GSG 9 der Bundespolizei

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GSG 9 der Bundespolizei
Abzeichen der GSG 9
Tätigkeitsabzeichen der GSG 9
Staatliche Ebene Bund
Stellung Spezialverband in der Bundespolizei (im Geschäftsbereich des BMI)
Aufsichtsbehörde Bundesministerium des Innern (Abteilung B)
Gründung 26. Sept. 1972 als Grenzschutzgruppe 9, seit 1. Juli 2005 als GSG 9 der Bundespolizei
Hauptsitz Sankt Augustin
Behördenleitung Kommandeur der GSG 9
Jerome Fuchs[1]
Website www.bundespolizei.de
Abseilvorgang der Spezialeinheit GSG 9 (2005)

Die GSG 9 der Bundespolizei (kurz GSG 9 BPOL oder umgangssprachlich GSG 9) ist die Spezialeinheit der deutschen Bundespolizei (früher Bundesgrenzschutz) zur Bekämpfung von Schwerst- und Gewaltkriminalität sowie Terrorismus mit Standort in Sankt Augustin-Hangelar. Nach der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes trägt die GSG 9 ihren Namen weiter, nun jedoch mit dem Zusatz „der Bundespolizei“.

Die GSG 9 ist als Antiterroreinheit und zur Geiselbefreiung und Bombenentschärfung trainiert und wurde als Grenzschutzgruppe 9 am 26. September 1972 nach der Geiselnahme von München gegründet, nachdem die überforderte Polizei die Ermordung von elf israelischen Teilnehmern der Olympischen Spiele in München durch das Terrorkommando Schwarzer September nicht hatte verhindern können.

Bekannt wurde die GSG 9 durch die Operation Feuerzauber im Jahr 1977, die Geiselbefreiung des von palästinensischen Terroristen entführten Lufthansa-Flugzeugs „Landshut“.

Auftrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GSG 9 ist als Antiterroreinheit auf Antiterrorkampf, Geiselbefreiung und Bombenentschärfung spezialisiert. Die Einheit der Bundespolizei wird heute vornehmlich zur Bekämpfung der Schwerstkriminalität eingesetzt, die für Beamte im Streifendienst oft zu gefährlich wäre. Im Jahr 2000 absolvierte die Einheit 26 erfolgreiche Einsätze. Dazu zählen sowohl die der GSG 9 originär zugedachten Einsatzaufgaben als auch Einsätze, bei denen sie andere Sicherheitsbehörden unterstützte. Seit ihrer Aufstellung hat die GSG 9 mehr als 1800 Einsätze absolviert (Stand: 2012).[2]

Anders als die Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Länderpolizeien, die für ähnliche Aufgaben gebildet werden, ist die GSG 9 eine Einheit des Bundes. Sie kann bei örtlicher Zuständigkeit einer Landespolizei nur mit Zustimmung des jeweiligen Landes eingesetzt werden. Bei Bundesangelegenheiten kann sie außerdem mit dem Einverständnis des Einsatzlandes außerhalb der Bundesrepublik eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr ist hierfür keine Zustimmung des Deutschen Bundestages nach dem Parlamentsbeteiligungsgesetz notwendig. Entscheidungen über den Einsatz der Einheit obliegen dem Bundesministerium des Innern.

Kriegs- bzw. Militäreinsätze kann die GSG 9 mangels Kombattantenstatus nicht führen. Bis zum Inkrafttreten des Bundesgrenzschutzgesetzes 1994 hatten die Angehörigen des Bundesgrenzschutzes Kombattantenstatus; 1996 wurde das Kommando Spezialkräfte (KSK) als militärische Spezialeinheit der Bundeswehr aufgestellt.[3] Die vormalige Aufgabe des Schutzes der deutschen Botschaftsangehörigen im Ausland ging 2009 in die Zuständigkeit der im April 2008 aufgestellten Einheit Personenschutz Ausland der Bundespolizei (PSA BPOL) über.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung von GSG-9-Angehörigen, 1978 in Hangelar

Die GSG 9 gliederte sich 1980 in eine Führungsgruppe, vier Einsatzeinheiten mit je 32 Mann, drei technische Gruppen und eine Versorgungseinheit.

