Gab (Netzwerk)

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Gab
Logo
https://gab.com
Beschreibung Mikroblogging-Dienst
Registrierung Ja
Status aktiv

Gab ist ein soziales Netzwerk und Kurznachrichtendienst mit Sitz in Philadelphia[1] in Pennsylvania, Vereinigte Staaten. Die Nachrichten mit bis zu 300 Zeichen werden „gabs“ (von englisch to gab „quatschen“) genannt. Während Gab das Recht auf freie Meinungsäußerung geltend macht, wird der Seite vorgeworfen, Rassisten und Rechtsextremen eine Plattform zu bieten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die Website im August 2016 von Andrew Torba (Geschäftsführer), Ekrem Büyükkaya (Produktleitung) und Utsav Sanduja (Leitung des operativen Geschäfts),[1] zunächst mit Sitz in Austin in Texas,[1] und ist seit Mai 2017 für die Öffentlichkeit zugänglich. Als Top-Level-Domain werden .ai des Staates Anguilla sowie .com verwendet. Technisch gilt sie als eine Mischung aus Twitter und Reddit.[2] Sie bietet begrenzte Multimedia-Funktionalität. Gab hatte nach eigenen Angaben im August 2018 ungefähr 525.000 Benutzer.[3] Die zweitgrößte Benutzergruppe sind Deutsche.[4]

Das Logo von Gab zeigt einen Frosch namens „Gabby“. Gab-Gründer Andrew Torba verneinte eine Anspielung auf den rechtsextremen Internet-MemePepe der Frosch“, der von der Anti-Defamation League als Hass-Symbol eingestuft wurde. Das Logo sei stattdessen ein Verweis auf die biblische Froschplage und eine Metapher: Gab lasse die Frösche auf das Silicon Valley los, um dessen „Korruption, Zensur und Informationsmonopol im Internet“ bloßzustellen.[2][5]

Gab möchte nach eigener Darstellung „die freie Rede für Jedermann“ fördern und lehnt Zensur ab. Die Nutzungsbedingungen verbieten illegale Pornographie, Werbung für Terrorismus und Gewalt sowie die Veröffentlichung vertraulicher Informationen. Sonst sei alles erlaubt (anything goes).[2]

Kritik und Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gab wurde als „Twitter für Rassisten“[6][7] und als „hasserfüllte Echokammer für Rassismus und Verschwörungtsheorien“[8] bezeichnet. Ein Großteil der Nachrichten enthalte Rassismus, Verschwörungstheorien, Waffenkult und Trump-Verherrlichung.[8][9][4] Mehrere Protagonisten der Rechtsradikalen (Alt-Right), die auf Twitter gesperrt wurden, seien zu Gab abgewandert, beispielsweise der frühere Breitbart-Autor Milo Yiannopoulos, Alex Jones, Richard Spencer und der Gründer der Neonazi-Website The Daily Stormer, Andrew Anglin.[6][10][11][4] Auch deutschsprachige rechte Twitter-Nutzer wichen bei Sperrung gelegentlich auf diese Plattform aus.[12] Rechtsextreme Gruppen wie Patriot Front und Atomwaffen Division sollen sich offen über Gab organisiert haben.[13] Kritikern zufolge sei „die auf dem Portal gewährte Redefreiheit oft in Hassrede und Terrorpropaganda umgeschlagen“.[10]

Im Dezember 2016 verbannte Apple eine iOS-Version von Gab aufgrund pornografischer Inhalte aus Apple-Stores. Eine wenig später erneut eingereichte Version, welche pornografische Inhalte blocken sollte, wurde ebenfalls abgelehnt.[14] Im August 2017 entfernte Google die Gab-Version für Androidgeräte aus dem Google Play Store mit der Begründung, Gab verletze Googles Richtlinien gegen Hassrede.[15]

Der Attentäter, der am 27. Oktober 2018 bei einem Anschlag in der Pittsburgher Synagoge elf Menschen tötete und sechs weitere verletzte, soll sein Vorhaben auf Gab angekündigt haben. Daraufhin wurde Gab von den Bezahldiensten Paypal und Stripe ausgeschlossen, vom Bloghoster Medium gesperrt und erhielt Kündigungen vom Cloud-Anbieter Joyent sowie vom Webhosting-Anbieter GoDaddy.[16][17][18][19][20][10] Auch Apple, Google und Microsoft kündigten Schritte gegen Gab an.[10]

