Gaby Weber

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Gaby Weber (2011)

Gabriele „Gaby“ Weber (* 4. Januar 1954 in Stuttgart) ist eine deutsche Publizistin. Ein Schwerpunkt ihrer Publikationen liegt auf der Geschichte der deutsch-lateinamerikanischen Beziehungen.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weber studierte Romanistik und Publizistik an der Freien Universität Berlin, wo sie 1979 mit dem Magister Artium abschloss und 1982 am Lateinamerika-Institut promoviert wurde. Ab 1978 ist sie als Journalistin und seit 1986 als freie Korrespondentin tätig, zuerst aus Montevideo und von 2002 an aus Buenos Aires. Dort arbeitet sie überwiegend für die Rundfunk-Anstalten der ARD.

Neben der Korrespondententätigkeit hat sie mehrere Reportagen und umfangreiche Recherchen zur Geschichte nachrichtendienstlicher Aktivitäten veröffentlicht. Darunter 1989 Gespräche mit Guerilla-Führern in Argentinien, Bolivien, Chile und Uruguay, 2004 über Daimler-Benz und die Argentinien-Connection und 2005 ein Theaterstück über Adolf Eichmann und die Atomforschung in Argentinien. Die Recherchen zu diesem Thema führten zu umfangreichen Korrespondenzen und Berichten über die noch immer gesperrten nachrichtendienstlichen Archivalien der Bundesregierung.[1][2] Nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts müssen die vom Bundeskanzleramt als Aufsichtsbehörde gesperrten Archivbestände jedoch überwiegend freigegeben werden.[3]

Nach eigener Darstellung wurde Weber am 17. August 2010 von Beamten der US-amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP auf dem Flughafen Washington-Dulles-International an der Einreise in die USA gehindert und vernommen.[4] Sie hatte eine ESTA-Anreisegenehmigung dabei. Es wurde ihr nicht gestattet, einen Anwalt oder das deutsche Konsulat zu benachrichtigen.[5] Weber wollte im Bundesarchiv von Washington den Verbleib von deutschen Kriegsverbrechern nach dem Zweiten Weltkrieg recherchieren. Als Begründung wurde das Fehlen von Einreisedokumenten angegeben.

Nach eigener Darstellung erfuhr Weber 2011 bei einer Recherche zur Colonia Dignidad, dass Akten des BND, deren Einsichtnahme sie zuvor gerichtlich erstritten hatte, durch eine sogenannte „Notvernichtungshandlung“ vernichtet worden waren. Weber vermutet, dass die Akten Material enthielten, das den BND oder andere deutsche Staatsorgane belastet hätte.[6] Die Bundesregierung bestreitet diese Darstellung.[7]

In ihrem 2012 erschienenen Buch Eichmann wurde noch gebraucht hält es Weber für wahrscheinlich, dass die Entführung Adolf Eichmanns nach Israel lediglich vom Bekanntwerden geheimer unterirdischer Atomtests der USA in Argentinien ablenken sollten, die 1960 aufgrund des Erdbebens von Valdivia bekannt zu werden drohten. In den Medien stieß Webers neue Ablenkungsthese überwiegend auf Kritik; Rainer Blasius bezeichnete die Autorin in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als „Verschwörungstheoretikerin“,[8] Die Welt sprach von einem „Musterbeispiel dafür, wie Verschwörungstheorien funktionieren“.[9] Der Philosoph Bernhard Taureck dagegen bezeichnete Webers Recherchen als gründlich und ihre These als „begründete Vermutungen“.[10]

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mercedes-Benz Argentina – Rechtsweg ausgeschlossen? Deutschlandfunk, Feature, 6. Januar 2015[12]
  • Der Niedergang des Journalismus (NachDenkSeiten), 11. November 2015[13]
  • Streit mit dem WDR: „Meine Arbeit wurde nachgedreht“[14]
  • Eichmann wurde noch gebraucht. Der Massenmörder und der Kalte Krieg. Das Neue Berlin, Berlin 2012, ISBN 978-3360021380
  • Die nukleare Pflugschar – US-Testversuche trotz des Moratoriums? Deutschlandfunk, Dossier, 2. September 2011[15]
  • Chatting with Sokrates. Dialog um Öl, Atom und Eichmann · Ein Theaterstück. Die Buchmacherei, Berlin 2008, ISBN 978-3-00-025223-5[16]
  • Daimler-Benz und die Argentinien-Connection. Von Rattenlinien und Nazigeldern. Assoziation A, Berlin 2004, ISBN 3-935936-33-8
  • Besichtigung der Hinterhöfe. Reportagen über die Geschäfte der Schweizer Multis in Afrika, Asien und Lateinamerika. Mit einem Vorwort von Jean Ziegler. Die Wochenzeitung in Zusammenarbeit mit der Erklärung von Bern. Rotpunktverlag, Zürich 1989, ISBN 3-85869-057-0
  • Die Guerilla zieht Bilanz : lateinamerikanische Guerilla-Führer sprechen über Fehler, Strategie und Konzeption – Gespräche, aufgezeichnet in Argentinien, Bolivien, Chile und Uruguay, Giessen : Focus 1989, ISBN 3-88349-375-9.
  • Das Gehirnwäscheprogramm der CIA. Libertäre Assoziation, Hamburg 1981, ISBN 3-922611-06-0

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gaby Weber: Eichmanns Festnahme - was geschah wirklich? Hamburger Abendblatt, 19. März 2007, abgerufen am 8. April 2014.
  2. Gaby Weber: Angela Merkel hält Akten geheim. Ossietzky, Nr. 23, 8. Dezember 2008, abgerufen am 8. April 2014.
  3. NS-Verbrecher: Bund muss Eichmann-Akten teilweise freigeben. In: kgp / ddp / AFP. Spiegel Online, 30. April 2010, abgerufen am 8. April 2014.
  4. Harald Neuber: USA: Unliebsame Recherchen unterbunden. Telepolis, 19. August 2010, abgerufen am 8. April 2014.
  5. Gitta Düperthal: Nicht mal das Konsulat durfte ich verständigen. Deutsche Journalistin wollte in den USA recherchieren – trotz gültiger Papiere wurde sie abgeschoben. Gespräch mit Gaby Weber. In: junge Welt. 20. August 2010, abgerufen am 8. April 2014.
  6. Gaby Weber: Der BND und die für Folter und Kindesmissbrauch bekannte Colonia Dignidad. heise online, 22. September 2011, abgerufen am 8. April 2014.
  7. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Wolfgang Gehrcke, Jan van Aken, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. Drucksache 17/6751. 23. August 2011, abgerufen am 8. April 2014 (PDF).
  8. Rainer Blasius: Ablenkung? Adolf Eichmann und die Weltpolitik im Mai 1960. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 101, 30. April 2012, S. 8.
  9. Sven Felix Kellerhoff: Sollte Eichmann-Coup US-Atomprogramm decken? Die Welt, 14. Mai 2012, abgerufen am 8. April 2014.
  10. Bernhard Taureck: Gaby Weber: Eichmann wurde noch gebraucht. Der Massenmörder und der Kalte Krieg. In: Die Buchkritik. SWR2, 26. September 2012, abgerufen am 8. April 2014 (PDF).
  11. Preisträger des Alternativen Medienpreises 2015, Quelle: Alternativer Medienpreis.
  12. Mercedes-Benz Argentina – Rechtsweg ausgeschlossen? Auf: deutschlandfunk.de, vom 6. Januar 2015, abgerufen am 19. Juni 2016.
  13. youtube.com (8. Juni 2016)
  14. youtube.com (8. Juni 2016)
  15. Die nukleare Pflugschar und Sendemanuskript hierzu. Auf: deutschlandfunk.de, vom 2. September 2011, abgerufen am 19. Juni 2015.
  16. Kritiken / Interviews zu „chatting with Sokrates“. diebuchmacherei.de, abgerufen am 8. April 2014.
  17. youtube.com (8. Juni 2016)
  18. youtube.com (8. Juni 2016)