Im Jahr 2007 gab es folgende Einsatzeinheiten:[4]

  1. Präzisionsschützen
  2. Einsatztaucher in der maritimen Gruppe
  3. Boarding-Spezialisten in der Luftlandeeinheit (Spezialisten für die Erstürmung von entführten Flugzeugen)
  4. Sprengstoff- und Kampfmittelexperten
  5. Beobachtungs- und IT-Techniker in der Dokumentationseinheit

Die genaue Personalstärke der GSG 9 wird von der Bundespolizei geheim gehalten. Nach Angaben des ehemaligen Kommandeurs Ulrich Wegener umfasst die Einheit Stand 2017 rund 400 Mann.[5]

Seit 2009 entscheidet der Bundesinnenminister über den Einsatz der GSG 9 zur Rettung deutscher Geiseln im Ausland. Das Bundespolizeipräsidium hat seitdem lediglich beratende Aufgaben.[6]

Am 1. März 2013 wurde die Dienststelle Personenschutz Ausland (PSA) der GSG 9 organisatorisch angegliedert, um Synergieeffekte zu nutzen. Die Dienststelle wurde 2008 eingerichtet, um die GSG 9 von den Personen- und Objektschutzaufgaben bei deutschen Auslandsvertretungen in Krisengebieten zu entlasten. 2014 waren insgesamt 145 Kräfte an fünf Standorten im Einsatz (Afghanistan, Irak, Jemen, Libanon, Libyen).[7]

Rekrutierung und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abseilvorgang an einer Gebäudefassade

Zur Versetzung in die GSG 9 können sich ausgebildete Polizeivollzugsbeamte der Bundespolizei und der Polizeien der Länder bewerben und einem Eignungsauswahlverfahren unterziehen. Als Höchstalter zu Beginn der Basis- und Spezialausbildung sind 31 Jahre festgesetzt.[8]

Auswahl der Bewerber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das viertägige Eignungsauswahlverfahren (EAV) findet jeweils im Frühjahr eines jeden Jahres statt, zeitnah vor dem Ausbildungsbeginn im Mai (Stand 2016). Die Bewerber werden von dem für sie zuständigen ärztlichen Dienst auf ihre gesundheitliche Eignung überprüft. Ein Ausschlusskriterium für die Verwendung ist u. a. das Tragen jeglicher Sehhilfen.

Das EAV umfasst ein Auswahltraining, bei dem die Bewerber unter anderem auf ihre körperliche Leistungsfähigkeit, motorischen Fähigkeiten und Ausdauer getestet werden. Die Bedingungen sind:[8]

Zudem werden mittels psychologischer Tests unter anderem die geistige Leistungsfähigkeit, Konzentration, Teamfähigkeit und das Persönlichkeitsprofil der Bewerber ermittelt. Diese müssen auch ihre Schießleistungen und die Fähigkeit zur sicheren Handhabung von Schusswaffen unter Beweis stellen. Das EAV endet mit einem persönlichen Abschlussgespräch in Form eines multimodalen Interviews. In der Regel bestehen 10 bis 15 % der Bewerber.

Basis- und Spezialausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erfolgreichen Teilnehmer beginnen jährlich im Mai (Stand 2016) die insgesamt zehnmonatige Basis- und Spezialausbildung. Diese umfasst die Basisausbildung (vier Monate), eine Härtewoche, die Spezialausbildung (entsprechend der geplanten taktischen Verwendung des jeweiligen Beamten) und die abschließende Ausbildungslaufbahnprüfung. Hat der Aspirant alle diese Stationen erfolgreich durchlaufen, bekommt er das Tätigkeitsabzeichen des Verbandes verliehen und wird als Polizeivollzugsbeamter/-in für besondere Verwendung einer der Einsatzeinheiten zugeteilt.

Präzisionsschießen, Tauchen und Fallschirmspringen sowie der Observationsdienst sind Zusatzqualifikationen für spezielle Einsatzlagen. Die Einsatztaucher der GSG 9 sind regelmäßig in Eckernförde, um dort unter anderem mit den Kampfschwimmern der Bundeswehr Erfahrungen über Ausbildungsverfahren und Ausrüstung auszutauschen. Die Fallschirmjäger der GSG 9 sind in den Sprungtechniken HAHO und HALO qualifiziert.

