Gauchheil

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Gauchheil
Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis)

Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Ordnung: Heidekrautartige (Ericales)
Familie: Primelgewächse (Primulaceae)
Unterfamilie: Myrsinengewächse (Myrsinoideae)
Gattung: Gauchheil
Wissenschaftlicher Name
Anagallis
L.

Als Gauchheil (Anagallis) bezeichnet man eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Myrsinengewächse (Myrsinoideae) innerhalb der Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Der botanische Name leitet sich von den griechischen Wörtern ana für wieder und agallein für schmücken ab und deutet darauf hin, dass Arten dieser Gattung in einem Jahr zwei blühende Generationen hervorbringen. Der deutsche Trivialname bezieht sich darauf, dass etwa der Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) früher zur Behandlung von Gauchen (= Geisteskranken) genutzt wurde.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anagallis-Arten wachsen als einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl und es sind meist Harzkanäle vorhanden. Sie bilden je nach Art Pfahlwurzeln oder nur Faserwurzeln. Die selbständig aufrechten oder aufsteigenden Stängel sind einfach oder verzweigt.[1]

Die gegenständig, wechselständig oder wirtelig am Stängel verteilten Laubblätter sind meist ungestielt. Die einfachen Blattspreiten sind eiförmig bis elliptisch oder lanzettlich mit meist gerundeter bis keilförmiger oder selten herzförmiger Spreitenbasis und spitzem bis stumpfem oder bespitztem oberen Ende. Die Blattflächen sind kahl. Der Blattrand ist meist glatt, selten winzig fein gekerbt und meist etwas nach unten eingerollt. Nebenblätter sind keine vorhanden.[1]

Blüten, Früchte und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gestielten oder ungestielten Blüten stehen meist einzeln in den Blattachseln der oberen Blätter. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und selten vier-, meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Farben der Kronblätter reichen von weiß über rosa- sowie lachsfarben bis rot oder blau. Die selten vier-, meist fünf grünen Kelchblätter sind nur kurz verwachsen und die Kelchlappen sind lanzettlich. Die selten vier-, meist fünf Kronblätter bis höchsten der Hälfte ihrer Länge stielteller-, bis fast rad- oder etwas glockenförmig verwachsen. Die Kronlappen sind am oberen Ende gerundet oder gestutzt. Es ist nur ein Staubblattkreis mit fünf oder selten vier Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind an ihrer Basis verwachsen.[1]

Die bei einem Durchmesser von 1 bis 7 Millimetern kugeligen Kapselfrüchte springen mit Deckel auf und enthalten 5 bis 45 Samen. Die dunkelbraunen bis rötlich-braunen Samen sind kantig mit papillöser bis wabenförmiger Samenschale.[1]

Chromosomensätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10 oder 11.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Anagallis wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 148 aufgestellt. Lectotypusart ist Anagallis arvensis L. Synonyme für Anagallis L. sind Centunculus L., Micropyxis Duby.[2]

Die Gattung Anagallis gehört zur Unterfamilie Myrsinoideae innerhalb der Familie Primulaceae und wurde früher in die Familie Myrsinaceae gestellt.[2] Beispielsweise nach U. Manns & Arne A. Anderberg: New combinations and names in Lysimachia (Myrsinaceae) for species of Anagallis, Pelletiera and Trientalis. In: Willdenowia, Band 39, 2009, S. 49–54 gehören die Anagallis-Arten zu Lysimachia L.. In der Flora of North America 2009 ist es aber noch eine eigenständige Gattung.[1]

Es gibt etwa 30 Anagallis-Arten. Hier eine Artenauswahl:[2]

Blauer Gauchheil (Anagallis foemina) mit gegenständigen Laubblättern
Leinblättriger Gauchheil (Anagallis monelli)
Zarter Gauchheil (Anagallis tenella)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Anita F. Cholewa: Anagallis, S. 305 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 8: Paeoniaceae to Ericaceae, Oxford University Press, New York und Oxford, 2009. ISBN 978-0-19-534026-6
  2. a b c d e f Anagallis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 12. Juni 2014.
  3. a b c d e f K. Marhold, 2011: Primulaceae.: Datenblatt Anagallis bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  4. a b Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  5. a b Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gauchheil (Anagallis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gauchheil – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen