Gaston (Comic)

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Wandgemälde in Angoulême: Gaston und sein Vorgesetzter Demel

Gaston ist die namensgebende Hauptfigur einer Comic-Reihe aus dem Magazin Spirou. Gezeichnet wurde sie von André Franquin vom Februar 1957 bis zu seinem Tod im Jahr 1997. Bis 1967 war der Zeichner Jidéhem als Co-Autor an der Serie tätig. Im französischsprachigen Original heißt die Figur mit vollem Namen Gaston Lagaffe. La gaffe bedeutet auf Deutsch „der Schnitzer“, „das Ungeschick“, „der Ausrutscher“ oder „die Entgleisung“.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaston ist ein Bürogehilfe in der Redaktion des (real existierenden) Verlages Dupuis, in der deutschen Ausgabe des Kauka Verlages bzw. des Carlsen-Verlages. Bei seinen ersten Auftritten stand er einfach herum und verwirrte damit die Angestellten. Später tauchte er in einzelnen Szenen der Serie Spirou und Fantasio auf, um dann eine eigene Serie zu erhalten. In der Serie wird der Alltag der Redaktion persifliert.

Seine Vorgesetzten (in den früheren Bänden Fantasio, später Demel) versuchen ständig, Gaston zu kontrollieren und zum Arbeiten zu bringen. Ein häufiger Runninggag ist, dass sie immer wieder versuchen, mit dem Geschäftsmann Bruchmüller zum Unterschreiben von Verträgen zu kommen, doch immer wieder weiß Gaston dies durch ein Missgeschick unabsichtlich zu verhindern. Selbst, wenn ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sein scheinen, macht ihnen Gaston immer wieder unabsichtlich einen Strich durch die Rechnung.

Gastons Auto (Fiat 509) auf der Brüsseler Motorshow 2009

Gaston fällt durch seine ausgefallenen, meist missglückten Experimente und Basteleien und durch seine Faulheit auf. Er wird als liebenswerter Chaot und verkanntes Genie dargestellt. In seiner Freizeit spielt er gerne Musikinstrumente, unter anderem Gitarre, Posaune und das absurd laute, von ihm erfundene „Gaffophone“ (deutsch: „Gastophon“ oder auch „Brontosaurophon“).

Gaston ist zudem sehr tierlieb und hat im Laufe der Geschichten mehrere Haustiere: eine Katze, eine Lachmöwe mit Namen Har-Har, einen Goldfisch mit Namen Blubblub und eine Mäusefamilie, die in einem Aktenordner wohnt. Weitere Tiere, die im Laufe der Zeit vorkommen, sind ein Igel, eine Kuh, die er bei einer Tombola gewonnen hat, ein Hummer, den er in einem Restaurant vor dem Kochtopf gerettet hat, der Papagei seiner Tante und eine Schildkröte. All diese Tiere stiften Wirbel und Chaos in der Redaktion.

Ein häufiger Antagonist Gastons ist Wachtmeister Knüsel, ein Polizist, der nur darauf aus ist, an Gaston Strafzettel, meistens für Falschparken, zu verteilen. Teils hat Gaston das Nachsehen, aber meistens steht Knüsel als Verlierer da, z. B. als Gastons Möwe in letzter Sekunde noch eine Münze in den Parkautomaten schmeißt.