Einzelne GSG-9-Beamte nahmen auch an Ausbildungen des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr teil – so etwa an Spezialfortbildungen zum Fallschirmspringen oder Sprengen in den Jahren 2007 bis 2012.[9]

Dienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Einheiten können Einsätze absolvieren. Die Polizeivollzugsbeamten der GSG 9 sind, wie alle Angehörigen des öffentlichen Dienstes, zur Verschwiegenheit bezüglich des Inhaltes ihrer Tätigkeit verpflichtet. Ihre Dienstpläne sind als Verschlusssache eingestuft. Durch Verwendung bei der GSG 9 haben Beamte Anspruch auf eine Zulage für besondere Einsätze (§ 22 Abs. 1 Nr. 1 Erschwerniszulagenverordnung, 500 Euro monatlich seit 1. Januar 2017, zuvor 400 Euro ab 2008).

Die GSG 9 übt auch im Ausland, wenn dort geeignetere Trainingsmöglichkeiten bestehen (beispielsweise Wüste oder Packeis).

Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HK MP7
HK USP

Zur schnellen Verlegung von Kräften und Material der GSG 9 in weltweite Einsatzgebiete kann die Einheit auf einen seit dem 1. Juni 2012 bestehenden Vorhalte-Chartervertrag zwischen der Bundespolizei und Volga-Dnepr Airlines über die Bereitstellung von Lufttransportkapazitäten zurückgreifen.[9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufstellung nach den Olympischen Spielen 1972[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als in den meisten anderen Ländern entstand die GSG 9 nicht aus bestehenden militärischen Spezialtruppen, was historisch bedingt ist.[11] Die GSG 9 wurde nach der blutig verlaufenen Geiselnahme von München bei den Olympischen Spielen (Angriff am 5. September 1972) am 26. September 1972 aufgestellt. Während der Spiele nahm das palästinensische Terrorkommando Schwarzer September elf israelische Sportler als Geiseln. Der Zugriff am Flugplatz Fürstenfeldbruck wurde durch reguläre Polizeikräfte ausgeführt, da es zu diesem Zeitpunkt noch keine SEK/MEK in Deutschland gab. Im Zuge der Geiselnahme fanden alle Geiseln, fünf der acht Terroristen und ein Polizeibeamter den Tod. Ulrich Wegener, Oberstleutnant im Bundesgrenzschutz, der bislang als Verbindungsoffizier des BGS beim Bundesministerium des Innern tätig war, erhielt daraufhin von Innenminister Hans-Dietrich Genscher den Auftrag, eine schlagkräftige Antiterroreinheit aufzustellen. Im April 1973 meldete Wegener die Einsatzbereitschaft von zwei Einsatzeinheiten der GSG 9.

Die Bezeichnung GSG 9 erklärt sich aus der damaligen Struktur des Bundesgrenzschutzes, der zum Zeitpunkt der Gründung dieser Einheit aus vier Grenzschutzkommandos mit insgesamt acht Grenzschutzgruppen (GSG 1 bis 7 und See) bestand. Da die GSG 9 in keine der vorhandenen Strukturen eingegliedert wurde, erhielt sie die Bezeichnung Grenzschutzgruppe 9. Diese Bezeichnung und den Status einer Grenzschutzgruppe behielt sie auch im Laufe der Umorganisationen beim Bundesgrenzschutz bei, auch nach der Auflösung der Grenzschutzgruppen zu Gunsten der Grenzschutzabteilungen 1981 und der Umgliederung der Grenzschutzkommandos zu Grenzschutzpräsidien 1993. Nach der Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in Bundespolizei wurde die Abkürzung wegen ihrer Bekanntheit beibehalten, allerdings wurde der Zusatz der Bundespolizei beigefügt.

Befreiung des Flugzeugs „Landshut“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückkehr des Sonderflugzeuges auf dem Flughafen Köln/Bonn mit Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski und der GSG 9.

Einer der größten und bekanntesten Einsätze der GSG 9 war die Beendigung der Entführung des Flugzeugs „Landshut“. In der Nacht zum 18. Oktober 1977 wurden die Geiseln der von palästinensischen Terroristen der PFLP entführten Lufthansa-Maschine in Mogadischu befreit (Operation Feuerzauber). Die Erstürmung von Flugzeugen gilt dabei als das schwierigste der möglichen Einsatzszenarien.

