Hierbei fand der M-21 vor allem in den skandinavischen Ländern Kunden. Aufgrund der robusten Bauweise ist das Fahrzeug bis heute vereinzelt im Alltagseinsatz anzutreffen, vor allem in den südlichen Regionen der ehemaligen Sowjetunion. In Deutschland hatte es der M-21 wie viele andere Ost-Fahrzeuge zunächst schwer, in der Oldtimer-Szene anzukommen. Inzwischen jedoch ist er zu einem begehrten Oldtimer avanciert. Den Marktbeobachtungen von Classic-Data zufolge ziehen die Preise seit einigen Jahren stark an, sie liegen verglichen mit ähnlichen Klassikern jedoch noch immer auf moderatem Niveau (Note 3 im Jahr 2017: 5900 €). Der seltene Kombi M-22 wird erheblich teurer gehandelt.

Der Kleinbus RAF-977 aus der Rigaer Autobusfabrik nutzt Fahrgestell und Antrieb des GAZ M-21 Wolga und wurde noch bis 1976 gebaut.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Restaurierter GAZ-21 Motor

Der Motor mit hängenden Ventilen war erheblich moderner und leistungsfähiger als jener des Pobeda. Um einerseits Langlebigkeit und andererseits Anspruchslosigkeit in Bezug auf die Benzinqualität zu gewährleisten, wurde ein Verdichtungsverhältnis von nur 6,6 gewählt. Dies brachte in Bezug auf die Fahrleistungen einen recht hohen Kraftstoffverbrauch von 12 bis 14 l/100 km mit sich, der in der Sowjetunion aufgrund niedriger Benzinpreise jedoch eine untergeordnete Rolle spielte. Das 3-Gang-Getriebe war für den ausgesprochen elastischen Motor durchaus ausreichend. Wie die meisten Fahrzeuge der UdSSR verfügte auch der Wolga M-21 über eine große Bodenfreiheit von etwa 20 cm, um der Beschaffenheit der dortigen Straßen angepasst zu sein. Später wurden kleinere Stückzahlen aufgrund des hohen Kraftstoffverbrauches in Belgien bei Scaldia mit Dieselmotoren von Perkins und Peugeot ausgestattet.

GAZ M-22 Wolga[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der GAZ M-22 (ab 1965 GAZ-22) ist die Kombiversion des GAZ-21. Das Modell wurde erst ab 1962, und noch zwei Jahre länger als der M-21 produziert. In der UdSSR waren die Fahrzeuge für Privatkäufer nicht erhältlich und dienten als Taxi-, Behörden- und Krankenwagen. Der M22 machte nur einen kleinen Teil der damaligen Wolga-Produktion aus. Zu den Importländern zählte unter anderem auch die DDR.

Nachbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Volksrepublik China fertigte das Unternehmen Beijing Automobile Works (BAW) von 1960 bis 1969 Nachbauten des Wolga. Das Auto hatte die Modellbezeichnung Dongfanghong BJ760 (deutsch: „Der Osten ist rot“). In zehn Jahren entstanden je nach Quelle zwischen 106 und 238 Exemplare.[5]

In Nordvietnam wurde ab 1959 ein PKW mit der Bezeichnung Triumph hergestellt, der auf dem Wolga M21 basierte.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zwei neue sowjetische Kraftwagentypen. In Kraftfahrzeugtechnik 6/1955, S. 214.
  2. Neue sowjetische Personenkraftwagen. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1957, S. 456–460.
  3. Das automatische Getriebe des Wolga M21. In: Kraftfahrzeugtechnik 6/1958, S. 218–220 und 7/1958, S. 258–262.
  4. Aktuelle Bilder aus dem Fachgebiet. In Kraftfahrzeugtechnik 9/1962, S. 385.
  5. Stanislav Alexeyev: CC Global: Dongfanghong BJ760 – The East Is Red, Thanks To Some Russian Help. www.curbsideclassic.com, 25. September 2014, abgerufen am 8. Juni 2016.
  6. Aktuelle Bilder aus dem Fachgebiet.In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1959, S. 129.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: GAZ M-21 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien