Gau Mecklenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gaue des Deutschen Reiches 1944

Der Gau Mecklenburg war auf Parteiebene seit 1925 die regionale Verwaltungseinheit der NSDAP, die bis zum 31. März 1937 (Groß-Hamburg-Gesetz) zusätzlich die Stadt Lübeck umfasste und Gau Mecklenburg-Lübeck hieß.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NSDAP verfügte seit dem 22. Mai 1926 offiziell über die reichsweite Gliederung in Parteigaue, die häufig der Struktur der Reichstagswahlkreise entsprach. Nach der Machtergreifung 1933 wurden die Gaue zunehmend auch zu staatlichen Verwaltungseinheiten. An der Spitze über den Kreisleitungen stand der von Adolf Hitler eingesetzte Gauleiter, der häufig zugleich Reichsstatthalter in den Ländern war. Er war zuständig für die Propaganda, Überwachung und im Krieg für immer mehr Aufgaben: als Reichsverteidigungskommissar u. a. für den Luftschutz, den Einsatz von Zwangsarbeitern und den Volkssturm. Für den Gau Mecklenburg-(Lübeck) hatte Friedrich Hildebrandt vom 22. März 1925 bis zum 8. Mai 1945 dieses Amt inne, nur acht Monate von Hitler beurlaubt zwischen Juli 1930 und Februar 1931 wegen seiner Nähe zu Otto Strasser. In dieser Zeit amtierte Herbert Albrecht, der nach dem Gewinn eines Reichstagsmandates freiwillig zurücktrat.[1] Auf der Staatsebene stand dem Parteigau das Land Mecklenburg gegenüber als eine Verwaltungseinheit im Deutschen Reich vom 1. Januar 1934 bis 1945, gebildet aus dem Freistaat Mecklenburg-Strelitz und dem Freistaat Mecklenburg-Schwerin. Siehe Geschichte Mecklenburgs.

Der Sitz der Gauleitung war in Schwerin im ehemaligen Staatsministerium (heute Staatskanzlei). In Lübeck setzte der Reichsstatthalter für Mecklenburg und Lübeck Hildebrandt als seinen Vertreter und Oberbürgermeister Otto-Heinrich Drechsler ein. Auch im Land Mecklenburg gab es einen vom Reichsstatthalter eingesetzten Ministerpräsidenten: bis Oktober 1934 Hans Egon Engell, danach Friedrich Scharf.

Hildebrandts Stellvertreter in der Gauleitung waren 1932/33 Drechsler, vom 1. Juni 1933 bis März 1935 Rudolf Schildmann und dann vom 1. April 1934 bis 1945 Gerd von Koerber. Der Gauinspekteur war Walter Unger, der 1933/34 noch im Gau die Hitlerjugend (HJ) geleitet hatte. Von 1936 bis 1940 nahm er ein Reichstagsmandat für den Wahlkreis 35 Mecklenburg wahr. Ihm ging seit 1933 zuvor Karl Seemann, der auch Gaufachberater für Landwirtschaft war und bis 1943 ein Mandat hatte. Es folgten noch der Propagandaleiter Fritz Montag bis zum Tod 1943 sowie der Polizeiführer Hans-Eugen Sommer. Einflussreich blieb auch der ehemalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin Walter Granzow, der im Gau Landwirtschaftlicher Fachberater blieb.

Gauwirtschaftsberater waren Hennecke von Plessen (1933–1942), der in die Arisierungen eingebunden war, und der DAF-Funktionär Fritz Montag (1942–1943). Eine Gauführerschule bestand in Schwerin zunächst im ehemaligen Hotel „Nordischer Hof“ (heute Finanzministerium), dann in einem Neubau (heute NDR-Landesfunkhaus). In der Gauleitung gab es verschiedene Ämter mit Koordinierungsaufgaben, so das Amt für Kommunalpolitik, das ab 1933 Friedrich Scharf, später Richard Crull, zugleich ab 1943 Oberbürgermeister in Schwerin, leitete, oder das Amt für Erzieher, das der Lehrer Rudolf Krüger (Politiker, 1898) 1936–1942 leitete, parallel als Gauwalter des NS-Lehrerbundes. Der Rostocker Germanist Willi Flemming leitete ab 1938 die Stelle für Büchereiwesen, Abteilung Volksbildung des Schulungsamtes der Gauleitung, womit er für die Zensur entscheidend wurde.

Schwerin wurde für eine Gauhauptstadt als zu klein empfunden. 1935 begannen Pläne zur Umgestaltung des Stadtzentrums. Der Bau zweier neuer städtischer Ringstraßen und einer neuen Trasse für die Lübecker Straße, die Verbreiterung der Wittenburger Straße und der Schloßstraße sowie die Errichtung monumentaler Gebäude gehörten dazu, ferner wurden 1936 mehrere Orte zwangsweise eingemeindet.

Nach dem großen Luftangriff auf Rostock im April 1942 wurde ein Gaueinsatzstab gebildet, um Rettungs- und Bergungsmaßnahmen zu koordinieren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Janke: Ein Buch mit den Namen der Kämpfer im Gau Mecklenburg-Lübeck aus dem Jahr 1935, in: Zeitgeschichte regional 17/2, Dezember 2013, S. 72–75
  • Mecklenburg im Zweiten Weltkrieg. Die Tagungen des Gauleiters Friedrich Hildebrandt mit den NS-Führungsgremien des Gaues Mecklenburg 1939-1945. Eine Edition der Sitzungsprotokolle, bearb. von Michael Buddrus, unter Mitarbeit von Sigrid Fritzlar und Karsten Schröder, Edition Temmen, Bremen 2009
  • Jürgen John, Horst Möller, Thomas Schaarschmidt (Hrsg.): Die NS-Gaue. Regionale Mittelinstanzen im zentralistischen „Führerstaat“. Oldenbourg, München 2007 ISBN 978-3-486-58086-0
  • Henrik Bispinck: Bildungsbürger in Demokratie und Diktatur: Lehrer an höheren Schulen in Mecklenburg 1918 bis 1961, Oldenbourg, München 2011 ISBN 978-3-48659804-9
  • Michael Buddrus mit Sigrid Fritzlar: Die Städte Mecklenburgs im Dritten Reich. Ein Handbuch zur Stadtentwicklung im Nationalsozialismus, ergänzt durch ein biographisches Lexikon der Bürgermeister, Stadträte und Ratsherren. Edition Temmen, Bremen 2011, ISBN 978-3-8378-4029-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Peter Hüttenberger: Die Gauleiter. Studie zum Wandel des Machtgefüges in der NSDAP, DVA, Stuttgart 1969, S. 54 teilweise online