Gattendorf (Burgenland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gattendorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Gattendorf
Gattendorf (Burgenland) (Österreich)
Gattendorf (Burgenland)
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Neusiedl am See
Kfz-Kennzeichen: ND
Fläche: 25,1 km²
Koordinaten: 48° 1′ N, 16° 59′ OKoordinaten: 48° 0′ 54″ N, 16° 59′ 0″ O
Einwohner: 1.338 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 53 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2474
Gemeindekennziffer: 1 07 06
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 4
2474 Gattendorf
Website: www.gattendorf.at
Politik
Bürgermeister: Franz Vihanek (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(19 Mitglieder)
9
8
1
1
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Gattendorf im Bezirk Neusiedl am See
AndauApetlonBruckneudorfDeutsch JahrndorfEdelstalFrauenkirchenGattendorfGolsHalbturnIllmitzJoisKittseeMönchhofNeudorf bei ParndorfNeusiedl am SeeNeusiedl am SeeNickelsdorfPamaPamhagenParndorfPodersdorf am SeePotzneusiedlSankt Andrä am ZickseeTadtenWallern im BurgenlandWeiden am SeeWinden am SeeZurndorfBezirk Neusiedl am SeeLage der Gemeinde Gattendorf (Burgenland) im Bezirk Neusiedl am See (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Gattendorf ist eine Gemeinde mit 1338 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Gáta, der kroatische Raušer.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gattendorf ist der einzige Ort in der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Gáta verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gattendorf 1209 als „Kata“ in der Grenzbeschreibung von Csallo. Im Gemeindegebiet stand aber schon 1146 eine hölzerne Kapelle. Dort soll nach der Schlacht der zehnjährige Ungarkönig Géza II., Sohn Bélas II., wehrhaft gemacht worden sein. 1264 wurde der Ort von Grenzwächtern für das ungarische Gyepűsystem besiedelt, die 1339 von König Karl I. in ihren alten Rechten bestätigt wurden. In der Folge wechselte der Ort häufig den Eigentümer oder gehörte mehreren Grundherren zugleich. Von diesen waren das bedeutendste Geschlecht die Herren von Rauscher. Während ihrer Grundherrschaft wurden um 1550 Kroaten im Ort angesiedelt. Später gehörte der Ort der Familie Esterházy. Nach der Aufhebung der Zins- und Robotleistungen kam der im Besitz der Familie Esterházy verbliebene Gutshof Gattendorf an die Familie Czell, in deren Besitz er heute noch ist.

Von ca. 1720 bis 1938 gab es eine jüdische Gemeinde in Gattendorf, die aber nach einem Höchststand von 206 Personen im Jahr 1857 immer kleiner wurde, sodass sie 1885 an die jüdische Gemeinde von Kittsee angeschlossen werden musste.[1] 1934 wohnten nur mehr 19 Juden in Gattendorf, von denen einige der Shoah zum Opfer fielen.[2] An diese jüdische Gemeinde erinnert heute nur noch der Jüdische Friedhof Gattendorf außerhalb der Ortschaft.

Gattendorf verlor zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine kroatische Mehrheit; bis in die Gegenwart ist auch die kroatischsprachige Minderheit -wenn überhaupt – nur mehr auf vereinzelte Sprecher zusammen geschmolzen (Anteil der Kroaten an der Gesamtbevölkerung – 1910: 36,5 %, 1934: 29,8 %, 1951: 5,0 %, 2001: 1,2 %).

Die Gemeinden Gattendorf, Neudorf und Potzneusiedl wurden 1971 durch Zusammenlegung zur Gemeinde Gattendorf-Neudorf. Nach der Trennung der Gemeinden am 1. Jänner 1990 erlangte jede wieder ihre Eigenständigkeit und die Gemeinde Gattendorf wieder ihre Selbstverwaltung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Gattendorf
  • Katholische Pfarrkirche Gattendorf
  • Jüdischer Friedhof Gattendorf
  • Altes und neues Schloss: Das alte Schloss ist ein mächtiger Zweiflügelbau mit einer Kernsubstanz aus dem 17. Jahrhundert. Das rustizierte Portal in der siebenachsigen Hauptfront stammt aus dem 17. Jahrhundert und die ionischen Riesenpilaster aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • Kapelle hl. Anna: Sie wurde südwestlich von Gattendorf auf einer Anhöhe als Grabkapelle für den in Gattendorf ansässigen Familienzweige der Esterházy 1712 von Gräfin Maria Esterházy (1668–1720) errichtet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kindergarten
  • Volksschule

