Galapagos-Riesenschildkröten

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Galapagos-Riesenschildkröte (Chelonoidis porteri)

Als Galapagos-Riesenschildkröten (Chelonoidis nigra-Artenkomplex) werden 15 auf den verschiedenen Galapagosinseln endemisch vorkommende Schildkrötenarten bezeichnet. Die Galapagos-Riesenschildkröten sind kein eigenständiges Taxon, sondern bilden mit einigen Schildkrötenarten des südamerikanischen Festlands (z. B. die Köhlerschildkröte (Chelonoidis carbonarius) und die Waldschildkröte (C. denticulatus)) die Gattung Chelonoidis in der Familie der Landschildkröten (Testudinidae).[1] Drei oder vier Arten der Galapagos-Riesenschildkröten gelten als ausgestorben.

Beschreibung und Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung und Biotop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galapagos-Archipel mit Auflistung der aktuell anerkannten Arten der Galapagos-Schildkröte. Inseln mit überlebenden Arten sind schattiert.
San-Cristóbal-Riesenschildkröte (C. chathamensis)
Pinzón-Riesenschildkröte (C. duncanensis)
Santa-Cruz-Riesenschildkröte (Chelonoidis porteri)

Galapagos-Riesenschildkröten leben auf dem Galapagos-Archipel, einer Inselgruppe im Pazifischen Ozean. Auf den größeren Inseln mit üppiger Vegetation in regenfeuchten, höheren Regionen leben Schildkröten mit kuppelförmigem Panzer, die sog. „Graser“. Auf den kleineren und flacheren Inseln, mit spärlicher Vegetation und sehr heißem, trockenem Klima, leben Tiere mit sattelförmigem Panzer. Inseln mit beiden Vegetationszonen werden von mehreren Arten bevölkert.

C. abingdonii gilt seit dem 24. Juni 2012 als ausgestorben. Letzter Vertreter war Lonesome George; er starb mit ca. 100 Jahren im Galapagos-Nationalpark. Eine intensive Suche auf der Insel Pinta nach einem Geschlechtspartner förderte keine weiteren Exemplare dieser Art zu Tage (Pritchard 2004). Es bestand die Chance, auf der Nachbarinsel Isabela fündig zu werden, wo bereits einzelne Exemplare mit genetischen Merkmalen dieser Art entdeckt worden waren.[2]

Die Vegetationsformen im Habitat der einzelnen Arten reichen von Dornengebüsch und Kakteen, vor allem im küstennahen Tiefland, über Büsche und Laubwald bis hin zu tropischen Wäldern mit dichtem Unterwuchs in den höheren Regionen. Adulte Tiere halten sich bevorzugt in den Zonen mit üppiger Vegetation auf. Die Weibchen wandern jedoch zur Eiablage in die wärmeren Küstengebiete, in denen auch die Jungtiere aufwachsen.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgestorbene Arten
Art Panzer Vorkommen Anzahl (2010)[21]
C. becki Sattelrückenform Wolf-Vulkan auf Isabela 1139
C. chathamensis intermediäre Form, Kuppelform San Cristóbal 1824
C. darwini intermediäre Form San Salvador 1165
C. donfaustoi Kuppelform Cerro Fatal auf Santa Cruz
C. duncanensis, Synonym C. ephippium Sattelrückenform Pinzón 532
C. guntheri Kuppelform Sierra-Negra-Vulkan auf Isabela 694
C. hoodensis Sattelrückenform Española 860
C. microphyes Kuppelform Darwin-Vulkan auf Isabela 818
C. phantasticus Sattelrückenform Fernandina
C. porteri Kuppelform Santa Cruz 3391
C. vandenburghi Kuppelform Alcedo-Vulkan auf Isabela 6320
C. vicina intermediäre F, Kuppelform Cerro-Azul-Vulkan auf Isabela 2574

Folgendes Kladogramm gibt die wahrscheinlichen verwandtschaftlichen Verhältnisse wieder:[7]

 Chelonoidis 


Köhlerschildkröte (Chelonoidis carbonarius)


   

Waldschildkröte (C. denticulatus)



   

Argentinische Landschildkröte (Chelonoidis chilensis)


 C. nigra-Artenkomplex 

C. becki & C. darwini


   




C. abingdonii


   

C. hoodensis



   

C. chathamensis


   

C. donfaustoi




   

Santa Fé-Riesenschildkröte



   



C. guntheri, C. microphyes, C. vandenburghi & C. vicina


   

C. nigra



   

C. phantasticus


   

C. porteri




   

C. ephippium







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Infolge der Verbringung von Arten auf andere Inseln im 19. Jahrhundert (durch Walfänger und Piraten) kam es zur Hybridisierung, also zur Kreuzung von verschiedener Arten (primär auf der Insel Isabela).

