Garrett Birkhoff

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Garrett Birkhoff

Garrett Birkhoff (* 19. Januar 1911 in Princeton, New Jersey, USA; † 22. November 1996 in Water Mill, N.Y., USA) war ein US-amerikanischer Mathematiker, der sich mit Algebra und Angewandter Mathematik (Hydrodynamik) befasste.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birkhoff war der Sohn des bekannten Mathematikers George David Birkhoff, der ihn bis zum Alter von acht Jahren zu Hause unterrichten ließ. Er studierte ab 1928 an der Harvard University unter anderem bei Oliver Kellogg (Potentialtheorie), Heinrich Wilhelm Brinkmann (Advanced Calculus), Joseph L. Walsh (Funktionentheorie), Marston Morse und Hassler Whitney, einem der Doktoranden seines Vaters, der seinem Sohn von Whitney und anderen seiner Doktoranden (Marston Morse, Walsh, Brinkmann) schon auf dem College Privatunterricht in Mathematik geben liess. Ursprünglich wollte er theoretischer Physiker werden und studierte Quantenmechanik bei E. C. Kemble und Elektrodynamik bei George W. Pierce. Nach dem Abschluss 1932 ging er mit einem Stipendium an die Universität Cambridge in England, wo er sich der abstrakten Algebra (Gruppentheorie) zuwandte (eine Vorlesung von Paul Dirac über Quantenmechanik wirkte auf ihn eher demotivierend) und bei Philip Hall studierte. Eine gemeinsame Arbeit erschien 1936. Im Juli 1933 war er kurz in München bei Constantin Carathéodory, der ihn für das Studium auf van der Waerdens Algebra-Lehrbuch aufmerksam machte und in der Gruppentheorie auf das anschauliche Lehrbuch von Andreas Speiser. Ab 1933 war er Fellow in Harvard und ab 1936 Instructor. Ab 1937 hielt er dort auch Algebra-Vorlesungen für Anfänger, abwechselnd mit Saunders MacLane, und daraus entstand ihr bekanntes Lehrbuch Survey of Modern Algebra, das zuerst 1941 erschien und sich als Einführung an Vordiplom-Studenten (Undergraduates) wandte und auch bei Nicht-Mathematikern beliebt war. Es trug viel zur frühen Verbreitung der abstrakten Algebra in den USA bei. Der Schwerpunkt der Anfängervorlesungen lag damals in der Analysis und Geometrie, während Algebra meist nur davor an den höheren Schulen gelehrt wurden. Gleichzeitig beschäftigte sich Birkhoff mit der Verbandstheorie (in englisch Lattice Theory), worüber 1940 sein Buch Lattice Theory erschien. Damals wusste er noch nicht dass Richard Dedekind mit seinen Dualgruppen schon viel vorweggenommen hatte (er erfuhr es über seinen Vater, der dies von Øystein Ore erfuhr).[1]

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in Angewandter Mathematik, z. B. auf dem Aberdeen Proving Ground (dem Ballistikforschungszentrum der US-Armee) über Granatenexplosionen, Stoßwellen um Projektile, Entfernungsmessung mit Radar. Daraus entstanden zwei Bücher über Hydrodynamik (Hydrodynamics 1950, Jets, Wakes and Cavities 1957). Schon seit der Zeit des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in Komitees für Angewandte Mathematik mit John von Neumann zusammen.

Als Berater für Westinghouse 1954 begann er auch mit Arbeiten zur numerischen linearen Algebra. In Beratungstätigkeit für General Motors ab 1959 setzte er sich für die Verwendung von kubischen Spline-Funktionen für die Modellierung von Karosserien ein.

1969 wurde er George Putnam Professor in Harvard, was er bis zu seiner Emeritierung 1981 blieb. 1970 veröffentlichte er ein mehr angewandtes Algebra-Lehrbuch mit Thomas Bartee (Modern Applied Algebra).

1978 erhielt er den nach seinem Vater benannten Birkhoff-Preis für Angewandte Mathematik. Er war sechsfacher Ehrendoktor und Mitglied der National Academy of Sciences, der American Academy of Arts and Sciences (1945) und der American Philosophical Society (1960). Das Birkhoff-Integral, der Satz von Poincaré-Birkhoff-Witt und der Darstellungssatz von Birkhoff sind mit seinem Namen verbunden.

Ausgewählte Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Garrett Birkhoff: Lattice Theory. AMS, Providence (RI) 1940 (3. Auflage. 1973, ISBN 0-8218-1025-1).
  • Garrett Birkhoff, Gian-Carlo Rota: Ordinary Differential Equations. Ginn-Blaisdell, Boston (MA) 1959 (4. Auflage. Wiley, Boston 1989, ISBN 0-471-86003-4).
  • Garrett Birkhoff, Thomas Creson Bartee: Angewandte Algebra. Oldenbourg, München 1973, ISBN 3-486-34231-2.
  • Garrett Birkhoff: Current trends in algebra. In: Amer. Math. Monthly. Nr. 80, 1973, S. 760–782 (online – für diesen Beitrag wurde er 1974 mit dem Lester Randolph Ford Award ausgezeichnet).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Donald J. Albers, G. L. Alexanderson: Mathematical People – Profiles and Interviews. Birkhäuser, 1985, ISBN 3-7643-3191-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birkhoffs Interview in Albers, Alexanderson, Mathematical People