Garde-Pionier-Bataillon

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Garde-Pionier-Bataillon
Aktiv 1816–1919
Land Preußen Preußen
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Pioniere
Unterstellung Gardekorps
Historische Stationierungsorte zuletzt Berlin
Garde-Pioniere um 1835

Das Garde-Pionier-Bataillon war ein Pionier-Bataillon der Preußischen Armee. Es unterstand dem Gardekorps bzw. der 1. Pionier-Inspektion.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Garde ist sowohl eine Leibwache der Herrschenden als auch „diejenige Heeresabtheilung, welche durch Auswahl der Mannschaften und bessere Ausrüstung bestimmt ist, eine musterhafte Kerntruppe zu bilden. Sie ist gewöhnlich in den Hauptstädten concentriert und durch glänzendere Uniformen und andere Vorzüge ausgezeichnet.“[1] – Nachdem Ludwig XIV. von Frankreich die Garden als repräsentative Bewacher (garder = schützen, bewachen, hüten) etabliert hatte, fand dies viele Nachahmer in anderen europäischen Ländern, so auch in Preußen unter Friedrich I., aber vor allem unter Friedrich dem Großen. Dementsprechend war die Kleidung der preußischen Garde-Pioniere repräsentativ, die Offiziere hatten reichlich goldgeschmückte Pickelhauben und Parade-Uniformen. Erhaltene Gegenstände aus dem Garde-Pionier-Bataillon wie zinnerne Krüge, Briefverschlüsse, Faschinenmesser finden sich als begehrte Sammlerobjekte im Internet.

Das Garde-Pionier-Bataillon Berlin ist um 1810 durch personelle Aufstockung aus der bestehenden Pionierabteilung der Garnison Berlin gebildet worden und hatte eine Stärke von rund 600 Mann.

Formationsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Durch A.K.O. am 12. Februar 1810: aus Resten der ehemaligen Pontoniere, von Mineurkommandos in Spandau, Cosel, Neiße und aus Ranzionierten als Märkisch-Pommerische Pionier Kompanie gebildet.
  • 1812: Die Kompanie wurde zum Stamm der 2. Feld-Pionier Kompanie.
  • 4. März 1813: Die Komp. (inzwischen als Brandenburgisch-Pommerische oder Brandenburgische Festungs-Pionier Komp. bezeichnet) stellte die 5. Feld-Pion. (die Nr. 5 erhielt diese Komp. erst am 2. August 1813) und die Pommerische Festungs-Pion. Komp. (28. Dezember 1813) auf.
  • 27. März 1816: Neuordnung, die Komp. wurde mit der 5. Feld-Pion. Komp. zur Garde-Pionier Abteilung vereinigt (verbleib der anderen Komp. siehe jetzige Pionier-Bataillone Nr. 2 und Nr. 8).
  • 1832: Aufstellung einer Sektion Mariniers, die 1850 an die Marine abgegeben wurde.
  • 28. Juli 1859: Errichtung einer 3. Kompanie.
  • 1. April 1861: Errichtung einer 4. Kompanie.
  • 1. April 1887: Errichtung einer 5. (Versuchs-)Kompanie.
  • 1. Oktober 1899: Die 5. Komp. wurde an das Telegraphen-Bataillon Nr. 1 abgegeben.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • bis 1816 : siehe oben unter Formationsgeschichte.
  • 27. März 1816: Garde-Pionier Abteilung
  • 04. Juli 1860: Garde-Pionier-Bataillon

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grafik der Garde-Pionier-Kaserne, 1896
Datum Standorte
1810 Berlin
1811/13 Kolberg
1815/16 die Feld-Kompanie bei der Okkupations-Armee in Frankreich, die Festungs-Kompanie in Stettin, Magdeburg, Cöln
1816 die Feld-Kompanie in Ehrenbreitstein
1816 bis 1820 Berlin, Spandau, Stettin, Küstrin
seit 1820 Berlin-Kreuzberg, Köpenicker Straße 11–15.
Das vierstöckige Kasernengebäude wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, die Trümmer später beseitigt.

Uniform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uniformen preußischer Pioniere im 18. Jahrhundert

Allgemeine Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Preußen wurden von den Mineuren und Pontonieren anfänglich dunkelblaue Uniformen mit orangen Rock- und Ärmelaufschlägen getragen. 1788 erhielten die Ingenieure schwarze Kragen, Rockklappen, Ärmelaufschläge und Unterfutter. 1798 wurde das gesamte preußische Pontonierkorps so ausgestattet. Ab 1808 trugen die Pioniere die Uniform der Fuß-Kompanien der Artillerie: schwarze Kragen, schwarze (sogenannte schwedische) Aufschläge und schwarze Achselklappen, jedoch mit weißen Knöpfen und schwarzem Lederzeug. Die Achselklappen blieben bis 1830 schwarz mit rotem Vorstoß und wurden dann ponçeaurot. Wenn man von den üblichen Änderungen im Zeitgeschmack absieht, blieb die Uniform dann bis 1914 unverändert. Bei Paraden waren die Pioniere formiert und ausgerüstet wie die Infanterie, trugen also außer den Württembergern weiße Hosen und hatten Gewehr, Patronentaschen und Tornister. Ihre Auftritte wurden von Hoboisten (nur im Signalblasen ausgebildete Leute), die evtl. Schwalbennester anhakten, begleitet.

