Gaston Ramon

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Gaston Léon Ramon (* 30. September 1886 in Bellechaume; † 8. Juni 1963 in Paris) war ein französischer Veterinärmediziner und Immunologe, bekannt als Entwickler von Toxoidimpfstoffen (Anatoxine) gegen Diphtherie und Tetanus.

Ramon war der Sohn eines Bäckers, besuchte die Schule in Sens und studierte 1906 bis 1910 an der École nationale vétérinaire d’Alfort. Durch den Schuldirektor kam er in Kontakt mit Emile Roux, der ihn ans Institut Pasteur in Garches bei Paris holte, wo er in der Impfstoffentwicklung tätig war. Im Ersten Weltkrieg machte er Impfstoffe haltbar und sicherer durch Behandlung mit Formaldehyd. Gleichzeitig war er im Labor von M. Nicolle. 1920 erhielt er die Erlaubnis von Roux, ein eigenes Labor im Rahmen des Institut Pasteur in Garches zu leiten. Dort entwickelte er Anti-Toxine gegen das Diphtherietoxin und Tetanustoxin sowie Methoden, deren Wirksamkeit zu testen. Für die Entwicklung von Impfstoffen gegen das Diphtherie-Toxin schwächte er das Diphtherie-Toxin durch Behandlung mit Formalin und Hitze ab unter Erhalt der immunologischen Eigenschaften. Mitte der 1920er Jahre testete er seinen Tetanusimpfstoff am Menschen und entwickelte auch kombinierte Impfstoffe. 1926 wurde er Leiter des Zweiginstituts des Institut Pasteur in Garches, was er bis 1944 blieb. 1934 bis 1940 war er stellvertretender Leiter des Institut Pasteur in Paris unter dem Direktor L. Martin. 1937 bis 1940 war er Leiter der gesamten Impfstoffproduktion des Pasteur-Instituts, die insbesondere große Mengen für die französische Armee lieferte. 1940 wurde er Direktor des Institut Pasteur, trat aber schon kurz danach zurück, da er sich mit organisatorischen und finanziellen Reformen nicht durchsetzen konnte. Er wurde 1941 Ehrendirektor des Institut Pasteur und Leiter von deren Immunologie-Abteilung. 1948 verließ er das Institut Pasteur und wurde Direktor des Office International des Epizooties in Paris.

Im Jahr 1933 wurde er zum Mitglied der Leopoldina, 1934 wurde er in die französische Akademie für Medizin gewählt (deren Clotilde-Liard-Preis er 1924 erhielt) und wurde Mitglied des staatlichen Serumkomitees. 1943 wurde er Mitglied der Académie des sciences, deren Bréant-Preis er 1925 und deren General-Muteau-Preis er 1937 erhielt.

Er war seit 1917 mit Marthe Momont verheiratet, einer Großnichte von Emile Roux. 1950 erhielt er den Emil-von-Behring-Preis.

Er wurde über 150-mal für den Nobelpreis vorgeschlagen, schaffte es aber nie (möglicherweise weil die Nominierungen überwiegend nur aus Frankreich kamen).[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Mrasek: Die Ewig Nominierten, Deutschlandfunk, 7. Dezember 2016