Gailtal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gailtal
Das Gailtal vom Gipfel des Gartnerkofel

Das Gailtal vom Gipfel des Gartnerkofel

Lage Kärnten
Gebirge Gailtaler Alpen / Karnischer Hauptkamm
Geographische Lage 46° 38′ 0″ N, 13° 11′ 8″ OKoordinaten: 46° 38′ 0″ N, 13° 11′ 8″ O
Gailtal (Kärnten)
Gailtal
Gewässer Gail

Das Gailtal (slowenisch Ziljska dolina) ist ein von Osttirol nach Kärnten verlaufendes Tal. Es nimmt seinen Anfang in Tilliach und endet bei Villach, wo die Gail bei der Ortschaft Maria Gail in die Drau mündet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gailtal ist besonders reizvoll durch den Kontrast zwischen dem ebenen, weiten Talboden und den teils schroffen Gebirgshängen. Es wird im Norden durch die Lienzer Dolomiten und die Gailtaler Alpen gesäumt, im Süden durch Karnische Alpen und Karawanken. In Kärnten verteilt es sich auf die Bezirke Hermagor (Šmohor) und Villach-Land, in Osttirol liegt es im Bezirk Lienz.

Im Unterlauf ist das Talbild über eine Strecke von etwa 10 km geprägt durch die sogenannte Schütt, das Ablagerungsgebiet von zwei mächtigen Bergstürzen, die in prähistorischer Zeit sowie im Jahr 1348 vom Dobratsch (östlicher Ausläuferberg der Gailtaler Alpen) niedergegangen sind.

Einteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oberlauf der Gail wird unterteilt in das Tiroler Gailtal und das Kärntner Lesachtal. Die Große Gail fließt vom Kartitscher Sattel (1525 m) nach Osten, die Kleine Gail fließt nach Westen.

Von Norden münden 72 Bäche (genannt „Gräben“) in die Gail, unter anderem folgende: Klammbach, Gritschenbach, Rodarmbach, Gärberbach, Nieschenbach, Eggenbach, Trattenbach, Radegunder Bach, Tscheltscher Bach, Pallaser Bach, Stabentheiner Graben, Mattlinggraben, Podlaniger Graben, Stampfgraben und Strajacher Graben.

Aus Richtung Süden münden 18 Täler ein, von West nach Ost sind dies folgende: Hollbrucker Tal, Schustertal, Winkler Tal und Erschbaumer Tal münden in die Kleine Gail. Schöntal, Leitnertal, Tilliacher Tal, Rollertal, Winklertal, Raabtal, Ebnertal, Moosertal, Frohntal, Obergailer Tal, Niedergailer Tal, Wolayer Tal, Sittmooser Tal und Valentintal münden in die Große Gail.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gailtaler Frauentracht beim Kufenstechen in Feistritz/Gail

Während das obere Gailtal deutschsprachig ist, hat sich östlich von Hermagor im unteren Gailtal bis heute ein slowenischer Bevölkerungsanteil mit einer eigenen Mundart erhalten (siehe Slowenische Mundarten). Germanisiert wurde das Gailtal im Wesentlichen von Osttirol und dem Drautal aus. Dementsprechend reicht hier die Tiroler Mundart nach Kärnten durch das ganze Lesachtal hinein. Das Gailtalerische, das im Unterlauf der Gail gesprochen wird, hat ein deutliches Oberkärntner Gepräge.

Die Bezirke Hermagor und Villach Land haben besonders hohe Anteile an Evangelischen (jeweils über zwanzig Prozent). Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das Watschiger Toleranzbethaus.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine besondere kulturelle Ausprägung im Gailtal hat sich mit dem „Kufenstechen“ herausgebildet, das in etlichen Gemeinden des Tals durchgeführt wird. Das bekannteste unter ihnen ist das Kufenstechen in Feistritz an der Gail, das am Pfingstmontag stattfindet.
Mit der Gailtaler Tracht hat sich im Lauf von Jahrhunderten auch eine eigene, charakteristische und bäuerlich geprägte Tracht entwickelt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell war das Gailtal durch die Landwirtschaft geprägt (Pferdezucht, Fuhrwesen). Es gab viele Almdörfer. Mit dem Rückgang der Landwirtschaft lebt es heute im Wesentlichen vom Tourismus (Naßfeld, Karnischer Höhenweg, Pressegger See). Besonders das Lesachtal hat sich dem sanften Tourismus verschrieben. Mit dem Tiroler Gailtal, der Gemeinde Lesachtal und der Ortschaft Mauthen liegen drei Bergsteigerdörfer im Gailtal. Gewerbe und leichte Industrie gibt es in Hermagor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Jannach: Gailtal/Ziljska dolina. In: Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, von den Anfängen bis 1942. Wien, Böhlau Verlag 2016, Bd. 1, S. 375-382.
  • Karmen Kenda-Jež (Übers. Bojan-Ilija Schnabl, Peter Weiss, Reinhold Jannach): Gailtaler Dialekt. In: Enzyklopädie der slowenischen Kulturgeschichte in Kärnten/Koroška, von den Anfängen bis 1942. Wien, Böhlau Verlag 2016, Bd. 1, S. 382-385.
  • Bernhard Gitschtaler (Hrsg.): Ausgelöschte Namen. Die Opfer des Nationalsozialismus im und aus dem Gailtal – Ein Erinnerungsbuch. Otto-Müller Verlag, Salzburg 2015.
  • Bernhard Gitschtaler, Daniel Jamritsch: Das Gailtal unterm Hakenkreuz. Über Elemente nationalsozialistischer Herrschaft im Gailtal. kitab-Verlag, Klagenfurt/Celovec 2013.
  • Marija Makarovič, Jana Dolenc: Die slowenische Volkstracht in Wort und Bild. Fünfter Band: Das Gailtal. Ljubljana 1992.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gailtal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien