Garbenheim

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Garbenheim
Stadt Wetzlar
Wappen von Garbenheim
Koordinaten: 50° 33′ 58″ N, 8° 31′ 42″ O
Höhe: 165 m ü. NN
Fläche: 7,83 km²[1]
Einwohner: 2113 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 270 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Eingemeindet nach: Lahn
Postleitzahl: 35583
Vorwahl: 06441
Karte
Lage von Garbenheim in Wetzlar

Garbenheim ist ein Stadtteil der mittelhessischen Kreisstadt Wetzlar mit ca. 2100 Einwohnern. Der Stadtteil liegt nahe der Wetzlarer Kernstadt südlich der Lahn.

Südwestlich der Ortschaft befindet sich der Wetzlarer Bismarckturm, der bis zu seinem Umbau Garbenheimer Warte genannt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde der Ort im Jahr 776 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt.

Die Ritter von Garbenheim, ein niederadliges Geschlecht, stellten die Burgmannen der Reichsburg Burg Kalsmunt. Das Dorf bildete zusammen mit Atzbach und Dorlar einen Gerichtsbezirk, der zu den Besitztümern der Grafen von Nassau-Weilburg gehörte.[3]

Als Wetzlar im 18. Jahrhundert Sitz des Reichskammergerichts war, fand die ländliche Idylle Garbenheims bei Goethe Anerkennung, der hier gerne ausgedehnte Spaziergänge machte. Er verewigte das Dorf unter dem literarischen Namen Wahlheim in seinem Werk Die Leiden des jungen Werthers.

Infolge des Wiener Kongresses wurde die Bürgermeisterei Atzbach, zu der Garbenheim zählte, im Jahr 1816 preußisch.[3] 1866 zerstörte ein Großbrand weite Teile des Dorfes. Die Kirche, das Pfarrhaus, 40 Wohnhäuser, mehrere Scheunen und Ställe brannten völlig aus. Doch war schon 1883 in Garbenheim wieder eine neue Kirche fertiggestellt.

Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde im Zuge der hessischen Gebietsreform ein Teil des Stadtbezirks Wetzlar der neugegründeten Stadt Lahn. Seit ihrer Auflösung am 1. August 1979 gehört Garbenheim zur Stadt Wetzlar.[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Garbenheim unterstand im Überblick:[5][1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

  • 1840: 0440 Einwohner
  • 1905: 0846 Einwohner
  • 1939: 1400 Einwohner
  • 1961: 1972 Einwohner
  • 1970: 2054 Einwohner
Garbenheim: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
391
1840
  
440
1846
  
468
1852
  
507
1858
  
490
1864
  
516
1871
  
563
1875
  
587
1885
  
636
1895
  
717
1905
  
846
1910
  
952
1925
  
1.101
1939
  
1.400
1946
  
1.792
1950
  
1.889
1956
  
1.939
1961
  
1.972
1967
  
2.080
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2016 gab es für den Ortsbeirat Garbenheim die folgenden Ergebnisse. Zum Vergleich die Wahlergebnisse der vorhergehenden Wahlperioden.[6][7]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 51,5 4 50,3 4 40,4 3
FW Freie Wähler 30,6 2 37,5 2 39,4 3
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 17,9 1 12,2 1 14,9 1
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 0 0 5,3 0
Gesamt 100,0 7 100,0 7 100,0 7
Wahlbeteiligung in % 48,3 49,5
Gemeindewahl in
Garbenheim 2011
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,3 %
37,5 %
12,2 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+9,9 %p
-1,9 %p
-2,7 %p
-5,3 %p

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsvorsteher ist Waldemar Dross (SPD). Seine Stellvertreterin ist Ingeborg Koster (SPD).[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot eine goldene Garbe, in der Mitte belegt mit drei schmalen schwarzen Balken.“[8]

Das am 19. Juni 1953 amtlich verliehene Wappen nimmt „redend“ auf den Ortsnamen Bezug, zugleich aber auf den alten eingesessenen Ortsadel, die längst ausgestorbenen Herren von Garbenheim, die im 14. Jahrhundert einen von drei Balken geteilten Schild mit Garben geführt haben. Der Ort, der bis 1585 in gemeinschaftlich hessisch-nassauischem Besitz und dann ganz nassauisch war, hat keine Bildsiegel geführt.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garbenheim hat eine Anschlussstelle an die vierstreifige Bundesstraße 49.

Der Stadtteil wird durch die Stadtbuslinie 17 der Wetzlarer Verkehrsbetriebe angefahren. Der ehemalige Bahnhof befindet sich im Westen des Ortes. Er wurde mit der Stilllegung der Bahnstrecke Lollar–Wetzlar für den Personenverkehr geschlossen; Railion stellt dort seit Februar 2007 Güterzüge für Mittelhessen zusammen.

Nördlich des Stadtteils befindet sich der Segelflugplatz Garbenheimer Wiesen des Wetzlarer Verein für Luftfahrt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Garbenheim befinden sich eine Freiwillige Feuerwehr, eine Grundschule und ein Kindergarten. Außerdem ist ein Stadtteilbüro eingerichtet.

Die evangelische Dorfkirche ist am Goetheplatz im historischen Ortskern gelegen.

Industrie und Handel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort existieren mehrere kleine und mittlere Gewerbebetriebe. Es gibt auch eine Postagentur im Lebensmittelmarkt Süt Market.

Früher war der Eisenerzbergbau in der Grube Philippswonne prägend für Garbenheim. Das Bergwerk bestand von 1833 bis 1925.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Garbenheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Garbenheim, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 25. November 2016)
  2. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Wetzlar, (PDF) abgerufen im Februar 2017.
  3. a b Stadt Wetzlar: Geschichte
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346.
  5. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  6. a b Ortsbeirat Garbenheim, Stadt Wetzlar. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  7. Ergebnis Ortsbeiratswahl Garbenheim 2016
  8. Karl Ernst Demandt und Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 190.