Gasometer Oberhausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gasometer Oberhausen
Gasometer Oberhausen
Außenansicht des Gasometers von Süden; Treppenturm links
Standortdaten
Staat: Deutschland
Region: Nordrhein-Westfalen
Stadt: Oberhausen
Baudaten
Baukosten: 1,74 Millionen Reichsmark
ca. 7,13 Millionen Euro
Bau: 1927–1929
Betrieb: 1929–1945
1949–1988
Stilllegung: 1988
Umbau: 1993–1994
Nachnutzung: Ausstellungen (seit 1994)
Technische Daten
Typ: Trocken-/Scheibengasbehälter
Bauweise: MAN
Masse der Gasdruckscheibe inkl. Betonballast: 1.207 t
Masse der Gasdruckscheibe ohne Betonballast: 600 t
Betriebsdruck: ≈3 kPa
Höhe: 117,5 m
Maximale Füllhöhe: ≈95 m
Durchmesser: 67,6 m
Nutzvolumen: ≈347.000
Grundriss: 24-eckig mit 8,80 m Kantenlänge
Grundfläche: ≈3.000
Sonstiges
  • Aufstiege und Aufzüge:
    • Panoramaaufzug im Inneren
    • Sicherheitsaufzug außen im Treppenturm
    • Treppenturm mit 592 Stufen
  • Flächen:
    • ca. 7.000 m² Ausstellungsfläche auf 3 Ebenen
    • Aussichtsplattform auf dem Dach
  • Denkmal:

Der Gasometer Oberhausen ist ein Industriedenkmal in Oberhausen und die höchste Ausstellungs- und Veranstaltungshalle Europas. Er gehört zu den Panoramen und Landmarken sowie den Ankerpunkten der Route der Industriekultur und ist auch in die Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) eingebunden. Der Gasometer liegt in der Neuen Mitte unmittelbar am Rhein-Herne-Kanal. Mit einem Speichervolumen von 347 000 m³, 117 Metern Höhe und knapp 68 Metern Durchmesser war er bis 1988 Europas größter Scheibengasbehälter.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gasometer wurde zwischen 1927 und 1929 als Scheibengasbehälter in MAN-Bauweise vom MAN Werk Gustavsburg errichtet. Er speicherte zunächst das Gichtgas, ein Abfallprodukt der umliegenden Hochöfen der Gutehoffnungshütte, das anschließend in den Walzwerken wieder verfeuert wurde. Später wurde das energetisch höherwertige Kokereigas aus der Kokerei der Zeche Osterfeld zwischengespeichert. Die sogenannte Gasdruckscheibe schwamm, von zusätzlichen Betongewichten beschwert, auf dem Gas. So konnte sie je nach vorhandener Gasmenge die Wände des Gasometers entlang auf- und abgleiten und hielt den Gasdruck konstant.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gasometer bei Bombenangriffen schwer beschädigt und 1945 stillgelegt. Bei Reparaturarbeiten 1946 geriet er in Brand und musste bis auf das Fundament abgebaut werden. Beim Wiederaufbau, der bis 1949 dauerte, konnten verschiedene Konstruktionselemente, unter anderem das Dach, weiterverwendet werden. Der Gasometer war bis 1988 in Betrieb.

Nach der Stilllegung sollte er zunächst abgerissen werden. Die beantragte Genehmigung dafür war bereits unterschriftsreif, allerdings zögerte die Eigentümerin Ruhrkohle AG wegen der Kosten von ca. 1,5 Millionen DM ihrerseits die Abrisspläne tatsächlich zu forcieren. Währenddessen waren andere Nutzungen im Gespräch, u.a. als rot-weiße „Coca-Cola-Dose“ durch die damals in Essen ansässige Coca-Cola GmbH. Denkmalschützer setzten sich für einen Erhalt des Gebäudes ein; der Leiter der Internationalen Bauausstellung Emscher Park Karl Ganser drohte für den Fall eines Abrisses mit seinem Rücktritt. 1992 entschied der Oberhausener Stadtrat, das Gebäude zu kaufen, um es für Ausstellungszwecke zu nutzen und in das Gelände der geplanten Neuen Mitte zu integrieren.[2][3]