Charaktere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herr Carlsen (im Original: Monsieur Dupuis), der Chef des Verlags, der allerdings nur entweder per Telefon in Erscheinung tritt, oder von dem man nie das Gesicht sieht (erster körperlicher Auftritt in Sketch Nr. 207)
  • der Redakteur Fantasio (im Original ebenfalls Fantasio), welcher nach Sketch Nr. 480 aus der Serie ausscheidet (interne Begründung, er sei nun im Außendienst)
  • der Vorgesetzte Demel (im Original: Léon Prunelle), welcher in Sketch Nr. 481 Fantasio als Redaktionschef ablöst (erster Auftritt Sketch Nr. 207)
  • der cholerische Geschäftspartner Herr Bruchmüller (Aimé de Mesmaeker) (erster Auftritt Sketch Nr. 109)
  • Fräulein Trudel (Mademoiselle Jeanne), die in Gaston verliebt ist, ihn bewundert und verehrt (erster Auftritt Sketch Nr. 224)
  • der Zeichner Krause (Yves Lebrac) (erster Auftritt Sketch Nr. 207)
  • der Buchhalter Herr Bolte (Joseph Boulier) (erster Auftritt Sketch Nr. 195)
  • Wachtmeister Knüsel (Joseph Longtarin) (erster Auftritt Sketch Nr. 191)
  • Alfons (Jules-de-chez-Smith-en-face), ein Kumpel von Gaston, der sein Büro direkt auf der anderen Straßenseite hat (erster körperlicher Auftritt Sketch Nr. 458)
  • Felix Pannemann/Knoop (Bertrand Labévue), Gastons Cousin, der (wie Franquin) zu Depressionen neigt (erster Auftritt Sketch Nr. 347)

Veröffentlichungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaston Lagaffe tauchte erstmals am 28. Februar 1957 in der Zeitschrift Spirou auf.[1] In Deutschland wurden die Gaston-Comics zuerst vom Kauka Verlag in Fix und Foxi abgedruckt. Gaston hieß dort Jo-Jo, und ihm wurde ein starkes Stottern angedichtet. Ab Anfang der 80er Jahre erschien Gaston im Carlsen Verlag (zeitweise in der Sparte Semic), diesmal mit korrekter Übersetzung. Nachteilig war an dieser Veröffentlichung das völlige Durcheinander in der Chronologie. Dieses Problem wurde schließlich mit der Neuauflage Gesammelte Katastrophen ab 1993 behoben. Die letzte deutsche Ausgabe dieser Auflage erschien bis 2001 bei Carlsen-Comics.

Ab Juli 2008 veröffentlichte der Carlsen Verlag die einzelnen Bände im Monatsrhythmus neu. Dabei wurde die Übersetzung noch einmal überarbeitet, um sie näher an das Original heranzubringen und die Namen, welche teilweise in der Serie durcheinander gingen, zu vereinheitlichen. Zudem wurde noch einmal der Inhalt überarbeitet. So sind einige Sketche, welche bei vorherigen Auflagen nur in neu gezeichneten Versionen zu sehen waren, nun in den Originalversionen restauriert worden; das Zusatzmaterial, teilweise nie in Deutschland veröffentlicht, wurde an die chronologisch korrekten Stellen gesetzt und die Kolorierung überarbeitet sowie das Lettering vereinheitlicht.

Ende 2015 erschien unter dem Namen "Der Ganze Gaston" erstmals eine Gesamtausgabe, die alle Gags in fünf Bänden im Schuber zusammenfasst und zudem einiges an Zusatzmaterial über die Hintergründe der Comicserie bietet. [2]

Bände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gaston 2 Bände (Carlsen, 1981)
  • Gaston 10 Bände mit lila Einband (Carlsen/Semic, 1982–1984)
  • Gaston 16 Bände mit gelben Buchrücken (Carlsen, 1985–1993)
  • Carlsen Pocket Band 1, 14, 24, 28, 33 (Carlsen 1990–1991)
  • Gaston - Gesammelte Katastrophen 19 Bände, Hardcover mit roten Buchrücken (Carlsen, 1993–2001)
  • Gaston - Gesammelte Katastrophen 19 Bände, Softcover mit gelben Buchrücken (Carlsen, 1998–2001)
  • Gaston - F.A.Z. Comic-Klassiker, Band 18 Broschiert (FAZ, 2005)
  • 40 Jahre Carlsen Comics: Gaston Jubiläums-Sonderausgabe (Carlsen, 2007)
  • Gaston - Gesammelte Katastrophen - Neuauflage (auch Gaston New Look) 19 Bände, Softcover mit gelb-rotem Buchrücken (Carlsen, ab Juni 2008)
  • Der Ganze Gaston - Gesamtausgabe aller Gaston-Seiten - Neuauflage 5 Bände, Hardcover Gebunden im Schuber (Carlsen, 2015)

Originalausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bände 1 bis 5 wurden zwischen 1960 und 1967 im „italienischen Format“ (breiter als hoch) publiziert. Ihr Inhalt wurde in den 1970er Jahren in den Hardcover-Bänden R1 bis R4 im A4-Format neu veröffentlicht. Der Buchstabe R bedeutet Sammelband (fr: recueil). Ein Band R5 existierte zunächst nicht, es folgten die Bände 6 bis 14.

Band Nr. 6 entstand erstmals im A4-Format, in diesem sollten auch die älteren Episoden neu veröffentlicht werden. Mit den Inhalten der Bände 1 bis 5 ließen sich aber nur drei großformatige Bücher füllen, die die Nummern R1 bis R3 erhielten. Der Band R4 enthält bis dahin unveröffentlichte Geschichten, „die besten live aus der Redaktion“.[3] Nachträglich kamen neue Bände dazu:

  • R5: Le lourd passé de Lagaffe, 1986
  • 1: Les archives de la gaffe, 2009
  • 2: Gaffes à gogo, 2009
  • 4: Gala de gaffes, 2009
  • 6: Gare aux gaffes, 2009
  • 8 (neu): Rafales de gaffes, 2009
  • 11 (neu): Le repos du gaffeur, 2009
  • 18: Gaffes en pagaille, 2013
  • 19: Faites gaffe à Lagaffe, 2013
  • S.2: Le génie de Lagaffe, 2012
  • S.4: Roulez, Lagaffe!, 2014
„Rue Gaston Lagaffe“ (niedl.: Guust Flater Straat) in Brüssel

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Comic-Serie wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk des Internationalen Comic Salons Erlangen.

siehe auch: Die 100 Bücher des Jahrhunderts von Le Monde (Platz 98)

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaston Lagaffe bricht durch die Berliner Mauer an der East Side Gallery, 1991

Gaston weigert sich, für das Parken zu zahlen, und hat eine militante Abneigung gegen Parkuhren.[4] Als Geschenk an die Bevölkerung zu Gastons 50. Geburtstag erlaubte die Stadtverwaltung, dass am 28. Februar 2007 in ganz Brüssel kostenlos geparkt werden durfte.[1]

An der East Side Gallery in Berlin war achtzehn Jahre lang ein Gemälde, das Gaston Lagaffe beim Durchbrechen der Berliner Mauer zeigte, ein beliebtes Fotomotiv. Es war nicht Teil der offiziellen Kunstwerke dieser Open-Air-Galerie und verschwand nach 2008.

Seit 2011 zeichnet Yann die Serie Gastoon, in der es um Gastons Neffen Gastoon geht.

Nachdem im Jahr 2014 die Rechte von Gaston und dem Marsupilami an den Verlag Dupuis gingen, hat Gaston, gezeichnet u. a. von Yoann, wieder Auftritte in Comicgeschichten.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gaston (Comic) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lagaffe fait des automobilistes heureux bei toutenbd.com, abgerufen am 22. Februar 2016
  2. Andre Franquin: Der ganze Gaston. Fünf Bände im Schuber. (perlentaucher.de [abgerufen am 16. September 2017]).
  3. Lagaffe mérite des baffes, Dupuis, 1979, ISBN 2-8001-0658-1, S. 48
  4. La guerre des parcmètres bei gastonlagaffe.com, abgerufen am 22. Februar 2016
  5. Spirou und Fantasio, Band 52 (Der Page der Sniper Alley), erschienen im Februar 2015