Abstammung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu der Frage, warum es Riesenschildkröten gerade auf abgelegenen und voneinander sehr weit entfernten Inselgruppen (Aldabra-Atoll, Seychellen und Galapagos) gibt, existieren zwei Theorien. Nach der einen haben sich kleinere, mit Treibgut angeschwemmte Tiere auf den Inseln zu Riesenformen entwickelt (Obst 1985). Die zweite besagt, dass diese Riesenformen auf den abgeschiedenen Inseln die letzten Überlebenden, möglicherweise sogar Verkleinerungsformen, ihrer einst weltweit verbreiteten Arten sind (Pritchard 1996, Caccone 1999).

Tatsächlich ergaben Genanalysen, dass die nächsten Verwandten der Elefantenschildkröten oder Galapagos-Riesenschildkröten die Argentinische Landschildkröte (Chelonoidis chilensis) aus dem südlichen Südamerika ist, während die nächsten Verwandten der Seychellen-Riesenschildkröten aus Madagaskar stammen und vermutlich von dort aus die Seychellen und die Maskarenen (Mauritius, Réunion und Rodrigues) besiedelt haben.

Ernährung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Je nach Unterart und Biotop ernähren sich die Schildkröten von Gräsern, Kräutern, Kletterpflanzen, Büschen, Beeren, Flechten und Kakteen, vor allem Opuntien.

Je nach Ernährungsweise haben die Tiere im Laufe der Evolution verschieden geformte Panzer entwickelt, wobei Unterarten, die sich vorwiegend von Bodenbewuchs ernähren, einen kuppelförmigen Panzer aufweisen. Unterarten, die sich vorwiegend von Büschen und Opuntien ernähren, haben dagegen einen sattelförmigen Panzer, der größere Halsbewegungen und damit das Abfressen von Futter in größerer Höhe erlaubt.

Geschlechtsunterschiede und Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paarung

Wie die kleineren Landschildkrötenarten weisen Riesenschildkröten einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf. Männchen besitzen einen längeren Schwanz, sind größer und haben einen konkaven (nach innen gewölbten) Bauchpanzer und einen flacheren Rückenpanzer als Weibchen. Meist weisen sie auch längere Fußnägel an den Hinterbeinen auf. Diese sekundären Merkmale treten erst im Vorfeld der Geschlechtsreife auf, bei der Galapagos-Riesenschildkröte ab einer Panzerlänge von 45–60 cm (gemessen über die Panzerwölbung, Mac Farland 1974). Die Geschlechtsreife wird mit 20–30 Jahren erreicht.

Die Paarungszeit liegt im Dezember bis August; zur Eiablage kommen die Weibchen aus den kühleren Hochlagen in die wärmeren Küstengebiete. Die Eiablagezeit beginnt Ende Juni und dauert bis zum November. Gelegt werden 4 bis 17 Eier mit Gewichten zwischen 80 und 150 g. Die Zeit bis zum Schlüpfen der Jungtiere (Inkubationszeit) beträgt bis zu 250 Tage. Das Schlupfgewicht der Jungtiere liegt bei ca. 60–100 g. Sie können bis zu einem Monat in der Nisthöhle verbleiben, bis sie sich, meist nach einem Regen, gemeinsam an die Oberfläche graben.

Körpergröße, Höchstalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harriet, ein Exemplar von Chelonoidis porteri im Australia Zoo, das angeblich von Charles Darwin gefangen wurde

Als Maximalgrößen für rezente frei lebende Galapagos-Riesenschildkröten werden 80 cm Panzerlänge für Weibchen und 95 cm für Männchen angegeben (jeweils gebogene Panzerlänge, MacFarland 1974). Im Freiland gehaltene Tiere erreichten Panzerlängen von 134 cm und eine Masse von bis zu 290 kg. Das größte in Gefangenschaft lebende Männchen wog sogar 422 kg (Ebersbach 2001).

Galapagos-Riesenschildkröten werden oftmals sehr alt (vgl. Harriet, die im Juni 2006 im Alter von vermutlich 176 Jahren starb).

Galapagos-Riesenschildkröte und Mensch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entdeckung der Galapagos-Inselgruppe wurden die Bestände sehr stark dezimiert und fünf der 15 bekannten Arten komplett ausgerottet. Geschätzt wird, dass in den letzten zwei Jahrhunderten 100.000 bis 200.000 Tiere getötet wurden. Bei den rezenten Arten wird der Bestand heute auf insgesamt 12.000 bis 15.000 Tiere geschätzt. Allerdings sind die Bestandszahlen sehr unterschiedlich auf die einzelnen Unterarten verteilt. Am zahlreichsten sind C. vandenburghi, C. porteri und C. becki, mit jeweils noch wenigen Tausend adulten Exemplaren. Nach einem Rettungsversuch war C. hoodensis (vgl. Diego) 2016 wieder mit 2.000 Tieren vertreten, obwohl sie fast ausgestorben war; 2012 war ein solcher Rettungsversuch bei C. abingdonii gescheitert.

Die Galapagos-Riesenschildkröten sind deshalb auch in Anhang A des Washingtoner Artenschutzabkommens gelistet, der höchsten Schutzstufe. Auf den Inseln selber wird seit 1960 ein Artenschutzprojekt betrieben, die Charles-Darwin-Forschungsstation, die inzwischen über 2500 Jungtiere nachgezogen und im Alter von drei bis fünf Jahren ausgewildert hat. Darüber hinaus sorgt die Station für die Eindämmung von Neophyten und Neozoen, die die größte Bedrohung der Artenvielfalt auf Galapagos darstellen. Für die Riesenschildkröten sind vor allem Schweine, Ziegen, Katzen und Ratten eine Bedrohung, denen Gelege und Jungtiere zum Opfer fallen, außerdem eingeschleppte Pflanzen, die einheimische Pflanzen verdrängen und auf diese Weise die Nahrungsgrundlage zerstören.

Haltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galapagos-Riesenschildkröten werden gegenwärtig (2020) in 17 europäischen Zoos gehalten, in Deutschland sind sie in den Zoos Rostock und Hoyerswerda zu sehen. Die Zucht wird vom Zoo Zürich im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms koordiniert, jedoch lassen sich nur noch einzelne Tiere einer Art zuordnen, da früher nicht auf artenreine Zucht geachtet wurde[22]. Durch ex-situ Artenschutztprojekte und Forschung an Zooexemplaren werden die wildlebenden Schildkröten unterstützt; so wurden in Zürich Untersuchungen zu Verdauung und Fortpflanzung der Galapagos-Riesenschildkröten gemacht.[23]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chelonoidis in The Reptile Database
  2. Hoffnung für den "Einsamen George" spektrum.de vom 30. April 2007
  3. Chelonoidis becki in The Reptile Database
  4. Chelonoidis chathamensis in The Reptile Database
  5. Chelonoidis darwini in The Reptile Database
  6. Chelonoidis donfaustoi in The Reptile Database
  7. a b Nikos Poulakakis, Danielle L. Edwards, Ylenia Chiari, Ryan C. Garrick, Michael A. Russello, Edgar Benavides, Gregory J. Watkins-Colwell, Scott Glaberman, Washington Tapia, James P. Gibbs, Linda J. Cayot, Adalgisa Caccone (2015): Description of a New Galapagos Giant Tortoise Species (Chelonoidis; Testudines: Testudinidae) from Cerro Fatal on Santa Cruz Island. PLoS One 10 (10): e0138779. doi:10.1371/journal.pone.0138779
  8. Chelonoidis duncanensis in The Reptile Database
  9. Chelonoidis guntheri in The Reptile Database
  10. Chelonoidis hoodensis in The Reptile Database
  11. Chelonoidis microphyes in The Reptile Database
  12. Chelonoidis phantasticus in The Reptile Database
  13. John Van Denburgh: Preliminary Description of Four New Races of Gigantic Land Tortoises from the Galapagos Islands, in: Proceedings of the California Academy of Sciences 1 (1907) 1–6 (online).
  14. Jill Langlois: How an ‘extinct’ tortoise was rediscovered after a century. National Geographic Society. 22. Februar 2019.
  15. Chelonoidis porteri in The Reptile Database
  16. Chelonoidis vandenburghi in The Reptile Database
  17. Chelonoidis vicina in The Reptile Database
  18. Chelonoidis abingdonii in The Reptile Database
  19. Chelonoidis niger in The Reptile Database
  20. Chelonoidis wallacei in The Reptile Database
  21. Die Anzahl basiert auf Angaben von: Reproduction, breeding, repatriation, and monitoring of tortoises
  22. www.Zootierliste.de. Abgerufen am 4. Juli 2020.
  23. Galapagos-Riesenschildkröte - zootier-lexikon.org. Abgerufen am 4. Juli 2020.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]