Drauzug

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Drauzug/Gailtaler Alpen mit Lienzer Dolomiten
Höchster Gipfel Große Sandspitze (2770 m ü. A.)
Lage Kärnten / Osttirol, Österreich
Einteilung nach ÖK[1], AVE Nr. 56, Trimmel Nr. 3700
Koordinaten 46° 42′ N, 13° 10′ O46.69194444444413.1747222222222770Koordinaten: 46° 42′ N, 13° 10′ O
Besonderheiten Höchster Berg der Gailtaler Alpen im engeren Sinne: Reißkofel 2371 m

Der Drauzug, auch mit Gailtaler Alpen bezeichnet, ist ein Kalkalpenzug am Südrand Österreichs. Er verläuft zwischen Drau- und Gailtal (südliches Kärnten) und durch den Süden von Osttirol. Die Westgruppe, die Lienzer Dolomiten, werden teils zur Gebirgseinheit gezählt, teils extra geführt.

Zu Benennung und Einordnung[Bearbeiten]

Aufgrund der komplexen Regionalgeografie und Geologie des Raums konkurrieren einige unterschiedliche Nomenklaturen und Zuordnungen.

  • Auf der Österreichischen Karte[1] und nach der Ostalpeneinteilung der Alpenvereine (Gebirgsgruppennummer 56) ist der Überbegriff für den Bergzug Gailtaler Alpen. Diese werden dann – in der AVE ohne Bezifferung – in Lienzer Dolomiten und Drauzug geteilt.
  • Nach der örtlichen Gepflogenheit ist Drauzug der Überbegriff für den ganzen Kalkalpenstock zwischen Drau- und Gailtal. Er umfasst dann die Lienzer Dolomiten und die Gailtaler Alpen.

In den beiden Nomenklaturen sind also die Wörter Drauzug und Gailtaler Alpen gegeneinander vertauscht.

  • Die Gebirgsgruppengliederung nach Trimmel[2] verwendet ebenfalls Gailtaler Alpen, mit der Nummer 3700, als Oberbegriff, vermeidet dann Missverständnisse mit dem Ausdruck ‚Drauzug‘, und gliedert gleich in fünf Untergruppen, von denen die Lienzer Dolomiten (Nr. 3710) eine sind.

Der unterschiedlichen Wortverwendung liegt eine lange Forschungsgeschichte zugrunde:[3] Den Begriff Drau-Save-Zug als Vorläufer (für alle Berge zwischen Drau und Save) prägte Theobald von Zollikofer 1859,[4] spätere Autoren von Standardwerken wie Eduard Suess (1875)[5] und Carl Diener (1899) verstanden unter dem Begriff Drauzug Unterschiedliches. Die Auffassung, dass Lienzer Dolomiten, Gailtaler Alpen und Nordkarawanken zum Drauzug zu rechnen wären, geht auf Leopold Kober 1938[6] zurück. Die Abgrenzung durch die Tallinien von Gail und Drau fußt in den Arbeiten von Josef Moriggl (1928)[7] und Hubert Trimmel (1962).[2]

Der Drauzug liegt nördlich der Periadriatischen Naht und gehört somit geologisch nicht zu den Südalpen, sondern den Ostalpen. Er ist ein infolge seiner speziellen Orogenese südlich der Zentralalpen verbliebener Rest derjenigen ostalpinen Kalkdeckensysteme, deren größter Teil im Zuge der Alpenfaltung über die Zentralalpen hinweg nach Norden geschoben wurde und dort die Nördlichen Kalkalpen bildete.

Die Lienzer Dolomiten haben ihren Namen von den westlich davon liegenden Dolomiten, gehören aber geologisch nicht zu dieser Formation: Sie bestehen nicht aus Dolomit, ähneln aber den Dolomiten in ihren Gipfelformationen. Dolomitformationen finden sich aber auch gegen Südosten in den Karawanken wieder.