Dieser Einsatz machte die GSG 9 international bekannt und begründete ihr hohes Ansehen unter den Spezialeinheiten der Welt. Neben Glückwünschen erhielt die Bundesregierung auch Anfragen nach Polizeiausbildung durch diese Einheit aus aller Welt. Kritisiert wurde die Befreiung von den Regierungen des Ostblocks: So sah das bulgarische Staatsfernsehen die Bundesrepublik wegen des Sondereinsatzes auf dem Weg in die Diktatur, während Karl-Eduard von Schnitzler in seiner Propagandasendung Der schwarze Kanal die „Elitetruppe“ als „aggressiv nach außen, anti-demokratisch und terroristisch nach innen“ bezeichnete, „ganz im Sinne der früheren Leibstandarte [Hitlers]“. Das Auswärtige Amt analysierte diese Reaktion, sah sie als faschistoide, verschwörungstheoretische Denunziation und erklärte sie sich damit, dass die große emotionale Anteilnahme an der Entführung unter DDR-Bürgern deren Führung verunsichert habe.[12]

Einsatz in Bad Kleinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vertrauen in die GSG 9 wurde im Sommer 1993 schwer erschüttert. Am 27. Juni 1993 versuchten 37 GSG-9-Beamte und 60 weitere Polizisten die RAF-Terroristen Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld in Bad Kleinen festzunehmen. Während der Zugriff auf Hogefeld gelang, leistete Grams Widerstand. Im anschließenden Schusswechsel erschoss Grams den 26-jährigen Beamten Michael Newrzella, der als erster GSG-9-Beamter im Dienst getötet wurde. Grams selbst beging Suizid durch einen aufgesetzten Kopfschuss.

Wegen der chaotischen Umstände der misslungenen Aktion, der mangelhaften Tatortsicherung und einander widersprechender Aussagen von GSG-9-Beamten zum Ereignisablauf kam es zu Zweifeln an der GSG 9. Als Journalisten wenige Tage später Zeugenaussagen präsentierten, nach denen Grams von den GSG-9-Beamten regelrecht „exekutiert“ worden sei, kam es zu einer Vertrauenskrise der Öffentlichkeit nicht nur in die Sicherheitsorgane insgesamt, sondern auch in die bisher als fehlerlos geltende Elite-Einheit; in den Wochen nach dem Einsatz kamen aus der mitregierenden FDP-Bundestagsfraktion sogar Überlegungen, die GSG 9 aufzulösen, und in den Medien wurde darüber spekuliert, dass die vom „Mythos von Mogadischu“ zehrende Spezialeinheit so abgehoben oder kadavergehorsam sei, dass sie eigene Fehler nicht mehr erkennen oder beheben könne. Deshalb besuchte Bundeskanzler Helmut Kohl im Juli 1993 demonstrativ die GSG 9 in ihrem Hauptquartier in Sankt Augustin und versicherte ihr sein Vertrauen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin stellten einige Monate später den Suizid von Grams fest und hielten mehrfacher gerichtlicher Überprüfung stand.

Getötete und vermisste Beamte im Irak[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Irakkrieg wurden wegen der unsicheren Lage GSG-9-Beamte im Irak stationiert, von denen zwei Polizeihauptmeister, Thomas Hafenecker und Tobias Retterath, ab dem 7. April 2004 vermisst wurden. Die beiden Beamten waren Objekt- und Personenschützer an der deutschen Botschaft in Bagdad. Nach ARD-Informationen wurden sie in einem Fahrzeugkonvoi vom jordanischen Amman nach Bagdad überfallen. Der Überfall habe sich in der Nähe von Falludscha ereignet. Rebellen hätten den aus sechs geschützten Geländewagen und ungeschützten Transportfahrzeugen bestehenden Konvoi verfolgt, nachdem er ihren Kontrollpunkt durchbrochen hatte. Der Wagen der beiden Deutschen sei der letzte gewesen; die Iraker hätten auf ihn mit Raketen und Gewehren geschossen, bis er mit zerschossenen Reifen von der Straße abgekommen und gegen ein Haus geprallt sei. Die Deutschen hätten keine Chance mehr gehabt und seien tot. Sprecher der irakischen Rebellen entschuldigten sich für diesen „Unfall“, insbesondere bei den Angehörigen der Beamten. Man sei von einem Konvoi einer US-Spezialeinheit ausgegangen, obwohl deutsche Flaggen auf den Fahrzeugen angebracht waren. Am 1. Mai 2004 wurde die Leiche Retteraths gefunden. Die sterblichen Überreste von Hafenecker gelten bis heute als vermisst.[13]