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2017
 %
50
40
30
20
10
0
43,97
(+3,58)
43,42
(+0,40)
7,59
(-0,99)
5,02
(-2,99)


Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl insgesamt 19 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[3] 2012[4] 2007[5] 2002[6] 1997[6]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
ÖVP 394 43,97 9 353 40,39 8 342 41,01 8 239 28,73 6 230 28,68 4
SPÖ 389 43,42 8 376 43,02 9 370 44,36 9 276 33,17 6 262 32,67 5
FPÖ 68 7,59 1 75 8,58 1 46 5,52 1 65 7,81 1 94 11,72 2
LIGAA1 45 5,02 1 70 8,01 1 76 9,11 1 nicht kandidiert nicht kandidiert
LIKOA2 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 252 30,29 6 216 26,93 4
Wahlberechtigte 1202 1146 1066 1041 942
Wahlbeteiligung 82,28 % 82,20 % 83,58 % 86,74 % 91,19 %
A1 Liste Gattendorf
A2 Liste Kovacs

Gemeindevorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Bürgermeister Franz Vihanek (ÖVP) und Vizebürgermeister Robert Kovacs (SPÖ) gehören weiters Thomas Ranits (ÖVP), Johannes Schulz (ÖVP) und Heinz Szöky (SPÖ) dem Gemeindevorstand an.[7]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist 2007 Franz Vihanek (ÖVP). Bei der Bürgermeisterdirektwahl 2017 setzte er sich im ersten Wahlgang mit 50,97 % gegen seine beiden Konkurrenten Karl Helm (SPÖ, 4297 %) und Reinhard Reiter (Liste Gattendorf, 6,05 %) durch.[3] Vihaneks Vorgänger war Josef Kovacs (Liste Kovacs), der 2007 zurücktrat.

Vizebürgermeister ist Robert Kovacs (SPÖ).[7]

Amtsleiter ist Gregor Lengyel.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Helmer (1887–1963), Politiker, Innenminister Österreichs der Nachkriegszeit
  • Ervin Kovács (* 1943), ungarischer Unternehmer und Ehrenbürger der Stadt aufgrund besonderer Verdienste

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Derks: Die St. Anna-Kapelle bei Gattendorf. 2003
  • Klaus Derks: Der Stockwiesenkrieg in Gattendorf: zur Geschichte der Burgenländisch-Niederösterreichischen Landesgrenze. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 67/2005. Eisenstadt 2005, S. 1–24.
  • Verein zur Erforschung der Ortsgeschichte von Gattendorf [Hg.]: Gattendorfer Rückblicke. Ein historisches Kaleidoskop. Betrachtung der Geschichte Gattendorfs in einzelnen Themen. Verlag Klaus Derks. Erscheint jährlich: Band 1: 2005, Band 2: 2006, Band 3: 2007, Band 4: 2008, Band 5: 2009, Band 6: 2010, Band 7: 2011, Band 8 (Fotoband): 2012
  • Stefan Geosits: Ergebnisse der Volkszählungen 1900–1981. In: Stefan Geosits (Hg.): Die burgenländischen Kroaten im Wandel der Zeit. Edition Tusch, Wien 1986, S. 354–376. ISBN 3-85063-160-5.
  • Nikolaus Wilhelm-Stempin: Das Siedlungsgebiet der Burgenlandkroaten in Österreich, Ungarn, Mähren und der Slowakei. BoD. 2008. ISBN 978-3-8370-4278-8.
  • Erwin Pinter: „Die Geschichte über Gulasch“
  • Abschnitt „Die Partnergemeinden“ in „TÜPL Bruckneudorf - 150 Jahre Brucker Lager“ von Petra Weiß, Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 428/429

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gattendorf, Burgenland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jüdische Gemeinde Gattendorf, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 24. Februar 2015
  2. Geschichte der Juden im Burgenland, Webseite regiowiki.at, abgerufen am 24. Februar 2015
  3. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Gattendorf 2017 (abgerufen am 30. November 2017)
  4. Land Burgenland: Wahlergebnis Gattendorf 2012 (abgerufen am 30. November 2017)
  5. Land Burgenland: Wahlergebnis Gattendorf 2007 (abgerufen am 30. November 2017)
  6. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Gattendorf 2002 (abgerufen am 30. November 2017)
  7. a b Gemeinde Gattendorf: Gemeinderat (abgerufen am 30. November 2017)
  8. Gemeinde Gattendorf: Gemeindeverwaltung (abgerufen am 30. November 2017)