Gaarden

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Gaarden ist ein Stadtteil von Kiel, der sich in Gaarden-Ost und Gaarden-Süd gliedert. Ortsfremde meinen mit „Gaarden“ meist Gaarden-Ost.

Gaarden-Süd und Kronsburg bilden den Stadtteil Nr. 13 von Kiel. Kiel ist in 18 Ortsbezirke mit 30 Stadtteilen gegliedert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaarden wird das erste Mal dokumentarisch 1210 bei der Gründung des Klosters Preetz erwähnt.[1] Hervorgegangen sind Gaarden-Ost und Gaarden-Süd aus den beiden Dörfern Hemminghestorpe und Wulvesbrooke.[2] Die Mühlenau, an der eine Mühle des Klosters Preetz stand und die heute hauptsächlich unterirdisch verläuft, kennzeichnete die natürliche Grenze zwischen den beiden Dörfern.[3]

Nach der Gründung dreier großer Werften auf dem Ostufer zwischen der Hörn und der Schwentine in den 1860er Jahren (Norddeutsche Schiffbaugesellschaft (Germaniawerft), Königliche/Kaiserliche Werft Kiel, Kieler Schiffswerft (Howaldtswerke)) entwickelte sich Gaarden langsam vom Dorf zum Stadtteil. Nach 1871, als Kiel zum Reichskriegshafen ernannt wurde und in den Werften immer mehr Arbeiter beschäftigt wurden, wuchs die Gemeinde rasch. So wurden 1871 nur 2.715 Einwohner vermerkt und im Jahr 1910 waren es schon 30.427 Einwohner.[4]

Gaarden-Ost wurde 1901 nach Kiel eingemeindet; Gaarden-Süd folgte 9 Jahre später. Die wirtschaftlichen und militärischen Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages nach dem Ersten Weltkrieg trafen die Werften besonders, so dass die Arbeitslosenzahlen stiegen und die Einwohnerzahlen stagnierten. Deshalb wurde 1923 Kronsburg genau wie andere Stadtteile Kiel hinzugefügt, so dass Gaarden nicht mehr zum Randgebiet zählte.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg glichen die Ränder von Gaarden-Ost einer Mondlandschaft. Die umfassende Zerstörung des Stadtteils resultierte zum einen aus der U-Boot-Produktion auf den Werften, aber auch aus der vor allem durch Arthur Harris ausgegebenen Taktik der Brandbombenteppiche auf Wohngebiete. In vielen Gärten von Kiel kann man heute noch Bomben und die charakteristischen Gewichte der Stabbrandbomben finden.[6] Von 1911 bis 1961 war Gaarden Bahnstation der Kleinbahn Kiel–Segeberg, deren Gleise bereits 1962 entfernt wurden.

Auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Leben in Gaarden stark an die Werften geknüpft. So beeinflusste auch das Auf und Ab der Werftindustrie diesen Stadtteil wie keinen anderen. Ab Ende der 1950er Jahre kam es nach der Sprengung aller Werftbunkeranlagen zuerst durch das Wirtschaftswunder zu einem Aufschwung, aber Anfang der 1980er Jahre wurde durch extreme Konkurrenz bzw. Dumpingpreise aus Fernost eine schwere Werftenkrise in vielen anderen Ländern (darunter auch Deutschland) ausgelöst, woraufhin die Europäische Gemeinschaft sich entschloss, Subventionen zuzulassen. Die Krise blieb bei der HDW, der einzigen noch übrig gebliebenen Werft auf dem Ostufer, gleichwohl spürbar.

Anfang der 1980er Jahre waren dort noch ca. 12.000 Arbeitnehmer beschäftigt, 1990 waren es 5.000 und 1995 nur noch 3.751. [7] Dann veränderte sich durch den Fall der Mauer und das Ende des kalten Krieges die geopolitische Lage.

