Galenica

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Galenica AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0360674466
Gründung 1927
Sitz Bern, Schweiz

Leitung

Mitarbeiter 8'661 (2016)[1]
Umsatz 4,1 Mrd. CHF (2016)[1]
Branche Pharma (NACE 21), Logistik, HealthCare, Informatik (NACE 63), Retail
Website www.galenica.com

Die Galenica AG mit Sitz Bern ist eine nach dem antiken Arzt Galenus benannte, international tätige Schweizer Pharmazie- und Logistikunternehmensgruppe. Sie geht zurück auf die 1927 von 16 Apothekern in Clarens gegründete Collaboration Pharmaceutique SA, einer Einkaufszentrale für Pharmaprodukte. Diese wurde 1932 in Galenica AG umbenannt und vom waadtländischen Le Châtelard nach Bern verlegt. Die Galenica-Aktien sind an der Schweizer Börse SIX kotiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galenica wurde 1927 von 16 Westschweizer Apothekern gegründet. Ihr Ziel war, eine gemeinsame Einkaufszentrale aufzubauen. 1938 legte Galenica mit dem Aufbau des wissenschaftlichen Dokumentationsdienstes Documentation Galenica die Basis für das heutige Informationsmanagement. Ab 1957 diversifizierte das Unternehmen in seinem Stammgeschäft durch Akquisitionen und durch die Gründung von Tochtergesellschaften. Im gleichen Jahr legte Galenica auch den ersten Grundstein im Pharmageschäft mit der Akquisition der Panpharma AG und der Diversifikation in die Absatzförderung parapharmazeutischer Artikel für Apotheken. Während der 1970er Jahre folgten weitere Pharma-Akquisitionen, welche zur Entwicklung und Produktion rezeptfreier Medikamente (OTC) beitrugen. 1977 wurde der Codex Galenica, das erste vollständige Medikamentenverzeichnis der Schweiz, in Buchform publiziert. 1983 erwarb Galenica die Laboratorien Hausmann AG, die in ihrem Portfolio auch Produkte zur Behandlung von Eisenmangel führte, welche später unter den Markennamen Venofer und Maltofer vermarktet wurden.

1995 ging man eine strategische Partnerschaft mit dem britisch-schweizerischen Gesundheitskonzern Alliance Boots ein, welcher 25 % der Galenica-Aktien übernahm.

Im Jahre 2000 wurde mit der Gründung von GaleniCare der Grundstein für die Apothekenketten gelegt und 2001 alle Aktivitäten im Bereich der Informationsverarbeitung in die neugegründete Firma e-mediat ausgelagert. Anfang 2008 wurde mit der Akquisition des kanadischen Pharmaunternehmens Aspreva Pharmaceuticals die heute global tätige, vollintegrierte und spezialisierte Vifor Pharma formiert.

Die Besitzverhältnisse änderten sich 2007 ein erstes Mal, als ein Konsortium aus dem Private-Equity-Investor KKR und Stefano Pessina, Alliance Boots übernahmen; die Galenica-Anteile wurden daraufhin von Alliance Boots Investments 2 GmbH gehalten. Die zweite Änderung erfolgte im August 2014 durch die Übernahme von Alliance Boots durch Walgreens, und der Zusammenführung zu Walgreens Boots Alliance; die Galenica-Anteile verblieben dabei bei KKR und Pessina, und wurden durch Sprint Investments 2 GmbH gehalten. Der angekündigte Ausstieg der Finanzinvestoren begann im Mai 2016 mit der Reduktion der Beteiligung auf gut 20 %, und dem weiteren vollständigen Abbau bis zum 9. Januar 2017.[2]

Ebenfalls im August 2014 wurde Galenica organisatorisch in die Sparten Vifor Pharma und Galenica Santé aufgespalten.[3] Langfristiges Ziel ist die Aufspaltung in zwei voneinander unabhängige, börsenkotierte Unternehmen.[4] Im Vordergrund steht hierbei ein Börsengang von Galenica Santé mittels öffentlicher Aktienplatzierung (IPO), welcher bis Ende 2017 angestrebt wird.[5]

Seit dem 7. April 2017 ist Galenica als eigenständiges Unternehmen an der Schweizer Börse kotiert.

Tochterunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Galenica gehören unter anderem die Schweizer Apothekenketten Amavita und Sun Store, zudem betreibt sie gemeinsam mit Coop das Joint-Venture Coop Vitality Apotheke. In der Medikamentenproduktion ist sie mit der Tochterfirma Vifor Consumer Health präsent und in der Logistik mit der Galexis AG und der Alloga AG.