Festnahme der Sauerland-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. September 2007 sollte ein Kommando der GSG 9 die islamistische Terrorgruppe Sauerland-Gruppe in einem Ferienhaus im sauerländischen Oberschledorn festnehmen. Der Zugriff fand außerplanmäßig statt, nachdem ein Streifenpolizist bei einer Verkehrskontrolle versehentlich die Observation verraten hatte. Während zwei Verdächtige in der Küche festgenommen wurden, konnte ein dritter Verdächtiger durch einen Sprung aus dem Toilettenfenster entkommen; ein GSG-9-Beamter konnte ihm wegen seiner schweren Schutzkleidung nicht schnell genug folgen. Die Verfolgung übernahmen zwei BKA-Polizisten, denen es gelang, den Flüchtigen zu Fall zu bringen. Dabei konnte dieser einem BKA-Polizisten die Dienstwaffe entreißen und schießen, ohne jedoch jemanden zu treffen.[14]

Operation Desert Fox[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2008 war die GSG 9 maßgeblich an der geplanten Operation „Desert Fox“ zur Befreiung von fünf deutschen, fünf italienischen und einer rumänischen Urlauberin sowie deren acht ägyptischen Begleitern beteiligt. Die elf Touristen und ihre acht ägyptischen Begleiter waren in der oberägyptischen Wüste entführt und dann ins Grenzgebiet zwischen Ägypten, Sudan, Libyen und dem Tschad verschleppt worden. Nach Agenturberichten hatten die Kidnapper sechs Millionen Euro Lösegeld gefordert. Unter Mithilfe der Bundeswehr, der Lufthansa und einer weiteren Fluggesellschaft wurden rund 150 Einsatzkräfte der GSG 9 sowie Material und Personal des THW in das südägyptische Shark-el-Uweimat verbracht. Hinzu kamen Mitarbeiter des Bundespolizei-Flugdienstes, des Bundeskriminalamtes und des Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr.[15] Letztendlich kam die GSG 9 nicht zum Einsatz, da die Entführer ihre Geiseln zuvor freiließen.[16]

Geplante Befreiung des Frachters Hansa Stavanger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für eine geplante Befreiung des am 4. April 2009 vor der somalischen Küste entführten deutschen Containerfrachtschiffes Hansa Stavanger stand eine größere Einsatzeinheit der GSG 9 vor Ort bereit. So wurden mehr als 200 Mann der Spezialeinheit sowie sechs Hubschrauber Anfang April 2009 nach Mombasa, Kenia, transportiert und um den 1. Mai 2009 ein Kommando auf dem amerikanischen Hubschrauberträger USS Boxer vor die Küste verlegt, um eine Aktion zur Befreiung des Frachters vorzubereiten. Die Ausführung dieser Aktion wurde wegen des zu hohen Risikos für das Leben der Geiseln und der Beamten seitens eines interministeriellen Krisenstabes der Bundesregierung aus Innen-, Außen- und Verteidigungsministerium gestoppt.[17] Die Hansa Stavanger kam am 3. August nach einer Lösegeldzahlung wieder frei.

Ausbildungshilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer erfolgreichen Geiselbefreiung in Somalia 1977 (Operation Feuerzauber) erhielt die GSG 9 aus verschiedenen Ländern Anfragen, bei der Ausbildung zu helfen. So leistete die GSG 9 einen erheblichen Beitrag beim Aufbau der US-Truppe SFOD Delta ab Ende 1977.[18]

Für spätere Hilfe bei Schulungen von Sicherheitskräften im Ausland geriet die GSG 9 in Kritik. An der 2008 bekannt gewordenen Libyen-Affäre, dem privaten Ausbildungsengagement von Angehörigen deutscher Sicherheitskräfte in Libyen, sollen auch ehemalige GSG-9-Beamte beteiligt gewesen sein. In den Jahren 2008 bis 2011 schulte die GSG 9 weißrussische Sicherheitskräfte des autokratischen Präsidenten Aljaksandr Lukaschenka.[19]

2015 wurden polizeiliche Spezialkräfte, die BFE+ der Bundespolizei aufgestellt, die die GSG 9 entlasten sollen. Die Zusatzausbildung der aus dem Kreis der bestehenden Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten rekrutierten Bundespolizisten erfolgt in der achtwöchigen Ergänzungsfortbildung BFE+ durch die GSG 9.