Lage und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiserstraße
Blick über Gaarden
Blick über Gaarden, Werftanlagen im Hintergrund
Medusastraße
Elisabethstraße
Fußgängerzone Elisabethstraße
St. Johannes Kirche
Hauptartikel: Gaarden-Süd und Kronsburg

Gaarden-Ost liegt an der Hörn auf einer ehemals moorigen Geländestufe, die von 15 Meter auf 25 Meter über dem Meeresspiegel ansteigt. Neben der Förde ist Gaarden von Kiel-Südfriedhof, Hassee, Meimersdorf, Kronsburg, Wellsee, Elmschenhagen und Ellerbek umgeben. Nur ein kleiner Teil von Gaarden-Süd stößt heute noch an die Stadtgrenze. Der Theodor-Heuss-Ring bzw. Konrad-Adenauer-Damm (Bundesstraße 76) trennt Gaarden-Süd von Gaarden-Ost auf der Ost-West-Achse. T-förmig dazu verläuft quer durch Gaarden-Ost der Ostring (Bundesstraße 502) und nach Süden ist Kiel hier mit der Neue Hamburger Straße (Bundesstraße 404) an das Bundesstraßennetz angebunden. Über die Hörnbrücke ist der Kieler Hauptbahnhof für Fußgänger und Radfahrer schnell zu erreichen.

Der Name Gaarden geht vermutlich darauf zurück, dass ein großes Gebiet beider Dörfer einst als Garten verpachtet war.[3] Auch heute noch umfasst Gaarden vor allem im Süden, also in Gaarden-Süd, große Grünanlagen wie zum Beispiel das Vieburger Gehölz. Erholung bietet beispielsweise der Volkspark Gaarden, der 1936 nach Horst Wessel benannt worden war.[8] Er gilt noch heute als sehenswerte Parkanlage.[9] Das Zentrum von Gaarden stellt der 1903 nach dem Kreuzer SMS Vineta benannte Marktplatz Vinetaplatz dar. Sein Name geht auf die in einer Sage vor der Odermündung in der Ostsee versunkene Handelsstadt Vineta zurück.

In Gaarden befinden sich unter anderem eine Schwimmhalle, das Freibad Katzheide, das Veranstaltungszentrum Räucherei, eine Jugendherberge und eine Stadtteilbibliothek sowie diverse Kirchen und Moscheen und eine Berufsschule.

Gaarden verfügt über eine gute Nahversorgung. Die Elisabethstraße ist die Haupteinkaufsstraße, die angrenzend am Vinetaplatz als Fußgängerzone konzipiert ist. Auch in der Stoschstraße, Kaiserstraße und im Kirchenweg haben sich viele Einzelhandelsgeschäfte angesiedelt.

Wichtige Bauwerke in Gaarden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziale Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gaarden-Ost leben viele verschiedene Nationalitäten nebeneinander. Dies bringt neben einem vielfältigen Kulturmix mit kleinen Geschäften und Restaurants auch Konflikte mit sich. Deshalb gilt Gaarden-Ost nach wie vor als ein sozialer Brennpunkt. Die Mieten sind trotz der Nähe zum Zentrum sehr gering. Der Anteil an Arbeitslosen und Menschen mit niedrigem Einkommen ist im 16. Ortsteil von Kiel sehr hoch. Die Arbeitslosenquote lag im ersten Quartal 2011 bei 15,2 %; rund 42 % der Gaardener erhalten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II und SGB III) [10]. Ferner ist der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund mit 44,4 % in Gaarden überdurchschnittlich hoch[11]; dies spiegelt sich insbesondere in den dortigen Schulen am sehr hohen Anteil der Kinder ausländischer Herkunft wider.[12]

Im Jahre 2006 wurde bekannt, dass der in Hamburg festgenommene Al-Qaida-Terrorismusverdächtige Redouane El-H. in Gaarden ein Internetcafé betrieb. Die Moschee der Kieler Islamischen Gemeinde in Gaarden wurde auch von dem in Projensdorf wohnhaften Kofferbomben-Attentäter regelmäßig besucht.[13] Bei der Oberbürgermeisterwahl am 15. März 2009 lag die Wahlbeteiligung in Gaarden unter 20 %.[14]

Ein Teil der sozialen Probleme des Stadtteils wurde in der Folge Borowski und die Kinder von Gaarden der Fernsehkrimireihe Tatort am 29. März 2015 thematisiert. [15]

Söhne und Töchter Gaardens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik in Gaarden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil Gaarden gehört zum Bundestagswahlkreis Kiel, Altenholz und Kronshagen (5), der direkt gewählte Abgeordnete dieses Wahlkreises ist Hans-Peter Bartels, SPD.

Gaarden gehört auch zum Landtagswahlkreis Kiel-Ost (15), hier ist der direkt gewählte Abgeordnete Bernd Heinemann, SPD.

Gaarden hat zwei Kommunalwahlkreise, zum einen Gaarden-Ost, direkt gewählter Ratsherr hier ist Wolfgang Schulz, SPD, der andere Wahlkreis ist Gaarden-Süd, hier ist direkt gewählt der Ratsherr Michael Schmalz, auch SPD.