Streng genommen gehört aus gesteinskundlicher Sicht das ebenfalls zwischen den beiden Tälern von Gail und Drau liegende Urgesteinsmassiv Goldeck nicht zum System.

Damit stellt sich ihre Zuordnung folgendermaßen dar:

Benachbarte Gebirgsgruppen[Bearbeiten]

Nach der AVE:

Landschaft[Bearbeiten]

Die Lienzer Dolomiten mit Lienz

Das 100 km lange, im Westen schmale Gebirge liegt zwischen Gail im Süden und Drau im Norden. In einer Furche zwischen den Gailtaler Alpen und dem Goldeck liegt der Weißensee, der höchstgelegene Badesee Österreichs.

Gliederung in 5 Gebirgszüge[Bearbeiten]

Der Drauzug gliedert sich in West-Ost-Richtung in fünf durch Quertäler und ein Längstal getrennte Gebirgstöcke:[2]

Weitere Gipfel (Auswahl)[Bearbeiten]

Bevölkerung und Wirtschaft[Bearbeiten]

Innerhalb des Drauzuges befinden sich nur drei nennenswert bevölkerte Gegenden: Bleiberg zwischen Dobratsch- und Spitzegelgruppe, das durch Jahrhunderte von der Bleigewinnung lebte und heute vom Thermentourismus, sowie der Stockenboier Graben und die Gegend Gitschtal-Weissensee, die beide vom Tourismus (Sommer wie Winter) leben.

Verkehr[Bearbeiten]

Übergänge (von Ost nach West):

Alpine Erschließung[Bearbeiten]

Der Gailtaler Höhenweg durchzieht die Gailtaler Alpenkette über die ganze Länge.

Schutzhütten[8]
Bliessalm privat
E.T.-Compton-Hütte OeAV Sektion Austria
Hochstadelhaus privat
Karlsbader Hütte DAV Sektion Karlsbad
Kerschbaumeralm Schutzhaus  ÖTK Sektion Lienz
Ludwig-Walter-Haus OeAV Sektion Villach
Ödenhütte privat
Reisskofel-Biwak OeAV Sektion Obergailtal-Lesachtal
Weissbriacher Hütte OeAV Sektion Hermagor

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Koordinate nach Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen/GEONAM Österreich, zwischen Dristallkofel und Sattelnock
  2. a b c  Hubert Trimmel, Verband österreichischer Höhlenforscher (Hrsg.): Gebirgsgruppengliederung für das österreichische Höhlenverzeichnis. Wien 1962.
  3.  Christoph Hauser: Erläuterungen zu Blatt 201-210 Villach-Assling. In: Christoph Hauser (Zusammenstellung), Geologische Bundesanstalt (Hrsg.): Geologische Karte der Republik Österreich. 1:50.000. Wien 1982, ISBN 3-900312-19-2, 2. Erforschungsgeschichte, S. 4/5 (Beiträge von Nikolaus Anderle, Franz K. Bauer, Christoph Hauser, Benno Plöchinger, Manfred E. Schmid, Hans Peter Schönlaub, pdf, geologie.ac.at, abgerufen am 21. Dezember 2010).
  4.  Theobald von Zollikofer: Die geologischen Verhältnisse des Drannthales in Unter-Steiermark. In: K.K. Geologische Reichsanstalt (Hrsg.): Jb. k. k. geol. Reichsanst. 10, Wien 1859, S. 155–219.
  5.  Eduard Suess: Die Entstehung der Alpen. Wien 1875.
  6.  Leopold Kober: Bau und Entstehung der Alpen. 1. Auflage. Springer, Wien 1938 (  2. Auflage. Deuticke, Wien 1955.).
  7.  Josef Moriggl, Hauptausschuß des D. u. Ö. Alpenvereins (Hrsg.): Ratgeber für Alpenwanderer in den Ostalpen. Mit Schutzhüttenverzeichnis. 2. Auflage. München 1928 (Moriggl-Einteilung, Vorläufer der heutigen Alpenvereinseinteilung).
  8. Gailtaler Alpen, alpenverein.at