Documed[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo

Ebenfalls zu Galenica gehört der 1976 gegründete Verlag Documed. Dieser veröffentlicht seit 1978 das Arzneimittel-Kompendium der Schweiz. Indem die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic Hersteller verpflichtet hat, ihre Medikamenteninformationen bei Documed zu publizieren hat sie Documed zu einem Monopol verholfen, welches Documed laut Tages-Anzeiger mit zweifelhaften Mitteln verteidigt. Nachdem Swissmedic seit 2008 auch die Seite der open-source Softwarefirma Ywesee zugelassen hat, klagte Documed vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht der Schweiz hat daraufhin im Juni 2011 entschieden, dass die Praxis der Swissmedic weder geeignet noch notwendig sei.[6] Daraufhin ist Swissmedic verpflichtet worden, die Arzneimittelinformationen auf einer Internetplattform namens AIPS kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Ausschreibung für Aufbau und Betrieb der Plattform wurde von Documed mit einem Angebot gewonnen, was nach Angaben des Tages-Anzeigers auffällig unter dem der Mitbewerber lag.[7]

HCl Solutions AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2001 wurde die Aktiengesellschaft e-mediat gegründet. Die heute (2018) unter dem Namen HCI Solutions AG tätige Firma bieten Dienstleistungen und Datenbanken für das Schweizer Gesundheitswesen anbieten. Die Tochtergesellschaft von Galenica entwickelt, unterhält und verteilt Stammdaten für Leistungserbringer und Kostenträger im Gesundheitsmarkt.

Es werden auf die einzelnen Zielgruppen zugeschnittene Stammdaten und je nach Datenbank rund 100'000 bis 220'000 Artikel aus den Bereichen Arzneimittel, Medizinprodukte, Verbrauchsmaterialien, Parapharmazeutika und Kosmetika zur Verfügung gestellt[8]:

  • INDEX-Produkte: Stammdatenbanken für alle Informatiksysteme (früher: GalDat); im Rahmen der Aufnahme der Produkte in die Datenbanken wird unter anderem auch der Pharmacode zugeteilt.
  • Pharmavista: Online-Informations-Angebot für den Schweizer Pharmamarkt.
  • SwissDocu: wissenschaftlicher Auskunftsdienst im Auftrag des Verbandes der Schweizer Vollgrossisten pharmalog.ch.
  • Technischer und redaktioneller Betrieb der Referenzdatenbanken swissINDEX im Auftrag der Stiftung refdata.

Untersuchung der Wettbewerbskommission[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) hat 2012 ein Verfahren gegen die Galenica Töchter Documed, E-Mediat und HCI Solutions eröffnet, da ihnen vorgeworfen wird, ihre Marktstellung zu missbrauchen.[9] Statt für die Veröffentlichung der Medikamenteninformation soll Documed 2012 erstmals Geld für die Veröffentlichung der Medikamentenstammdaten in einer von E-Mediat verwalteten Datenbank verlangen, mit der beispielsweise Krankenhäuser ihre Medikamente verwalten und Abrechnungen abwickeln. Insbesondere von kleinen Pharmafirmen soll dabei zu viel Geld verlangt worden sein. Mehreren kleinen Unternehmen wurde gedroht, ihre Medikamente aus dieser Datenbank zu entfernen, was fatale Konsequenzen für diese Firmen hätte. Nachdem eine Gruppe von 16 Pharmafirmen daraufhin beschlossen hatte, in Kooperation mit den Firmen Just-medical und Ywesee eine eigene Plattform aufzubauen, sind den Unternehmen Rabatte von bis zu 80 Prozent angeboten worden, wenn diese zwei bis vierjährige Verträge abschliessen. Nachdem die Wettbewerbskommission eine Untersuchung eingeleitet hatte, ist Documed von der Drohung, Medikamente aus den Datenbanken zu streichen, abgerückt.[6] In der Verfügung vom 19. Dezember 2016 hat die WEKO die Untersuchung gegen HCI Solutions, und Galenica abgeschlossen und eine Busse von CHF 4.5 Mio ausgesprochen.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b [1] (PDF)
  2. Veränderung im Aktionariat der Galenica Gruppe (Memento des Originals vom 20. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.galenica.com (PDF), Medienmitteilung vom 9. Januar 2017
  3. bernerzeitung.ch: Galenica verschreibt sich eine Aufspaltung, 13. August 2014.
  4. Galenica schafft Grundlage für zwei kotierte, unabhängige Unternehmen (Memento des Originals vom 20. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.galenica.com (PDF), Medienmitteilung vom 12. August 2014
  5. Geplante Aufteilung der Galenica Gruppe (Memento des Originals vom 20. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.galenica.com (PDF), Medienmitteilung vom 19. Januar 2017
  6. a b Andreas Möckli: Die zweifelhaften Methoden der Galenica-Tochter Documed. In: Tages-Anzeiger. 13. Dezember 2012 (online).
  7. Andreas Möckli: Galenica-Tochter Documed auch mit Dumping-Vorwurf konfrontiert. In: Tages-Anzeiger. 14. Dezember 2012.
  8. INDEX-Datenbanken - Stammdaten für Gesundheitsakteure. HCI Solutions AG, abgerufen am 23. Mai 2018.
  9. Die WEKO eröffnet eine Untersuchung betreffend die Kommerzialisierung von Medikamenteninformationen. In: Medienmitteilung der WEKO. 12. Dezember 2012, abgerufen am 21. Februar 2014 (PDF).
  10. Schweizerische Wettbewerbskommission: Kommerzialisierung von elektronischen Medikamenteninformationen. 19. Dezember 2016, abgerufen im 6. Dezember 2017 (deutsch).

Koordinaten: 46° 56′ 56,4″ N, 7° 23′ 59,5″ O; CH1903: 597049 / 199769