1993/94 wurde der Gasometer im Rahmen der IBA Emscher Park für 16 Millionen D-Mark zu Europas höchster Ausstellungshalle umgebaut. Dabei wurde die Gasdruckscheibe auf einer Höhe von 4,20 Metern am Zylindermantel sowie durch Zwischenstützen fixiert. Sie dient nun als zweite Ebene der Ausstellungsfläche, auf der eine Tribüne für 500 Besucher installiert wurde. Außerdem wurden vier Außentreppen errichtet, drei bis zur oberen Ausstellungsebene auf +12,0 Meter Höhe sowie eine vierte mit 38 Läufen bis zum Dach des Gasometers. In den Treppenturm ist ein Aufzug integriert. Mit einer Höhe von 115 Metern und Grundrissabmessungen von 6,0 Meter mal 8,5 Meter ist es weltweit eine der größten Industrietreppen. Das Gasometerdach ist Besichtigungsplattform und zu Fuß, per Außenaufzug oder Panoramaaufzug mit verglaster Kabine innerhalb des Gasbehälters zu erreichen. Es bietet einen Rundblick über die Stadt Oberhausen und das westliche Ruhrgebiet.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsfläche unterhalb der Gasdruckscheibe während der Ausstellung über die Geschichte des größten Scheibengasbehälters Europas

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1994 haben Ausstellungen zu Themen wie 200 Jahre Ruhrgebiet, 100 Jahre Deutscher Fußball- Bund oder Sternstunden mit dem „größten Mond auf Erden“ mehr als vier Millionen Besucher in den Gasometer Oberhausen gelockt. Damit gehört der Gasometer Oberhausen heute zu einem der bedeutendsten Ankerpunkte der Route der Industriekultur. Die Ausstellung „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ war 2010 die erfolgreichste Ausstellung im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010. 2011/2012 stellte die Sonderausstellung „Magische Orte“ bedeutende Natur- und Kulturdenkmäler der Erde vor.

Christo füllte vom 16. März bis 30. Dezember 2013 den Gasometer Oberhausen mit der Installation „Big Air Package“. Nach der Abschlussinstallation „The Wall“ (1999) für die Internationale Bauausstellung Emscher Park war es sein zweites Kunstwerk im Gasometer. Das „Big Air Package – Project for Gasometer Oberhausen, Germany“ wurde im Jahre 2010 von Christo konzipiert (erstmals ohne seine Frau Jeanne-Claude).

Die künstlerische Installation im Inneren der höchsten Ausstellungshalle Europas wurde aus 20.350 Quadratmetern lichtdurchlässigem Gewebe und 4.500 Metern Seil gefertigt. Im aufgeblasenen Zustand erreichte die über fünf Tonnen schwere Installation eine Höhe von 90 Metern, einen Durchmesser von 50 Metern und ein Volumen von 177.000 Kubikmetern. Damit stellte die Stoffhülle zeitweilig die größte freitragende Installation der Welt dar. Im begehbaren Inneren des Big Air Package bot der Künstler ein einzigartiges Erlebnis von Raum, Größe und Licht.

Parallel zur Ausstellung im Gasometer wurde in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen eine Auswahl von sieben originalen Entwurfszeichnungen von Christos Big Air Package gezeigt, die die Zeit von der Idee im Jahr 2010 bis zur Realisierung im Jahr 2013 abdeckte.

Kurator, Fotograf und Projektleiter war Wolfgang Volz.[4]