Internationale Verbindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die GSG 9 ist Mitglied des Atlas-Verbundes europäischer Polizei-Spezialeinheiten. Bei einem internationalen Vergleichswettkampf, der Original SWAT World Challenge (OSWC) in den USA, siegte die GSG 9 in den Jahren 2005 und 2006 gegen ähnliche polizeiliche Spezialeinheiten der Vereinigten Staaten sowie Japans und Kanadas. Seit 1983 organisiert die GSG 9 den alle vier Jahre stattfindenden Wettbewerb Combat Team Conference, die „inoffizielle Weltmeisterschaft der polizeilichen und militärischen Spezialeinheiten“.[20]

Kommandeure und Ehemalige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandeure

Öffentlich treten lediglich die Kommandeure namentlich in Erscheinung, die bisher (Stand 2017) ausnahmslos vormals selbst im aktiven Dienst der GSG 9 standen.[21]

  • 1972–1980 Ulrich Wegener
  • 1980–1982 Klaus Blätte
  • 1982–1991 Uwe Dee
  • 1991–1997 Jürgen Bischoff
  • 1997–2005 Friedrich Eichele
  • 2005–2014 Olaf Lindner
  • seit 2014 Jerome Fuchs

Ehemalige

Die GSG-9-Kameradschaft e. V. ist ein eingetragener Verein ehemaliger Beamter der GSG 9, der am 31. Oktober 1982 in Sankt Augustin-Hangelar gegründet wurde.[22]

Vergleichbare Einheiten in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptabteilung XXII (HA XXII) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) unterhielt ein Bataillon als Antiterror- und Spezialaufklärungseinheit mit fünf dezentralen Einheiten über das Staatsgebiet verteilt.

Bei der Volkspolizei gab es die Diensteinheit IX sowie die 9. Volkspolizei-Kompanie der Kasernierten Einheiten des Ministeriums des Innern in Potsdam/Eiche (Kaserne der 3. und 20. VP-Bereitschaft) mit einem ähnlichen Einsatzprofil. Diese Einheiten wurden ab dem Jahr 1973 im Vorfeld der Weltfestspiele der Jugend und Studenten aufgestellt. Die Einsatzhäufigkeit gilt als beachtlich. So wurde die in Potsdam stationierte Einheit in den Jahren von 1974 bis 1989 insgesamt 83-mal bei unterschiedlichen Anlässen eingesetzt.[23]

In Bezirksbehörden der Volkspolizei (BDVP) gab es kleinere Antiterroreinheiten vergleichbar den SEK aus Angehörigen der Dienstzweige der Volkspolizei/Diensteinheit IX.

