Gaswerk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gaswerk Valby, 1952, in der Nähe von Kopenhagen

Ein Gaswerk, veraltet auch Gasanstalt oder Gasfabrik, ist eine Anlage zur Herstellung, Speicherung und Bereitstellung von technischen Gasen, insbesondere von solchen für Heiz- und Beleuchtungszwecke.

Am 2. März 1810 entstand in London das erste Gaswerk, das Gas durch Kohlevergasung in einer Kokerei erzeugte.

Ein Gaswerk setzt sich zusammen aus der Anlage zur Erzeugung und Reinigung des Gases sowie die Anlagen zur Messung der Gasmenge, zur Speicherung, etwa in einem Gasbehälter sowie Kompressoren und Ventile für die Verteilung und Bereitstellung des Leitungsdruckes.

Neben der Anlage zur Produktion von Stadtgas werden mit dem Gaswerk auch kommunale Unternehmen bezeichnet, die für den Aufbau und Betrieb des Gasnetzes sowie den darüber stattfindenden Vertrieb des Gases zuständig waren. Gaswerke wurden im Sinne des Munizipalsozialismus' oft mit Elektrizitätswerken und Wasserwerken zu Stadtwerken zusammengefasst. Teilweise hat sich ihr Name auch nach der Wandlung vom Produzenten von Stadtgas zum Distributor von Erdgas im Firmennamen gehalten, wie z. B. bei der GASAG Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft oder der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG.

Erhaltene Gaswerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behältergruppe im ehemaligen Gaswerk Wien-Simmering

Als man in den 1950er und 1960er Jahren dazu überging, Erdgas-Verbundnetze zu schaffen, hatte dies die Schließung zahlreicher Gaswerke und den Abriss eines großen Teils ihrer Bauten zur Folge. Die Gasometer blieben jedoch oft erhalten, weil sie noch immer eine Funktion besitzen. Der älteste erhaltene Gasometer stammt aus der Zeit um 1830 und befindet sich in Fulham. Das 1854 erbaute Point Breeze-Gaswerk in Philadelphia, ist noch immer in Betrieb und enthält außergewöhnlich viele Anlagen aus dem 19. Jahrhundert. Beispiele für gut erhaltene Anlagen in Deutschland sind das Gaswerk Neustadt (Dosse) und das Gaswerk Augsburg.

Durch den oft jahrzehntelangen Gaswerksbetrieb sind viele der ehemaligen Betriebsgelände im Boden und im Grundwasser durch Phenole, Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und andere Kohlenwasserstoffe belastet. Die Sanierung dieser Altlasten gestaltet sich mitunter aufwändig.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematische Darstellung der Gaserzeugung mit Retorten
Retortenöfen waren im Ofenhaus, einem zentralen Gebäude im Gaswerk, untergebracht
Kammerofen dienen in neueren Gaswerken zur Rohgaserzeugung

In einem Gaswerk wurde meist Steinkohlegas oder eine der folgenden Gassorten im Ofenhaus durch Kohlevergasung hergestellt. Wurde statt Kohle das schlechter zu vergasende Holz verwendet, spricht man auch von der Holzvergasung. Das Ofenhaus bestand aus mehreren Öfen welche das sogenannte Rohgas lieferten. In älteren Gaswerken waren zur Vergasung Retortenöfen im Einsatz, später die wirtschaftlicher zu betreibenden Kammeröfen, wie sie auch in Kokereien Verwendung finden. Dabei entstand als festes Produkt im Ofen Koks. Dieser wurde pro Retorte oder Ofenkammer etwa einmal täglich ausgestoßen, gelöscht und anschließend verkauft oder im Gaswerk selbst als Brennstoff verbraucht.

Das im Rahmen der Kohlevergasung entstandene Rohgas wurde abgekühlt und im Waschhaus einer Gaswäsche unterzogen um unerwünschte Anteile wie Teer, Ammoniakwasser und Naphthalin abzutrennen. Daneben bestanden Gaswerke aus verschiedenen Zusatzbauten wie Wassertürme, Messeinrichtungen, dem Generatorenhaus zur Erzeugung von Generatorgas um damit die Öfen im Ofenhaus zu versorgen, und einem Gassaugerhaus in welchem Exhaustoren, technisch frühe Formen von Ab- bzw. Ansaugapparaten, untergebracht waren. Sie leiteten das erzeugte Gas in die Gasometer oder in das Rohrleitungsnetz weiter.

Hergestellte Gassorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gaswerken wurden unter anderem folgende Gase hergestellt:

  • Holzgas, das aus Holz hergestellt wurde
  • Braunkohlegas, statt Steinkohle wurde Braunkohle verwendet
  • Stadtgas oder Leuchtgas, Steinkohlegas, das als offene Flamme heller geleuchtet hat
  • Blaugas oder Ölgas, wurde aus Öl hergestellt, das Gas wurde in Flaschen abgefüllt [1]
  • Acetylengas, ein aus Wasser und Karbid hergestelltes Gas
  • Aerogengas oder Luftgas, hergestellt aus flüchtigen Kohlenwasserstoffen (Gasolin, Petroleumäther, Benzin u. a.) und Luft [2]
  • Wassergas, welches aus Koks und Wasserdampf hergestellt wurde
  • Generatorgas, ähnlich Wassergas, nur zusätzlich mit Luft
  • Ebenso kann man auch aus Knochen, Pech, Torf, Harz, Fett usw. brennbare Gasgemische herstellen.[3]

Beispiel Leuchtgasproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leuchtgasproduktion aus Steinkohle gliedert sich in folgende Schritte[4]:

  • Rohgaserzeugung durch Trockendestillation der Steinkohle bei ca. 600 °C bis 1200 °C in der Ofenanlage
  • Reinigung des Rohgases von

Danach wurde das Gas über die als Puffer für Verbrauchsschwankungen wirkenden Gasspeicher und die Gasregulierung zu den Verbrauchstellen geleitet.

Nebenprodukte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Hauptprodukten Gas und Koks fielen in Gaswerken eine Reihe von Nebenprodukten an. Die wichtigsten sind Rohteer, Benzol, Naphthalin, Toluol, Ammoniak und Schwefel. Diese Stoffe wurden je nach Marktlage direkt oder nach einer Aufbereitung verkauft und in der chemischen Industrie weiterverarbeitet oder wie das in durch Verarbeitung entstandene Ammoniumsulfat als Dünger in der Landwirtschaft verwendet.[4] Durch den Verkauf der Nebenprodukte konnte der Verkaufspreis des Stadtgases reduziert werden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lueger 1904 Ölgas
  2. Brockhaus 1911 Luftgas
  3. Meyers 1905 Leuchtgas
  4. a b Rainer Fellenberg-Grahl: Kontamination und Sanierung ehemaliger Gaswerke und Kokereien, Berlin 1989