Gamarthe

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Gamarthe
Gamarte
Gamarthe (Frankreich)
Gamarthe
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Pyrénées-Atlantiques
Arrondissement Bayonne
Kanton Montagne Basque
Gemeindeverband Agglomération du Pays Basque
Koordinaten 43° 12′ N, 1° 9′ WKoordinaten: 43° 12′ N, 1° 9′ W
Höhe 196–642 m
Fläche 9,91 km2
Einwohner 114 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 12 Einw./km2
Postleitzahl 64220
INSEE-Code

Blick auf Gamarthe

Gamarthe ist eine französische Gemeinde mit 114 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Bayonne und zum Kanton Montagne Basque (bis 2015: Kanton Saint-Jean-Pied-de-Port).

Der Name in der baskischen Sprache lautet Gamarte. Die Einwohner werden entsprechend Gamartear genannt.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gamarthe liegt ca. 55 km südwestlich von Bayonne im französischen Teil des Baskenlands. Der Ort ist Teil des Pays de Cize, eines historischen Landstrichs im Nieder-Navarra.

Umgeben wird Gamarthe von den Nachbargemeinden:

Ainhice-Mongelos Larceveau-Arros-Cibits
Lacarre Nachbargemeinden Ibarrolle
Bussunarits-Sarrasquette

Gamarthe liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour. Ein Nebenfluss des Laurhibar, der Ruisseau Arzuby, hier auch Bassaburuko Erréka genannt, entspringt ebenso wie sein Nebenfluss Ruisseau Tosca und der Fluss Erreka Handia auf dem Gemeindegebiet. Der Ruisseau de Laminosine, ein Nebenfluss der Bidouze, durchquert das Gebiet der Gemeinde im südöstlichen Teil.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Geschichte Gamarthes ist nicht viel überliefert. Die Gemeinde wurde eine Zeit lang mit Mineral- oder Heilquellen in Verbindung gebracht, was die Herkunft des Namens erklären würde. Er stammt wahrscheinlich aus dem baskischen gamo-arte, deutsch „zwischen zwei Heilwasser“. Im Mittelalter war die Gemeinde eine Nebenstelle der Pfarrgemeinde von Lacarre.

Toponyme und Erwähnungen von Gamarthe waren:

  • Amoart (1292),
  • Gamoart (1304, 1309, 1350, 1366),
  • Gamoart (1513, Urkunden aus Pamplona),
  • Gamarte (1750, Karte von Cassini) und
  • Sanctus Laurentius de Gamarte (1767, Manuskripte des 17. und 18. Jahrhunderts des Bistums Bayonne).[3][4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Höchstständen der Einwohnerzahl mit über 300 Einwohnern in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts reduzierte sich die Zahl bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1990er Jahren um insgesamt über zwei Drittel auf rund 100 Einwohner. Dieser insgesamt negative Trend setzte sich seitdem nicht mehr fort, aber ein anhaltendes Wachstum ist nicht zu erkennen.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2009 2014
Einwohner 137 132 113 113 105 105 113 122 114
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche von Gamarthe, gewidmet Laurentius von Rom. Sie wurde zwar 1767 erstmals erwähnt, aber an ihrer einfachen Struktur mit einem Kirchenschiff lässt sich ein Ursprung aus dem Mittelalter datieren. Die Tür an der Westseite stammt aus dem beginnenden 17. Jahrhundert. Gegen Ende desselben Jahrhunderts kam es zu größeren Restaurierungen und Umbauten, wie sechs Jahreszahlen zeigen: 1780 auf dem Sturz der heute zugemauerten Tür des Vorbaus im Westen und 1783 auf einem ehemaligen Fenster der Sakristei, auf einem Ringanker an der Apsis sowie auf drei Maueröffnungen auf der Südseite. Dies weist auf den Bau der Sakristei, des Vorbaus und der Durchbrüche von neuen Fenstern im Langhaus hin. Das Rathaus ist vermutlich am Ende des 18. oder zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einem Stockwerk oberhalb des Vorbaus der Kirche eingerichtet worden. Im Laufe des 19. und des 20. Jahrhunderts ist das gesamte Gebäude erneut restauriert worden. Die heutige Kirche ist mit einem Schieferdach gedeckt, auf deren Spitze der viereckige Glockenturm mit seinem ebenfalls schiefergedeckten Zeltdach aufragt. Eine Außentreppe führt zum Rathaus als auch in das Kircheninnere auf die Empore, welche traditionell den Männern vorbehalten ist, die während einer Messe der Tradition nach von den Frauen getrennt sitzen. Die Eingangstür im Westen ist in einem Rundbogen mit großen Keilsteinen und mit runden [[Stab (Ornamentik)]Stäben] verziert versehen. Unter dem Vorbau sind scheibenförmige Grabstelen, genannt Hilarri, aufbewahrt und eine Gedenktafel an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Gemeinde angebracht.[9][10]
  • Bauernhof Bordaburua. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Bauernhaus in einer traditionellen Weise gebaut mit einem Wohnbereich und einem Schafstall rund um einen eskaratz, einer Diele, von der alle anderen Räume zugänglich sind. Oberhalb des Schafstalls befand sich im Dachgeschoss des hinteren Teils des Gebäudes der Heuboden. Ein Ofen zum Backen von Broten war in einem kleinen Anbau untergebracht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts fanden umfangreiche Umbauten statt, bei denen der Wohnbereich vom landwirtschaftlichen Arbeitsbereich räumlich getrennt wurde. Das Gebäude wurde links von der Eingangstür erweitert und in einem ersten Schritt mit einem neuen Schafstall mit Heuboden versehen. Der Zugang zum ehemaligen Schafstall rechts vom Eingang wurde im gleichen Zug zugemauert. Eine zweite Erweiterung nach links mit einem erneuten Bau eines Schafstalls mit Heuboden fand in der Folge statt. Der heutige Wohntrakt stammt aus dem Jahr 1897, wie die Inschrift „BATIR PAR JEANNE ETCHECOIN ET ARNAUD ELICAGARAY L’AN 1897“ (deutsch Gebaut von Jeanne Etchecoin und Arnad Elicagaray im Jahr 1897) belegt.[11][12]
Wegekreuz von Galcetaburu
  • Bauernhof Bidegainea. Das ursprüngliche Gebäude wurde vermutlich im 17. Jahrhundert in der gleichen traditionellen Aufteilung der Räume rund um einen eskaratz errichtet wie das Bauernhaus Bordaburua. Das Besondere an dem zentralen Gebäudeteil ist das Fachwerk aus Holz. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden zwei Seitenteile angefügt, im 19. Jahrhundert wurde das Bauernhaus umgestaltet einschließlich einer Erneuerung der Tür des eskaratz. Einige architekturale Elemente, wie z. B. ein offener Kamin, stammen aus der Zeit der Ersterrichtung.[13][14]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ossau-Iraty

Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung sind wichtige Wirtschaftsfaktoren der Gemeinde. Einer der größten Fleischverarbeitungsbetriebe des Départements hat einen seiner Standorte in der Gemeinde. Gamarthe liegt in den Zonen AOC des Ossau-Iraty, eines traditionell hergestellten Schnittkäses aus Schafmilch, sowie der Schweinerasse und des Schinkens „Kintoa“.[16]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2014[17]
Gesamt = 21

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fernwanderweg GR 65 von Genf nach Roncesvalles führt mitten durch die Gemeinde. Er folgt der Via Podiensis, einem der vier historischen Jakobswege.[18]

Der Fernwanderweg GR 78 von Carcassonne nach Saint-Jean-Pied-de-Port streift ebenfalls das Gemeindegebiet.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gamarthe wird durchquert von den Routes départementales 120, 522 und 933, der ehemalige Route nationale 133.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gamarthe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lieux - toponymie Gamarte (Garazi) (fr) Königliche Akademie der Baskischen Sprache. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  2. Ma commune : Gamarthe (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  3. Jean-Baptiste Orpustan: Nouvelle toponymie basque (fr) Universität Bordeaux. S. 130. 2006. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  4. Paul Raymond: Dictionnaire topographique du département des Basses-Pyrénées (fr) In: Dictionnaire topographique de la France. Imprimerie nationale. S. 66. 1863. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  5. David Rumsey Historical Map Collection France 1750 (en) David Rumsey Map Collection: Cartography Associates. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  6. Notice Communale Gamarthe (fr) EHESS. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  7. Populations légales 2006 Commune de Gamarthe (64229) (fr) INSEE. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  8. Populations légales 2014 Commune de Gamarthe (64229) (fr) INSEE. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  9. église paroissiale Saint-Laurent (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  10. Eglise Saint-Laurent (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  11. ferme Bordaburua (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  12. Ferme Bordaburua (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  13. ferme Bidegainea (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  14. Ferme Bidegainea (fr) Visites en Aquitaine. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  15. Croix de Galcetaburu (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  16. Institut national de l’origine et de la qualité (fr) Institut national de l’origine et de la qualité. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  17. Caractéristiques des établissements en 2014 Commune de Gamarthe (64229) (fr) INSEE. Abgerufen am 18. Mai 2017.
  18. GR® 65, le chemin de Compostelle via le Puy (fr) Fédération française de la randonnée pédestre. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  19. GR®78 : le chemin du piémont pyrénéen (fr) Comité Régional de la Randonnée Pédestre Midi-Pyrénées. Abgerufen am 29. Mai 2017.