Galeries Lafayette

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Große Halle im Pariser Stammhaus

Die Galeries Lafayette [ɡalʁi lafajɛt] sind eine große traditionsreiche französische Warenhauskette. Das Stammhaus in Paris, eines der ältesten Kaufhäuser Frankreichs, ist bemerkenswert wegen seiner Jugendstilarchitektur.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filiale in Straßburg mit weihnachtlicher Dekoration
Alter Aufzug

Der Kaufmann Théophile Bader aus Dambach-la-Ville und sein Cousin Alphonse Kahn aus Kolbsheim eröffneten zunächst 1893 ein Wäschemodegeschäft mit einer Ladenfläche von 70 m² im 9. Arrondissement in der Rue La Fayette Nr. 1 in bester Lage, wenige Minuten entfernt von der Pariser Oper. Sie benannten das Geschäft 1894 nach der Straße in Aux Galeries Lafayette. Am 21. Dezember 1895 kaufte die Gesellschaft das gesamte Gebäude rue La Fayette Nr. 1;[1] bald wurde aus dem Modegeschäft ein Kaufhaus mit 265 m² auf fünf Stockwerken. In den folgenden fünf Jahren kamen weitere Modegeschäfte in Paris und Lyon hinzu. Die Gesellschaft erweiterte ihre Geschäftstätigkeit über den reinen Einzelhandel hinaus auch auf die Modeproduktion. 1899 wurde die Aktiengesellschaft Société Anonyme des Galeries Lafayette gegründet.

Georges Chedanne erhielt 1906 den Auftrag für eine 10-stöckige Neukonstruktion, die 1908 fertig war. Hierdurch dehnte sich das Stammhaus weiter aus bis zur Adresse 38–41 Boulevard Haussmann. 1907 hatte das Kaufhaus mehr als 750 Angestellte. Von 1910 bis 1912 wurde ein Gebäudekomplex in armierter Betonskelettbauweise errichtet. Auf der 33 Meter hohen Jugendstil-Galeriehalle wurde eine 40 Meter hohe farbige Glaskuppel errichtet; die Eröffnung fand am 8. Oktober 1912 statt. Das Haus hatte nun eine Verkaufsfläche von 18.000 m². Noch im Jahre 1912 verkaufte Kahn seinen Anteil an Bader.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges durchlitt das Unternehmen eine Phase sinkender Umsätze. 1916 wurde eine Filiale in Nizza eröffnet, 1920 eine weitere Filiale in London. Die Geschäfte an den Standorten Paris und Lyon wurden kontinuierlich erweitert. 1931 eröffnete eine Filiale in Bukarest.

Außenansicht der Kuppel der großen Halle des Pariser Stammhauses

Um den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu begegnen, wurde im Oktober 1932 das erste Monoprix-Geschäft eröffnet (in Rouen); bis 1938 entstanden in Frankreich 42 Monoprix-Niederlassungen: Kaufhäuser mit einfacher Ausstattung und gängiger, volkstümlicher Ware zu einheitlichen Preisen. Das 1928 gegründete Unternehmen Uniprix[2] und das 1931 gegründete Unternehmen Prisunic[3] eröffneten und betrieben ähnliche Kaufhäuser.

Im Juni 1940 besetzte die Wehrmacht Teile Frankreichs; das Vichy-Regime erließ bald einige antijüdische Gesetze. Diese zwangen die gesamte Geschäftsleitung, bestehend aus Théophile Bader, Max Heilbronn und Raoul Meyer, zum Rücktritt. Das Unternehmen wurde „arisiert“.[4] Bader starb am 16. März 1942. Heilbronn wurde am 12. Juni 1943 vom SD verhaftet, dann in Lyon und Compiègne inhaftiert, am 3. Januar 1944 ins KZ Buchenwald deportiert, dann ins KZ Natzweiler-Struthof und dann ins KZ-Außenlager Allach deportiert. Dort wurde er am 30. April 1945 befreit. 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, übernahmen Heilbronn und Meyer wieder die Geschäftsführung.

Die ersten Nachkriegsjahre waren durch Versorgungsengpässe und ein eingeschränktes Sortiment gekennzeichnet. Ab etwa 1950 konnte das Unternehmen wieder das volle Warensortiment wie zu Vorkriegszeiten anbieten und expandieren. In den 1970er-Jahren hatte die Kette in fast jeder großen Stadt Frankreichs ein Warenhaus.

In der Nähe, am Boulevard Haussmann Nr. 64, liegt Printemps, das zweite berühmte Pariser Kaufhaus.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kaufhaus zählt man täglich 60.000 Besucher, die zwischen 6 Restaurants wählen können. Im Jahr 2005 beschäftigte die Firmengruppe Groupe Galeries Lafayette rund 35.000 Mitarbeiter. Mit einer Verkaufsfläche von 68.000 m² ist es größtes Kaufhaus der westlichen Welt und damit auch größtes der 12 wichtigsten Kaufhäuser in Paris. Seit 2001 gibt es eine Divisionalisierung in Lafayette Homme (Männerbekleidung; 2001), Lafayette Gourmet (Speisen und Getränke; 2002), Lafayette Maison (Wohnen) und VO (Mode; 2004) und Lafayette Shoes, seit Juli 2009 mit 3.200 m² der größte Frauenschuhladen der Welt.

Der Warenhauskette Galeries Lafayette gehörte seit Gründung im Jahre 1932 auch die französische Warenhauskette Monoprix, deren Aktien sie aber im Juni 2012 verkaufte. Außerdem gehören die Warenhauskette Bazar de l'Hôtel de Ville (BHV) sowie verschiedene Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie Reiseunternehmen zur Gruppe. Ferner besitzt das Unternehmen ausgedehnte Immobilien in bester Lage in Paris. Die Gruppe erwirtschaftete 2004 einen Umsatz von 5,64 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern von 133,9 Mio. Euro.

Der Streubesitz der Kaufhaus-Gruppe wurde bis Juli 2005 an der Pariser Börse gehandelt. Mehrheitlich lagen die Aktien im Besitz der Familien Etienne Moulin (31,7 %), Georges Meyer (29,5 %) und Max Heilbronn (1,7 %). Die Familie Moulin übernahm die Anteile der Familien Meyer und Heilbronn und besitzt nun 62,9 %, während sich 37,1 % im Besitz von BNP Paribas befinden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Galeries Lafayette – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. GALERIES LAFAYETTE : les affiches "entreprise juive" sont apposées sur les vitrines dès juin 1940.
  2. siehe Uniprix
  3. fr:Prisunic
  4. en:Annie Lacroix-Riz: Industriels et banquiers français sous l'Occupation. Ed. Armand Colin, 2. überarb. Aufl. 2013, ISBN 978-2200277765 (1. Aufl. 1999, ISBN 978-2200251093), S. 91 ff. (online)
  5. Joachim Zentes/Dirk Morschett/Hanna Schramm-Klein, Strategic Retail Management, 2011, S. 285 f.


Koordinaten: 48° 52′ 24″ N, 2° 19′ 56″ O