Jahr Beispiel Ausstellung Besucher
1994/1995 „Feuer und Flamme“ (Ruhrgebietsausstellung) 190.000 (1994) / 270.000 (1995)
1996 „Ich Phoenix“ (zeitgenössische Kunstausstellung) 100.000
1997/1998 „Der Traum vom Sehen“ (Medienausstellung Fernsehen) 290.000 (1997) / 250.000 (1998)
1999 „The Wall“ (Installation aus 13.000 Ölfässern von Christo und Jeanne-Claude) 390.000
2000 „Der Ball ist rund“ (Fußballausstellung 100 Jahre DFB) 216.000
2001/2002 „Blaues Gold“ (Inszenierung zum Thema Wasser) 292.000
2003 „Five Angels for the Millennium“ (Videokunst-Installation von Bill Viola) 139.000
2004 Breitling Orbiter 2 (Gondel) im Gasometer Oberhausen.jpg „Wind der Hoffnung“ (Abenteuer Ballonfahrt) 190.000
2006 Light Sky.jpg „FeuerLichtHimmel“ (Geschichte des Gasometers, Licht-Klang-Installation „Licht Himmel“ von Christina Kubisch) 113.000
2007/2008 The eye of the sky.jpg „Das Auge des Himmels“ (Satellitenbilder der Erde, „Licht Himmel“) 375.000
2009/2010 Sternstunden Oberhausen Sonne.jpg „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ (Weltraumbilder, astronomische Exponate und eine Mondskulptur mit 25 Metern Durchmesser) 960.000
2011/2012 Magische Orte83653.JPG „Magische Orte“ (Ausstellung über die großen Natur- und Kulturdenkmäler der Erde) 800.000
2013 Big Air Package - Gasometer Oberhausen.jpg „Big Air Package“ (Indoor-Installation von Christo) 440.000
2014/2015 „Der schöne Schein“ (Kunstausstellung) 470.000[5]
2016 Gasometer Erde3.JPG „Wunder der Natur“ (Ausstellung großformatiger Fotografien und anderer Exponate zur Veranschaulichung der Vielfalt und Einzigartigkeit der Tier- und Pflanzenwelt. Den Höhepunkt bildet eine 20 Meter große frei hängende Skulptur der Erde, auf welche bewegte Satellitenbilder projiziert werden und so das Wechselspiel aus Tag und Nacht und der Jahreszeiten verdeutlicht wird.)

Ausstellungskataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Pachnicke, Wolfgang Volz (Hrsg.): Magische Orte. Natur- und Kulturmomente der Welt. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0516-0. (Bildband zur gleichnamigen Ausstellung vom 8. April 2011 bis 21. Oktober 2012)
  • Gasometer Oberhausen GmbH (Hrsg.): Christo. Big Air Package. Klartext Verlag, Essen 2013, ISBN 978-3-8375-0850-5.

Theater Oberhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gasometer wurde vom Theater Oberhausen als „Außenprojekt“ bespielt:

(Für die Inszenierung wurde von Prof. Lutz-Helmut Schön das mit einer Fadenlänge von 95 Metern und einer 100 kg schweren Eisenkugel bis dahin längste Foucaultsche Pendel Europas installiert, das in einer Höhe von 2,50 Meter über der bespielten Plattform schwang.)

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gasometer wird durch die Haltestelle Neue Mitte Oberhausen an der ÖPNV-Trasse erschlossen.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem deutlich kleineren Oberhausen, nämlich einem Stadtteil der süddeutschen Großstadt Augsburg, befindet sich im dortigen historischen Gaswerk ebenfalls ein Scheibengasbehälter in MAN-Bauweise. Er wurde 1954 fertiggestellt und 2001 stillgelegt. Mit einer Höhe von 84 m und einem Durchmesser von 45 m bei einem Speichervolumen von 100.000 m³ ist er deutlich kleiner als sein Pendant in der Stadt Oberhausen, jedoch einer der wenigen in Süddeutschland erhaltenen und (innen wie außen) begehbaren (Scheiben-)Gasbehälter.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anneli Kleine: Gasometer Oberhausen. In: Ursprünge und Entwicklungen der Stadt Oberhausen, Quellen und Forschungen zu ihrer Geschichte, Bd. 5 (1996), S. 71–128.
  • Jeanette Schmitz, Wolfgang Volz (Hrsg.): Gasometer Oberhausen. Klartext, Essen 2004, ISBN 3-89861-341-0.
  • Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Industriemuseum (Hrsg.): Gasometer Oberhausen. Klartext, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-718-5.
  • Jeanette Schmitz (Hrsg.): 20 Jahre Gasometer Oberhausen. Klartext, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1291-5. (Bildband über die 14 Ausstellungen von 1994 bis 2015)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gasometer Oberhausen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.gasometer.de/de/
  2. Michael: Osterfelder Bürgerring e.V. - Der Gasometer. In: www.oberhausen-osterfeld.de. Abgerufen am 29. März 2016.
  3. Birwe: Industriedenkmäler - Gasometer. In: www.uni-due.de. Abgerufen am 29. März 2016.
  4. http://www.christojeanneclaude.net/projects/big-air-package?view=info
  5. http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/oberhausener-schoenheit-auf-der-zielgeraden-id11192010.html

Koordinaten: 51° 29′ 39″ N, 6° 52′ 14″ O