Dokumentarfilme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uli Weidenbach: Mythos GSG 9 – 40 Jahre Kampf dem Terror. In: ZDF-History, Deutschland 2012 (45 Min.).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: GSG 9 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: GSG 9 – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Hufelschulte: Eliteeinheit: Spezialtaucher wird neuer Chef der GSG 9. In: Focus. 15. September 2014, archiviert vom Original am 7. Oktober 2014; abgerufen am 7. Oktober 2014.
  2. Michael Stürmer: Die GSG 9 zwischen Trauma und Legende. In: Welt Online, 26. September 2012.
  3. Siehe dazu Reinhard Scholzen: KSK. Kommando Spezialkräfte. Motorbuch, Stuttgart 2009.
  4. GSG 9 der Bundespolizei: Informationsblatt Die GSG 9 der Bundespolizei sucht Nachwuchs! 28. Juni 2007. [Am 19. Juni 2010 am Infostand der Bundespolizei beim 2. Tag der offenen Tür im Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden verteilt].
  5. Ulrich Wegener: GSG 9 – Stärker als der Terror. Hrsg. von Ulrike Zander und Harald Biermann. Lit, Münster 2017, ISBN 978-3-643-13762-3, S. 129.
  6. Innenminister befehligt künftig GSG 9. In: Der Spiegel, 8. Juni 2009.
  7. Jahresbericht 2014 (PDF; 7,0 MB). Bundespolizei, 13. Juli 2015, S. 35.
  8. a b Nachwuchs gesucht! Der Weg zur GSG 9 der Bundespolizei. Flyer der GSG 9 der Bundespolizei, Fachinformations- und Medienstelle der Bundespolizei, abgerufen am 30. Juli 2016 (PDF; 2,9 MB).
  9. a b Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode – Drucksache 17/10006: Antwort der Bundesregierung vom 14. Juni 2012 auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jelpke, Gehrcke, van Aken u. a. und der Fraktion DIE LINKE betr. Ausrüstung der GSG9 und deren Zusammenarbeit mit militärischen Kräften (Drs. 17/9822). PDF.
  10. Nick Hahn: Gun Digest Book of the Remington 870. Gun Digest Book, 2012, ISBN 978-1-4402-3211-4, S. 186.
  11. Christoph Rojahn: Militärische Antiterroreinheiten als Antwort auf die Bedrohung des internationalen Terrorismus und Instrument nationaler Sicherheitspolitik – das Beispiel Amerika. Herbert Utz, München 2000 (zugleich Dissertation, Universität München, 2000), S. 70.
  12. Ohne eigene Wertung referiert diese Einschätzung (mit Nachweis der Zitate) Tim Geiger: Die „Landshut“ in Mogadischu. Das außenpolitische Krisenmanagement der Bundesregierung angesichts der terroristischen Herausforderung 1977. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Bd. 57, 2009, Heft 3, S. 413–456, hier S. 447 (PDF). Er wertete die politischen Akten des Auswärtigen Amtes zur Operation Feuerzauber erstmals nach ihrer Freigabe aus.
  13. Jürgen Dahlkamp, Holger Stark: Polizei: Verloren in Falludscha. In: Der Spiegel, Nr. 9/2010, 1. März 2010, abgerufen am 14. Oktober 2017.
  14. Marianne Quoirin: Polizeikomödie mit Terroristen. Jagdszenen im Sauerland. In: Frankfurter Rundschau. 11. November 2009; Irene Geuer, Paul Elmar Jöris: Terror hausgemacht. Der Prozess gegen die „Sauerland-Gruppe“. In: Deutschlandfunk, 21. April 2009.
  15. Befreiungsaktion: Elite-Truppe GSG 9 plante Einsatz in Ägypten. In: Welt Online, 30. September 2008.
  16. „Operation Desert Fox“ geplant: Deutsche Geiseln sind zurück. In: ntv.de, 30. September 2008.
  17. GSG9-Einsatz vor Somalia gestoppt. In: Handelsblatt, 2. Mai 2009; Reinhard Scholzen: Wer soll deutsche Geiseln im Ausland befreien? In: Europäische Sicherheit. Jg. 59, Nr.  7, Juli 2010, ISSN 0940-4171, S. 82–85.
  18. Christoph Rojahn: Militärische Antiterroreinheiten als Antwort auf die Bedrohung des internationalen Terrorismus und Instrument nationaler Sicherheitspolitik - das Beispiel Amerika. Herbert Utz, München 2000 (zugleich Dissertation, Universität München, 2000), S. 93.
  19. Kooperation mit Diktator Lukaschenko: GSG 9 schulte weißrussische Polizisten. In: Spiegel Online, 1. November 2012.
  20. Combat Team Conference 2015 (CTC) bei der GSG 9. In: SEK Einsatz, 10. Juli 2015.
  21. Holger Schmidt: Wie sicher sind wir? Terrorabwehr in Deutschland. Eine kritische Bilanz. Orell Füssli, Zürich 2017, ISBN 978-3-280-03988-5 (E-Book), Kapitel 6 (2. Abschnitt: Wem, gehört die GSG 9?).
  22. Amtsgericht Siegburg, VR 1289; Satzung der GSG 9 Kameradschaft e. V.
  23. Reinhard Scholzen: SEK: Spezialeinsatzkommandos der deutschen Polizei. 5. Auflage. Motorbuch, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-02016-0, S. 168–170.
  24. Buchtipp des Bundesinnenministeriums 2011, PDF, S. 18.

Koordinaten: 50° 45′ 48″ N, 7° 9′ 4″ O