Gartenschläfer (Gattung)

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Gartenschläfer
Gartenschläfer (Eliomys quercinus)

Gartenschläfer (Eliomys quercinus)

Systematik
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Familie: Bilche (Gliridae)
Unterfamilie: Leithiinae
Gattung: Gartenschläfer
Wissenschaftlicher Name
Eliomys
Wagner, 1840

Gartenschläfer (Eliomys) sind eine Säugetiergattung in der Familie Bilche mit drei Arten, die in Europa, Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel vorkommen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die mittelgroßen Bilche sind vor allem durch eine auffällige Gesichtszeichnung gekennzeichnet, die aus einer mehr oder weniger deutlichen dunklen Augenmaske besteht, die sich als dunkles Band unterhalb der Ohren bis auf die Schulter zieht und mit den hellen Wangen kontrastiert. Hinzu kommt ein äuffällig zweifarbiger Schwanz, bei dem die Schwanzspitze in der Regel eine andere Färbung als der restliche Schwanz aufweist.[1] Der Schädel zeichnet sich durch eine lange und schmale Schnauze aus, weitere Kennzeichen umfassen den Aufbau der Schädelknochen, die pseudo-myomorphe Kaumuskulatur sowie die Struktur der Zähne.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitungsgebiete der drei Arten der Gartenschläfer

Die Arten der Gartenschläfer sind im Norden Afrikas, in Europa und im Mittleren Osten verbreitet, wobei die Verbreitungsgebiete nicht überlappen. Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) lebt in einem vergleichsweise großen Gebiet, das weite Teile Europas umfasst. Der Tunesische Gartenschläfer (Eliomys munbyanus) lebt in der Maghreb-Region im nördlichen Afrika im Bereich der Mittelmeer- und nordafrikanischen Atlantikküste von Marokko bis Libyen. Das Verbreitungsgebiet des Löffelbilches (Eliomys melanurus) reicht von der nordöstlichen Mittelmeerküste Afrikas in Libyen und Ägypten über die Sinai-Halbinsel bis in die Türkei und den Irak.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gartenschläfer leben primär in Bäumen und Gebüschen und sind nachtaktiv. Sie sind gute Kletter und ernähren sich omnivor von Früchten, Samen, Insekten, Vogeleiern und kleinen Wirbeltieren. Bei niedrigen Temperaturen hält der europäische Gartenschläfer einen Winterschlaf, die anderen beiden Arten nur eine Winterruhe.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gartenschläfer sind eine Gattung der Bilche (Gliridae), die in drei Arten vorkommt. Die wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt von Johann Andreas Wagner aus dem Jahr 1840, der sie anhand des im Vorjahr von ihm erstbeschriebenen Löffelbilches (Eliomys melanurus) als nomenklatorischer Typus beschrieb.[2][1] Innerhalb der Familie zählt die Gattung zur Unterfamilie Leithiinae mit der Gattung Baumschläfer (Dryomys) als Schwestergruppe. Die nahe Verwandtschaft wird über Merkmale der Zähne und des Schädels sowie auf der Basis molekularbiologischer Daten bestätigt.[2][1]

Die drei Arten der Gattung sind:

  • Gartenschläfer (Eliomys quercinus), hat zahlreiche voneinander geografisch isolierte Vorkommen in Europa.
  • Löffelbilch, Orientschläfer oder Wüstenschläfer (Eliomys melanurus), bewohnt mehrere Gebiete vom nördlichen Libyen bis in die südliche Türkei und auf der Arabischen Halbinsel.
  • Tunesischer Gartenschläfer (Eliomys munbyanus), kommt im nordwestlichen und nördlichen Afrika vor.

Der Löffelbilch und der Tunesische Gartenschläfer wurden zeitweise als Unterarten des Gartenschläfers angesehen. Neben diesen wurden mehrere fossile Arten beschrieben.

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahrzehnten waren für den Gartenschläfer in Zentral-, Süd- und Osteuropa erhebliche Bestandsrückgänge, Arealverkleinerungen und auch regionales Aussterben zu verzeichnen. Die Gründe dafür sind unklar. Er wird deshalb von der IUCN in der Vorwarnliste geführt (near threatened). Die anderen beiden Arten gelten als ungefährdet (least concern).

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Mary Ellen Holden: Genus Eliomys, Garden Dormice. In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 104–105; ISBN 978-1-4081-2253-2.
  2. a b Eliomys (Memento des Originals vom 26. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vertebrates.si.edu. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4, online.
  • Mary Ellen Holden: Genus Eliomys, Garden Dormice. In: Jonathan Kingdon, David Happold, Michael Hoffmann, Thomas Butynski, Meredith Happold und Jan Kalina (Hrsg.): Mammals of Africa Volume III. Rodents, Hares and Rabbits. Bloomsbury, London 2013, S. 104 ff.; ISBN 978-1-4081-2253-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eliomys – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Eliomys, Paleobiology Database
  • Eliomys in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2015. Abgerufen am 25. Juni 2015.