Garde-Pionier-Bataillon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unteroffiziere und Mannschaften
Helm: Gardeadler mit Stern, gelbe Schuppenketten, schwarzer Busch
Waffenrock: Weiße Litzen mit schwarzen Spiegeln, Achselklappen ohne Abzeichen
Mantel und Litewka: Litzen auf den Kragenpatten
Unteroffiziere
Gemusterte silberne Tressen
Hoboisten 
an den mit der gleichen Tresse besetzten Schwalbennestern gab es kurze silberne Fransen
Hornisten 
Schwalbennester mit weißer Borte und lange Wollfransen
Offiziere
besaßen dieselbe Uniform wie die der Linie, jedoch am Helm den Gardeadler mit Stern, Busch, und in den hinteren Ecken der Paradedecke einen Stern

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Dienstantritt[2]
Johann Sigismund von Krohn 27. März 1816
Kapitän Adolf Snethlage 27. Mai 1820
Major Joseph Hesse von Hessenthal 29. April 1831
Major Friedrich von Studnitz 18. April 1837
Major Julius von Mebes 03. Juni 1841
Major Karl Seeling 26. Februar 1846
Major Eduard Burchardt 29. August 1848
Major Albert Theodor Erich 30. September 1851
Major Julius von Engelbrecht 01. Oktober 1853
Major/
Oberstleutnant
Carl von Keiser 23. Oktober 1855
Thassilo Rückert gen. Burchardi 05. Juni 1858
Major/
Oberstleutnant/
Oberst
Ernst von Braun 08. Februar 1861
Oskar Bogun von Wangenheim 17. Juni 1867
Alfred von Krause 15. Juli 1871
Hans von Bock 18. Mai 1876
Wilhelm von Kleist 15. April 1882
Major/
Oberstleutnant
Conrad von Schubert 19. November 1889
Major Friedrich von Ammon 27. Januar 1895
Major/
Oberstleutnant
Hermann Buek 18. August 1897
Major Ernst von Reppert 19. Juni 1902
Major/
Oberstleutnant
Albert Stechow 18. Oktober 1903
Major/
Oberstleutnant
Siegfried von Held 18. Mai 1908
Major/
Oberstleutnant
Ernst Nigmann 18. Oktober 1912
Oberstleutnant Hugo von Sommerfeld und Falkenhayn 13. November 1915
Major Friedrich Lindow 07. April 1918
Major Conrad Esche 08. März 1919

Namentlich bedeutende Bataillonsangehörige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der spätere General Karl Bruno Julius von Mudra (1851–1931) aus Muskau begann 1870 seine militärische Laufbahn als Fahnenjunker im Bataillon. Im Jahre 1913 wurde Mudra in den erblichen preußischen Adelsstand erhoben, 1914 erhielt er den Orden Pour le Mérite in Anerkennung seiner Verdienste um das Pionierwesen und seiner Leistungen im Ersten Weltkrieg. Zuletzt war er Oberbefehlshaber der 17. Armee. Mudra wurde Ehrenbürger seiner Geburtsstadt und Namensgeber von Kasernen der Bundeswehr in Köln und Mainz.[4]
  • Der Ingenieur Adolf Zoeppritz (1855–1939) aus Garmisch leistete von 1875 bis 1876 den Dienst als Einjährig-Freiwilliger im Bataillon und legte hier das Offiziersexamen ab. Danach arbeitete Zoeppritz erfolgreich als Ingenieur in Davos und Garmisch, wo er unter anderem 1910 die Bobbahn entwarf, auf der im Jahre 1936 während der IV. Olympischen Winterspiele die Bobwettbewerbe ausgetragen wurden. Aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten, auch auf dem Gebiet des Alpinismus, wurde Zoeppritz 1925 zum Ehrenbürger von Garmisch ernannt und die seit 1905 bestehende Hochstraße in Adolf-Zoeppritz-Straße umbenannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Conversations-Lexikon; 10. Auflage 1853, F. A. Brockhaus Leipzig; Band 6: Garden.
  • Berlin und seine Bauten. Band II: Der Hochbau. Verlag Ernst & Sohn, Berlin 1896.
  • Die Offizier-Speiseanstalt des Garde-Pionier-Bataillons. Berlin 1910.
  • Siegfried von Held: Das Königlich Preußische Garde Pionier Bataillon und Seine Kriegsverbände. 1914/1918. Potsdam Verlag Berg, 1932.
  • Kurt Loof: Das Königlich-Preußische Garde-Pionier-Bataillon 1910/1914. (Vom 100jährigen Jubiläum bis zum Anfang des Weltkrieges), Nach Tagebüchern und nach Beiträgen von Kameraden bearbeitet, Berlin 1934.
  • Klemens Mersmann: Geschichte des Königlich-Preußischen Garde-Pionier-Bataillons. Berlin 1889 und 1910, (Neuauflage). (Digitalisat)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Conversations-Lexikon … von 1853.
  2. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 3: Die Stellenbesetzung der aktiven Regimenter, Bataillone und Abteilungen von der Stiftung bzw. Aufstellung bis zum 26. August 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1993, ISBN 3-7648-2413-1, S. 337–338.
  3. Senatsverwaltung Berlin
  4. Homepage der Stadt Muskau