Der Stadtteil ist ein Ortsbeiratsbezirk. Die Funktion eines Ortsbeirates wird auf der Homepage der Stadt Kiel wie folgt beschrieben: „Die Ortsbeiräte wirken in Angelegenheiten mit, die ihren Stadtteil betreffen. Sie werden von den zuständigen Ämtern über alle wichtigen Vorhaben informiert und hierzu angehört. Interessierte haben beispielsweise bei öffentlichen Anhörungen zu Bebauungsplänen in den Ortsbeiräten Gelegenheit, Anregungen und Kritik zu äußern. Die Ortsbeiräte können Anträge, die speziell ihren Stadtteil betreffen, an die Ratsversammlung und an die Ausschüsse stellen. Zu Mitgliedern der Ortsbeiräte können Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils, aber auch Ratsmitglieder, gewählt werden. Die Sitzungen sind öffentlich.“

Der Ortsbeirat Gaarden besteht aus 13 Mitgliedern, Vorsitzender ist Bruno Levzow, SPD.

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fröbelschule - Grundschule
  • Hans-Christian-Andersen-Schule - Grundschule
  • Fridtjof-Nansen-Schule Kiel - Regionalschule
  • Gemeinschaftsschule am Brook - Gemeinschaftsschule
  • Hans-Geiger-Gymnasium - Gymnasium
  • Regionales Berufsbildungszentrum (RBZ) Technik Kiel - Berufsschule

Sportvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FT Eiche
  • TuS Gaarden
  • Eintracht Kiel
  • Inter Türkspor Kiel
  • Boxsportclub Kiel e.V.
  • MGC Olympia Kiel e.V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesarchiv Schleswig-Holstein, Beständen zur Geschichte der Stadt Kiel: Abt. 119 Adliges Kloster Preetz, S.1389ff
  2. Der Name Wulvesbrooke findet sich heute noch in der direkt an Gaarden-Süd angrenzenden Straße Wulfsbrook im Stadtteil Hassee wieder.
  3. a b www.kielive.de: Gaarden von Anfang an bis zum 2. Weltkrieg Abgerufen am 27. März 2009
  4. Kiel von Burkhard Hackländer, Conrad Stein Verlag, 3. Aufl. 2006, S.152
  5. kiel.ingowelt.de Kurze Geschichte der Stadt Kiel II. 1867 - 2003 Abgerufen am 27. März 2009
  6. Schleswig-Holsteinischer Heimatbund, Magazin vom 6/2000, Artikel von Markus Oddey: Bomben auf Kiel, S.9
  7. www.uni-kiel.de: Die Stadt Kiel - Stadtentwicklung von Kiel (Memento vom 23. März 2010 im Internet Archive)
  8. Hans-G. Hilscher, Dietrich Bleihöfer: Kieler Straßenlexikon. 6. Auflage, Landeshauptstadt Kiel, Kiel 2014. (Online, PDF; 1,46 MB. Aktualisiert bis Juni 2015)
  9. www.gartenrouten-sh.de: Volkspark Gaarden Abgerufen am 27. März 2009
  10. Sozialraumbericht 2011 Gaarden (PDF; 2,0 MB) Abgerufen am 30.April 2012
  11. Quartalszahlen aus den Kieler Stadtteilen: 1. Quartal 2011 (PDF; 501 kB) Abgerufen am 11. Januar 2012
  12. www.kn-online.de, 5. März 2009: OB-Kandidaten fordern übereinstimmend mehr Engagement für Gaarden, abgerufen am 27. März 2009
  13. www.spiegel.de: Kofferbomber: Kiels Nährboden für Islamisten vom 25. August 2006 Abgerufen am 27. März 2009
  14. www.kiel.de: Oberbürgermeisterwahl am 15. März 2009: Ortsteil 16 (Memento vom 19. Dezember 2010 im Internet Archive)
  15. https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/tatort-kiel-borowski-und-die-kinder-von-gaarden-100.html
  16. Gottwaldt / Kampe: NS-Gewaltherrschaft: Beiträge zur historischen Forschung und juristischen Aufarbeitung, 2005, S. 224 (Anm. 31); eingesehen am 31. März 2010
  17. www.bundesliga.de; eingesehen am 29. Mai 2012
  18. www.dfb.de; eingesehen am 29. Mai 2012