Während Torba die Plattform als Opfer der Medien und des Silicon Valley darstellte,[10] legte Büyükkaya sein Amt bei Gab nieder. Die Attacken der amerikanischen Presse seit zwei Jahren seien persönlich zu belastend geworden.[21]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Garance Franke-Ruta: Gab, the social network of the 'Alt-Right' fights to stay online. Yahoo News. 22. September 2017. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  2. a b c Gab: Free speech haven or alt-right safe space? In: BBC, 14. Dezember 2016. Abgerufen am 30. Oktober 2018
  3. Andrew Torba: About to pass 525,000. In: GAB. 10. August 2018, abgerufen am 12. August 2018.
  4. a b c Karin Janker: Wo der Hass im Netz hofiert wird. In: sueddeutsche.de. 28. Oktober 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  5. Amanda Hess: The Far Right Has a New Digital Safe Space. In: The New York Times. 30. November 2016, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 22. August 2017]).
  6. a b Thor Benson: Inside the “Twitter for racists”: Gab — the site where Milo Yiannopoulos goes to troll now. In: Salon. 5. November 2016, abgerufen am 26. Juni 2017.
  7. Onlineportal Gab.com - "Twitter für Rassisten". In: Der Spiegel, 28. Oktober 2018. Abgerufen am 30. Oktober 2018.
  8. a b Andrew Anthony: Inside the hate-filled echo chamber of racism and conspiracy theories. In: The Guardian. 17. Dezember 2016, abgerufen am 26. Juni 2017.
  9. Philip Banse: Gab.ai – Eine neue Plattform für die Rechten? In: Deutschlandfunk Kultur. Abgerufen am 26. Juni 2017.
  10. a b c d e Nach Anschlag auf US-Synagoge: Hoster zieht bei Twitter-Alternative Gab den Stecker. In: Heise online, 29. Oktober 2018. Abgerufen am 31. Oktober 2018
  11. Michael Moorstedt: Gab.ai: Neue Online-Heimat für Alt-right-Bewegung. In: Süddeutsche Zeitung. 21. November 2016, abgerufen am 26. Juni 2017: „Derweil hat sich Twitter mühsam dazu durchgerungen, mehrere prominente Profile der sogenannten Alt-right-Bewegung zu sperren, die notorisch gegen Frauen, Minderheiten und andere vermeintlich hilflose Menschen hetzt.“
  12. Peter Mühlbauer: FDP: Wahlkampf mit Meinungsfreiheit. In: Telepolis. 1. Juni 2017, abgerufen am 6. Juni 2017.
  13. Far-Right Site Gab Ditched by Cloud Host Joyent, Suspended by Stripe Amid Synagogue Massacre [Update: GoDaddy Yanks Domain]. In: Gizmodo, 28. Oktober 2018. Abgerufen am 31. Oktober 2018
  14. Apple Rejects Gab from App Store over Content Posted by Users - Breitbart. In: Breitbart. 17. Dezember 2016 (breitbart.com [abgerufen am 25. Dezember 2017]).
  15. Google’s app store has banned Gab — a social network popular with the far-right — for 'hate speech'. In: Business Insider. (businessinsider.de [abgerufen am 25. Dezember 2017]).
  16. Anschlag in Pittsburgh – Rechtes Onlineportal geht offenbar offline. Der mutmaßliche Attentäter von Pittsburgh soll auf dem Nachrichtendienst Gab.com antisemitische Botschaften verbreitet haben. Nun muss die Seite ab Montag ihren Betrieb aussetzen. In: Der Spiegel, 28. Oktober 2018. Abgerufen am 28. Oktober 2018
  17. Philipp Vetter: GAB.com. Das Twitter für Antisemiten und Rassisten hat jetzt ein Problem. In: Die Welt, 28. Oktober 2018. Abgerufen am 28. Oktober 2018
  18. What is Gab, the social network apparently used by Pittsburgh synagogue shooting suspect? In: abc13.com, 28. Oktober 2018. Abgerufen am 29. Oktober 2018
  19. After Pittsburgh synagogue shooting, Gab banned by PayPal, suspended by two other platforms. In: Fox News, 28. Oktober 2018. Abgerufen am 29. Oktober 2018
  20. Suspect in synagogue slayings spewed online hate for Jews. In: APnews.com, 27. Oktober 2018. Abgerufen am 29. Oktober 2018
  21. Gab, the white supremacist sanctuary linked to the Pittsburgh suspect, goes offline (for now) In: Washington Post, 29. Oktober 2018. Abgerufen am 31. Oktober 2018